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Die 50er - Die Filme: Wenn es Nacht wird in Paris

Die FünfzigerWenn es Nacht wird in Paris

Max (Jean Gabin) und Riton (René Dary) gelingt es 50 Millionen Francs in Goldbarren zu stehlen. Nach dem gelungenen Coup wollen die beiden Gangster fortan ihr kriminelles Leben aufgeben und als gewöhnliche Bürger leben.

Doch Riton begeht einen schweren Fehler. Er verquatscht sich bei seiner Freundin Josy (Jeanne Moreau), die ihrem Geliebten, dem Gangster Angelo (Lino Ventura), alles weiter erzählt.

Wenn es Nacht wird in ParisDanach ist Angelo jedes Mittel recht, um an die Goldbarren zu gelangen. Nachdem es seinen Männern nicht gelingt Max zu entführen, ist Max klar, dass Riton Josy alles über ihr erfolgreichen Coup erzählt hat, zumal er Angelo und Josy zusammen in ihrer Garderobe erwischt hat.

Obwohl Max mit Riton ein ernsthaftes Gespräch führt und ihn warnt, nichts gegen Angelo zu unternehmen, bis er die Goldbarren bei seinem Onkel, einem Hehler, zu Geld gemacht hat, tappt Riton in die Falle von Angelo und wird von dessen Männern niedergeschlagen und entführt.

Mit der Entführung Ritons hat Angelo nun ein Druckmittel gegen Max in Händen. Angelo schlägt daher einen Austausch vor. Riton gegen die Goldbarren.

Doch bei der Übergabe, bei der Max Unterstützung von Marco (Michel Jourdan) und Pierrot (Paul Frankeur) erhält, läuft einiges schief...

Im Jahr 1953 las der Regisseur Jacques Becker den Roman "Touchez pas au grisbi" von Albert Simonin (Deutscher Titel: "Wenn es Nacht wird in Paris, erschienen 1958 im Kurt Desch Verlag in der Krimi-Taschenbuch-Reihe "Die Mitternachtsbücher"), der in Frankreich zum Bestseller avancierte.

Becker entschied sich nach dem Lesen des Romans, das Buch zu verfilmen, und nahm Kontakt mit dem Autor Albert Simonin auf, der mit Becker und Maurice Griffe zusammen das Drehbuch zum Film verfasste.

Nachdem das Drehbuch von der Produktionsgesellschaft akzeptiert worden war, ging die Suche nach einer geeigneten Besetzung für den Film los.

Regisseur Jacques Becker, der ein großer Fan von Jean Gabin war, besetzte den Schauspieler für die Rolle des Max, dessen Karriere seit Ende des Zweiten Weltkrieges signifikant stagnierte.

Wenn es Nacht wird in ParisFür die Rolle des Riton schlug Jean Gabin den Schauspieler Rene Dary und für die Rolle der Marinette, seine Ex-Frau, die Schauspielerin Gaby Basset vor.

Die Rolle des Angelo, den Gegenspieler von Max und Riton, wurde von Becker mit Lino Ventura einem Newcover im französischen Film besetzt, der auch noch nie vor der Filmkamera gestanden hatte.

Ventura hatte zuvor in diversen Jobs gearbeitet, war 1950 Europameister im Ringen geworden und hatte später auch als Organisator für Ringkämpfe gearbeitet.

Ventura war durch Vermittlung eines Bekannten, der im Filmgeschäft tätig war, zu Probeaufnahmen eingeladen worden, bei denen er durch sein instinktives Schauspielen positiv aufgefallen war.

Nachdem mit Michel Jourdan als Marco, Jeanne Moreau als Josy, Dora Doll als Lola und Paul Frankeur als Pierrot auch die übrige Hauptbesetzung des Films feststand, fanden zwischen dem 21. September und 18. Dezember 1953 die Dreharbeiten zu französischen Gangsterfilm "WENN ES NACHT IN PARIS" in und um Paris sowie in den Filmstudios von Boulogne-Billancourt.statt.

Im Gegensatz zum Roman von Albert Simonin, beschäftigt sich die Handlung des Films "WENN ES NACHT WIRD PARIS" jedoch nicht mit der Planung und der Durchführung des Überfalles, sondern die Geschichte spielte kurze Zeit nach dem gelungenen Millionenen-Coup.
Dadurch gelingt dem Regisseur Jacques Becker nicht nur eine detailreiche und intensive Milieustudie, sondern der französischen Gangsterfilm ist zugleich auch die Geschichte einer großen Freundschaft.

Wenn es Nacht wird in Paris"Was Becker charakterisiert, ist nicht so sehr die Wahl des Sujets, sondern die Wahl der Behandlung des Sujets, die Wahl der Szenen, die es illustrieren. Was Beckers Figuren widerfährt, zählt weniger, als wie es ihnen widerfährt.
Grisbi ist ein Film über die Schwierigkeit, fünfzig zu sein. Zum Schluss des Films setzt Max wie Becker ›zum Lesen‹ die Brille auf." (1)

Max, gespielt von Jean Gabin, ist zwar ein Gangster, der außerhalb des Gesetzes lebt, sich aber (wie auch Riton, Pierrot und Marco) an die Regeln der Unterwelt hält. Freundschaft und Loyalität haben dabei einen besonderen Wert. Für Max ist es die Freundschaft zu Riton, die sein Handeln bestimmt.

Sein Gegenspieler, der jüngere Angelo, dagegen ist ein Mann, der sich an keine Regeln hält, und der auch keine Skrupel hat, ein schmutziges Spiel zu spielen.
Nachdem er Riton entführt hat, nutzt er den von Max respektierten Ehrenkodex sogar aus, um Max zur Übergabe des Goldes zu bewegen.

"Was Becker charakterisiert, ist nicht so sehr die Wahl des Sujets, sondern die Wahl der Behandlung des Sujets, die Wahl der Szenen, die es illustrieren. Was Beckers Figuren widerfährt, zählt weniger, als wie es ihnen widerfährt.
Grisbi ist ein Film über die Schwierigkeit, fünfzig zu sein. Zum Schluss des Films setzt Max wie Becker ›zum Lesen‹ die Brille auf." (1)

Wenn es Nacht wird in ParisDer französische Film Noir "WENN ES NACHT WIRD IN PARIS", lebt zudem von der guten Besetzung sowie dem intensiven Spiel und dem guten Zusammenspiel der Darsteller des Films.

Der Begriff Film Noir wurde erstmal 1946 von dem französischen Filmkritiker Nino Frank für eine Reihe von Hollywood-Filmen verwendet, die wegen des Zweiten Weltkriegs erst nach 1945 in die französischen Kinos gelangten.
In der Folge wurden auch in Frankreich zahlreiche Filme produziert, die in der Tradition des amerikanischen Film noir standen.

Der Gangsterfilm "WENN ES NACHT WIRD IN PARIS", entwickelte sich nach seinem Start in Frankreich am 17. März 1954 zu einem großen Erfolg an den französischen Kinokassen.
Insgesamt sahen über 4,7 Millionen Zuschauer den Film in Frankreich. Doch auch in an anderen westeuropäischen Ländern, unter anderem in Deutschland, lief der französische Film Noir erfolgreich in den dortigen Lichtspielhäusern.

Neben WENN ES NACHT WIRD IN PARIS", wurde aber auch die Musik des Films von Jean Wiener ein internationaler Erfolg.

Die Rolle als Max leitete Jean Gabins großes Comeback ein und war der Grundstein für die Erfolge seiner späten Phase als Schauspieler.
Aufgrund seiner herausragenden Leistung wurde Gabin 1954 auf den Filmfestpielen von Venedig mit dem "Volpi Cup" als "bester Schauspieler" ausgezeichnet.

"Das klassische Gangsterdrama aus der Pariser Unterwelt von Jacques Becker revolutionierte den französischen Kriminalfilm und ist eine stilistisch ausgefeilte Milieustudie, die die hermetische Welt der Gangster aufs genaueste schildert. Letztlich ist Beckers Regiearbeit die Geschichte einer großen Freundschaft, zugleich aber auch ein Abgesang auf hinfällig gewordene Begriffe von Ehre." (2)


Wenn es Nacht wird in ParisWenn es Nacht wird in Paris
(Touchez pas au Grisbi)
Frankreich 1954

Regie: Jacques Becker
Drehbuch: Jacques Becker, Maurice Griffe und Albert Simonin
Kamera: Pierre Montazel
Schnitt: Marguerite Renoir
Musik: Jean Wiener

Darsteller
Jean Gabin als Max
René Dary als Riton
Michel Jourdan als Marco
Jeanne Moreau als Josy
Lino Ventura als Angelo
Dora Doll als Lola
Paul Frankeur als Pierrot
Gaby Basset als Marinette
Denise Clair als Madame Bouche
Daniel Cauchy als Fifi

FSK: Ab 12 Jahren
Laufzeit: 99 Minuten

Deutscher Kinostart: 23. Dezember 1954

© by Ingo Löchel

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(1) François Truffaut
(2) Prisma.de

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