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Ein Superschurke bedroht die Welt: FANTOMAS

FantomasEin Superschurke bedroht die Welt
FANTOMAS

Mindestens einmal im Jahr beglückt uns der kleine Fernsehsender DAS 4. mit den FANTOMAS-Filmen, in denen Louis de Funes als Kommissar Juve stets hektisch wie trottelig den Superschurken mit den 1000 Gesichtern verfolgt. Zumeist läutet der Sender damit eine ganze Reihe von Filmen des französischen Komikers ein (auch jedes Jahr dieselben), doch darum geht es in diesem Artikel nicht. Wesentlich interessanter ist jedoch die Figur des FANTOMAS selbst, denn eigentlich ist FANTOMAS keine lustige Figur, sondern ein Schurke der durchaus ein gruseliges Potential hat.

 

Jean Marais als FantomasFANTOMAS - bunt, chaotisch und schrill
Bleiben wir aber mal bei eben der FANTOMAS-Verfilmung von 1963/1964. Unter der Regie von Andre Hunebelle erwacht der Superschurke FANTOMAS im popig-schrillen Stiel einer Kriminalkomödie, wobei der Film durchaus zu gefallen weiß. Dabei bedient man sich in diesem Film (FANTOMAS: 1963/64)eigentlich nur gewisser Motive der Romane um die Figur des FANTOMAS, im Allgemeinen jedoch hat der Film und seine zwei Fortsetzungen unter den Titeln FANTOMAS GEGEN INTERPOL (1965) und FANTOMAS BEDROHT DIE WELT (1966/67) aber nicht viel mit der Romanfigur des Superschurken zu tun.

Blickfang aller drei Filme war Mylene Demongeot (Helene), während der Strahleheld von Jean Marais (Fandor/Fantomas) ebenso abgeliefert wurde wie auch der Superschurke selbst. Irgendwie haben diese Filme für mich auch etwas von einer französisch-italienischen Antwort auf James Bond, wenn man den gewaltigen komödiantischen Anteil der Filme mal außen vor lässt. Da gibt es dann die unterirdische Basis mit allem Schnickschnack, ein U-Boot oder ein fliegendes Auto und natürlich strebt FANTOMAS nach der Weltherrschaft (warum sich auch mit weniger zufrieden geben wenn man alles haben könnte). Trotzdem sollte man nicht vergessen, dass es sich bei dem Film FANTOMAS und seine zwei Fortsetzungen, um eine gewollte und gut umgesetzte Persiflage auf einen Kriminellen des Schreckens handelt.

So ganz reibungsfrei lief diese Kriminalkomödie aber nicht ab, denn die Kritiker verrissen den Film erst einmal im hohen Bogen. Doch was zählen schon Kritiker, die hier die Originalfigur des Superschurken verhonepipelt sahen, denn der Film FANTOMAS wurde ein beachtlicher kommerzieller Erfolg an den Kino-Kassen. Letzteres war dann auch das Sprungbrett für den Schauspieler Louis de Funes, denn die Rolle des trotteligen und stets hektischen Kommissar Juve verschaffte ihm den endgültigen Durchbruch zum französischen Star-Komiker.

Und selbst in der ehemaligen DDR durfte man FANTOMAS im Dezember 1973 hochoffiziell bestaunen. Für Jean Marais (1913 - 1998) hingegen war FANTOMAS eigentlich als Durchlauferhitzer zum Star gedacht, und das wollte er dann mit "Die Schöne und das Biest" untermauern. Nachteil für Marais, Louis de Funes (1914 - 1983) stahl dem Strahlehelden glatt die Schau, was dazu führte das Louis de Funes in den Fortsetzungen die gleichen Anzahl Szenen wie Jean Marais erhielt.

Fantomas aml düsterFANTOMAS - düster und gruselig
In den späten 70er Jahren nahm sich Claude Chabrol des Superschurken an, der nunmehr von Helmut Berger verkörpert wurde. An diesem Vierteiler soll auch das ZDF beteiligt gewesen sein (und vielleicht weiß hierzu noch jemand das eine oder andere beizutragen was die Beteiligung betrifft). Zumindest ist in dieser vierteiligen Serie Schluss mit Klamauk und hektischen Späßen ala Louis de Funes. Chabrol nähert sich in seiner Version den Romanen von Pierre Sourestre und Marcel Allain an und so darf FANTOMAS wieder böse und gerissen sein.

Die bisherige Recherche jedenfalls förderte rund 16 Verfilmungen zutage, wobei natürlich die Mehrteiler jeweils einzeln mit gerechnet wurden. Die erste Verfilmung der Schurkenfigur FANTOMAS erfolgte im Jahre 1913 als fünfteilige Filmreihe von Louis Feuillade mit Rene Navarre in der Rolle des FANTOMAS. Die letzte wird auf das Jahr 1980 datiert. Doch wenn es eventuell seit 1980 keine weiteren Verfilmungen mehr gegeben haben sollte, so ist damit nicht das Ende des düsteren Schurken mit der Maske eingeleitet. Für Nachschub wird kräftig gesorgt, denn der Regisseur Christophe Gans ("Pakt der Wölfe") outete sich bereits als einen großen Fan der Figur FANTOMAS und hat diesbezüglich bereits angekündigt, im Frühjahr 2011 eine Neuauflage zu drehen. Als FANTOMAS ist hierbei Vincent Cassel vorgesehen, der (vom Cop) Jean Reno ("Leon der Profi") gejagt werden soll. Der vorgesehene Kinostart wird von Gans mit 2012 angepeilt.

Fantomas als BuchDie Geburtsstunde von FANTOMAS erfolgte indes im Februar 1911 und seine Väter waren Pierre Souvestre und Marcel Allain, die von diesem Moment an jeden Monat ein neues Buch über den Schurken mit der Maske über Artheme Fayard veröffentlichten. Hierbei soll jeder in einem anderen Zimmer kapitelmäßig den jeweiligen Roman auf einer Wachswalze gesprochen haben, was dann von mehr als einer Stenografin ausgewertet und zusammengefügt wurde. Also eben wohl nicht die übliche Art eines Autoren, der zu dieser Zeit noch auf einer mechanischen Schreibmaschine herum gehämmert haben dürfte das die Fetzen fliegen. Hätten Allain und Souvestre es einem solchen Autor gleich getan, hätten sie wohl kaum jeden Monat einen Roman über FANTOMAS auf den Markt werfen können. Der Zeitdruck soll sogar dazu geführt haben, dass sie die jeweiligen Kapitel des anderen nicht einmal gelesen hatten. Auch sollen sie sich nicht wirklich selbst mit dem Korrekturlesen ihrer eigenen Werke befasst haben.

FantomasTrotz dieser sehr unorthodoxen Vorgehensweise der Autoren muss ihre Figur um den Schurken FANTOMAS durchaus ein Renner gewesen sein, denn warum sonst sollte ein solcher Ausstoß an Romanen in kurzer Zeit erfolgen wenn sie nicht auch gelesen würden. Und dass schon 1913 eine fünfteilige Verfilmung (siehe oben) erfolgte, dürfte den Erfolg der Romane von Souvestre und Allain noch unterstreichen. Insgesamt erschienen von Februar 1911 bis September 1913 rund 32. Romane vom Autoren-Team Souvestre und Allain. Nachdem Pierre Souvestre verstorben war, veröffendlichte Marcel Allain zwischen 1926 bis 1963 noch weitere 11. FANTOMAS-Romane. Somit kommt man auf insgesamt 43. Romane um den Schurken mit der Maske.

Führt man uns also jährlich in schöner Regelmäßigkeit mit Louis de Funes die lustige Version des FANTOMAS vor (siehe oben), so ist der eigentliche FANTOMAS auch in den Romanen von Souvestre und Allain ein genialer, aber auch äußerst skrupelloser Verbrecher. Da kann schon mal eine Parfümflasche zur grausigen Waffe werden, wenn das betreffende Opfer nicht weiß das der Inhalt aus Säure besteht. Oder man lasse einfach pestverseuchte Ratten los, der Rest besorgt sich dann quasi im Selbstlauf. Einen eigenartigen Humor scheint FANTOMAS ebenfalls in den Romanen gehabt zu haben wenn er sein Opfer entgegen aller Gepflogenheiten mit dem Gesicht nach oben unter eine Guillotine packt, frei nach dem Motto: Guck mal wie schnell die Klinge kommt! FANTOMAS ist also durchaus eine Figur die sich sowohl durch Einfallsreichtum aber auch durch Kaltblütigkeit auszeichnet. Eben keine witzige Figur der man etwas vertrottelt hinterher jagen sollte.

Doch Erfolge feiert FANTOMAS nicht nur in Filmen und Romanen. Eine nicht geringe Anzahl von Zuhörern verfolgte die grausigen Taten auch per Radio (RTF/France-Culture) und auch als Comic wurde FANTOMAS zum Beispiel bereits umgesetzt, und das auch im Ausland. In eben einer Mexikanischen Comic-Serie (Fantomas, The Elegant Menace) trifft FANTOMAS auch schon mal auf Adolf Hitler und scheint eher eine Art "guter" Bösewicht zu sein, der eben noch bösere Bösewichte das fürchten lehrt.

Interpretation ist eben alles.

Kommentare  

#1 Remis Blanchard 2011-01-11 14:38
In der tschechischen Fernsehproduktion "Die Märchenbraut" hatte Fantômas auch einen Auftritt. Hier wurde er mit blauer Maske dargestellt, im Stil der Louis-De-Funès-Filme. Er verkörperte dort den Herrscher der Märchenwelt für Erwachsene. In der Fortsetzung "Die Rückkehr der Märchenbraut" hatte Fantômas ebenfalls einen Auftritt.
Pahntomias, das Alter Ego von Donald Duck geht auch auf Fantômas zurück. IN LTB 41: "Die Verwandlung" erfährt der Leser, dass Phantomias wahrscheinlich auf Fantômas zurückgeht.
Für mich sind die 3 Louis de Funès Filme noch die besten Fantômas Filme. Den ZDF Vierteiler fand ich persönlich damals nicht so gut.
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#2 Larry Moon 2011-01-11 19:06
t-online.de
2011 kommt ein neuer Fantomas Film. Link: www.imdb.de/title/tt1437355/
8)
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#3 Laurin 2011-01-11 20:44
Upps...Danke Remis Blanchard, die Kurzauftritte in "Die Märchenbraut" hatte ich glatt vergessen, ist aber auch schon verdammt lange her wo ich die Filme gesehen hatte.
Was Phantomias angeht, kann ich leider nicht viel zu sagen denn Donald Duck und Co. habe ich dafür viel zu selten gelesen.
Was die Louis de Funes-Filme angeht, mag ich die auch sehr gerne während der ZDF-Vierteiler eher in den Bereich "Langweiler" passt, denn unter Spannung verstehe ich da auch was anderes.
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#4 volker 2015-06-25 17:20
Fantomas erfährt gerade eine Wiedergeburt als Nachrichtensprecher.

www.youtube.com/channel/UCJWPCT7BJj8Lz-rCzwyfwog
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#5 joe p. 2015-06-26 13:20
LTB 41 ist ein echter Klassiker. Von Fantômas als Vorläufer des Phantomias ist dort aber nicht die Rede, zumindest nicht in der Erstausgabe. Es wäre aber möglich, dass man an der Übersetzung später etwas geändert hat.
A propos Übersetzung: Phantomias ist eine italienische Erfindung, auch wenn ein Comicband aus der BILD Reihe ihn wegen der Story "Supermensch" Carl Barks zuschreibt. Der Supermensch bei Carl Barks war aber eher, nun ja, Superman, während Phantomias eher Batman entspricht. Im Original heißt Phantomias Paperinik (von Paperino, Donald Ducks italienischem Namen.) Der deutsche Name hat seinen Ursprung natürlich bei Fantômas.
Anno 2014 gab es in den LTB eine Reihe von Stories mit dem "ersten Phantomias", der vor ungefähr hundert Jahren lebt und ein Gentlemandieb ist.
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