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Das Saarland - Mythen und Sagen: Teil 21

Sagen und MythenVon den Quellen bis zur Mündung
Teil 21

Der Kaltenstein
Durch die Jahrhunderte gilt der 'Kaltenstein', der im Hoxberger Wald bei Lebach zu finden ist, schon als Ort der Sagen und Legenden. Ein Mythos berichtet von einem kostbaren Goldschatz, den die Kaltensteiner Zwerge hüten sollen. Denn als die Ära des alten Glaubens zu Ende ging, und die die heidnischen Völker vor dem Christentum immer mehr zurück wichen, brachten die keltischen Druiden die große Schätze in Sicherheit.


Sie versteckten sie unter den Steinblöcken auf dem Hoxberg, dem so genannten Kaltenstein. Seither wacht ein unter dem Hoxberg lebendes Zwergenvolk über den großen Schatz der Kelten.
Die Legende berichtet, dass jedes Jahr in der ersten Mainacht die Zwerge ihre unterirdische Welt verlassen und ein Freudenfest feiern.

Auch sonst immer um Mitternacht kommen sie aus dem Inneren des Berges hervor, um den oberen Steinblock der Kaltensteingruppe auf dem unteren einmal um die eigene Achse zu drehen.
Es heißt eines Tagen, wenn die Glocken der heiligen Dreifaltigkeitskirche in Lebach an Karfreitag von alleine läuten zu beginnen. Dann werden sich die großen Steine dreimal um ihre Achse drehen, die Berghöhle wird sich öffnen und die Kaltensteiner Zwerge werden die geheimen Schätze wieder den Menschen übergeben.

Die gespenstigen Katzen der Limbacher Holzmühle
Etwas abseits von der Straße Schmelz-Tholey lag die Limbacher Holzmühle. Da hatte vor langer Zeit der Müller einen Knecht, der musste nachts die Mühle beaufsichtigen. Jedsesmal, wenn der Mühlenentrichter leer war, läutete eine Glocke 'Bring-bring!' und der Knecht musste den Trichter wieder mit Korn füllen. Der Müllerknecht saß also nachts in der Küche und horchte auf die Glocke.
Einmal war er in der Ofenecke eingeschlafen und morgens fand man ihn tot auf seinem Stuhl. Eine Todesursache konnte man nicht feststellen.

Nun ging der Müller in die Eifel und suchte nach einem neuen Knecht, denn in der Umgebung fand er keinen mehr.

Die Leute warnten den neuen Knecht, aber der hatte keine Angst. Er setzte sich abends in die Ofenecke, stellte eine Axt neben sich und tat so als ob er schliefe. Mitten in der Nacht hörte er es krabbeln. Durch die ausgetretene Türschwelle kamen Katzen herein – eine, zwei, drei... sechs Stück. Sie gingen in der Küche umher, setzten sich unter den Ofen und stierten den Knecht an.

"Er 'bäfft' (schläft)", sagte die eine. "Er bäfft nidd", sagte die andere. "Jetzt ist es aber Zeit", rief der Knecht, sprang auf und traf mit seiner Axt eine der Katzen. In diesem Moment fällt eine Frau hin. Die fünf anderen Katzen entkommen.

Am nächsten Morgen fragte der Müller: "Wo ist meine Frau?" Da erzählte der Knecht, was in der Nacht geschehen ist. Und wirklich lag die Frau mit gebrochenen Rippen am Boden.

"Wo ist die Axt?", rief der Müller, "ich schlage sie tot!" Der Knecht hielt ihn zurück. Man holte den Pastor und die Frau beichtete. Aber sie erhielt erst die Lossprechung, nachdem sie die anderen fünf Katzen verraten hatte. Die fünf Frauen mussten in die Mühle kommen und versprechen, sich nie mehr zu verwandeln.

Der alte Keller zu Gresaubach
Nördlich von Gresaubach liegt eine Anhöhe, die auf den Flurkarten 'Im Keller' bezeichnet wird. Hier sollen eins Ritter gewohnt und dort soll einmal deren Burg gestanden haben. Vor vielen Jahren wurde hier ein tiefes, kellerartiges Gewölbe entdeckt, daher der Flurname.

Seither wurde auch schon oft von Gresaubacher Leuten nach Schätzen hier gegraben - zum letzten Mal im ersten Weltkrieg.

Vom Keller aus führen noch heute unterirdische Gänge nach der Schaumberg, nach Burg Kerpen und nach Schloss La Motte. Jedoch weiß man ihre verschütteten Eingänge nicht mehr.

Das spukhafte Kettengerassel im Langenfelderhof
Während der Zeit, da der Langenfelderhof bei St. Wendel noch im Besitz der Familie Cetto war, spukte dort nächtens ein Geist, der durch die Ställe raste, mit den Ketten rasselte und einen schauerlichen Lärm machte, das die Pferde ausschlugen und schnauften, das Rindvieh an den Ketten riss, die Hofhunde ihre Schwänze einzogen und sich in den Winkeln verkrochen, oder das Haar sträubten und wütend bellten. Von den Knechten wagte es keiner, in der Geisterstunde die Ställe zu betreten. Der unheimliche Geist hinterließ einen Schwefelgestank, so das die Knechte oft darüber stritten, wer der Geist wäre. Einige meinten es wäre der leibhaftige Teufel, andere waren der Meinung, es wäre der frühere Gutsherr, der bis zum Jüngsten Tag umgehen müsse, weil er zu seinen Lebzeiten seine Untergebenen schlecht behandelt habe.

Klagendes Wild
Um die Mitte des 17. Jahrhunderts lebte in Hüttersdorf ein Förster, dem der Schutz und die Pflege des Wildes mehr am Herzen lag, als seinen Vorgängern. Deshalb war er mit unerbittlicher Strenge hinter den Wilddieben her. Das merkten und wussten die Tiere des Waldes recht gut. Im Winter, wenn das Grün der Wälder, Fluren und Felder mit Eis und Schnee bedeckt waren, und die Tiere nicht genug Futter fanden, dann kamen sie vor das Wohnhaus des Försters und fraßen ihm aus der Hand.

Den Wilddieben war er aber ein Dorn im Augen. Eines Tages machte der Förster seine Reviergang durch den Wald, der sich rechts der Prims, nicht weit vom Weg von Hüttersdorf nach Köprich, über die Höhen erstreckte. In diesem Walde hielt sich der gefährlichste aller Wilderer verborgen und lauerte dem Förster auf. Als der in seine Nähe kam, sprang er aus seinem Hinterhalt hervor , überfiel ihn rücklinks und ermordete ihn. Um die Spuren der Tat zu verwischen, schleppte er den Leichnam des Förster über den Homerich bis in das Wiesenthal  'Rinker', und verscharrte ihn hier in einer unheimlichen Schlucht, die seit diesem grauenvollem Tage im Volksmund 'Jeärschgreät' genannt wurde. Der Mörder des Fösters endete auf dem Scheiterhaufen. Sein Geist aber soll auf ewig verdammt sein, und als blutübertriefende Gestalt in der gruseligen Schlucht 'Jeärschgreät' umherirren.

Die Tiere des Waldes aber sollen bis zum heutigen Tage um den schmerzlichen Verlust des Försters, ihrem besten Freund, trauern und nachts lautes Klagegeheul anstimmen.

Der rollende Kleiderschrank

Vom sagenumwobenen Karlshübel (Karlshügel) in Püttlingen mit seinem vergrabenen Schatz (vgl: Der in der Schwedenzeit vergrabene Schatz auf dem Karlshübel), von dem in der Geisterstunde einst eine große weiße Dame herunter schritt, rollte einmal auch der gespenstige Kleiderschrank zu Tal.

Und so soll es damals gewesen sein: In der mittleren Marktstraße in Püttlingen, wo heute (Stand 1955) das ehemalige Kohlhaassche Haus steht, wurde Mitte des  19. Jahrhunderts viele Jahre lang, nach Schlag 12 auf der alten Bergkirche, jede Nacht von Vorübergehenden ein großer Kleiderschrank gesehen oder gehört, der von Karlhübel heranrollte und dort, wo nun  das Kolhaassche Haus steht,  liegenblieb. Die Menschen liefen immer was sie nur laufen konnten und fanden bei Nachsehen am nächsten Morgen niemals etwas vor. Mit Erbauung des Hauses jedoch hörte der seltsame Spuk auf.

Der Klumpen auf dem Buckel
Im Jahre 1890 ging Jakob Sommer aus Engelfangen (heute ein Orteil von Köllerbach) einmal nachts außergewöhnlich spät vom Freien (Brautwerbung) nach Hause. Voller selige Gedanken (er schwebte im 7. Himmel) über sein Mädchen und die bald bevorstehende Hochzeit, dachte er an nichts Böses. Er schritt ahnungslos seinen Weg. In der Nähe von Buchen Haus aber sprang auf einmal etwas doppelzentner Schweres aus den Hecken direkt auf seinen Buckel. Fast wäre Sommer dabei zusammengebrochen. Mit aller Kraft hielt er sich aufrecht. Er begann zu schütteln und rütteln, damit der schwere Klumpen von ihm abfallen sollte, aber die hing wie angegossen an ihm und wich nicht von der Stelle. Er schien fast schwerer wie Blei zu sein. Sehen und spüren konnte der arme Mann nicht, er empfand nur die drückende Last.

Es blieb ihm nichts anderes übrig, als die schwere Last mit nach Hause zu tragen. Vielleicht würde er da Hilfe bekommen. Darum wankte und schwankte, schlotterte und prustete Jakob Sommer keuchend weiter. Noch über hundert Meter weit trug er den Klumpen auf seinem Rücken. Endlich kam die elterliche Haustür. Er nahm den Schlüssel und wollte aufsperren, aber die Last drückte immer schwerer, so dass Sommer das Schlüsselloch nicht traf. Erst nach einer angstvollen halben Stunde, die ihm wie die Ewigkeit vorkam, konnte er die Tür öffnen. Jetzt verschwand der Klumpen auf seinem Rücken urplötzlich, so als hätte es ihn niemals gegeben.

In der Folgezeit kehrte der Engelfanger dann auch stets bei Zeiten vom Freien heim, und um Buchen Haus machte er sicherheitshalber einen großen Bogen, und ging eilig an der Hecke vorbei. Er wollt diesen Klumpen nicht noch einmal nach Hause schleppen müssen!
[Anmerkung: Da unter napoleonischem Einfluss um 1810 der Zentner auf  50  kg umgestellt wurde, betrugt damals 1 Doppelzentner 100 kg]

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