Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

DIE JERRY COTTON - FILME

DIE JERRY COTTON - FILME

Die Jerry Cotton - Filme entstanden im Auftrag der Münchener Verleihfirma "Constantin“ und wurden in deutschen Großstädten wie Berlin, Hamburg und Hannover sowie  im Studio gedreht.
So wurden u. a.  diverse Hamburger Straßenzüge für die Filme umgebaut und die New Yorker Metro fuhr auf der Linie der heutigen U2 vom Berliner Tor aus nach Niendorf.

Foto

Am 6. Mai 1965 hatte mit “SCHÜSSE AUS DEM GEIGENKASTEN” der erste Jerry Cotton – Film mit George Nader in der Hauptrolle in den deutschen Kinos Premiere. Regie führte Fritz Umgelter. Das Drehbuch schrieb Georg Hurdalek.

Eine amerikanische Gangsterbande tarnt sich als Musikkapelle, um so unauffällig einen tolldreisten Raub nach dem anderen durchzuführen.

FBI-Mann Jerry Cotton verkleidet sich kurzerhand als Vagabund, um sich so in die Bande einzuschleusen. Da plant deren Boss einen mörderischen Überfall auf ein Kunstkabinett.

Mitte 1965 entstanden an den Landungsbrücken in Hamburg eine weithin unübersehbare Kulisse, die von der Straße „Eichholz" her die gesamte auf dem Stintfang liegende Jugendherberge verdeckte.

Gedreht wurde hier der zweite Jerry Cotton Film „MORDNACHT IN MANHATTAN“ mit George Nader in der Hauptrolle.
 

Plakat

Genau in diesem Kreuzungsbereich befand sich damals ein alter Rundbunker. Zuerst begann man oberhalb der Mauer am Hang zum Stintfang ein Holz-Gerüst aufzustellen, das mit einer riesigen Manhattan-Skyline verkleidet wurde.
In sich verschachtelte Fassaden mit den typischen Feuerleitern und riesige Reklamezeichnungen an den Stirnfronten erweckten den Eindruck, als spielte die Szene in einer etwas heruntergekommenen Ecke von New York.
PlakatUm dabei einen möglichst echten Effekt zu erzielen, waren mehrere Fenster aus den Holzplatten herausgesägt. Vorhänge und an einer Bügelkonstruktion hängende Glühbirnen „im Zimmer" vermittelten später im Film den Eindruck von geöffneten Fenstern.

Parallel zum Bau der Hintergrundkulisse begann man, den Rundbunker zur Kuhberg-Seite hin zu verkleiden.
In einer Szene des späteren Films steht die Kamera auf der unverkleideten Seite des Bunkers, der an dieser Stelle den Schriftzug „Garage" erhielt. Rechts neben der kunstvoll gebauten Werkstatt entstand aus Holz eine Tankstelle der Marke „Tempo Oil & Co." mit einem kleinen Kassenraum/Büro und zwei Zapfsäulen vor der Tür.

FotoDie Mauer am Berg erhielt noch einen großen Schriftzug „Automobile Service Station" und zusammen mit ein paar alten Reifen, Schränken für Werkzeug und Öldosen und einer Original-Inneneinrichtung sah das komplette Ensemble nach Fertigstellung total echt aus.
Ein in der Straße „Hafentor" liegender Elektroladen wurde kurzer Hand zu einem „Electric Shop" umfirmiert. Akribisch erhielten alle Artikel im Schaufenster Preisschilder mit Dollar-Zeichen, obwohl später im gesamten Film die Kamera dem Fenster nie so nahe kommt, dass man die Schilder hätte lesen können. Und auch die übrigen Läden und Gaststätten wurden „echt amerikanisch" ausstaffiert.

Im August 1965 war es  dann endlich soweit:

Die Filmcrew mit all ihrem technischen Gerät rückte an und auch Jerry Cotton's roter Jaguar stand am Set.

Gedreht werden sollte folgende Filmszene:

FotoNachdem Phil als „neuer Besitzer" der Tankstelle sich weigert, das Geld zu bezahlen, beschließt die Bande, dem Tankstellenpächter eine Lektion zu erteilen.
In rasanter Fahrt schießt der weiße Straßenkreuzer der Gangster vom Eichholz aus kommend auf die Tankstelle zu, biegt zum Kuhberg hinauf und wirft in der Kurve aus dem Wagen heraus eine Handgranate in die Tankstelle.
Die linke Zapfsäule explodiert mit einem riesigen Feuerball und in Windeseile steht die gesamte Tankstelle in Flammen. Phil kann sich gerade noch mit einem Sprung aus dem zerbrochenen Fenster retten.

Bevor die Szene gedreht werden konnte, strich man die Tankstelle mit einer gelartigen Flüssigkeit ein, die später den Brand beschleunigen sollte.
Dann gingen alle Schauspieler auf ihre Positionen und der Gangsterwagen stand startbereit im Eichholz. Per Megafon wurde um Ruhe gebeten und dann hieß es „Kamera ab, Ton läuft"!
Der weiße Straßenkreuzer beschleunigte und nahm mit quietschenden Reifen die Kurve zum Kuhberg. Die Granate flog aus dem Wagen und die Explosion der Zapfsäule wurde ausgelöst.
Der Pyrozauber fiel allerdings recht mager aus. Nur kleine Flammen züngelten hervor und setzten wenige Teile der Tankstelle in Brand.
Das hatte sich auch der Regisseu Harald Philip anders vorgestellt, der den Dreh sofort abbrach und die Feuerwehr anwies, den entstandenen Brand sofort zu löschen, etwas anders vorgestellt.
Natürlich waren aber trotzdem schon Kulissenelemente rußgeschwärzt und die Farbe blätterte an einigen Stellen auch ab.

Die Wiederherstellung des alten Aussehens ging dann aber schneller, als gedacht

Beim zweiten Anlauf klappte es dann wunschgemäß: die Zapfsäule fiel nach der Explosion um und ein riesiger Feuerball schoss in den Himmel!
Die mit der Paste eingestrichenen Elemente fingen ebenfalls sofort Feuer und so brannte die Tankstelle genauso, wie es im Drehbuch stand. Heinz Weiss alias Phil Decker konnte sich mit einem Sprung aus dem Fenster rechtzeitig retten. Der Bereich um dieses Fenster war nämlich nicht mit der Brandpaste bestrichen worden, so dass hier keine Flammen den Weg versperrten.

FotoZufrieden ließ der Regisseur Harald Philip die Klappe fallen und die Feuerwehr machte sich ein zweites Mal daran, die Tankstelle aus vollen Rohren zu löschen.
Nun war sie auch abbruchreif, denn die Explosion und das anschließende Feuer hatten an dem Holzbau ganze Arbeit geleistet.

Damit waren die Dreharbeiten in diesem Bereich Hamburgs zu dem zweiten Jerry Cotton – Film  beendet, der Showdown fand in einem alten Fabrikgelände statt.

 Am 25 November 1965 hatte „MORDNACHT IN MANHATTAN“ unter der Regie von Harald Philip Premiere in den deutschen Kinos. Das Drehbuch zum Film schrieb Herbert Reinecker unter seinem Pseudonym Alex Berg.

Ein kleiner Junge wird Augenzeuge eines Mordes an einem Restaurantbesitzer: Das Opfer hatte die monatlichen Schutzgebühren der "Hundert-Dollar-Bande" nicht gezahlt.
Und nun ist Billy, der kleine Junge, in Gefahr, denn er ist der Einzige, der den Chef dieser Bande identifizieren kann. FBI-Agent Jerry Cotton muss sowohl Billy beschützen als auch die Verbrecher dingfest machen.
Doch der clevere Unterweltboss versteht es, seine Spuren zu verwischen und erledigt vorsichtshalber alle "Verbindungsmänner", die ihn verraten könnten. Die einzige Chance für Jerry Cotton besteht nun darin, mit Billy als Köder dem großen Unbekannten eine Falle zu stellen ...

PlakatAm 4. März 1966 folgte mit „UM NULL UHR SCHNAPPT DIE FALLE ZU“ bereits der nächste Cotton – Film. Wieder führte Harald Philip Regie. Das Drehbuch schrieben diesmal Kurt Nachmann und Fred Denger.

FotoZwanzig Kanister Nitroglyzerin, die zur Sprengung von ganz New York ausreichen, werden von einer Gangsterbande entwendet.
Eine Hitzewelle verschärft das Problem, denn ohne sachgemäße Kühlung wird die Ladung binnen 63 Stunden explodieren.
Jerry Cotton versucht die gefährliche Fracht schnellstmöglich ausfindig zu machen und kommt dabei dem Unterweltboss Larry Link in die Quere.

 
Am 25. August kam  mit „DIE RECHNUNG EISKALT SERVIERT“ unter der Regie von Helmut Ashley der nächste Cotton – Streifen in die deutschen Kinos. Das Drehbuch schrieb Georg Hurdalek.

FotoEigentlich wollte Spezialagent Jerry Cotton Urlaub machen – doch daraus wird nichts, da die berüchtigte Charles-Bande einen Geldtransport überfällt und sechs Millionen Dollar erbeutet.
PLakatSo heftet sich der "Urlauber" an die Fersen der Bande, die bereits ihre Flucht ins Ausland vorbereitet. Dabei gerät Cotton ins Kreuzfeuer zweier rivalisierender Banden, die beide Anspruch auf die Beute erheben.


Mit dem fünften Jerry Cotton – Film, „DER MÖRDERCLUB VON BROOKLYN“,
unter der Regie von Werner Jacobs, der am 17. März 1967 Premiere hatte, ermittelte der FBI – Agent zum ersten Mal auf der Kinoleinwand in Farbe.
Das Drehbuch schrieb zum zweiten Mal Herbert Reinecker, wieder unter seinem Pseudonym Alex Berg.

PlakatDrei Millionäre werden erpresst und wenden sich auf einer Party Hilfe suchend an den FBI-Agenten Jerry Cotton.
Noch am selben Abend geschieht eine Entführung, die jedoch misslingt und zum Tod des fälschlicherweise verschleppten Opfers führt.
Bei einer zweiten Entführungen wird die Tochter eines der Millionäre verschleppt.
Foto Nachdem der Versuch ihrer Befreiung durch das FBI den Tod des Mädchens zur Folge hat, muss Jerry Cotton im Alleingang die Erpresser zur Strecke bringen.

In „DYNAMIT IN GRÜNER SEIDE“, der am 23. Februar 1968 Premiere hatte, gab Harald Reinl sein Jerry Cotton – Regiedebüt. Das Drehbuch zum Film schrieben Rolf Schulz und Christa Stern.

Kurze Zeit nachdem das Gangstersyndikat "Stone" einen spektakulären Giftgasdiebstahl hinter sich gebracht hat, plant deren unbekannter Boss den nächsten Coup.
FBI-Mann Jerry Cotton wird als vermeintlicher Spzialist zur Ausschaltung von Alarmanlagen in die Bande eingeschleust.
PlakatFotoDurch einen Irrtum ist Cotton auf sich selbst angewiesen, als die Gang einen erneuten Giftgasanschlag auf die wichtigsten Diamantenhändler der Welt verübt. Kann Cotton einen Raub der Diamanten im Wert von 12 Millionen Dollar in letzter Sekunde verhindern und den Bandenboss des Syndikats enttarnen?


Es folgte der Cotton – Film  „DER TOD IM ROTEN JAGUAR“, der am 15. August 1968 Premiere hatte, wiederum unter der Regie von Harald Reinl. Herbert Reinecker lieferte unter Alex Berg sein drittes Drehbuch ab.

Als in New York eine junge Frau und ihre kleine Tochter ermordet aufgefunden werden, setzt das FBI seinen Spitzenagenten Jerry Cotton auf den mysteriösen Fall an.
PlakatAllem Anschein nach steckt ein Mörder-Syndikat, das während der Ermittlungen immer wieder zuschlägt, hinter dem Verbrechen. Um an die Drahtzieher heranzukommen, gibt Jerry Cotton seine eigene Ermordung in Auftrag.


FotoAm 26. März feierte mit „TODESSCHÜSSE AM BROADWAY“ der achte Jerry Cotton – Film in den deutschen Kinos Premiere.

 Die FBI-Agenten Jerry Cotton und Phil Decker geraten in einen blutigen Bandenkrieg um geraubte Goldbarren im Wert von drei Millionen Dollar, die im New Yorker Hafen versteckt liegen.
Der Drahtzieher des Goldraubs hat sich durch eine plastische Gesichtsoperation unkenntlich gemacht, aber mit Hilfe einer mutigen jungen Sängerin können Jerry Cotton und sein Freund ihn aufspüren und nach dramatischen Auseinandersetzungen mit den rivalisierenden Gangstern auch die versteckte Beute finden.

Drehbeginn des Films war  am 18. November 1968 in Hamburg gewesen.

Wie üblich, wurde die Presse immer wieder während der Dreharbeiten eingeladen, um darüber zu berichten.

PlakatHarald Reinl führte in „TODESSCHÜSSE AM BROADWAY“ zum drittenmal Regie. Und auch das Drehbuchautorenteam Rolf Schulz und Christa Stern lieferte ihr drittes Drehbuch ab.

FotoDoch der achte Jerry-Cotton-Film sollte leider auch der letzte sein. Alle Pläne, die Film - Reihe fortzusetzen, scheiterten.

Unvergessen bleibt aber nicht nur George Nader als G-Man Jerry Cotton, sondern  auch die Titelmusik der Filme, welche von Peter Thomas komponiert wurde. Wer die Melodie einmal gehört hat, vergisst sie wohl nie mehr. Das ist der berühmte Jerry Cotton-Marsch, der sich in verschiedenen Varianten als Leitmotiv durch die Filme zog.



 HAUPTDARSTELLER
Jerry Cotton... George Nader
(dt. Spr.: Heinz Engelmann)
Phil Decker... Heinz Weiss
Mr. High... Richard Münch

Gaststars in allen acht Filmen unter anderem:
Helmut Förnbacher, Peter Kuiper, Willy Semmelrogge, Walter Blum, Dirk Dautzenberg, Horst Frank, Sgfrid Steiner, Yvonne Monlaur, Horst Tappert, Rainer Brandt, Arthur Brauss, Walter Rilla,  Helga Anders, Dagmar Lassander, Heinz Reinke, Wolfgang Spier, Horst Michael Neutze, Claus Holm, Günter Schramm, Dieter Eppler, Rainer Basedow, Carl Möhner, Günter Mack, Horst Niendorf, Friedrich Schütter, Grit Böttcher, Gerd Hauke, Kurt Jaggberg, Käthe Haack, Heidi Bohlen, Michaela May, Herbert Fux, Rudolf Fernau, Konrad Georg, Uli Kinalzki

Die Titel
1. Schüsse aus dem Geigenkasten (1965)
2. Mordnacht in Manhattan (1965)
3. Um Null Uhr schnappt die Falle zu (1966)
4. Die Rechnung - eiskalt serviert (1966)
5. Der Mörderclub von Brooklyn (1967)
6. Dynamit in grüner Seide (1968)
7. Tod im roten Jaguar (1968)
8. Todesschüsse am Broadway (1969)

© 2008 by Ingo Löchel
Bilder : Archiv des Autors

Kommentar schreiben

Probehalber öffnen wir wieder den Gästezugang für Kommentare. Wir werden sehen, wie lang es dauert. Da diese nicht automatisch publiziert werden, kann es eine Weile dauern, bis diese freigeschaltet werden

Please notice: If you are not a registered user, your comments have to de moderated. It may be last some time till it appears ...

- Bitte nehmt Rücksicht auf andere und kommentiert zum Thema und bleibt sachlich...
- Rassistische und diskriminierende Kommentare werden nicht zugelassen
- Kommentare werden begutachtet und dann - unverändert - frei geschaltet.


- Nur noch Administratoren [SuperUsern] ist es gestattet Kommentare zu editieren - bitte den Zusatz mit einem geeigneten Wort wie "Edit" kennzeichnen - oder zu löschen

- Wer Kommentare entfernt haben möchte, wende sich bitte via Kontaktformular oder Mail an den Administrator. Dann wird darüber entschieden.

Sicherheitscode
Aktualisieren

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren. Indem Sie "Akzeptieren" anklicken ohne Ihre Einstellungen zu verändern, geben Sie uns Ihre Einwilligung, Cookies zu verwenden.