Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Geister, Götter und Dämonen - Die philiippinsche Mythologie (Teil 3)

Geister Götter und DämonenGeister, Götter und Dämonen
Die philippinische Mythologie
Teil 3

Wenden wir uns dieses Mal der Schöpfungsgeschichte der Philippinischen Mytholgie zu.  Es gibt viele unterschiedliche Schöpfungsgeschichten, die aus vielen verschiedenen ethnischen Gruppen stammen, in der philippinischen Mythologie. Und nicht wenigen von ihnen liegt ein Dreischicht-Modell der Welt zugrunde. Am Anfang war das Nichts, heißt es in der Bibel und in der Edda der nordischen Götterwelt herrscht das ‚gähnende Nichts‘. In den Philippinen Mythen wird der Urzustand jedoch wie folgt beschrieben: 

  • Es gibt eine Himmelswelt mit Göttern, denen manchmal auch ein oberster Gott wie der Weltschöpfergott Bathala, der Schöpfergott Maknongan oder der Himmelsgott Captan vorsteht.
  • Es folgt eine See- oder Erdwelt und - weniger häufig - eine Unterwelt mit bestimmten Repräsentanten.

In manchen Erzählungen, sind die Menschen schon vorhanden, in anderen werden sie erst erschaffen. Wichtig ist, diese Welten sind auch räumlich eng aufeinander bezogen und stehen in ständiger Interaktion. Die Geschichte wie die Welt erschaffen wurde, ist eine Geschichte in der sich die Nachfahren der Götter, so wie auch die Sterblichen, gegen die obersten Götter erheben, um an ihrer Macht teilzuhaben - oder sie zu entmachten. Diese Umsturzversuche scheitern zwar immer [im Gegensatz zu Zeus gegen die Titanen, Odin gegen Ymir usw...], haben aber die Geburt von Sonne, Mond und Sternen zu folge. Außerdem enstehen neue Menschenrassen als Nebeneffekt.
Hier nun in gekürzter Form verschieden Erzählungen, die immer einer zweigeteilten Welt aus Himmel und Wasser beginnen.


Legende der Visaya:
Einst existierten nur eine Himmels- und eine Wasserwelt – es gab weder Land, noch Sonne, Mond oder Sterne. Der große Gott Captan war Herrscher der Himmelswelt,und die Gott Maguayan beherrschte das Königreich des Wassers.  Captan hatte einen Sohn mit Namen Lihangin („Wind“)und Maguayan eine Tochter mit Namen Lidagat („Meer“). Die beiden Götter kamen überein ihre Kinder zu verheiraten, so dass das Meer nun die Braut des Windes wurde. Dem Ehepaar wurden drei Söhne und eine Tochter geboren.  Der erste Sohn Licalibutan hatte einen Körper wie ein Fels und galt als stark und mutig. Der zweite Sohn Liadlao war aus Gold geformt und immer glücklich.  Der dritte Sohn Libulan hatte einen Körper aus Kupfer, er war schwächlich und schüchtern. Der Körper der schönen, sanften Tochter Lisuga bestand aus reinem Silber.
Zunächst lebten alle in bester Harmonie.
Da starb Lihangin und überließ die Macht über die Winde seinem ältesten und kräftigsten Sohn Licalibutan. Kurze Zeit darauf starb auch Lidagat, so dass die Kinder waren nun Waisen waren.Jedoch kümmerten ihre Großväter, Captan und Maguayan, um sie und schützten sie von allem Übel.
Stolz darauf das er nun die Winde beherrschte, strebte Licalibutan nach noch mehr Macht. Er fragte seine Brüder, ob sie bei einem Angriff auf den obersten Himmelsgott Captan mitmachen würden. Zuerst lehnten sie ab, aber als Likalibutan nicht locker ließ schloss sich ihm sein Bruder Liadlao, der ihn nicht beleidgten wollte, an. Zusammen überzeugten sie den schüchternen Libulan sich ebenfalls dem Plan anzuschließen. Sie begaben sich zum Himmer hinauf, doch das große, stählerne Himmelstor konnten sie nicht öffnen. Erst als Licalibutan alle Winde der Welt gegen das Tor warf zerbrach dieses.
Ein erboster Himmelsgott Captan erwartete sie schon, und sein Gesicht war so voller Wut und Ärger verzerrt, dass sich die drei Götter voller Panik umdrehten und davonliefen. Aber Captan, wütend über die Zerstörung seines Himmelstores, warf ihnen drei Blitze mit schrecklichen Folgen nach:
Der kupferne Libulan schmolz zu einem Ball, der goldene Liadlao floss dahin, und der Felskörper von Licalibutan zerbrach in viele Teile, die in die See fielen. Seine zerbrochenen Körperteile wurden zu den Landmasse der Philippinen.
Die zurückgelassene Lisuga vermisste derweilen ihre Brüder und ging zum Himmel, um sie zu suchen. Aber während sie sich dem zerstörten Himmelstor näherte, warf der noch vor Zorn blinde Captan einen Blitz nach ihr. Lisugas silberner Körper brach in tausenden Stücke und fiel ins Meer.
Captan begab sich nach unten zum Königreich des Wassers und beschuldigte zunächst Maguayan, er hätte den Angriff angezettelt. Dieser verneint jedoch, er hätte zum Zeitpunkt des Angriffs tief in der See geschlafen. Es gelingt ihm Captan zu beruhigen.  Beide bedauern schließlich den Tod ihrer Enkel, doch selbst diesen mächtigen Göttern hatten nicht die Macht die Enkel wieder zum Leben zu erwecken.
Doch sie formten die zerstörten Köper um, und gaben ihnen ein ewig scheinendes Licht. So wurde der goldene Liadlao zur Sonne, der kupferne Libulan zum Mond, und die silbernen Stücke von Lisuga verwandelten sich in viele glänzende Sterne. Licalibutan jedoch bekam kein Licht von seinen Großvätern. Er sollte zum Stammvater einer neuen Menschenrasse werden.
Der Himmelsgott Captan gab dem Wassergott Maguayan ein Samenkorn des Bambusbaumes mit, das dieser in die Erde des, aus Licalibutans Körper, neu entstandenen Landes pflanzte. Aus den Schösslingen des Bambusbaumes wurde ein Mann („Sicalac“) und eine Frau („Sicabay“) geboren. Sie bekamen Kinder.
Der erste Kind, ein Sohn, hieß Kibo. Das zweite Kind, eine Tochter, Saman. Das dritte Kind, ein Sohn, bekam den Namen Pandaguan.  Pandaguan hatte später einen Sohn mit Namen Arion.
Eines Tages fängt Pandaguan einen riesigen Hai. An Land gezogen, sieht er so groß und mächtig aus, dass er von Pandaguan für einen Gott gehalten wurde. Er fordert die Bevölkerung auf, dem Hai göttliche Ehren zu erweisen. Das wiederum rief die Götter auf den Plan. Sie entsteigen Himmel und See und fordern Pandaguan auf, den Hai in die See zurückzuwerfen, und nur sie, die echten göttlichen Wesen, zu verehren. Doch Pandaguan lässt sich nicht einschüchtern. Hatte er nicht einen gottgroßen Hai bezwungen? Wenn dem so war, dann könnte er auch aus einem Kampf mit den Göttern erfolgreich hervorgehen.
Als der Himmelsgott Captan diese Absicht erfährt schickt er Pandaguan zur Erinnerung wer hier die wahren Götter sind einen kleinen Blitz, der diesen jedoch nicht tötet. Doch um ganz sicher zu gehen, beschließen die Götte die Menschen in kleinen Gruppen über die Welt zu zertreuen. So enstanden die verschiedenen Rassen und Hautfarben.
Pandaguan liegt vom Blitz getroffen dreißig Tage am Boden - aber er stirbt nicht! Als er wieder aufsteht ist sein Körper schwarz. Diese Hautfarbe haben auch seiner Nachfahren, der Stamm der Negritos, die auf der Zuckerrohrinsel Negros leben.
Der erste Sohn Arion wurde in den Norden geschickt und blieb weiß. Libo und Saman wurden in südliche Regionen verwiesen. Dort versengte die Sonne ihre Körper, so dass sie und ihre Nachfahren eine braune Hautfarbe aufwiesen.  Ein Sohn von Saman und eine Tochter von Sicalac wurden nach Osten getrieben. Dort angekommen verspürten sie mächtig Hunger. Sie fanden jedoch nur gelblichen Ton als Nahrung. Deshalb bekamen sie und ihre Kinder eine gelbliche Hautfarbe.


Legende der Tagalog:
Am Anfang, als die Erde noch jung und von Wasser und einigen Gebirgen bedeckt war, waren die Götter, Bathala, Aman Sinaya, und Amihan die einzigen existierenden Wesen. Bathala war Gott des Himmels (Langit) und Aman Sinaya war Göttin des Meeres (Dagat). Die zwei waren für eine lagen Zeit die heftigsten Rivalen. Täglich versuchten sie sich überzutreffen. Bathala kämpfte mit Blitzen und Donner, Aman Sinaya verwendete Wellen und Taifune.  Eines Tages entschied Aman Sinaya ihre Stürme in den Himmel zu schicken, um dort einen heftigen Schaden zu verursachen. Bathala warf, um sie zu stoppen, riesige Felsensteine, die von den Gebirgen kamen. Im Kampf der beiden Götter enstanden so tausende von Inseln, die auf der Oberfläche des Meeres schwammen und so das philippinische Archipel wurde.
Amihan, die Göttin des Nordostwindes, die zwischen den beiden Götterreichen schwebte, entschied die Schlacht ein für alle mal zu stoppen. Deshalb nahm sie die Gestalt eines Vogels an und flog zwischen Himmel und Meer so oft hin und her, bis eine erkennbare Linie gezogen war. Diese Linie trennte von an den den Himmel und das Meer genauer voneinander, als es zuvor war. An diesem Punkt, dem Horizont schlossen Bathala und Aman Sinaya Frieden und wurden Freunde. Als Zeichen der Freundschaft pflanzte Bathala einen Samen auf dem Ozeanfußboden. Dieses wuchs aus dem Meer heraus und bildete ein Bambusschilfmeer am Strand der Insel.
Eines Tages sah es Amihan lange an, die sie vermeinte Stimmer aus dem Bambus zu hören. Als sie näher kam, merkt ddie Göttin das sie sich nicht getäucht hatte. „Oh, Nordwind! Nordwind! Lassen uns bitte heraus!“, riefen die Stimmen. Da die Göttin noch immer Vogelgestalt hatte, pickte sie das Schilf auf bis es plötzlich knackte und eine großer Riß entstand. In diesem Bambusschilfrohr waren zwei Menschen, ein Mann und eine Frau.
Amihan nannte den Mann Malakas (stark) und die Frau Maganda (schön).
Sie flog sie dann auf eine der vielen Inseln, die sich die beiden Menschen ausgesucht hatten.Malakas und Maganda errichtete ein Haus und hatte viele Nachkommen, die die Inseln bevölkerten.
Doch irgendwann waren die Kinder Malakas und Magandas so zahlreich geworden, daß ihre Eltern sie nicht mehr unter Kontrolle hatten. Sie folgte ihren Anweisungen nicht, lungerten lieber herum als die ihnen aufgetragene Arbeit zu erledigen. Eines Tages kamen die Eltern wieder nach Hause, und bemerkten daß ihre Anweisungen nicht befolgt worden waren.
Da riefen sie den großen Gott Bathala an und baten um Rat. Und Bathala kam und brachte Malaka und Maganda bei was es bedeutet zonig zu sein. Er legte die Fähigkeit des Zornes in sie hinein und sprach: „Lasset sie Euren Zorn spüren. Zeigt ihnen was es beutet ungehorsam zu sein. Lehrt sie wieder gehorsam zu sein.“
So ergriffen die Eltern die Schöpflöffel und fingen an jedes ihrer Kinder zu damit zu schlagen. Alle Kinder begannen wegzulaufen. Die, die sich unter den Bambusböden versteckten, wurden Sklaven. Andere, die sich im Inneren eines großen kochenden Kessels versteckt hatte, wurden zu Aetas (Negritos) und lebten auf der Insel die heute Negros heißt. Wieder andere kletterten bis auf das Dach der Häuser herauf und wurden datus (Häuptling, Dorfvorsteher) der einzelnen Dörfern. Und die Menschen, die auf die Bäume geklettert waren, wurden zu einfachen Dorfbewohnern. Menschen die in die Berge flohen wurden das Volk der Jäger, und die zur Küste liefen wurden zu Fischer.
So entstanden die einzelnen Stämme und Völker der Philippinen.


Schöpfungsgeschichte aus Mindanao:
Aus Bilaan ist eine Geschichte mit dem Titel „The Story of Creation“ überliefert. Dort wird zwar nicht berichtet wie Sonne, Mond und Sterne erschaffen wurden, aber sie weist einen fürsorglichen Gott, für den Haut und Haare einige Bedeutung haben:
Zu Beginn der Zeiten lebte ein unvergleichlich großes Wesen mit Namen Melu auf den Wolken. Seine Zähne waren aus purem Gold. Dieser Gott hatte einen Reinlichkeitsfimmel, und in seinem Streben das sauberste Wesen des Universums zu sein, rieb er sich kontinuierlich mit seinen Händen die Haut, so dass diese strahlend weiß wurde. Aber irgendwann hatte sich an seiner Seite riesiger Haufen von abgeriebenen, toten Hautschuppen und -fetzen, der - mal vom Gestank abgeshen! - doch etwas störte. Er überlegte, was er damit machen könnte. In seiner unergründlichen Weisheit entschloss sich Melu die Erde zu erschaffen.
Er arbeitete hart, formte die Erde und danach zwei Gestalten, die ihm ähnlich, aber wesentlich kleiner waren. Schließlich war alles fertig, nur die Nasen fehlten den Gestalten noch. Da kam Tau Tana von der Unterwelt und wollte ihm helfen. Melu wollte aber seine Hilfe nicht. Aber Tau Tana ließ nicht locker und gewann.
So schuf Tau Tana den Gestalten Nasen, deren Ausgänge aber nach oben in Richtung Stirn zeigten. Als diese Wesen - sie nannten sie Menschen - fertig waren, wurden sie durch Schläge ins Leben gerufen.(Daher auch der Klaps auf den Popo des Neugeboren!) Aber eines Tages setzte ein großer Regen ein und die Menschen wären durch den in die Nasenlöcher einlaufenden Regen fast ertrunken. Melu, der auf seinem Wolkenberg saß sah die Gefahr undbegan sich zur Erde hinunter. Schnell drehte er den Menschen die Nasen um.
Die Menschen waren ihm daraufhin sehr dankbar. Bevor er wieder zum Himmel aufbrach fragte er die Menschen, ob sie noch weiter Bedürfnisse hätten. Die Antwort war, die Menschen fühlten sich einsam, denn sie waren nur eine Handvoll. Melu sagte ihnen daraufhin sie sollten alle ihre Haare und trockenen Hautreste sammeln. Bei seiner nächsten Rückkehr zur Erde würde er daraus weitere Menschengefährten machen. Melu hielt sein Versprechen, und dies führte dazu das heute auf der Erde so viele Menschen leben.
Also, wenn ihr auf den Philippinen seit, und ein seltsamer Vogel sammelt eure Haar beim Dorfbarbier auf, dann stört ihn nicht - es könnte Melu (der trotz Christianisierung wurde Melu nicht zum Gott der Friseure, Podologen und Hautärzte degradiert wurde!) sein. Und wer weiß, vielleicht muss er mal wieder ein paar neue Menschen erschaffe - aus eurem Haar!


Es gibt  viele Mythen, die speziell auf die Erschaffung der Gestirne eingehen. Götter sowie Menschen behaupten an ihrer Entstehung teilhabe zu haben, und jede Partei legt ihre Beweise vor. Schauen wir doch zu erstmal in den „himmelsinternen“ Schriften nach, wie die Götter Sonne, Mond und Sterne schufen.


Die Entstehung des Mondes oder Warum die Sonne heller scheint als der Mond:
Der Weltenschöpfer Bathala hatte einen Sohn namens Apolaki und eine Tochter mit Namen Mayari. Es waren die Augen dieser beiden Kinder, die die Welt ohne Unterlass, und sehr zur Zufriedenheit der Menschen und Tiere, erleuchteten und ihnen ein dauerndes Licht gaben.
Aber der Weltenschöpfer Bathala wurde alt und starb.
Kurz darauf stritten Sohn und Tochter darüber, wer wohl der bessere Alleinherrscher über die Welt sein könne. Apoldi verwies auf seine männlichen Stärken, Mayari pochte auf Gleichberechtigung. Der Streit nahm heftigere Formen an, so dass sich die beiden begannen mit Holzstangen zu schlagen. Mayari erhielt einen Schlag in Gesicht und Augen und erblindete daraufhin. Apolaki bedauerte seine Tat zutiefst, und er bot ihr die weitere Freundschaft und eine wechselhafte Herrschaft über die Welt an. Mayari stimmte zu. Ab dieser Zeit herrscht Apolaki mit seinen klaren Augen tagsüber als Sonne über die Welt, und gibt ihr den warmen Schein. Nachts regiert Mayari als Mond über die Welt. Dann hat die Welt nur einen matten Glanz, da Mayari ja auf einem Auge blind ist.

Die Entstehung der Sterne:
Der Sonnengott Arao und die Mondgöttin Buan hatten beide viele Kinder. Buan aber glaubte, daß ihre Sterne nicht überleben konnten in der Hitze der Sonnenkinder Arao‘s. So kamen beide Götter überein ihre Kinder zu zerstören. Während Arao seine Kinder verschlang, versteckte Buan ihre in den Wolken, aus denen sie gelegentlich heraus schauten. Nach dem Arao dies bemerkt hatte, wurde er mit Raserei gefüllt, und ist verfolgt seit dem ewig den Mond um ihn zu zerstören. Die einzelnen Mondphasen enstehen dadurch das Arao, wenn er Buan zu nahe kommt, Stücke aus ihr heraus beißt. Beginnt die Morgendämmerung versteckt Buan die Sterne und holt sie nur wieder hervor wenn ihre älteste Tochter Tala (Abend- und Morgenstern) ihr bescheid gibt, dass die Sonne zu weit weg ist um sie zu fressen.ist, sie auszuüben.
Eine andere Version erzählt das die Sonne (weiblich) und der Mond (männlich) miteinander verheiratet sind. (Die Sonne ist - aus welchen Gründen auch immer sehr hässlich und streitsüchtig). Eines Tages war die Sonne mal wieder sehr ärgerlich über den Mond, und jagte hinter ihm her. Fast hätte sie ihn erreicht, doch dann fiel sie zurück, denn ihre Kräfte ließen nach. Diese Verfolgungsjagden halten bis heute an. Das erste Kind der beiden war ein großer männlicher Stern. Eines Tages wurde auch er Opfer der permanenten Streilust der Sonne. Sie zerschnitt den Sternensohn in kleine Teile und verstreute die Teile wie Reis über den gesamten Himmel. Seitdem gibt es viele Sterne. Eines dieser Kinder ist eine gigantische Riesenkrabbe, die an Ebbe und Flut und der Mondfinsternis schuld sein soll. Dieses Krabbenmonster ist so mächtig, dass jedes Mal wenn sie ein Auge öffnet oder schließt es auf der Erde blitzt. Liegt sie in ihrem Loch, tief unten im Meer, so herrscht Flut. Erhebt sie sich und verlässt sie ihr Loch, dann strömen wieder eine Unmenge Seewasser in das Loch, und es herrscht auf Land Ebbe. Diese Krabbe scheint ein streitlustiges Wesen zu sein (hat wohl mehr vom Vater als der Mutter), denn wenn sie schlechte Laune hat, versucht sie oft ihre Mutter, den Mond, zu verschlucken. So kommt es zu Mondfinsternis. Wenn die Menschen dies bemerken, versuchen sie durch lautes Rufen und Getöse die Krabbe zu verschrecken, um den geschätzten Mond zu retten.

Soweit der Bericht aus den Schriften der Götterwelt. Doch jetzt kommen die Menschen zum Zuge, denn auch diese behaupten aktiv am Schöpfungsprozess der Gestirne teilgenommen zu haben. Hier nun zwei Sagen die dies aufzeigen sollen.

„Wie die Sonne, der Mond und die Sterne entstanden“:
Am Anfang der Welt war alles ganz anderes als heute. Der gestirnlose Himmel war so niedrig, so dass man ihn mit ausgestrecktem Arm berühren konnte. Unter der Bläue des Himmels erstreckte sich viel Land, auf dem nur wenige Menschen und zahme Tiere wohnten. Das Licht auf der Erde war nur schwach. Zu den Einwohnern gehörte ein arbeitsames, dennoch glückliches Ehepaar, das den ganzen Tag der Feldarbeit nachging. Abends bereitete man für die hungrigen Mägen ein Essen zu. Der Mann zerstieß den Reis mit einem Stößel, die Frau kochte ihn dann mit verschiedenen Zutaten. So gingen die Tage dahin.
Eines Tages war das Paar wieder bei der abendlichen Essenszubereitung. Im Topf auf dem aufgeheizten Herd kochte diesmal ein fettes Huhn. Die Frau hatte ihren Kamm und ihre lange Perlenkette am nahen Firmament aufgehängt. Der Mann war hungrig, er zerstieß deshalb mit viel Eifer den Reis. Als er mit seinem Stößel immer wieder ans Firmament stieß, überkam ihn der Ärger und er rief zum Himmel: “Warum bist du nur so niedrig? Wenn du dich weiten würdest, würdest du mich nicht bei der Arbeit stören.“
Kaum hatte er dies gesagt, begann sich der Himmel zu weiten. Mit in den Himmel erhoben sich der brennende Ofen, der Kamm und die Perlenkette. Aus dem brennenden Ofen wurde die Sonne, der Kamm wurde zum strahlenden Mond und die Perlen der zerrissenen Halsketten fanden sich als am Firmament zerstreute funkelnde Sterne wieder.


Auch schon vor den Soap-Operas im TV oder den „Schmachtromanen" gabe es schon „Herz-Schmerz" - Geschichten, und diese Schöpfungsgesichte ist eine! [Anmerkung: die Sonne ist hier männlichen Geschlechts!]

Wie es kam, dass der Mond am Himmel aufging:
Es gab eine Zeit ohne Mond. Die Sonne lebte allein. Sie war traurig und spendete nur ein spärliches Licht, das die Ernten der Menschen kaum gedeihen ließ. Immer häufiger beschwerten sich deshalb einige Bauern bei ihrem Datu (Häuptling) über die schlechten Ernten. Er solle doch sehen, wie Abhilfe zu schaffen sei.  Der Datu beriet sich mit seinen Räten, und schließlich wurde der „älteste und gelehrteste“ Weise zur Sonne geschickt, um zu ergründen, warum die ansonsten geliebte und geachtete Sonne nur ein so schwächliches Licht liefere.
Die Lösung war schnell gefunden.
„König Sonne“ sehnte sich nach einer Königin. Natürlich musste sie aber von königlicher Abstammung (also mindestens eine Häuptlingstochter!) sein. Und wie es der Zufall wollte, hatte der Datu eine wunderschöne, gutherzige Tochter namens Sulaymin.
Der Datu war entsetzt, und wollte nicht das die Sonne seine einzige Tochter zur Frau nahm. Er befahl den Wunsch der Sonne vor der Tochter zu verheimlichen. Auch solle man darauf achten sie nicht aus dem Schlossgarten zu lassen.
Aber wie das im wahren Leben auch so ist, es kommt alles anders als man denkt.
Ein geschwätziger Bettler, der am Schlossgartentor um eine milde Gabe bat - und wir wissen, das Mädchen hat ein gutes Herz und gibt ihm etwas - erzählt Sulaymin vom Wunsch der Sonne. [Anmerkung: böse Zungen könnten jetzt natürlich sagen, es war kein Bettler sonder die Sonne selbst, die sich in das Mädchen verliebt hatte.]
Sulaynim war sofort Feuer und Flamme und sagte Ihrem Vater, dass sie bereit war Gemahlin der Sonne zu werden. Aber der Vater sträubte sich weiterhin. Doch eines Tages, als Sulaymin unter einem Baum mit ihren Freundinnen im Schlosßgarten spielte, geschah es. Eine Schlingpflanze erwachte zum Leben, wickelte sich um das Mädchen, und brachte sich in den Himmel hinauf. [Ob die Pflanze nach Erfüllung des Entführungsjobs verdorrte oder zu niederen Gottheit erhoben wurde, ist unbekannt. Jedenfalls blieb sie nicht für ewig dort stehen!]
In diesem Augenblick begann die Sonne wärmer zu strahlen, und die Menschen konnte ihre Felder wieder normal bearbeiten. Sulaymin war nun die Gattin der Sonne geworden, und wurde von da an nicht mehr auf der Erde gesehen. Aber als es Nacht wurde erblickten die Menschen Sulaymin als Mond am Himmel, der mit seinem milden Schein, die Dunkelheit erhellte.

Wisst ihr warum der Mond mit Flecken übersät ist? Astroiden oder Meteore die dort einschlugen? Ja, das denken die Wissenschaftler, doch wir wissen es besser! Diese Flecken kommen hauptsächlich durch die Streitereien mit der Sonne. [Anmerkung: wir erinnern uns an die Sache mit den Kindern der beiden Himmelskörpern...] Und auch hier gibt es mehrere Erklärungen...

Warum der Mond heller ist und braune Markierungen zeigt:.
  • In Visayas macht die Erzählung „The Sun and the Moon“ die Runde, in der Sonne und Mond verheiratet sind. Sie hatten viele Sterne als Kinder. Die Sonne liebte ihre Kinder, aber jedes Mal, wenn sie versuchte ihre Kinder zu umarmen, wiesen diese Brandspuren auf. Das verdross den Mond. Er verbot der Sonne weitere Berührungen ihrer Kinder. Doch die Sonne hielt sich nicht an das Verbot. Es kam zum Streit. Der Mond schlug die Sonne mit einem Bananenbaum, während die Sonne Sand in das Gesicht des Mondes warf. Seitdem hat der Mond braune Markierungen.
  • Um Sand dreht sich auch die Erzählung aus Tiniguian. Erneut ist die Sonne schuld an der Misere, denn im Verlaufe eines Streits behauptete diese: „Du bist ja nur der Mond. Wenn ich dir nicht Licht geben würde, wärst du zu nichts gut.“ Darauf entgegnete der Mond: “ Du bist ja nur eine heiße Sonne. Die Frauen lieben mich mehr - Wenn ich in der Nacht scheine, dann kommen sie aus dem Haus und spinnen Wolle.“ Diese Äußerung verärgerte die Sonne. Sie warf dem Mond Sand ins Gesicht, der seitdem dunkle Flecken hat.
  • In der Geschichte „Why the Moon lacks Brilliance“ hat aber der Mond den 'Schwarzen Peter‘ gezogen und wird als der mit dem schlechten Charakter hingestellt. Lange Zeit waren Sonne und Mond gute Freunde. Die Freundschaft litt indessen darunter, dass der Mond ein extrem großer Prahlhans war. So sagte er der Sonne: „ Schau, wie schön ich bin! Die Leute bewundern mich immer. Aber wenn sie zu dir schauen, dann müssen sie blinzeln oder die Augen schließen. Sie können dein hässliches Gesicht einfach nicht ab. Wenn ich komme, dann wird getanzt. Wenn du scheinst, dann gehen die Leute unter die Bäume oder ins Haus, um sich vor dir zu verstecken.“ Die Sonne kündigte an, dass sie dem Prahler eine Lektion erteilen wolle. Sie verwandelte sich in einen Regenbogen, stieg hinab zur Erde und sammelte Muscheln, die sie zu Kalk zerstieß. Den Kalk tat sie in ihre Hüfttasche. Eines Tages waren beide zu einem Fest in der Unterwelt eingeladen. Der Mond, der sich gerne mal einen hinter die Binde goss, sprach dem Reiswein freudig zu. [Anmerkung: dieses Feste war so eine Art ‚all-you-can-eat-and-drink‘-Aktion.] Natürlich lockerte der Alkohol die Lippen des Mondes noch mehr, und er konnte von seiner Prahlerei nicht ablassen: „Schau, wie wichtig ich für die Leute bin“. Während der Mond später in tiefen Schlaf verfiel, machte sich die Sonne auf den Weg zurück. An einer Kreuzung, wo sich Himmels- und Unterwelt schnitten, befestigte sie an einem Baum ihre mit Kalk gefüllte Tasche. Am nächsten Morgen machte sich auch der Mond – eingedenk eines möglichen Streiches der Sonne - vorsichtig auf den Weg zurück. Da entdeckte er die Tasche am Baum. „Ha“, sagte er sich,“ warum sollte ich vor einer Tasche Angst haben?“ Als er die Tasche vom Baum lösen wollte, schlitzte er sie mit seinem Speer auf und der saure Kalk rieselte ihm ins Gesicht. Auch wenn ihm der Morgenstern bei der Reinigung des Gesichtes half, Restspuren des Kalks blieben im Gesicht zurück. So hat der Mond seine Reinheit und Klarheit verloren, und sein Licht ist nicht mehr so hell.

Soweit die Schöpfungsgeschichte der philippinischen Mythologie aus göttlicher und menschlicher Sicht. Doch verlassen wir nun die Götter und Götteheiten, die sich von der schweren und ermüdenen Arbeit der Schöpfung erholen müssen.
Auch wir ruhen uns aus, denn in den nächsten Folgen werden wir den Geistern, Monster und Geschöpfen der philippinischen Volksmythologie begegnen, die in ihrer Vielfalt wohl manchen Gruselromanautor für die nächsten Jahrzehnte seinen Broterwerb sichern könnte.

Kommentare  

#1 McEL 2010-10-09 18:56
Einfach Klasse diese Infos!!! Und du bist dir wirklich sicher, dass du aus der Serie kein Minibuch machen willst? Über "BoD" dürfte das doch kein Problem sein. Ich würd's sofort kaufen!
Zitieren
#2 Mikail_the_Bard 2010-10-09 21:40
Wenn ich es mach, muss ich ja in Vorkasse treten (bei BoD zahlt man ja fürs Verlegen!) und ob ich dann wenigstens auf "Null" rauskomme ist fraglich.
Außerdem habe ich den Artikel ja für den Zauberspiegel-Online.de verfasst und damit (korregiere mich, Horst, wenn ich falsch liege) liegen die Rechte an diesem Artikel auch hier.
Zitieren
#3 Harantor 2010-10-09 21:47
Ich korrigiere Dich: Die Urheberechte liegen bei Dir. Du kannst mit dem Artikel machen was Du willst.

Aber: Schon lange gehe ich mit dem Gedanken schwanger, dass wir auf dem Weg von Print on Demand-Weg "Zauberspiegel-Bücher" zu erstellen. Sprich von besonders gelungenen und umfangreichen Artikeln und Artikel-Serien Printausgaben zu erstellen und unters Volk zu bringen. Ich denke, diese Reihe ist ein Kandidat dafür. Aber so um die 200 Vorbestellungen brauchen wir dann schon. Und da denke ich wirds schwer. Die Idee ist auch nicht konkret vorangetrieben worden...
Zitieren
#4 Mikail_the_Bard 2010-10-09 22:27
zitiere Harantor:
Ich korrigiere Dich: Die Urheberechte liegen bei Dir. Du kannst mit dem Artikel machen was Du willst.


Ok, danke für die Info.

zitiere Harantor:
Aber: Schon lange gehe ich mit dem Gedanken schwanger, dass wir auf dem Weg von Print on Demand-Weg "Zauberspiegel-Bücher" zu erstellen. Sprich von besonders gelungenen und umfangreichen Artikeln und Artikel-Serien Printausgaben zu erstellen und unters Volk zu bringen. [...]
Aber so um die 200 Vorbestellungen brauchen wir dann schon. Und da denke ich wirds schwer. Die Idee ist auch nicht konkret vorangetrieben worden...


Dann warten wir mal ab was daraus wird...
Zitieren
#5 McEL 2010-10-10 01:49
Nur zur Info: Bei BoD zahlt man für eine einfache Ausstattung ("Classic" = DIN A5 Taschenbuch) 39 Euro und keinen Cent mehr. Das Buch erhält dafür eine ISBN, wird beim Buchhandel und bei Amazon gemeldet und ist über jeden Buchladen beziehbar. Das einzige, was du darüber hinaus selbst bezahlen "Vorlegen" musst, sind die Exemplare, die du selbst kaufst. Da du aber nicht unbedingt selbst VERkaufen musst (der Hinweis, dass man da im Buchladen/bei Amazon kaufen kann reicht), brauchst du also nur ein paar Exemplare für den Eigenbedarf, und die gibt es zum Autorenrabatt. Mindestabnahmemenge: 1 (in Worten EIN EINZIGES) Exemplar! Mindestseitenzahl pro Buch: 54. Es gibt aber auch die Broschürendrucke on demand, die weniger Seiten haben dürfen. Und auch die "BoD-Fun"-Variante, die OHNE ISBN gedruckt und trotzdem über den Shop vertrieben wird, bei der man nur die gekauften Exemplare bezahlt und die 39,- spart. Ist also alles gar kein Problem und für (fast) jeden Geldbeutel erschwinglich.

Zitat:
Aber so um die 200 Vorbestellungen brauchen wir dann schon. Und da denke ich wirds schwer.

Wozu die Vorbestellungen? Bei ON DEMAND wird nur auf Verlagen gedruckt, und da man die Bücher direkt im BoD-Shop bestellen kann und die von da aus an die Besteller geliefert werden, hättest du mit dem Vertrieb gar keine Arbeit. Oder hast du hier an ein anderes Konzept gedacht?
Zitieren
#6 Harantor 2010-10-10 02:05
Wir wollen nicht zu BOD und eine gewisse Mindestabnahme haben, um auch eine Verbreitung zu sichern. Dahinter stecken noch ein paar andere Überlegungen, die ich nicht sooo breit treten will. Jedenfalls jetzt noch nicht
Zitieren

Kommentar schreiben

Probehalber öffnen wir wieder den Gästezugang für Kommentare. Wir werden sehen, wie lang es dauert. Da diese nicht automatisch publiziert werden, kann es eine Weile dauern, bis diese freigeschaltet werden

Please notice: If you are not a registered user, your comments have to de moderated. It may be last some time till it appears ...

- Bitte nehmt Rücksicht auf andere und kommentiert zum Thema und bleibt sachlich...
- Rassistische und diskriminierende Kommentare werden nicht zugelassen
- Kommentare werden begutachtet und dann - unverändert - frei geschaltet.


- Nur noch Administratoren [SuperUsern] ist es gestattet Kommentare zu editieren - bitte den Zusatz mit einem geeigneten Wort wie "Edit" kennzeichnen - oder zu löschen

- Wer Kommentare entfernt haben möchte, wende sich bitte via Kontaktformular oder Mail an den Administrator. Dann wird darüber entschieden.

Sicherheitscode
Aktualisieren

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren. Indem Sie "Akzeptieren" anklicken ohne Ihre Einstellungen zu verändern, geben Sie uns Ihre Einwilligung, Cookies zu verwenden.
Mehr Infos Ok