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Mit Schirm, Charme und Melone - Afrikanischer Sommer (Small Game For Big Hunters)

Mit Schirm, Charme und Melone Mit Schirm, Charme und Melone
Afrikanischer Sommer (Small Game For Big Hunters)

Als John Steed gemeinsam mit Emma Peel so manche diabolischen Pläne von skurrilen Genies, ausländischen Agenten und exzentrischen Kriminellen durchkreuzten, fieberte auch das deutsche Publikum vor den Fernsehern mit. Es war der 18. Oktober 1966 als die Serie MIT SCHIRM, CHARME und MELONE im ZDF ihren Siegeszug antrat und den deutschen Zuschauern einen bis dahin noch nie gesehenes Mix aus Krimi-, Thriller-, Science-Fiction- und Agentenfilm offerierte.

Mit Schirm, Charme und MeloneNette Menschen, wenn sie gerade irgendwo auf dem englischem Lande in einem Tropenanzug durch die Wiesen und über Zäune eilen, laufen eigentlich nicht unbedingt Gefahr, einen kleinen Pfeil in den Rücken geschossen zu bekommen. Im vorliegenden Fall sieht dies allerdings wohl etwas anders aus.

Und dem nicht genug, scheint dieser kleine Pfeil auch noch mit einem Gift präpariert worden zu sein, welches diesen Menschen auch noch postwendend in ein tiefes Koma sinken lässt. Nun ist Großbritannien allerdings auch nicht gerade mit einem Klima gesegnet, wo man schon mal häufig in einem Tropenanzug durch die Lande streift. Allerdings kennt man sich auch dort mit so manchen, eher skurrilen Typen durchaus aus.

Also liegt das eigentliche Augenmerk von John Steed und Emma Peel weniger auf der ungewöhnlichen Art der Bekleidung des armen Opfers, sondern auf die Art, wie man ihn so mir nichts, dir nichts ins Koma verfrachtet hat. Denn diese Form erinnert doch schon ziemlich stark an etwas, was man auch als "Voodoo-Fluch" aus dem sonnigen Kalaya in Afrika her kennt. Und wäre das Opfer in Afrika gewesen, hätte sich die nebensächliche Frage der Kleidung wohl ebenfalls erledigt. Nur ist man eben nicht in Kalaya, noch sonst irgendwo im tropischen Dschungel!

Allerdings ist es in diesem sonderbaren Fall schon einmal von Vorteil, das Emma Peel den guten Professor Swain kennt, der ein Fachmann für die Sitten und Gebräuche der Eingeborenen von Kalaya ist. Also zieht sie ihn zu Hilfe, um der Lösung des Rätsels näher zu kommen.

Mit Schirm, Charme und MeloneEtwas pragmatischer geht indessen John Steed den ominösen Fall an, was ihn auch sogleich direkt zum Landsitz von Colonel Rawlings führt, in dessen direkter Nachbarschaft eben das arme Opfer mit dem Giftpfeil im Rücken aufgefunden wurde. Schließlich hatte der Colonel einst für die englische Krone beim Militär im tropischen Regenwald von Kalaya gedient, wo eben auch die entsprechenden Eingeborenen ihre Heimat haben, die mit entsprechenden Pfeilen um sich werfen.

Und hier liegt John Steed auch wirklich nicht verkehrt, denn der besagte Colonel glaubt wirklich, er wäre wieder wie früher im Dienst ihrer Majestät im Urwald und müsse sich dessen Eingeborenen erwehren. Tatsache ist allerdings, dass dieser Veteran aus altem Schrot und Korn in einer Hütte mitten in einem riesigen Gewächshaus sitzt, welches direkt an sein Landhaus anschließt. Nur merkt er davon eben nichts, weil in seinem Oberstübchen gerade nicht alles rund läuft und einige Schurken alles daran setzen, ihm den tropischen Regenwald so echt wie möglich erscheinen zu lassen.

Und hinter diesem perfiden Plan befindet sich ausgerechnet der besagte Professor Swain samt seiner Komlizen. Dabei ist der reichlich verwirrte Colonel eigentlich nur Mittel zum Zweck, um den eigentlichen Plan in dem Gewächshaus mit dem simulierten Regenwald umsetzen zu können. Denn Swain gehört zu einigen Personen, die vor der Unabhängigkeit des afrikanischen Landes dort Großgrundbesitzer waren, allerdings dann dort nach dem politischen Wandel ihre gesamte Macht einbüßten. Und nun wollen sie sich grausam rächen, indem sie hier mit speziellen Tsetsefliegen experimentieren, die dann einmal in Kalaya freigesetzt, die dortigen Eingeborenen völlig ausrotten sollen.

Das kann John Steed allerdings nicht zulassen. Doch so einfach lässt sich Swain nicht die Butter vom Brot nehmen, weshalb Steed sich unter tropischen Verhältnissen auch mit einigen nachgemachten Eingeborenen von Kalaya herumschlagen muss, die mit ihren Blasrohren nun auch auf ihn Jagd machen. Aber natürlich schickt man einen John Steed wie auch eine Emma Peel nicht so leicht mit einem Pfeil ins Koma, was auch Professor Swain noch lernen muss.

Mit Schirm, Charme und MeloneMein Fazit:
Irgendwie konnte mich diese Episode nicht so ganz überzeugen. Ich würde sie hier zwar nicht als schlecht bzeichnen wollen, aber der entsprechende Funke hatte es dieses mal irgendwie schwer, bei mir überspringen zu können.

Das mag an der Idee mit diesem riesigen Gewächshaus liegen, in dem man in der Lage zu sein scheint, ein tropisches Klima perfekt nachstellen zu können. Da müssen die Kosten eigentlich für unsere Schurken schon extrem hoch gewesen sein, wenn man sich das mal realistisch vorzustellen versucht. Da hätte es ein schlichtes wie geheimes Labor auch schon getan, um eine gewisse Art der TseTsefliege genetisch zu manipulieren. So ganz nebenbei hätte man es sich dann auch locker ersparen können, dem alten und eher verwirrten Colonel Rawlings ein X für ein U vormachen zu müssen.

Mit Schirm, Charme und MeloneProfessor Swain wurde übrigens von dem irischen Darsteller Liam  Redmond gespielt, der seine Karriere im Film I SEE A DARK STRANGER in der Rolle des Uncle Timothy im Jahre 1946 startete. Genrefans dürften ihn aber auch als Mark O'Brian aus dem Horrorfilm NIGHT OF THE DEMON von 1957 her kennen. Auch spielte er 1962 den Police Inspektor Ward in THE PHANTOM OF THE OPERA oder 1966 im Film THE GHOST AND MR. CHICKEN. Ein Jahr später (1967) spielte er in der Rolle des Henry Portman im Kriegsfilm TOBRUK mit. Als Senator Doogan spielte er seine letzte Rolle in PHILADELPHIA, HERE I COME im Jahre 1975 mit. Allerdings spielte er auch in so manchen Fernsehproduktionen mit. Liam Redmond, der im Jahre 1913 geboren wurde, verstarb am 28. Oktober 1989.

Das damals zu Kolonialzeiten nicht alle recht glücklich waren, wenn so eine Kolonie in Übersee in die Freiheit entlassen wurde, ist dabei durchaus nachvollziehbar. Denn billiger ließ sich zur damaligen Zeit kein Reichtum anhäufen als wie in einer Kolonie, wo die eigentliche Bevölkerung mitunter auch noch als spottbillige Arbeitskräfte sich die Seele aus dem Leib schufften durften. Ob man dann allerdings Rache damit verüben will - da man dort alles verloren hat - indem man nun die jeweiligen Eingeborenen versucht "auszurotten", halte ich jedoch für eher etwas weit hergeholt. Obwohl, es gibt ja auch Menschen, vor denen würden sogar blutdürstige Monster noch weglaufen, wenn die nach Rache oder Vergeltung dürsten. Und so ein bisschen Wahnsinn ist ja schließlich eine recht menschliche Reaktion. Aber gut, auch wenn diese Episode irgendwie schwächelt, so soll dies nun kein Grund sein, sich diese auch durch die Lappen gehen zu lassen. Denn so schlecht ist sie eben auch wieder nicht.

Regie: Gerry O'Hara
Buch: Philipp Levene
Mit: Patrick Macnee, Diana Rigg, Bill Fraser, Liam Redmond, Peter Thomas, James Villiers, Peter Burton, Tom Gill, Paul Danquah, Ester Anderson u.a.
Erstausstrahlung in Deutschland: 04.04.1967
Erstausstrahlung in England: 15.01.1966

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2020-07-27 15:14
Ich mag diese Folge sehr. Eigentlich hätte man das Skript aussortieren müssen, das Konzept ist das gleiche wie in "Geschlossene Räume" – die fast schon virtuelle Nachbildung einer bestimmten Realität -, aber davon hat man sich nicht beirren lassen. Es wird ja auch noch ein paarmal kommen.

Ich finde Bill Fraser als geistig gestörter Colonel immer noch rasend komisch und entlarvend. "Die Eingeborenen sind unruhig heute Nacht". Das wird man heute bestimmt nicht mehr im Fernsehen hören, auch wenn es sowohl satirisch wie auch bitterernst ist. Die Geschichte ist überraschend nahe an der damaligen Realität, als England seine Kolonien übergab, wodurch naturgemäß viele alles verloren. Überzeugende und deutliche Kommentare zur (damaligen) Gegenwart, so etwas hat man später vermisst, als die Avengers endgültig ins Comic-Land umzogen.

Levene hat ein paar der innovativsten Folgen geschrieben. Von ihm sind ja auch die Cybernauts.
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#2 Laurin 2020-07-27 21:50
Stimme ich zu. So mancher Dialog war recht deutlich gewählt, was die damalige Realität hinsichtlich der Kolonien von England anging.
Trotzdem wurde ich mit dieser Episode weniger warm als mit so mancher anderen, auch wenn ich sie wie oben schon gesagt, nicht als schlecht bezeichnen will. Aber natürlich kann einem auch nicht alles immer gleich gut gefallen.
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