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»Emma Peel« ist mit 82 Jahren verstorben - Diana Rigg (1938-2020)

Diana Rigg (1938-2020) »Emma Peel« ist mit 82 Jahren verstorben
Diana Rigg (1938-2020)

Man kann ohne Übertriebung sagen, dass Enid Diana Elizabeth Rigg, so ihr vollständige Name, einmal die Babyboomer Generation in Deutschland wesentlich mitgeprägt hatte, wenn es um ein Frauenbild ging, welches ebenso schlagkräftig wie schön, selbstbewußt wie auch sexy wirkte. Dabei dürfte dies für manche dieser Generation nicht so einfach gewesen sein, denn als die britische Fernsehserie THE AVENGERS in Deutschland über den Bildschirm lief, waren die eigentlich noch zu Jung für diese Serie.

Diana Rigg (1938-2020)Ja, auch gegen Ende der 1960er Jahre gab es für das Fernsehen so eine Art Jugendschutz und die Vertreterinnen und Vertreter dieser Babyboomer Generation hätten zu der Uhrzeit, als die Serie im ZDF ausgestrahlt wurde, eigentlich schon im Bett liegen müssen. Zum Glück nahmen es so manche Eltern, wie auch meine, es aber nicht so ernst mit dem Jugendschutz und der Schallgrenze für uns, welche eigentlich mit dem Ende der täglichen Folge des Sandmännchens hätte erreicht sein sollen.

Geboren wurde Diana Rigg am 20. Juli 1938 in Doncaster, England. Doch als sie gerade zwei Monate alt war, zog ihre Familie (Vater Louis Rigg, Mutter Beryl Hilda Rigg) von Yorkshire, England nach Bikaner im Norden des indischen Bundesstaates Rajasthan. Schließlich war ihr Vater Louis Rigg Eisenbahningenieur und hatte in Britisch-Indien zu dieser Zeit eine Anstellung als leitender Angestellter bei einer Eisenbahngesellschaft erhalten. Dies hinterließ bis zu ihrem achten Lebensjahr auch so einige kleinere Spuren, denn sprachlich war Diana Rigg daher durchaus in der Lage, sich auch ein wenig in Hindi zu verständigen.

Von 1955 bis 1957 studierte Diana Rigg später dann Schauspiel an der Royal Academy of Dramatic Art und ihr Theaterdebüt gab sie dann 1957 in der Rolle der Natella Abaschwili in dem Brecht-Stück DER KAUKASISCHE KREIDEKREIS.

Ihren größten internationalen Erfolg feierte sie jedoch ab 1965 (Drehbeginn) als schlagkräftige wie erotische Agentin neben dem Schauspieler Patrick Macnee als Emma Peel in der Fernsehserie THE AVENGERS, die im deutschen Fernsehen eher bekannt sein dürfte unter dem Titel MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE.

Damit wurde Diana Rigg auch in Deutschland recht schnell zu einer  erotischen wie auch ästhetischen Gallionsfigur für eine ganze Generation. Dies zeigte sich schon daran, dass sie sowohl 1968 als auch nochmals 1969 mit dem goldenen Otto der Jugendzeitschrift BRAVO ausgezeichnet wurde.

Dabei könnte man allgemein eigentlich eher der Meinung sein, dass der moderne Frauentyp der Swinging Sixties in London wohl eher durch die Rolling Stones-Geliebte Marianne Faithfull oder dem spindeldürren Mannequin Twiggy repräsentiert wurde. Doch war man mal ehrlich, dann war es Diana Rigg als Emma Peel, an die sich die Kinder der späten Fünfziger und frühen Sechzigerjahre ebenso eindeutig zurückerinnern können, ähnlich wie an den ersten prägenden Song, den sie von den Beatles hörten, wie man es auch richtiger Weise bereits im Nachruf auf Diana Rigg von welt.de festgestellt hat.

Und auch wenn die Kinder eigentlich in diesem Alter die Fernsehserie MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE noch nicht hätten sehen dürfen, so war sie doch als "Karate-Emma" stetiger Gesprächsstoff nicht nur der Jungen, sondern auch der Mädchen in den Schulen. Natürlich hatte es auch schon vorher wie auch danach immer wieder schöne wie starke Frauenbilder im Kino wie auch im Fernsehen gegeben. Doch nie war damals eine Frau so sexy, schlagkräftig, aber auch wortgewandt  und selbstbewußt aufgetreten wie es eben Diana Rigg als Emma Peel tat. Und mit ihren Lederklamotten brachte sie den Zuschauern schon etwas von einem Fetisch näher, als das Wort Fetischismus selbst noch eher ein völliges Fremdwort gewesen war.

Diana Rigg (1938-2020)Dabei stammte dieser Stil aus Leder, Karate und Erotik in der Serie ursprünglich nicht von Diana Rigg, sondern bereits von Honor Blackman als Catherine Gale, die in den vorherigen Staffeln der Serie MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE neben dem ebenso witzigen wie eleganten Agenten John Steed die Bösewichte reihenweise zur Strecke brachte. Und als Honor Blackman die Serie verließ, um als Bond-Girl Pussy Galore in JAMES BOND 007: GOLDFINGER mitspielen zu können, war Diana Rigg, die bisher eigentlich nur am Theater arbeitete, auch nicht gleich die erste Wahl gewesen. Jedoch war die erste Wahl mit der Schauspielerin  Elizabeth Sepherd bereits ein abseluter Fehlgriff gewesen, den die Macher der Serie mit Diana Rigg dann allerdings sehr schnell und sehr erfolgreich korrigierten. Doch gegenüber Honor Blackman gelang es Diana Rigg dann allerdings eher recht vorzüglich, eben diesen doch schon bestehenden Stil aus Erotik, Karate und Lederklamotten völlig auf ihre Person zu konzentrieren.

Das Diana Rigg dann selbst nach insgesamt zwei Staffeln aus der Serie als Emma Peel ausstieg, lag nicht, wie vormals bei Honor Blackman an dem Umstand, dass sie eine Rolle in einem James-Bond-Film erhalten hatte ("James Bond 007 - Im Geheimdienst ihrer Majestät"/1969). Vielmehr lag es bereits daran, das Diana Rigg sich gegen die geringe Bezahlung in ihrer ersten Staffel der Serie zur Wehr setzte. Diese betrug nämlich in der ersten Staffel, in der sie mitspielte, gerade mal 150 britische Pfund wöchentlich. Dies wäre ihr vielleicht nicht einmal so schnell aufgefallen, wenn Diana Rigg nicht herausgefunden hätte, dass sie mit ihrer Hauptrolle neben Partrick Macnee sogar weniger verdiente als der Kameramann.

Mit diesem Wissen setzte sich Diana Rigg intensiv für die gleichberechtigte Bezahlung von Frauen und Männern ein, womit sie dann auch mediale Öffentlichkeit herstellte. Dies wiederum, und wohl auch, weil man Diana Rigg weiter der Serie erhalten wollte, erhöhte man ihre Gage in ihrer zweiten Staffel auf 450 britische Pfund pro Woche. So ganz ließ sich diese Ungleichbehandlung der Geschlechter in der Serie jedoch nicht mehr kitten, weshalb Diana Rigg auch die Serie MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE nach ihrer zweiten Staffel entgültig verließ. Späterhin gab Diana Rigg in einem Interview an, dass niemand sie bei der Forderung nach einer gerechten Bezahlung ohne Ansehen des Geschlechts unterstützt habe. Am meisten dürfte ihr dabei aber auch einen Stich versetzt haben, dass auch die anderen Frauen am Set der Serie, wie aber auch ihr Serienpartner Patrick Macnee ihr nicht bei diesem gesellschaftlichen Thema der Gleichbereichtigung zur Seite standen.          

Im Kino selbst kam ihr schauspielerisches Talent allerdings kaum wirklich zu Geltung, wenn man einmal von ihrem Auftritt in eben einem James-Bond-Film absieht, wo sie als Theresa di Vicenzo sogar die einzige war, die den Geheimagenten ihrer Majestät vor den Traualtar schleifen konnte. Zu einem Skandal weitete sich allerdings ihre Rolle im Film HOSPITAL (1971) aus, in dem sie in einer Szene einen scheinbar impoenten Chefarzt nackt und durch verbale Erniedrigungen zu heilen versucht. Die entsprechenden Sex- und Nacktszenen von Diana Rigg wurden dann allerdings im Vorfeld so umgeschnitten, bis das man hier eine jungendfreie Fassung erstellt hatte, am eigentlichen filmischen Inhalt und dessen Aussage aber nun eher vorbei ging. Eine weitere bekannte Rolle erhielt Diana Rigg dann noch 1982 in der Agatha-Christie-Verfilmung DAS BÖSE UNTER DER SONNE, bei dem sie auch neben Sir Peter Ustinov spielte.

Im Privatleben war Diana Rigg in den 1960er Jahren indessen längere Zeit mit dem britischen Regisseur und Schauspieler Philip Saville liiert gewesen und heiratete 1973 dann den israelischen Maler Menachem Gueffen, von dem sie allerdings 1976 wieder geschieden wurde. Die zweite Ehe mit dem schottischen Großgrundbesitzer Archibald Stierling ging sie dann im Jahre 1982 ein, aus der dann auch ihre gemeinsame Tochter Rachael Stierling (geboren 1977) stammte, welche auch den Beruf als Schauspielerin wählte. Aber auch diese Ehe wurde 1990 wieder geschieden.  

2013 trat Diana Rigg sogar in einer Episode der britischen SF-Kultserie DR. WHO neben ihrer Tochter Rachael Stirling auf. Ansonsten nahm sie aber auch sehr erfolgreich wieder viele Rollen am Theater auf, wo sie auch über die Jahre so ziemlich alle großen Frauenrollen Shakespeares verkörpern konnte. Im Fernsehen selbst tauchte sie ab 2013 nochmals in der mehrfach ausgezeichneten Fantasy-Serie GAME OF THRONES sehr überzeugend wieder auf, als sie ab der dritten Staffel die Rolle der Lady Olenna Tyrell spielte, für die sie auch mehrmals als beste Gastdarstellerin für einen Emmy nominiert wurde.

Diana Rigg (1938-2020)Während ihrer gesamten Laufbahn als Schauspielerin konnte Diana Rigg für ihre Filmdarstellungen aber auch ihren Theaterrollen mehrere Auszeichnungen, wie etwa den Emmy Award, den Theatre Award des London Evening Standart oder den BAFTA Award erlangen. Daneben erhielt sie 1987 den Titel COMMANDER OF THE BRITISH EMPIRE und wurde dann 1994 vom britischen Königshaus in den Stand als DAME COMMANDER OF THE BRITISH EMPIRE erhoben. Daneben erhielt sie aber auch mehrere Ehrendoktorwürden z.B. an der UNIVERSITY OF STIRLING oder der UNIVERSITY OF LEEDS, um nur zwei zu nennen. Als letzte Auszeichnung erhielt sie im Jahre 2001 dann die Aufnahme in das AMERICAN AKADEMY OF ARTS AND SCIENCES.

Erst im März 2020 erhielt Diana Rigg die Diagnose bezüglich einer Krebserkrankung, wobei sie auch zeitlebens eine passionierte Raucherin gewesen war. Laut Aussagen seitens ihrer Tochter Rachael Stierling verbrachte ihre Mutter Diana Rigg ihre noch verbliebene Zeit nicht damit, über die Diagnose niedergeschlagen zu sein, sondern erinnerte sich im Kreise ihrer Familie gerne und mit bestem Humor an ihre vergangenen Zeiten als Schauspielerin in Theater und Film. Am Donnerstag den 10. September 2020 erlag Diana Rigg mit 82 Jahren in Frieden dann im Kreise ihrer Angehörigen ihrer schweren Erkrankung.

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