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Schaurige Bücher als Inspiration und Nachschlagewerke: Teil 1

Schaurige Bücher als Inspiration und NachschlagewerkeSchaurige Bücher als Inspiration und Nachschlagewerke
Teil 1

Stellen wir uns doch als einfaches Beispiel einmal folgende Situation vor, man liest Bücher aus dem entsprechenden Genre, die uns eine ordentliche Gänsehaut bescheren sollen, oder man greift eventuell recht regelmäßig auch zu Heftromanen des Genre wie etwa JOHN SINCLAIR, PROFESSOR ZAMORRA oder eventuell doch besser zu DORIAN HUNTER.

Und irgendwann stellt man sich vielleicht mal die Frage, könnte ich nicht auch so eine schaurige Geschichte schreiben wie diese Autoren?           

Und manchmal lässt einen eine solche Idee auch nicht mehr los. Also spinnen wir diesen Faden doch einfach als eine mögliche Ausgangslage mal weiter:

Wenn man dabei nämlich in Richtung Fan-Story geht, sagen wir mal hinsichtlich der Heftromanserie JOHN SINCLAIR, dann ist natürlich klar, das man neben dem Lieblingshelden und der einen oder anderen geliebten Nebenfigur natürlich dann auch den Lieblingsdämon bzw. ein entsprechend geliebtes Monster einbauen möchte. Egal ist dabei auch erst einmal, ob z.B. dieser Gegner (oder auch Gegnerin) in der regulären Serie eventuell schon längst das zeitliche gesegnet hat. Schließlich handelt es sich hier ja um eure ganz persönliche Kurzgeschichte oder gar Roman. Da muss man als Fan gegebenenfalls auch keine wirklich externen Informationsquellen heranziehen, sondern man kann hier frei von der Leber weg in der eigenen Sinclair-Sammlung alle möglichen Ideen munter herausziehen. Eventuell hat man ja eh als Fan auch so ein JOHN SINCLAIR LEXIKON zur Hand als kompakte Informationsquelle.

Die UntotenDoch so einfach macht man es sich vielleicht doch eher in Sachen Fingerübungen. Denn wie wäre es mit einer Handlung ohne den üblichen Superhelden von der Stange? Und wenn man da nicht unbedingt einen 08/15-Helden in Szene setzen will, dann muss man sich auch bei einer Hauptfigur und den ganzen Nebenfiguren schon ein paar mehr Gedanken machen als bei einer einfachen Heftroman-Fan-Story. Und dann taucht dann noch die wichtige Frage auf, wie es mit dem Verlauf der Handlung an sich aussieht, wie sollen die übernatürlichen Elemente in die Realität eingreifen und wo kriegt man dann z.B. einen (oder gar mehrere?) wirklich guten Gegner mit gruseligem Hintergrund her, den man eben nicht in jedem herkömmlichen Heftroman des Genre nicht selten auch mal als Billigversion schon nachgeworfen bekommt? Den Dämon Pazuzu hatte sich der Autor William Peter Blatty sich schließlich auch nicht einfach damals so mal in einer launigen Stunde an der Schreibmaschine aus den Fingern gesogen. Und solche Überlegungen können schon im Vorfeld zu Kopfschmerzen führen, denn selbst in den Beschreibungen der Vampire aus den verschiedenen Kulturkreisen der Welt laufen diese ja nicht grundsätzlich mit Umhang durch die Nacht und sehen aus wie ein Adeliger auf dem Sozialamt. Auch hier gibt es also gegebenenfalls schon himmelweite Unterschiede zu beachten, wenn man seine Geschichte nämlich z.B. in eine asiatische Metropole wie Tokio verlegen möchte. Denn da wirkt dann der übliche Dracula-Verschnitt eventuell schon mehr als sehr  trashig bis deplatziert.

Nun, auch hierzu gibt es natürlich sehr interessante Nachschlagewerke in Sachen Okkultismus, Monster und dem ganzen Drumherum. Das fängt dann, wenn wir z.B. eben bei möglichen Ideen für eine eigene Geschichte erst einmal als möglichen Ausgangspunkt verbleiben, schon mit dem Problem an, wenn man z.B. als Gegner einen Vampir (oder eine Vampirin) in der Handlung aufbauen und agieren lassen will, aber eben dabei nicht unbedingt in der Beschreibung wirklich von dem bekannten Muster weg kommt, welches sich durch Romane und Filme bereits tief im Hirn eingefressen hat. Und ja, was Vampire oder Untote im allgemeinen betrifft, so gibt es weltweit durchaus so einige sehr verschiedene, aber auch interessante Alternativen. Man könnte ja mal versuchen was interessantes zu googeln, aber interessanter, schneller und hilfreicher wäre es in diesem Fall natürlich schon, wenn man ganz entspannt ein passendes Nachschlagewerk einfach mal eben aus dem Bücherregal ziehen könnte.

Und hier kann ich schon mal den ersten Buchtipp mit dem Band DIE UNTOTEN von Johan Egerkrans anbieten. Denn hier wurde nicht nur vieles über Vampire, Dämonen oder Wiedergänger von Rumänien über Australien bis China zusammengetragen, die alle irgendwie mehr oder auch weniger nach dem Blut ihrer Opfer dürsten. Dabei wird bei der Beschreibung nicht unbedingt weit ausgeholt. Vielmehr erfolgen die zusammengetragenen Informationen sehr kurzweilig, spannend und passend kompakt, wobei auch gleich eine ganzseitige und farbliche sehr schön gestaltete Illustration der jeweiligen Gattung der betreffenden Untoten aus aller Welt beigefügt ist. Aber man erfährt hier auch etwas darüber, wie man eigentlich zum Untoten werden kann, oder wie man sich allgemein vor ihnen schützen sollte. Die Palette der vorgestellten Untoten reicht hierbei z.B. von Europa mit dem Strigoi bis über die Lamia, oder einem Ghul aus dem nahen Osten, einem Wendigo oder dem Chupacaba aus Amerika bis zur Yuki Onna aus dem asiatischen Raum. Und das ist wie gesagt noch eine recht kleine Aufzählung aus dem Inhalt des Buches seitens Johan Egerkrans, welches aus dem Schwedischen von Maike Dörries liebevoll übersetzt wurde. Alles in allem also nicht nur äußerst interessant und ein wahres Schmuckstück im Bücherregal, sondern auch eine reichhaltige Fundgrube für alle Fans unheimlicher vampiristischer Kreaturen der Finsternis aus aller Welt.

Die Untoten
(De Odöda)
Textsammlung und Illustrationen: Johan Egerkrans
Herausgeber/Verlag:  Atrium Verlag AG, Imprint WOOW BOOKs
2. Auflage: 2021
Originalausgabe: 2018 bei B. Wahlströms Bokförlag
Gebundene Ausgabe: 128 Seiten/24,00 €
Format: 22 x 1,7 x 26,4 cm
ISBN: 978-3-96177-058-8

Das OkkulteWer allerdings etwas tiefer in den Bereich des Okkultismus einsteigen möchte, ganz egal ob man nun interessante Ideen daraus ziehen möchte, oder einfach auch nur aus reinem Interesse an der Thematik selbst, dem kann natürlich auch geholfen werden.

Sehr umfangreich mit recht vielen Illustrationen versehen ist hier der 2017 unter dem Originaltitel THE OCCULT BOOK: A CHRONOLOGICAL JOURNEY FROM ALCHEMY TO WICCA erschienene Band zu empfehlen. Bei uns in Deutschland ist dieses umfangreiche Werk von John Michael Greer mit über 200 Seiten unter dem Titel DAS OKKULTE - IN KULTUR, WISSENSCHAFT UND LITERATUR im Verlag Librero IBP aus der Niederlande (Übersetzung aus dem Englischen durch Klaus Kramp, Köln) veröffentlicht worden.

Hier wird man eigentlich in vielen Fällen recht schnell fündig, zumal hier ja auch eine wirklich breite Themenpalette zur Auswahl steht. Egal ob es sich nun als Beispiele um den Tod von Jesus Christus, der Entstehung des Templerordens oder der Faustsage bis hin zu Aleister Crowleys Buch des Gesetzes dreht.

Man muss hier nun natürlich nicht unbedingt den Vorsatz gefasst haben, selbst eine Kurzgeschichte oder einen Roman zu verfassen. Auch als reine Lektüre bekommt man hier eine ganze Menge an interessanten Fakten, Hintergründen und Materialien recht kompakt als Hardcover geboten, welches in Schwarz mit Goldprägung optisch auch im Regal was für das Auge bietet.

Der Autor John Michael Greer aus Cumberland, Maryland (USA) zählt übrigens zu den angesehensten Schriftstellern und Experten auf dem Gebiet des heutigen Okkultismus und hat bisher mehr als vierzig Bücher veröffentlicht. Darunter auch THE NEW ENYCLOPEDIA OF THE OCCULT. Desweiteren füllte er selbst zwölf Jahre lang den Status des "Großdruide" im Alten Orden der Druiden in Amerika (AODA) aus.

Das Okkulte - In Kultur, Wissenschaft und Literatur
(The Occult Book: A Chronological Journey from Alchemy to Wicca)
Zusammengestellt von: John Michael Greer
Herausgeber/Verlag: Librero
Deutschsprachige Ausgabe: 2020
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten/14,95 €
Format: 17,7 x 2,8 x 23,2 cm
ISBN: 978-94-6359-116-4/Printed in India

Aber natürlich kann ich euch da sogar noch etwas mehr an Nachschlagewerken bieten, wenn hier nun das Interesse geweckt wurde. Von daher erwartet euch noch ein netter ausführlicher zweiter Teil hinsichtlich schauriger Nachschlagewerke aus dem Bereich der Finsternis. Also haltet die Taschenlampen zum lesen unter der Bettdecke schon mal bereit.


Kommentare  

#1 Friedhelm 2021-10-27 14:13
Zitat:
Und irgendwann stellt man sich vielleicht mal die Frage, könnte ich nicht auch so eine schaurige Geschichte schreiben wie diese Autoren? Und manchmal lässt einen eine solche Idee auch nicht mehr los
Naja, ich habe mich ja bereits, als Youngster, darin versucht, phantastische Geschichten zu schreiben. Zuerst wurden Schreibhefte zweckentfremdet und dann ging's mit einer alten Olympia-Schreibmaschine meines viel zu früh verstorbenen Vaters (1969) weiter.

Horrorstories ala John Sinclair hätte ich damals wie heute wahrscheinlich auch noch hingekriegt - da wird dem Autor ja nicht allzuviel abverlangt. Ein "bisserl Recherche" (ala Blatty) müsste sicherlich sein, aber ansonsten könnte doch jeder, der einigermaßen Talent aufweist, so einen "Sinclair- oder "Zamorra-Plot" hinlegen.

Mit "gehobenerem, literarischem Output ist das sicherlich eine ganz andere Sache...

So richtig kann ich da freilich nicht mitreden, denn meine eigenen "Früh-Werke" hat nie jemand gelesen, weil die alle im Papierkorb gelandet sind. Eine längere SF-Geschichte (okay, kein Horror) aus dem Jahre 1975 wäre dennoch beinahe veröffentlicht worden, weil mein Deutschlehrer das Geschreibesel richtig gut fand und einen Verleger kannte, der so etwas abgedruckt hätte. Leider war ich kurz vorher übel gelaunt und warf das Werk einfach in den Ofen.

Es gab dann meinerseits doch nochmal einige Veröffentlichungen in der Schülerzeitung unserer Berufsschule. Später habe ich mich dann eher auf den sachlichen Bereich verlegt und für diverse Auricher Wochenendblätter Filmkritiken geschrieben - aber das habe ich irgendwann aufgegeben.

Wenn ich heute wieder Geschichten schreiben wollte, wäre das Gruselgenre schon auch ein sehr "dankbares Thema". Und weil für "Sinclair"- oder "Zamorra"-Plots wahrscheinlich kein "Supertalent" ala Stephen King erforderlich wäre, ginge mir das evtl. "leicht von der Hand..."

DEm steht wohl tatsächlich nur meine permanente Unlust im Wege - drum reicht mir erstmal ein schneller Kommentar...

Du hast mich freilich darauf gebracht, mal wieder einen ordentlichen Roman aus der Welt des Unheimlichen zu lesen. Mal sehen, was unsere örtliche Buchhandlung so hergibt....oder, das irgenein Anbieter im WWW.. :-)
#2 Laurin 2021-10-27 17:42
Hallo @Friedhelm,
nicht umsonst hatte ich oben Geschichten auf dem Niveau von John Sinclair oder Prof. Zamorra eher als Fingerübungen bezeichnet (zumndest was die älteren Romane betrifft, denn die neuen Autoren können da durchaus auch wesentlich besser sein als es z.B. ein Helmut Rellergerd es seit vielen Jahren zustande bringt).

Bei Blatty würde ich allerdings nicht unbedingt von "ein bisserl Recherche" reden, handelt es sich bei der Figur doch um einen Winddämon der mesopotamischen Mythologie zeitlich ab dem ersten Jahrtausend vor Christus. Da stößt man nicht einfach mal in der Tageszeitung beim Frühtück drauf. ;-)
Da schmeißen deshalb auch viele Buch- wie Filmrezensenten hinsichtlich DER EXORZIST von Blatty schlicht die vorliegende Handlung mit der langläufig christlich geprägten Darstellung des Teufels ausgehend vom Mittelalter in einen Topf.

Aber wie schon oben mal kurz erwähnt, die Bücher sind auch wirklich recht schön aufgemachte Nachschlagewerke. Die Sache mit dem schreiben eigener Geschichten ist hierbei nur ein Beispiel dafür, wie man auch in diesem Punkt solche Nachschlagewerke recht gut nutzen kann.
#3 Friedhelm 2021-10-27 21:28
Gemach, Gemach, Laurin...das "bisserl" war eher weniger Ernst gemeint . Logisch, dass Mr. Blatty bei seiner Recherche schon etwas mehr Aufwand betreiben musste.

Und was das Schreiben eigener Geschichten betrifft , hätte ich eh keine grossen Ambitionen mehr.
#4 Laurin 2021-10-28 11:44
Na ja Friedhelm, das ist immer mal wieder das Problem des geschriebenen Wortes, welches mitunter nur schwer erkennen lässt, ob es mit einer ernsthaft in Falten gelegten Stirn oder aber mit einem Augenzwinkern den Weg in die Tastatur gefunden hatte. Daher nichts für ungut wenn ich da eventuell etwas Oberlehrerhaft herüber komme in Sachen Mythologie. ;-)

Was indessen das schreiben eigener Geschichten betrifft, so ist da bei mir schon seit vielen Jahren die Luft eher wohl raus. Ein weiterer Grund dürfte aber auch die fehlende Zeit sein, da ich im zweifelsfall lieber ein schauriges Buch lese, als mir eine eigene schaurige Geschichte einfallen zu lassen. Und ein begnadeter Schriftsteller dürfte an mir wohl sicherlich auch nicht verlorengegangen sein. :-* :P
#5 Friedhelm 2021-10-28 18:32
Laurin - die wenigsten von uns sind als Schrifsteller richtig begnadet - sei es nun im phantastischen Bereich..oder irgendwo anders.

Bei mir liegt es eindeutig am Talent - und wenn ich dann doch mal ein Lob für mein Geschreibsel bekam, dann von denen, die noch weniger Ahnung davon hatten als meiner einer.

Mit meinen sonstigeen Qualitäten als Autor ist es ja auch nicht unbedingt weither - da bin einfach mal ehrlich mit mir selber. Sicher gibt es auch Zeiten, in denen ich mich mal "richtig ins Zeug lege"..und evtl etwas lesbares fabriziere. Kommt aber momentan kaum vor.

Ich überlasse das Feld gerne anderen, die dann den nötigen Elan aufbringen, Und es sind ja nun nicht unbedingt ganze Artikel von Nöten, wenn meine Infos auch in ein paar schnellen Kommentaren Platz haben. ;-) :-*

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