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Das Saarland - Mythen und Sagen: Teil 22

Sagen und MythenVon den Quellen bis zur Mündung
Teil 22

Der Kandelbrunnen
An der Straße von Schöneck nach Gersweiler liegt rechts ein uralter Brunnen, Kandelbrunnen genannt. Man nimmt an, dass er bereits in römischer Zeit benutzt wurde. Aus ihm kamen seit Urzeiten die kleinen Gersweiler Kinder. Noch älter als er, wird im Stadtgebiet von Saarbrücken das so stark sagenumwitterte Wallerbrünnchen sein, aus dem die kleinen St. Arnualer Erdenbürger kamen und das allem Anschein nach einmal ein heiliger Born war.


Die städtischen Kinder indessen lieferten treulich der Hergottsbrunnen in der Obergasse von Saarbrücken und der so kunstreichen 'Große Brunnen' auf dem St. Johanner Markt.

Der Hochwälder Knecht zu Palzerm
Ein reicher Bauer zu Palzem, den noch vielen Leute gekannt haben, hatte einen Knecht drüben aus dem Wald- und Saarland, der allerlei Unfug trieb. Dabei war er träge wie ein Hund und mochte lieber am Tag in der warmen Sonne liegen, als am Pflug seine Arbeit erledigen. Das übrige Gesinde musste die Arbeit des liederlichen Gesellen mit erledigen, denn sie fürchteten sich vor dem unheimlichen Wesen des Waldländers.

Doch die allgemeine Unzufriedenheit der Mägde und Knechte konnte dem Bauern nicht lange verborgen bleiben. Er rief den Knecht zu sich und führte, mit strengem Ton,  ein sehr langes Gespräch mit diesem. Dann zahlte er ihm den Rest des vereinbarten Lohnes aus und jagte ihn aus dem Hause.
Vor der Tür wandte sich der Knecht noch einmal um, ballte zornig die Faust, und schrie: "Unheil über dieses Haus! Viel besser geschähe Euch, wenn Ihr mir länger meinen Lohn auszahlet!". Nach diesem Fluch ging der Knecht trotzig seiner Wege.

Der Knecht war kaum acht Tage fort, da begann im ganzen Haus ein unheimliches Hämmern und Klappern. Schwere Steine und leblose Dinge fielen mit Gepolter auf die Fußböden, Kieselsteine und Menschengebeine rollten munter die Treppe herunter. Kein Mensch wollte mehr im Haus bleiben, und sogar das Vieh in den Ställen brüllte und riss wütend an den Ketten. Der Bauer verlor sämtliches Gesinde. In seiner Verzweiflung eilte er zum Pfarrer und beschwor ihn, ihm gegen den Unhold zu helfen. Nach einigem Widerstreben erklärte er sich bereit und zwang den Täter, sich erkennen zu geben. Von der Stunde an hörte der Unfug im Haus auf. Der Täter aber war niemand anderes als der Knecht aus dem Waldland.

Das schwarze Kreuz
Auf einer Burg zu Bliesmengen, diesseits der Blies und auf der Frauenburg ob dem lothringischen Dorf Frauenberg jenseits des Flusses wohnten einst mächtige Ritter.

Zwei Söhne des Mengener Geschlechts wollten die schöne und reiche Grafentochter von der nahen Frauenburg zur Gemahlin haben. Sie reichte dem älteren Bruder die Hand fürs Leben. Seitdem hasste der Jüngeren den Glücklichen und trachtete ihm nach dem Leben.

Eines Tage ging der ältere Bruder von der Jagd nach Hause. Müde setzte er sich unter einen alten Baum, in dessen Nähe ein munteres Bächlein den Kalkfelsen herunterstürzte, und schlief ein.

Nicht lange danach kam der Jüngere hier vorbei.  Als er seinen schlafenden Bruder erblickte, wurde der alte Hass in ihm wach. Schnell rannte er auf die väterliche Burg, holte einen Speer und durchbohrte damit des Bruders Herz.

Der Mörder ging hierauf in die Fremde, fand aber nirgends Ruhe. Immer glaubte er, sein erstochenen Bruder würde hinter ihm stehen.
Die Leiche des Ermordeten aber setzte an der Unglücksstelle bei, der Speer – also die Mordwaffe – wurde ins Grab gelegt und auf dem Grabhügel ein schwarzes Kreuz errichtet.

Viele Jahre gingen dahin! Niemand in der Gegend dachte mehr an die Freveltat und den Brudermörder.

Da, in einer stürmischen Herbstnacht, um Allerseelen, hörten die Leute im oberen Bliesmengen ein fürchterliches Geschrei. Es kam vom schwarzen kreuze her. Am nächsten Morgen fand man dort eine Leiche mit einem rostigen Speer in der Brust. Alte Leute erkannten den Leichnam als den des Brudermörders. Der kehrte nämlich in jener Nacht aus der Fremde heim und kniete – von Reue gepackt - am Grabe nieder, um zu beten. Da kam der Geist des Getöteten, hob den Speer aus dem Grabe und tötete mit derselben Waffe, am gleichen Ort und auf die gleiche Weise den Brudermörder.

Der Kugelgeist am Saarbrücker Schanzenberg
Ein alte Gersweiler Frau mit Namen Ottil arbeitet tagsüber in Saarbrücken. Sie ging, wie man es früher allseits machte, den Weg am Engenberg vorbei. An den Eisweihern (da ist heute das Messegelände) sah sie plötzlich eine weiß gekleidete Gestalt vor sich. Sie fürchtete sich sehr. Da sie aber wissen wollte, was das wirklich wäre, ging sie etwas schneller. Trotzdem kam sie der Gestalt nicht näher. Na dem Passieren der Eisenbahnbrücke wurde dieses 'Etwas' immer kleiner und verschwand als schnell laufende Kugel im Dryander'schen Gebäude neben dem Sensenwerk.

Die feurige Kutsche vom Sinzer Berg
Viele alten Leute behaupteten vor mehren Jahren (um 1870) sei noch jede Nacht eine feurige Kutsche mit feurigen Pferden, feurigen Insassen und einem feurigen Kutscher vom Sinzer Berg bei Nennig zur Mosel herabgekommen.

Einst saß ein alter Fischer an der Mosel und fischte. Da kam die feurige Kutsche heran geflogen. Der Kutscher schwenkte die feurige Peitsche, dass die Funken bis in die Mitte der Mosel flogen. Nicht einen einzigen Fisch konnte der Fischer mehr fangen. Da ward er unwillig, nahm einen Feuerstein, um seine Pfeife anzuzünden, und stieß einen derben Fluch aus. Sobald er Feuer geschlagen, verschwand alles. Von dieser nächtlichen Feuerkutsche, deren Überlieferung noch recht lebendig war, hieß es anderwärtig auch, dass sie vom jenseitigen Moselufer im heutigen Saarland herkäme, über das 'rote Haus' und dann über die Mosel in die Richtung auf Remich nach Luxemburg zuflöge

Die Kornfrau
Einst gingen Püttlinger Kinder hinauf auf den Galgenberg, um weit hinter der Römerstraße in den großen Getreidefluren Kornblumen zu pflücken. Mann wollte sie zu Sträußen winden, um sie daheim aufs Fensterbrett oder auf den Marienaltar der alten Kirche zu stellen. (So lange ist das schon her, al es nämlich nur eine, die alte Kirche gab.) Auch gedachte sie Kornblumen zu dörren, und Tee gegen den blauen Husten herzustellen. Es war also ein löbliches Tun, das dazu den Kindern Freude machte, War es doch an sich schon herrlich, um die Mittagsstunde über das schöne, stille Feld zu schreiten. Die Bauersleut waren zudem alle heim um zu Mittag zu essen, sogar der alte Flurschütz war nicht zu sehen, so dass weit und breit niemand ihr Tun gewahrte.

Die Sonne brannte heiß auf das gelblfahle Korn. Es war die Zeit der Konreife. Das Korn stand still, so als lauschte es. Nicht der leiseste Lüftchen regte sich.

Was aber kümmerte die Kinder das Lauschen des Kornes oder die Mahnungen der Lehrer und Geistlichen in der Schule, niemals das Korn zu verunehren (schänden). Was machten sie sich aus dem Verbot der Mutter und der Warnung der Großmutter, nur ja nicht Mittags, wenn niemand auf dem Felde war, vom Weg abzuweichen und ins reife Korn zu gehen. Mit jedem Halm den sie knicken würden, täten sie ja Gott weh.

Die Kinder lachten darüber und meinten, das täte Gott nicht weh und es gäbe auch keine Kornfrau. Lachend, spielend und jauchzend gingen sie in das hohe goldgelbe Korn. Der Kleinste aber blieb auf dem Wege und sagte ängstlich: "O weh, der Wolf schleicht im Korn herum!"

Tatsächlich rauschte das Korn plötzlich. Es raschelte, knackte, als ob jemand daher käme. Und das Korn schlug Wogen von Halm zu Halm, soweit das Auge sehen konnte. Doch die Kinder spielten unverdrossen weiter im Korn.

"Es ist nicht der Wolf!" sagte der größte Bub, "es ist nur der Wind!" Dann begannen sie zu die lieblichen, blauen Kornblumen zu pflücken, bis jedes Kind einen dicken Strauß hatte. Sie spielten so wunderschön, zertraten und knickten und rupften dabei so manche Brotähre, dass es Gott leid  tat. Die Unseligen - für sie hatte er doch all das Ährengold wachsen lassen!

Grad läuteten die Mittagsglocken im Köllertal, ganz sicher fühlten sich die Buben und Mädchen, ganz ungestört spielten sie weiter. Richtige Pfade traten sie, so als ein Rudel Wölfen hindurch gelaufen. Dazu rief der Kleine im Wege: "Oh weh, wenn die Kornfrau kommt!"

"Pahhh", erwiderte da der Größte, "ist ja alles nur Geschwätz deiner Gros (Oma). Komm, spiel' mit!" Da spielte auch der Kleinste mit, und niemand passte mehr auf die Kornfrau und den Wolf auf. Da schlich von weither etwas durch das Korn. Der Wolf war es nicht! Immer näher und näher bewegte sich die Ähren. Ganz leise schlich jemand heran, doch kein Halm knickte, keiner wurde zertreten.

Ja, die Kornfrau hatte die Wehschreie der Ähren vernommen und war plötzlich da, denn sie ist überall zur Stelle wo kein Schütz (Wachmann) wachte, und böse Menschen das Brot zertreten.

Die Kornfrau, die nun vor den Kindern stand, war uralt. Sie weiße Haare und gestrenge Augen. Dabei war sie von hünenhaftem Wuchse. In einem Sack sammelte sie alle zertretene Ähren. Die Kinder wollten schreiend davon laufen, doch wie gelähmt standen sie da und harrten stumm ihrer Strafe. Nur der Kleine konnte und durfte heim laufen. "Fürchte dich nicht", rief die Alte ihn nach, "du hast dem Korn ja nicht weh getan..." Doch die anderen Kinder schlug sie ganz erbärmlich mit ihrem Knotenstock, dann trieb sie sie tief in den Sprenger Wald, wo sich sich verirrten. Die Kornfrau jedoch wandelte wieder weiter durch das Korn.

Am Abend gingen die Eltern der Kinder in den dunklen Forst auf die Suche. Auch sie schalten und straften die Kinder, als sie diese endlich fanden. "Auch jetzt ist die alte Kornfrau da und wacht, dass unser neues Brot ungestört wachsen kann", sagt die Gros. Die Kinder wussten fortan, dass die Kornfrau die heimatlichen Brotfelder bewachte, dass sie warnt und schützt, aber auch unnachsichtig bestraft.

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