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Das Saarland - Mythen und Sagen: Teil 24

Sagen und MythenVon den Quellen bis zur Mündung
Teil 24

Der schwarze Mann hinter dem Wagen

Einst, es war um die Mitte des 19. Jahrhunderts, herrschte in der Wackenmühle zu Püttlingen große Nachfrage nach Mehl, so dass die Müller gar nicht genug Getreide aus Püttlingen und dem Köllertale mehr beischaffen konnten. So fuhren sie dann frühmorgens in den Saarlouier Kreis, wo es noch reichlich Korn und Weizen zu kaufen gab.


Mit hochgeladenem Wagen kamen sie abends in der Dunkelheit heim. Wenn sie dann den Mühlenweg nach der alten Kreuzkapelle hinunter fuhren, schlich jedes mal ein großer, schwarzer Mann hinter dem Wagen her. Unhörbar ging er mit ihnen zur Köllerbachfurt nahe der Mühle, wo heute die Brücke gebaut ist.

Er hatte ein schwarzes Gericht, trug einen schwarzen Hut und schwarze Kleider. Oft ging er auch neben dem knarrenden Wagen her. Immer blieb er stumm und watete mit den Pferden durch den Bach, während der Müller und einer der ihn begleiteten Söhne während der Fahrt durch die Furt auf dem Wagen saßen.

Fuhren man dann in den Hof der Mühle ein, und sie brachte ein Licht heraus, um auszuspannen und abzuladen, so war der schwarze Mann verschwunden. War der Köllerbach angeschwollen, so kehrte er schon am Bache um und verschwand.

Der alte im Jahre 1940 verstorbene Schorr-Lui [vgl auch 'Die weiße Frau bei der Wackenmühle'] hat ihn als Junge noch sehr oft gesehen, wenn er mit seinem Vater auf Getreidankauf fuhr und spät abends an der Mühle, den Berg hinunter an der Wagenschraube hinterher ging. Er fürchtete sich dann sehr, und war froh, wenn der Geheimnisvolle gleich wieder verschwand, der ihm aber sonst nie etwas zu leide tat. Auch Schorr-Luis Vater und dessen Vorfahren sahen den schwarzen Mann schon oft. Sie erzählten es, als er selbst einmal davon berichtete.

Das Männlein in der Rammenfelsspalte
Wenn man von der Cloef  in das Saartal kommt, kann man auch die steilen Abhänge des Rammenfelsen bewundern, die besonders steil ins Tal gehen. Nach einem fast senkrechten Sturz des oberen Viertels führt eine Spalte waagerecht in das Gestein, dessen untere Plattform weiter vorspringt als der obere Teil des Grauwackenhanges. Am Rande der Platte jedoch stürzt der Fels fast wieder senkrecht in die Tiefe, in das Tal des Steinbachs.

Über diesem Steinbachtal liegt das Dorf  Nohn, am Rande der Hochfläche. Vom neunten römischen Meilenstein 'ad nonum lapidem' an der römischen Nebenstraße von Castell zur Hauptader Tier-Metz, soll es seinen Namen bekommen haben.

'Römergeheimnisse' umgeben diesen Ort, und so kann auch die Sage vom Männlein im Rammenfelsen -  dessen Name von den großen Raubvögeln stammen soll, die hier niesteten -  und seinen Schätzen, dem verborgenen Römergold, dass ihm seine Kameraden zugetragen hatten, entstanden sein.

Das schatzhütende Männlein wollte schon viele Nohner damals gesehen haben. So wollten dann auch drei Männer aus Orschholz, ein Dachdecker und zwei Zimmermänner – für diesen Job muss man schwindelfrei sein, was ja für die Aktion wichtig war – das Gold des Männlein, das sie aus der Tiefe hatten aufleuchten sehen, in ihren Besitz bringen.

Also ließ sich der Dachdecker an einem kräftigen Seil zu der Spalte hinab und traf auch das Männchen. Er verlangte, dass es den Schatz herausgeben sollte, doch das Männlein weigerte sich natürlich, was zu einem heftigen Streit führte.

Schimpfend und mit dem Fuß aufstampfend zog sich der Zwerg in seine Spalte zurück, gefolgt von dem Dachdecker.

Als nun die beiden Zimmermänner in der Höhe den immer lauter werdenden Streit hörten, banden sie das Seil an einem Felsblock fest und wollten hirem Freund zu Hilfe eilen. Doch als sie sich das Seil herab ließen, riss dieses unter dem Gewicht der beiden Männer und sie stürzten an den Streitenden vorbei in die Tiefe.

Der Dachdecker eilte vor Erschrecken über dieses Geschehnis an den Rand des Felsens, um  ihnen nachzusehen. Das Männlein nutzte diesen Augenblick der Verwirrung und stieß den Dachdecker in die Tiefe, wo er ebenfalls im steinigen Bachbett zu Tode kam.

Seit diesem Tag hat es niemand mehr gewagt, den schatzhütenden Kobold im Rammenfels zu stören. Und so wird der Schatz wohl noch immer dort liegen.

Der Mann mit der Weißen 'Zippelkapp' und die Geisterkutschen
Vor vielen, vielen Jahren sah man des Nachts bei Eyweiler / Euweiler (heute Eiweiler, Ortsteil von  Heusweiler), in der Nähe des Weyerer Waldes auf einer Mauer oft einen schwarzen Mann, der eine weisse 'Zippelskapp' auf dem Kopf hatte. Ein Mann ging einmal von einem Begräbnis von Weyher durch den Wald nach Eyweiler heim. Als er an der Mauer vorbeikam rief ihm der schwarze Mann zu: "Nimm mich mit und trag mich heim!" Er ging aber vorüber, ohne sich um ihn zu bekümmern. Bald darauf begegnete ihm eine Kutsche, vor die ein weißes Pferd gespannt war. Es blieb vor ihm stehen, als ob er sich hineinsetzen sollte. Er tat es aber nicht. So begegneten ihm noch 30 Kutschen nacheinander. Die letzte war ganz feurig. Und darin saß der schwarze Mann mit der weißen Zipfelmütze.

Auch sonst zeigte sich bei Eyweiler ein schwarzer Mann in einem Feldweg, der vom Großwald her gegen das Dorf führte. Kam jemand in seine Nähe, so spie er Feuer aus. Und als der Förster in Begleitung von vier starken Männern einmal weit hinten im Wald von Eyweiler auf Baumfrevler aufpasste, hörten sie um Mitternacht plötzlich ein furchtbares Gepolter und sahen die 'Schneis' eine große Kutsche mit zwei Rappen herunterkommen. Auch darin saß wieder ein schwarzer Mann mit feurigen Augen, und im Galopp sprengten die Rappen an ihnen vorbei. Da war auf einmal nur noch die Kutsche zu sehen. Der feurige Mann und die Pferde aber waren verschwunden.

Die gespenstische Milchpanscherin
In der katholischen Kirchgasse in St. Johann (heutiger Ortsteil von Saarbrücken), im zweiten Haus neben der Kirche, lebte einst die Frau eines wohlhabenden Bierbrauers, die auch eine große Milchwirtschaft betrieb. Beim Verkauf der Milch soll sie es aber nicht so genau genommen haben und oft mit Wasser gemischt haben. Zur Strafe musste sie dann auf der großen St. Johanner Bleiche (der ehemalige Schlachthofplatz und Umgebung) nach ihrem Tode umgehen. Dabei muss sie immer die Worte "1/2 Schoppe Wasse und 1/2 Schoppe Milch gibt auch a Schoppe Milch" wiederholen

Die Mithrasgrotte
Die Mithrasgrotte am Westhang des Halbergs ist eine der ältesten historischen Stätten im Umkreis von Saarbrücken. Im 3. Jahrhundert n. Chr. legten Bewohner der römischen Siedlung, die sich damals unterhalb des Halbergs erstreckte, in einer natürlichen Höhle eine Kultstätte an, die dem Mithras, geweiht war, dem griechisch-römischen Gott persischen Ursprungs. Die Höhle wurde zu einer dreischiffigen Anlage mit tiefergelegenem Mittelteil ausgebaut, die sich heute noch erkennen lässt. Die Seitenschiffe waren durch Säulen abgesetzt, worauf die nachgebildeten Säulen hindeuten. Da der Kultraum vom Tageslicht abgesondert sein musste, wird angenommen, dass die Höhle durch einen hölzernen Vorbau abgeschlossen wurde.

Lange Zeit war man der Ansicht, dass der in Europa und Kleinasien praktizierte Mithraskult lediglich eine Übernahme der Religion des persischen Krieger-Adels durch römische Legionäre und Kaufleute darstelle. Nach neuesten Erkenntnissen verbirgt sich hingegen hinter diesem Mysterienkult eine komplexe Astralreligion, die zwar Bezüge zum persischen Licht- und Sonnengott Mithras aufweist, aber offenbar in der antiken Stadt Tarsos 'erfunden' wurde. Dank der Förderung durch die römischen Kaiser war die Mithrasreligion im 3. Jahrhundert im gesamten Römischen Reich verbreitet.

Einer Legende nach soll dann um 600 n. Chr. der Metzer Bischof Arnualdus, dem die Gründung des Stifts St. Arnual zugeschrieben wird, in der Höhle eine Einsiedelei begründet haben. Außer der Scherbe eines gläsernen Bechers gibt es jedoch am Halberg keine Funde aus dem Mittelalter.
Zahlreiche Spuren deuten hingegen auf eine Einsiedelei mit Wallfahrtstätte im 15. Jahrhundert hin. Vielleicht wurde in der Grotte der inzwischen heilige Arnualdus verehrt.

Auf die Wallfahrtstätte gehen die Nischen am Ende der Höhle zurück. Möglicherweise wurde damals auch die Treppe auf der linken Außenseite als Aufgang zu einer hölzernen Kanzel angelegt. Die flachen Nischen in der Grotte und an den Außenwänden entstanden erst im 18. Jahrhundert bei der Erweiterung des Schlossparks auf dem Halberg, als die 'Heidenkapelle' wiederentdeckt wurde. Sie dienten zur Ausschmückung des Platzes mit Skulpturen.

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