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Nicht ohne Grund ein Klassiker - »Die zwölf Geschworenen«

Die zwölf GeschworenenNicht ohne Grund ein Klassiker
»Die zwölf Geschworenen«

Im Hinterzimmer eines Gerichts haben sich zwölf Geschworene zurückgezogen, um einen Mordprozess zu klären. Der Fall scheint klar: Ein Todesurteil.

Nur der Geschworene Nr. 8 (Henry Fonda) plädiert auf nicht schuldig. Nach hitzigen Diskussionen ändert sich die Stimmverteilung langsam zugunsten des Angeklagten, aber ein Freispruch kann nur einstimmig erfolgen...

Die zwölf Geschworenen1954 schrieb der Autor Reginald Rose das Drehbuch zu "TWELVE ANGRY MEN", der gleichnamigen Folge der TV-Serie "STUDIO ONE", die am 20. September 1954 von CBS gesendet wurde.
Regisseur dieser TV-Folge war Franklin J. Schaffner. Als Geschworener Nr. 8 war darin der Schauspieler Robert Cummings zu sehen.

Nachdem Henry Fonda die TV-Folge gesehen hatte, setzte er sich mit dem Drehbuchautor Reginald Rose zusammen, um mit ihm eine Kinoversion von "DIE ZWÖLF GESCHWORENEN" zu produzieren.

Als Regisseur wählten sie Sidney Lumet aus, der 1951 mit "MODEL ALIBI", einer Folge der TV-Serie "CRIME PHOTOGRAPHER", sein Regie-Debüt gegeben hatte.

Danach hatte Lumet diverse Folgen für TV-Serien wie "DANGER" (1951-1953), "YOU ARE THERE" (1953-1955), "THE ELGIN HOUR" (1955), "THE UNITED STATES STEEL HOUR" (1955), "THE ALCOA HOUR" (1956) und "GOODYEAR TELEVISON PLAYHOUSE" (1956) sowie den TV-Film "THE CHALLENGE" gedreht.

Von der ursprünglichen Besetzung der gleichnamigen TV-Folge aus dem Jahr 1954 waren nur die beiden Schauspieler Joseph Sweeney (Geschworener Nr. 9) und George Voskovec (Geschworener Nr. 11) mit von der Partie.

Die übrigen Rollen wurden mit Martin Balsam (Geschworener Nr. 1), John Fiedler (Geschworener Nr. 2), Lee J. Cobb (Geschworener Nr. 3), E. G Marshall (Geschworener Nr. 4), Jack Klugman (Geschworener Nr. 5), Edward Binns (Geschworener Nr. 6), Jack Warden (Geschworener Nr. 7), Ed Begley (Geschworener Nr. 10) und Robert Webber (Geschworener Nr. 12) neu besetzt.

Die zwölf GeschworenenHenry Fonda, der den Film "DIE ZWÖLF GESCHWORENEN" zusammen mit Reginald Rose produzierte, übernahm die Rolle des Geschworenen Nr. 8, den in der gleichnamige TV-Folge aus dem Jahr 1954 Robert Cummings inne hatte.

Nach zweiwöchigen intensiven Proben mit den Darstellern, gelang es Sidney Lumet "DIE ZWÖLF GESCHWORENEN" innerhalb von drei Wochen zu drehen, mit dem Lumet sein Filmdebüt als Regisseur gab.

Der Film kam im April 1957 in die US-Kinos. In Westdeutschland startete "DIE ZWÖLF GESCHWÖRENEN" am 14. August 1957 in den dortigen Lichtspielhäuser.

"DIE ZWÖLF GESCHWÖRENEN" wurde für drei Oscars in den Kategorien "Bester Film", "Beste Regie" und "Bestes Drehbuch" nominiert, ging aber bei der 30. Oscar-Verleihung am 26. März 1958 leer aus.
Dafür erhielt der Schauspieler Henry Fonda 1958 einen BAFTA in der Kategorie "Bester ausländischer Darsteller".

Zudem wurde der Film auf der Berlinale des Jahres 1957 (vom 21. Juni bis 2. Juli 1957) mit dem "Goldenen Bären" als "Bester Film" ausgezeichnet.

"DIE ZWÖLF GESCHWORENEN" ist nicht ohne Grund zu einem zeitlosen Klassiker geworden, den man sich selbst nach über sechzig Jahren immer wieder anschauen kann.

Denn der Film lebt ohne Frage von dem hervorragenden Zusammenspiel der zwölf Geschworenenen-Darsteller und intensiven darstellerischen Leistungen aller zwölf Schauspieler des Films, die ihren Höhepunkt in dem Duell zwischen dem Geschworenen Nr. 8 (Henry Fonda) und dem Geschworenen Nr. 3 (Lee J. Cobb) erreicht.

Während der Geschworene Nr. 3 den Angeklagten unbedingt verurteilt sehen will und dabei keine Mittel scheut, auch alle übrigen Geschworenen davon zu überzeugen, plädiert der Geschworene Nr. 8 als einziger für nicht schuldig.

Die zwölf GeschworenenZwar glaubt der Geschworene Nr. 8 nicht unbedingt an die Unschuld des Angeklagten, doch aufgrund der widersprüchlichen Indizien und Zeugenaussage gilt nach dem Gesetz immer noch der Leitspruch: Im Zweifel für den Angeklagten!

Durch das nicht einstimmige Ergebnis, kommt es im Raum der Geschworenen zu hitzigen Diskussionen und Anfeindungen, in denen die Vorurteile, die Ignoranz und die Arroganz eines jeden der zwölf Geschworenen zum Vorschein kommen.

Nach dem Lumet-Film folgten noch zwei weitere Verfilmungen von "DIE ZWÖLF GESCHWORNENEN", die sich hinter dem Original aus dem Jahr 1957 allerdings nicht verstecken müssen.

1963 drehte der Regisseur Günter Gräwert den Fernsehfilm "DIE ZWÖLF GESCHWORENEN" für das ZDF, der am 26. Oktober 1963 gesendet wurde. Darin agieren Robert Graf als Geschworener Nr. 8 und Siegfried Lowitz als Geschworener Nr. 3.

In den weiteren Rollen sind darin Heini Göbel (Geschworener Nr. 1), Herbert Bötticher (Geschworener Nr. 2), Ernst Fritz Fürbringer (Geschworener Nr. 4), Wolfgang Weiser (Geschworener Nr. 5), Ralf Wolter Geschworener Nr. 6), Mario Adorf (Geschworener Nr. 7), Walter Rilla (Geschworener Nr. 9), Karl-Georg Saebisch (Geschworener Nr. 10), Josef Schaper ((Geschworener Nr. 11) und Lukas Amman (Geschworener Nr. 12).

1997 folgte eine weitere TV-Verfilmung von "DIE ZWÖLF GESCHWORENEN". Diesmal für das US-Fernsehen unter der Regie von William Friedkin. Darin sind unter anderem Jack Lemmon als Geschworener Nr. 8 und George C. Scott als Geschworener Nr. 3 zu sehen.  

"In ungemein dichter Regie inszenierte Sidney Lumet sein vielfach preisgekröntes Kino-Debüt, für das er 1957 in Berlin den Goldenen Bären als bester Regisseur erhielt.
Henry Fonda steht als Geschworener Nr. 8 an der Spitze eines glänzendes Ensembles. Ein eindrucksvolles Plädoyer für die faire Wahrheitsfindung. Lumet führte vor Augen, was passiert, wenn Gedankenlosigkeit in der Justiz vorherrscht." (1) 

Die zwölf GeschworenenDie zwölf Geschworenen
(Twelve Angry Men)
USA 1957

Regie: Sidney Lumet 
Drehbuch: Reginald Rose

Darsteller
Martin Balsam als Geschworener Nr. 1
John Fiedler als Geschworener Nr. 2
Lee J. Cobb als Geschworener Nr. 3
E. G. Marshall als Geschworener Nr. 4
Jack Klugman als Geschworener Nr. 5
Edward Binns als Geschworener Nr. 6
Jack Warden als Geschworener Nr. 7
Henry Fonda als Geschworener Nr. 8
Joseph Sweeney als Geschworener Nr. 9
Ed Begley als Geschworener Nr. 10
George Voskovec als Geschworener Nr. 11
Robert Webber als Geschworener Nr. 12

FSK: Ab 12 Jahren
Laufzeit: 96 Minuten

Filmconfect Home Entertainment GmbH

(1) Prisma.de

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© by Ingo Löchel

Kommentare  

#1 Friedhelm 2018-12-13 12:36
Absoluter Spitzenfilm - ein, sagen wir mal, Kammerspiel (als Handlungsort nur ein Raum), das seine 96 Minuten jederzeit wert ist. Ab und an lege ich diesen Film auch in meinen Player und bin immer wieder beeindruckt. Man kann daraus viel lernen - unter anderem, wie Zweifler mit der richtigen Argumentation "umgedreht" werden können... (auch wenn nicht jeder wirklich überzeugt wurde...)

Die Neuverfilmung habe ich auch gesehen - da machte Jack Lemmon, als Fonda-Ersatz, ebenfalls eine gute Figur..
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#2 Rüdiger 2018-12-13 13:17
Ich habe dieses Stück so um die ein Dutzend mal gesehen ...

5 x in Oldenburg (in den Siebzigerjahren), jeweils 1 x in Marburg, Nürnberg, Hamburg, Essen, ein mal im Internet, und ein paar mal im Fernsehen.

Ärgerlich daß man heutzutage meint einige Rollen von Frauen spielen lassen zu müssen ... Die Autoren haben sich Männer vorgestellt, und nicht Squaws :D . So stimmt es nicht mehr. Es mag zeitgenössischer sein, aber es stimmt nicht mehr.
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#3 AARN MUNRO 2018-12-13 16:19
Auch das Buch dazu ist immer wieder lesenswert.Alle paar Jahre schaue ich hinein.Sehr gute Charakterisierungen. Mein TB ist eine Goldmann-Rotausgabe. Erschienen zum Jubiläum des Verlages. Damals erschienen 40 Krimi-Klassiker in Neuauflage.
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#4 Laurin 2018-12-14 10:24
Auch hier muss ich sagen, dass mir der Titel des Films etwas sagt (im Hinterkopf regt sich da zumindest was) und gesehen müsste ich ihn auch mal gehabt haben. Aber wenn ich ehrlich bin, reichen diese losen Erinnerungsfetzen bei mir nicht aus, um mir hier auch nur halbwegs den Film nochmals ins Gedächtnis zurückzurufen.
Ehrlicher Weise muss ich hierzu auch gestehen, sind mir die Szenen mit den Geschworenen bei Gericht im Film "Vier Frauen und ein Mord" aus den vier Miss Marple Filmen mit Margaret Rutherford eher im Gedächtnis. Allerdings habe ich hier ja auch die DVDs der Filme im Regal stehen.
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#5 Frank Reichelt 2018-12-18 13:17
Ich finde die deutsche Fassung auch sehr gelungen. Robert Graf hat zwar nicht die Präsenz und Ausstrahlung von Henry Fonda, spielt aber trotdem sehr gut. Noch besser ist aber Siegfried Lowitz, er spielt mit dem gleichen Fanatismus und der Intensität wie Lee J. Cobb.
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#6 Rüdiger 2018-12-18 15:04
Den großen Monolog von Lowitz am Ende fand ich aber enttäuschend. Alles recht schnell heruntergeschnuddelt ... schade. Eine große Szene bissel verschenkt.
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