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Mit Schirm, Charme und Melone - Ein Alptraum (Too Many Christmas Trees)

Mit Schirm, Charme und Melone Mit Schirm, Charme und Melone
Ein Alptraum (Too Many Christmas Trees)

Als John Steed gemeinsam mit Emma Peel so manche diabolischen Pläne von skurrilen Genies, ausländischen Agenten und exzentrischen Kriminellen durchkreuzten, fieberte auch das deutsche Publikum vor den Fernsehern mit. Es war der 18. Oktober 1966 als die Serie MIT SCHIRM, CHARME und MELONE im ZDF ihren Siegeszug antrat und den deutschen Zuschauern einen bis dahin noch nie gesehenes Mix aus Krimi-, Thriller-, Science-Fiction- und Agentenfilm offerierte.

Mit Schirm, Charme und MeloneEs weihnachtet sehr ... und das manchmal auch in Großbritannien. Das macht dann auch vor John Steed keinen Halt. Jedoch scheint der Weihnachtsmann es in seinen Träumen nicht so gut mit ihm zu meinen. Denn schon in der Vorweihnachtszeit wird Steed von ganz besonderen Alpträumen geplagt, in denen er ständig in einer surrealen Winterlandschaft eintaucht, in denen Die Tannen weiß sind und alles irgendwie gekünstelt aussieht.

Ganz zu schweigen vom Weihnachtsmann selbst, der irgendwie recht gruselig ausschaut. Und der scheint Steed zu locken, ihm zu folgen, was Steed dann im Traum auch macht. Doch dieser Weihnachtsmann führt ihn nicht zu den Geschenken, sondern zu einer Leiche, die genauso aussieht, wie einer seiner Kollegen. Und dummer Weise erfährt Steed am nächsten Morgen, dass man genau diesen Kollegen wirklich tot aufgefunden hat.

Um Steed auf andere Gedanken und besonders von seinen seltsamen Träumen abzubringen, schlägt Emma Peel ihm daher vor, die Feiertage mit ihr bei dem Verleger Brandon Storey zu verbringen. Allerdings wird es hier dann erst richtig gruselig, denn Storey ist ein glühender Fan der Geschichten von Charles Dickens. Also gibt es am Abend dann auch eine Party so ganz im Stil von Dickens A Christmas Carol.

So ganz scheint Steed aber noch nicht auf dem Damm zu sein, so das er sich liebend gerne kurz wieder zurückzieht, um noch ein wenig die Augen zu schließen. Allerdings fällt er dabei gleich wieder in die recht schaurigen Träume zurück, von denen er sich eigentlich erholen wollte. Dabei scheint es nun auch im Traum so einige Gäste und Geschenke zu geben. Doch wirklich nett sind auch damit seine Träume nicht.

Mit Schirm, Charme und MeloneAls die Party dann wieder mit John Steed weitergehen kann, lernt er auch gleich noch Jeremy Wade, einen Bekannten von Emma Peel, sowie Janice Crane kennen. Janice geht dabei der Ruf voraus, über telepathische Fähigkeiten zu verfügen, mit denen sie die Träume anderer Menschen beinflussen kann.

In einem stillen Augenblick wendet sich jedoch Wade an Emma Peel und klärt sie darüber auf, dass man hier ein Komplott gegen John Steed durchführt, indem man ihm auf telepathische Weise streng geheime Informationen entlocken will. Dabei nimmt man wohl auch in Kauf, Steed durch die suggerierten Träume eventuell in den Wahnsinn zu treiben.

Emma Peel kann in Folge dessen später einen weiteren telepathischen Angriff auf John Steed vereiteln. Doch einen Mord an ihrem Bekannten Wade kann sie nicht verhindern, den diese Schurken längst als Verräter entlarvt hatten.

Womit die Schurken allerdings wohl nicht gerechnet hatten, ist der Umstand, dass Steed selbst auch für solche telepathischen Angriffe geschult worden ist und nur so lange den Anschein vermittelte, langsam wegen der Alpträume den Verstand zu verlieren, bis das man eben die entsprechenden Verschwörer aufdecken konnte.

Und so ist es auch Steed, der den gruseligen Weinachtsmann aus seinen Träumen in der finalen Auseinandersetzung niederschlägt und ihm die Maske entreißt. Und unter der befand sich niemand anderer als der Verleger Brandon Storey, der alles bis ins kleinste Detail mit seinen Helfern geplant hatte.

Mit Schirm, Charme und MeloneMein Fazit:
Das auch diese Episode damals vom ZDF nicht ausgestrahlt wurde, verwundert wegen der Science-Fiction-Elemente hinsichtlich telepathischer Fähigkeiten beim Menschen nicht wirklich. Schließlich stand man damals noch auf dem Standpunkt, dass man im Land der sogenannten Dichter und Denker den Zuschauern keinen solchen Bären aufbinden sollte. Und das schon mal garnicht in einer Agentenserie.

Allerdings könnte ich mir auch vorstellen, dass das Thema Weinachten und Alpträume für die Oberen der Programmgestaltung beim ZDF zumindest ein seltsames Geschmäckle ausgelöst haben dürfte. Aber so ganz kann man das wohl heute nicht mehr wirklich nachvollziehen. Allerdings, wenn ich mal von den wirklich wieder gelungenen Wortgefechten zwischen John Steed und Emma Peel  absehe, so schwächelte mir diese Episode doch irgendwie etwas arg.

Gut, die Traumsezenen von Steed mit den weißen Tannen aus Pappmache in einem eher ansonsten großen wie kahlen dunklen Studio können heute die erhofften Reaktionen der Zuschauer wirklich nicht mehr erfüllen. Allerdings zeigt dies heute wiederum auch sehr schön auf, mit welchen Budgetbeschränkungen man damals so manche Episode am Set umsetzen musste. Schließlich war die Serie MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE (THE AVENGERS) kein großes Kino mit den entsprechenden finanziellen Möglichkeiten.

Allerdings hatte man das Thema Telepathie damals nicht wirklich aus der letzten Kiste der phantastischen Einfälle hervorgezogen. Denn sowohl bei Militär und Geheimdiensten der USA und der Sowjetunion experimentierte man damals in dieser Richtung durchaus  ernsthaft herum. Auch wenn die Erfolge wohl mehr als Bescheiden ausgefallen sein dürften, rechnete man damals doch damit, dass solche Fähigkeiten durchaus im Rahmen der Möglichkeiten liegen könnten. So gab es in der Sowjetunion durch Professor Leonid Wassiliew (und später von Jakow Petrowitsch Terlezki) von 1963 bis 1966 in Leningrad Experimente, bei denen die Russin Nina Kulagina diverse kleinere Opjekte wie etwa Streichölzer usw. auf einem Tisch bewegen bzw. verschieben konnte, ohne sie dabei zu berühren. Wer da mehr wissen will, der kann mal unter dem Namen Nina Kulagina googeln. Ähnliche Experimente gab es damals wie gesagt auch in den USA, was natürlich geradezu danach schrie, ein Thema wie Telepathie oder Telekinese auch in entsprechende Filmstoffe (Kino wie Fernsehserien) einfließen zu lassen.

Mit Schirm, Charme und MeloneMal abgesehen davon gab es für die Fans der noch älteren Staffeln von THE AVENGERS (die erst viele Jahre später in Deutschland ausgestrahlt wurden) noch ein kleines Schmankerl in der Abschlussszene. Denn da reicht Emma Peel John Steed eine Weihnachtskarte seiner früheren Partnerin Dr. Catherine Gale (1962 bis 1964 die Partnerin neben John Steed in MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE in der zweiten und dritten Staffel der Serie), die damals von Honor Blackman gespielt wurde. Blackman stieg ja aus der Serie nach zwei Staffeln aus, um im James-Bond-Film GOLDFINGER neben Sean Connery als James Bond und Gerd Fröbe als Schurke Auric Goldfinger das entsprechende Bond-Girl Pussy Galore zu spielen.  Und in diesem Bond-Film versuchte Auric Goldfinger ja Fort Knox mit den Goldreserven der USA durch eine schmutzige, aber radioaktive Bombe anzugreifen. Emma Peel gibt also John Steed in dieser Abschlussszene die betreffende Weihnachtskarte und sagt ihm, dass diese von "Cathy" stamme. Steed gibt daraufhin überrascht in etwa zur Antwort ... Mrs. Gale! Oh wie nett von ihr, aber was macht sie denn in Fort Knox?

Da mag ein wenig Schleichwerbung für den betreffenden Bond-Film wohl damals durchaus mit dabei gewesen sein, allerdings war dies auch eine nette Geste hinsichtlich der Schauspielerin Honor Blackman, die ja in der Serie MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE mit ihrer Figur der Dr. Catherine Gale die erste emanzipierte wie schlagkräftige weibliche Hauptfigur in einer Fernsehserie einführte und so ganz nebenbei auch vor Emma Peel bereits in einigen Episoden in Ledermontur  auftrat. Honor Blackman, im Jahre 1925 geboren, verstarb dieses Jahr (2020) mit 94 Jahren.

Regie: Roy Ward Barker
Buch: Tony Williamson
Mit: Patrick Macnee, Diana Rigg, Mervyn Johns, Jeanette Sterke, Alex Scott, Barry Warren, Robert James, Mabel Etherington, Muriel Greenslade, John Wilder, Charlie Bird u.a.
Erstausstrahlung in Deutschland: 08.11.1996
Erstausstrahlung in England: 25.12.1965

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2020-07-14 09:47
Ich könnte mir vorstellen, dass es weniger die SF war, warum man auf die Folge verzichtet hat. Vermutlich hat man auch geglaubt, dass der deutsche Zuschauer den Kontext nicht versteht. Wer kennt (oder kannte) hierzulande schon Dickens? Und von dem gab es hier eine Menge. Viele der Exzentriker, die ein fester Bestandteil der Serie waren, sind da doch deutlich komischer bzw leichter zu erkennen.

Und die Folge ist zwischendurch eher zäh. Man hat doch sichtlich die eher actionbetonteren Folgen genommen.
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#2 Laurin 2020-07-14 10:55
@ Andreas Decker:
Ja, die Geschichte schwächelte durchaus ziemlich stark, wegen der etwas zähen Gesamthandlung. Die von dir angegebenen Mängel könnten ebenfalls dazu geführt haben, dass das ZDF diese Episode damals nicht ausstrahlte und man eher mit actionbetonteren Folgen liebäugelte.
Was Dickens angeht, stimme ich dir für die damalige Zeit ebenfalls zu, auch wenn wir mittlerweile seit einigen Jahren nun schon in der Vorweihnachtszeit durch die Fernsehsender gefühlte hundert mal dessen Weihnachtsgeschichte in allen Variationen um die Ohren gehauen bekommen.
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