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Stöckelschuhe, kurze Röcke und ein mörderischer Sommer

Ein mörderischer SommerStöckelschuhe, kurze Röcke und ...
... »Ein mörderischer Sommer«

In einer südfranzösischen Kleinstadt lebt auf dem eigenen Hof die Familie Montecciari, und Florimond Montecciari, den jeder nur "Pin Pon" nennt, beobachtet, wie einige andere Männer auch, dass in der Nähe eine neue Familie einzieht. Das Hauptaugenmerk dabei gilt jedoch der 19-jährigen Eliane, die stets ziemlich freizügig gekleidet den Männern reihenweise den Kopf verdreht. Wüssten sie, was dieser Schönheit im Köpfchen herumgeht, sie würden wahrscheinlich einen großen Bogen um diese junge Frau machen, denn ihre Pläne enden blutig.

 

Vorsicht Spoiler
SzenenfotoSchon nach einiger Zeit läuft unter den Männern das Gerücht herum, dass die süße Eliane ziemlich leicht zu haben ist und die Rückenlage selbst auf der Pritsche eines Kleintransporters bestens beherrscht. Gerüchte also, die einen jungen Mann, der lieber etwas Ernsthaftes sucht, Abstand nehmen lassen sollten. Doch Pin Pon lässt sich schnell auf ein eingefädeltes Rendezvous mit Eliane ein und ist durchaus von ihr fasziniert. Doch so recht weiß er nicht, was er von ihr halten soll, denn sie verhält sich interessiert für ihn, um in der nächsten Sekunde wieder abweisend zu erscheinen. Doch Pin Pon lässt bei der hübschen Eliane nicht locker und schon bald geht sie bei ihm auf dem Hof ein und aus, was zumindest der Mutter von Pin Pon nicht gefällt. Schließlich pflegt Eliane ihr Image als "Flittchen", indem sie auch mal splitternackt vor dem Haus ein Sonnenbad nimmt.

Gut zumindest, dass die Familie Montecciari nicht ahnt, weshalb Eliane sich gerade Pin Pon für eine feste Beziehung ausgesucht hat. Auch Boubou und Mickey, die zwei Brüder von Pin Pon, verstehen sich mit Eliane bestens. Cognata, Pin Pons Tante, lässt zumindest jeden in dem Glauben, sie könne wegen des schlechten Gehörs niemanden verstehen. Doch auch zu ihr findet Eliane einen Zugang und erfährt so mehr über das mechanische Klavier in der Scheune. Nur Pin Pons Mutter lehnt Eliane weiterhin ab und hat kein gutes Gefühl bei ihr. Doch welches Geheimnis umgibt das mechanische Klavier für Eliane?

Rückblende: Es ist der Winter im Jahr 1955, als Elianes Mutter alleine in einem einsam gelegenen Haus sieht, wie ein LKW vor ihrem Haus hält. Die Männer transportieren ein mechanisches Klavier und unterhalten sich kurz mit ihr. Doch selbst als sie wegfahren, bleibt in ihr ein unruhiges Gefühl. Dies sollte sich bestätigen, denn in der Nacht kommt der LKW zurück. Die Männer fallen über die junge Frau her, schlagen und vergewaltigen sie in der Nacht. Zwar lassen ihre Peiniger sie am Leben, doch im Sommer kommt Eliane zur Welt.

SzenenfotoEliane weiß, dass sie das Resultat einer Vergewaltigung ist, doch ihre Mutter, die alle nur "Eva Braun" nennen (wegen ihrer deutschen Abstammung) will oder kann Eliane nicht mehr sagen, als sie bereits weiß. Ihr Stiefvater Gabriel Devigne, der im Rollstuhl sitzt, verschanzt sich in einem Zimmer und geht Eliane aus dem Weg. Er hatte damals geschworen, die Täter zu töten und fuhr dann auch angeblich zu seiner Schwester, als er wusste, wer die Vergewaltiger waren. Doch dieses Geheimnis behielt er stets für sich und niemand glaubte ehrlich daran, dass er seine Drohung jemals wahrmachen würde.

Gerade Cognata gibt Eliane die entscheidenden Hinweise, worauf sie sich in der Großstadt eine kleine Wohnung nimmt, wo sie ab und zu ihre lesbische Lehrerin besucht, die Eliane geradezu verfallen ist. Dann sucht Eliane getarnt den Holzhändler Leballech und den Immobilienmakler Touret auf und beginnt besonders ihre erotischen Reize auszuspielen. Denn sowohl Touret als auch Leballech sollen damals mit dem LKW das mechanische Klavier geliefert haben. Ihrer Lehrerin macht Eliane vor, die Männer würden sie mit Gewalt zur Prostitution zwingen und deponiert eine Nachricht hinter einem Spiegel. Sollte jemals etwas passieren, solle sie dafür sorgen, dass Pin Pon diese Nachricht findet.

SzenenfotoNach ihrer Hochzeit mit Pin Pon überschlagen sich die Ereignisse, denn Touret kommt dahinter, was Eliane will und erzählt ihr, dass in dieser Nacht andere den LKW gefahren hätten und nicht zur vereinbarten Zeit angekommen wären. Ein alter Zeitungsausschnitt, eingenäht im Futter einer Jacke ihres Stiefvaters offenbart Eliane dann, dass dieser damals bereits die wahren Täter getötet hatte. Als Pin Pon auf der Suche nach Eliane ist, hat man sie bereits in eine Heilanstalt eingewiesen, weil sie durch den Schock wieder geistig in ein Stadium ihrer Kindheit zurückgefallen ist. Pin Pon, der das alles nicht versteht, wird von der Lehrerin auf die Nachricht von Eliane hinter dem Spiegel aufmerksam gemacht. Außer sich vor Wut über das, was Leballech und Touret Eliane angeblich angetan haben sollen, macht er sich mit einem Gewehr auf, um Elianes geistigen Zustand blutig zu rächen.
Spoiler Ende

Der Film EIN MÖRDERISCHER SOMMER entstand im Jahre 1982 und dürfte den internationalen Durchbruch für die Schauspielerin Isabelle Adjani dargestellt haben. Diesen Film nur knapp zu spoilern ist mir hierbei durchaus schwergefallen, denn der Film ist so vielschichtig und intensiv, dass jede nur kurze Inhaltsangabe kaum das wiedergeben könnte, was diesen Psycho-Thriller ausmacht. In diesem Sinne bitte ich die Ausführlichkeit zu entschuldigen, zumal auch das noch nicht annähernd alles wiedergibt, was den Film im Ganzen ausmacht. Man muss ihn schlicht in seiner Gesamtheit gesehen haben, um zu wissen, was ich damit meine. Ein Erfolg war der Film allemal und erhielt dafür 1983 die Goldene Palme und 1984 den César.

SzenenfotoÜberhaupt die sich langsam, aber unaufhaltsam aufbauende Spannung, die perfekte Erzählweise und Rückblenden, sowie die stetige knisternde Erotik kann kein noch so ausführlicher Spoiler wiedergeben. Und das Sahnehäubchen dürfte das perfekte Spiel von Isabelle Adjani, Alain Souchon oder Suzanne Flon darstellen, um nur einige wenige zu nennen. Nur selten sieht man einen Film, der so virtuos jede Stimmung und jeden Charakter einfängt und den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute dermaßen zu fesseln weiß. In diesem Punkt ist der Film EIN MÖRDERISCHER SOMMER geradezu zeitlos. Dabei basiert der Film auf dem Roman BLUTIGER SOMMER von Sébastien Japrisot (Schriftsteller-Pseudonym von Jean-Baptiste Rossi), der für die Verfilmung auch das Drehbuch verfasste. Der Roman selbst wurde 1984 beim Rowohlt Verlag veröffentlicht (204 Seiten/Übersetzung: Elisabeth Uebe).

Lassen Sie sich also von dem etwas ausführlicherem Spoiler (der immer noch nicht wirklich alles verrät) nicht abschrecken, denn letztendlich kommt selbst dieser Spoiler nicht an das Erlebnis heran, das man genießt, wenn man den Film selber sieht.

Daten zum Film:
Ein mörderischer SommerEin mörderischer Sommer
(L'été meurtrier)

mit:
Eliane  -  Isabelle Adjani
Florimond (Pin Pon)  -  Alain Souchon
Mutter  -  Maria Machado
Gabriel Devigne (Stiefvater)   -  Michel Galabru
Cognata (Pin Pons Tante)  -  Suzanne Flon
Pin Pons Mutter  -  Jenny Clève
Boubou (Pin Pons Bruder)  -  Manuel Gélin
Mickey (Pin Pons Bruder)  -  Francois Cluzet
Touret  -  Max Morel
Leballech  -  Jean Gaven
u. a.

Regie: Jean Becker
Drehbuch: Sébastien Japrisot
Nach dem Roman von Sébastien Japrisot (Blutiger Sommer)
Produktion: Christine Beyout
Musik: Georges Delerue
Kamera: Étienne Becker
Schnitt: Jacques Witta
u. a.

Genre: Psycho-Thriller
FSK 16 Freigabe (DVD)
Laufzeit: 125 Minuten

Frankreich/1982

Kommentare  

#1 Kerstin 2011-11-15 18:33
Oh ja, den Film habe ich damals gesehen, als er im Kino war. Der ist wirklich gut, ich kann mich heute noch an viele Einzelheiten und die Stimmung sowie die stetig steigende Spannung erinnern.
#2 Manfred Weinland 2011-11-16 11:17
Mit dem Film wurde ich zum Adjani-Fan, er ist klasse, vor allem, was die schwül-knisternde Atmosphäre angeht.
#3 Laurin 2011-11-16 20:57
Da wurdest nicht nur du zum Adjani-Fan, Manfred. Da ich den Film sofort geradezu geliebt habe, habe ich ihn mir sofort als DVD an Land gezogen. Da stimmte alles, wie Kerstin ja schon sagt. Leider kommt er zu selten im Fernsehen (dieses Jahr war er nur auf ARTE zu sehen gewesen).
#4 Thomas 2011-11-20 18:40
Wer braucht schon eine TV-Ausstrahlung, wenn er die DVD dieses französischen Thriller-Klassikers besitzt? :lol:
#5 Laurin 2011-11-21 10:58
Stimmt auch wieder, Thomas :D
aber ich denke da mal auch an die vielen, die die DVD nicht haben. Die kann ich ja nicht alle bei mir in die Wohnung lassen. :lol: 8)

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