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Mit Schirm, Charme und Melone - 2 : 1 = 1 (Twoe's A Crowd)

Mit Schirm, Charme und Melone Mit Schirm, Charme und Melone
2 : 1 = 1 (Twoe's A Crowd)

Als John Steed gemeinsam mit Emma Peel so manche diabolischen Pläne von skurrilen Genies, ausländischen Agenten und exzentrischen Kriminellen durchkreuzten, fieberte auch das deutsche Publikum vor den Fernsehern mit. Es war der 18. Oktober 1966 als die Serie MIT SCHIRM, CHARME und MELONE im ZDF ihren Siegeszug antrat und den deutschen Zuschauern einen bis dahin noch nie gesehenes Mix aus Krimi-, Thriller-, Science-Fiction- und Agentenfilm offerierte.

Mit Schirm, Charme und MeloneUnter Agenten soll es ja auch solche Kaliber geben, deren Namen oder Pseudonym (sofern man den realen Namen doch nicht herausfinden konnte) man im anderen Lager durchaus nicht nur kennt, sondern auch fürchtet. Wirklich übel wird es allerdings dann, wenn man bereits informiert ist, dass der Gegner ein solches Kaliber von Geheimagenten bereits losgeschickt hat, man selbst allerdings nicht weiß, wie dieser Agent denn nun überhaupt aussieht. Ist es ein Mann oder doch eher eine Frau? Oder ist er dick oder dünn, groß oder klein oder hat er vielleicht sogar Schwimmhäute zwischen den Zehen? Ein solcher Gegner wäre faktisch erst einmal unsichtbar bis das er vielleicht einen Fehler begeht und könnte so jederzeit und überall zuschlagen.

Einen solchen Fall hat man zumindest jetzt, denn der Geheimdienst der Krone ist in hellem Aufruhr, weil ein gegnerischer Agent mit dem Namen Psev bereits seinen Fuß auf britischen Boden gesetzt haben soll. Und der ist nicht völlig unbekannt, aber aufgrund seiner Vorgehensweise wohl schon extrem berüchtigt. Doch wie sieht Psev eigentlich aus? Ein Foto von ihm kann man in den eher spärlichen Akten des eigenen Geheimdienst jedenfalls nicht vorweisen. Oder anders gesagt, man weiß das er existiert, aber wie er aussieht oder wie alt er sein könnte usw., weiß man leider nicht.

Mit Schirm, Charme und MeloneAllerdings kann man sich gut vorstellen, dass dieser Psev sich in eine extrem wichtige Ministerkonferenz ihrer Majestät einschmuggeln könnte. Also setzt man John Steed und Emma Peel auf diesen brisanten Fall an. Denn der feindliche Agent verfügt zumindest über ganze vier Assistenten, die man zwar kennt, denen man aber nicht so ohne weiteres den Boden unter den Füßen wegziehen kann. Doch dies sollte nicht das einzige Problem für Mr. Steed und Mrs. Peel bleiben.

Gefahr droht auch noch durch den hinterlistigen Botschafter Brodny, der während einer Modenschau das männliche Model Webster entdeckt, der John Steed gleicht wie ein Ei dem anderen. Brodny plant deshalb, Steed auszuschalten und dessen Doppelgänger Webster heimlich in die geheime Ministerkonferenz zu schmuggeln. Und Webster scheint sogar ein solch windiger Hund zu sein, der für eine hohe Geldsumme am Ende wirklich alles machen würde.

Und so hat Webster als John Steed bald seinen ersten Auftritt bei einem Empfang in einer Botschaft, wo allerdings Emma Peel recht schnell hinter diesen Schwindel steigt. Ein Umstand, der ihr jedoch wenig nützt, denn auch die Gegner sind keine Schlafmützen und bringen Mrs. Peel in ihre Gewalt, bevor sie diesen Schwindel mit dem Doppelgänger auffliegen lassen kann.

Mit Schirm, Charme und MeloneAls Webster nach einer gelungen Täuschung jedoch die streng geheimen Dokumente an die vier Assistenten von Psev übergeben soll, stellt der plötzlich Ansprüche. Denn er will im Gegenzug den geheimnisvollen Agenten Psev persönlich sehen und nur ihm die Dokumente aushändigen. Erst jetzt stellt sich heraus, dass es keinen "einzelnen" Agenten mit dem Namen Psev gibt. Vielmehr stehen die vier Initialen für die Namen der vier gegnerischen Agenten, die sich als Assistenten von eben diesem ominösen "Psev" ausgeben. Dieses Geheimnis, dass es eine einzelne Person mit dem Namen Psev nie gegeben hat, wollen die vier Agenten natürlich nicht an die große Glocke hängen, weshalb Webster auch nun die Flucht ergreifen muss. Dabei nimmt er auch gleich die gefangene Mrs. Peel mit.

Es kostet Webster allerdings dabei ein wenig Zeit, Emma Peel glaubhaft klar zu machen, dass es eigentlich auch nie einen "Webster" gegeben hat. Denn John Steed selbst hat sich diese perfekte Tarnung als sein eigener Doppelgänger zugelegt und musste natürlich nun alles daran setzen, diese Tarnung auch um jeden Preis aufrecht zu erhalten, wenn er Erfolg in Sachen "Psev" haben wollte. Aber auch die vier gegnerischen Agenten, die unter dem Namen "Psev" bisher erfolgreich ihr Unwesen getrieben hatten, bleiben nicht untätig und verfolgen mit ferngesteuerten und gefährlichen Waffen präparierten Flugzeugmodellen John Steed und Emma Peel. Doch im letzten Augenblick gelingt es Steed, den tödlichen Miniaturbomber umzulenken und die vier gegnerischen Agenten damit in die Luft zu sprengen.

Mit Schirm, Charme und MeloneMein Fazit:
Hier haben wir es bei MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE mit einer waschechten Geheimagenten-Episode zu tun, bei der es keine kleinen noch größeren Science-Fiction-Elemente gibt. Da konnte das ZDF also im Jahre 1966 aufatmen. Das man John Steed und Emma Peel am Ende mit militärischen Modelflugzeugen auszuschalten versucht, die mit echten Waffen und Sprengsätzen ausgerüstet und verngesteuert werden, mag zwar im ersten Augenblick eher etwas skurril wirken, war aber schon damals irgendwie vorstellbar und damit auch durchaus Realitätsnah.

Die Idee, dass der Name des geheimnisvollen Agenten Psev sich real nur aus den Initialen der Namen von insgesamt vier Agenten zusammensetzt, die so eher unbemerkt ihre Aufträge erledigen, während die andere Seite einem Phantom nachjagen, welches es real aber nicht gibt, ist durchaus auch eine recht interessante Idee. Das hier John Steed seinen eigenen windigen Doppelgänger spielt, kennt man indessen irgendwie ja schon aus den damaligen James-Bond-Filmen mit Sean Connery. Lustiger Weise blendet John Steed hier nicht nur seine bessere Hälfte Emma Peel, sondern auch irgendwie die Zuschauer dieser Episode. Denn eine ganze Weile glaubt man hier durchaus, dass man es hier in dieser Folge mit einem bösen Doppelgänger von Steed zu tun hat. Zumindest jedenfalls bis zu dem Augenblick, wo Steed als Webster die Dokumente nur Psev persönlich übergeben will. Ab dem Augenblick klingeln dann aber eben auch beim Zuschauer alle kleinen Glöckchen der Erkenntnis. Allerdings muss ich hier zugeben, das ich in Sachen Spannung irgendwie nicht so ganz mit dieser Episode warm wurde. Da war meiner Einschätzung nach nämlich noch eine Menge Luft nach oben vorhanden gewesen, so das diese Episode bei mir persönlich zwar interessant aber leider nur eher durchwachsen abschneidet.

Ein Augenmerk lege ich, was die anderen Schauspielerinnen und Schauspieler angeht, hier mal auf den britischen Darsteller Warren Mitchell (hier in der Rolle des Botschafter Brodney), der in der US-Sitcom ALL IN THE FAMILY im Jahre 1970 mitspielte, dessen Grundidee in Deutschland von Wolfgang Menge fasst zeitgleich mit der Serie EIN HERZ UND EINE SEELE adaptiert wurde. Hier spielte Mitchell in etwa die Rolle, die in Deutschland Heinz Schubert als Ekel Alfred Tezlaff inne hatte. Da hier natürlich EIN HERZ UND EINE SEELE zuerst lief, wurde die Serie ALL IN THE FAMILY für das deutsche Fernsehen erst 1974 auf dem dritten Fernsehprogramm der Nordkette ausgestrahlt. Mitchell spielte aber auch in Horrorfilmen wie DIE TEUFELSWOLKE VON MONTEVILLE (1958) oder DER FLUCH DES SINIESTRO (1961) sowie in dem Musikfilm der Beatles unter dem deutschen Titel HI-HI-HILFE (1965) mit.

Regie: Roy Ward Barker
Buch: Philip Levene
Mit: Patrick Macnee, Diana Rigg, Warren Mitchell, Maria Machado, Wolfe Morris, Alec Mango, Julian Clover, Eric Lander, John Bluthal, Royston Farrell, Lewis Alexander, Aileen Lewis  u.a.
Erstausstrahlung in Deutschland: 22.11.1966
Erstausstrahlung in England: 18.12.1965

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