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Ein Filmklassiker - Eine Zugfahrt die ist tödlich ...

Ein FilmklassikerFolge 18
Eine Zugfahrt die ist tödlich ...

In dieser Reihe DER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch mitunter manche Klassiker des Films tummeln. Wir werden hierzu einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. von manchen Actionfilmen über Western bis hin zu besonderen Romanzen einen Einblick gewähren werden. Da gibt es sogar Filme, die in mehreren Genre wandeln.

Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien (L 'ultimo treno della notte)Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien (L 'ultimo treno della notte)
Wem jetzt bei dem deutschen Titel wie auch dem italienischen Originaltitel immer noch nicht einfällt, worum es in diesem Film gehen könnte, dem könnten eventuell die diversen Alternativtitel etwas auf die Sprünge helfen. Da hätten wir also im Angebot...

  • Violenza sull 'ultimotreno della notte
  • La bete tue de sang-froit
  • Night Train Der letzte Zug in der Nacht
  • Night Train Murders
  • La Chienne du Train de Nuit
  • Last Stop on the Night Train
  • Last House Part II.
  • Second House on the Left
  • The New House on the Left

Wer nun bereits einmal den Film THE LAST HOUSE ON THE LEFT (deut. DAS LETZTE HAUS LINKS) von Wes Craven aus dem Jahre 1972 schon mal gesehen hat, oder das ebenfalls sehr gut umgesetzte Remake aus dem Jahre 2009 mit dem gleichen englischen Titel (auch für Deutschland), welches in Zusammenarbeit zwischen Wes Craven und Sean S. Cunningham produziert wurde (Regie führte hierbei der Independent-Regisseur Dennis Iliadis), der dürfte bei den letzten zwei Alternativtiteln eigentlich schon wissen, worauf man sich bei diesem hier nun vorgestellten Giallo einlässt. Zartbesaitete Filmfreunde sollten also ab einem gewissen Punkt im Film die Augen schließen und bis zum Abspann besser nicht mehr öffnen.

Was nun dieser italienische Ableger hier ebenfalls mit dem in schwarzweiß gedrehten Drama-Klassiker JUNGFRUKÄLLAN (DIE JUNGFRAUENQUELLE/Ausgezeichnet mit einem Oscar) unter der Regie von Ingmar Bergman zu tun hat, welcher 1960 gedreht wurde, werde ich hier nicht wieder auswalzen. Wer darüber allerdings mehr wissen will, der schaue einfach mal bei dem betreffenden Film von Wes Craven von 1972 hier im Zauberspiegel-Online nach. Denn dieser Film wurde bereits in der Rubrik DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER von mir behandelt, wo ich auch auf den Film von Ingmar Bergman etwas näher eingehe. Auch gibt es noch eine weitere, recht ähnlich gemachte Version unter dem Filmtitel CHAOS (2005/Regie David DeFalco), welcher mir vorliegt, den wir hier aber auch getrost weglassen können, weil dieser nur über die USA ungeschnitten zu erhalten ist und zum Thema nichts beitragen kann, was noch erhellend sein könnte. Zudem liegt der Film CHAOS auch qualitativ noch weit unter dem italienischen Film MÄDCHEN IN DEN KRALLEN TEUFLISCHER BESTIEN und wäre wohl auch ohne weiteres Aufsehen schnell wieder in der Versenkung verschwunden, hätte es nicht einen regelrechten Schlagabtausch zwischen dem bekannten Filmkritiker Roger Ebert einerseits und David DeFalco sowie dem Produzenten Steven Jay Bernheim andererseits gegeben. Des weiteren machte der Film CHAOS auch damit nachträglich noch Schlagzeilen, weil darin der Sohn von Sylvester Stallone, Sage Stallone (Geburtsname Sage Gardenzio/gestorben am 13. Juli 2012 im Alter von 36 Jahren) mehr schlecht als recht mitspielte.

Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien (L 'ultimo treno della notte)Kein wirkliches italienisches Remake:
MÄDCHEN IN DEN KRALLEN TEUFLISCHER BESTIEN  aus dem Jahre 1975 (Deutsche Erstaufführung war im August 1976) unter der Regie von Aldo Lado, will kein Remake des Wes Craven Films THE LAST HOUSE ON THE LEFT sein, obwohl die Filme an sich vom eigentlichen Inhalt her recht identisch sind. Der Kniff liegt hierbei in der grundsätzlichen Veränderung der Handlung.

Zwar fallen zumindest die zwei männlichen Schurken am Ende der Rache des Vaters einer der beiden geschändeten und ermordeten Mädchen in dessem eigenen Haus zu Opfer, jedoch die eigentliche Handlung rollt sozusagen auf Schienen von Deutschland nach Italien. Denn die beiden Mädchen befinden sich gerade in einem Zug von München nach Verona, wo sie zum ersten mal auf die zwei hochgradig gewalttätigen Männer stoßen. Dabei kommt es zu Beginn noch nicht einmal zu Übergriffen der Schurken auf die Mädchen. Diese beginnen erst, als sich eine weitere, ältere Frau hinzugesellt, die in den beiden Burschen eine willkommene Gelegenheit sieht, ihre eher geheimen ausschweifenden sexuellen Gelüste zu befriedigen. Auch dies ist eine Änderung zum Film THE LAST HOUSE ON THE LEFT, denn hier befindet sich ein entsprechendes Mädchen bereits zu Beginn als Mitglied der brutalen Verbrecher in dessen Gruppe. Der Schrecken für die Mädchen beginnt dabei auch nicht direkt, nachdem eben alle Bösewichte beisammen sind, sondern erst, als sie wegen einer möglichen Verspätung ihres Zuges (hierbei wurde der eher überfüllte Zug wegen einer Bombendrohung gestoppt und durchsucht) in einen Nachtexpress wechseln, der kaum von Fahrgästen frequentiert wird.

Erst hier werden die zwei Gangster zu einer wirklichen Gefahr für die Mädchen, denn einerseits gibt es keine Fahrgäste, die ihnen eventuell zu Hilfe eilen könnten und die Frau, die sich den beiden Ganoven angeschlossen hat, peitscht sowohl die Situation als auch die Ganoven selbst regelrecht auf, was unweigerlich in sexuellem Missbrauch und einem blutigen Mordrausch mündet. Neu kommt hierbei ebenfalls vor, dass hier in diesem italienischen Film ein älterer Fahrgast nicht ganz freiwillig hinzukommt, sich aber selbst an einem der Mädchen vergeht, weil er sich vorher als Voyeur sexuell an den Übergriffen erregt hatte. Er ist also kaum eine Hilfe, sondern lässt sich recht schnell als Mittäter einspannen.

Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien (L 'ultimo treno della notte)Ein kleiner Blick in das durcheinander der Genre:
THE LAST HOUSE ON THE LEFT kann man eigentlich völlig zu Recht unter dem Oberbegriff "Horror" einsortieren. Dabei sind die wesentlichen Zuordnungen in Subgenre wie "Thriller/Horror", zum Teil auch unter "Slasher" oder eben als Teil des "Rape-and-Revange"-Subgenre in jedem Fall nicht verkehrt. Schließlich war der Film THE LAST HOUSE ON THE LEFT/1972 der Grundstein für Filme, die dann später dem Subgenre Rape-and-Revange zugeordnet werden.

Eigends die Bezeichnung "Exploitation-Horrorfilm", welches ebenfalls recht gerne für solche Filme verwendet wird, läuft an der Sache bewußt völlig vorbei. Denn mit diesem Begriff werden Filme dieser Form und Art eher negativ in einen Topf geworfen, ohne das man sich hier über den Inhalt und die Aussagekraft wirklich Gedanken gemacht hätte. Durch die Bezeichnung "Exploitation" wird nämlich einfach nur festgehalten, dass durch die Elemente Sex und Gewalt nur ein gewisser Schauwert auf den Zuschauer erreicht werden soll. Wer sich allerdings einige Gedanken zu den Filmen macht, der dürfte recht schnell feststellen, dass hinter diesen ungeschönten Darstellungen Aussagen liegen, die mit der Bezeichnung "Exploitation" (deut. "Nutzbarmachung" bzw. "Ausbeutung") eigentlich negativ ausgeblendet werden. Oder anders ausgedrückt: Die Nutzung der Darstellung von Sex und Gewalt innerhalb einer Handlung nutzt laut dieser Kategorisierung "nur" den Schauwert aus um die bestehenden "niederen Instinkte" der Zuschauer zu bedienen. Nun mag man gerne versuchen, den Zuschauer in eine solche, wieder politisch-korrekte Schublade stecken zu wollen, jedoch lasse ich mich persönlich nur ungerne in die Schubläden von irgendwelchen Moralabosteln seitens der Medienkritik stecken. So fällt dann auch bei einer solchen, eher billigen Einordnung völlig unter den Tisch, dass man mit den im Film gezeigten drastischen Szenen der so hochgelobten Zivilisation die Maske vom Gesicht reißen will, um ihre dahinter lauernde Animalische wie auch Abgründige Seite ungeschönt zu offenbaren.   

Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien (L 'ultimo treno della notte)Im Falle des Films MÄDCHEN IN DEN KRALLEN TEUFLISCHER BESTIEN  gehen die Macher allerdings gerne noch etwas weiter, weshalb ich diesen Film auch dieses mal in der Reihe DER FILMKLASSIKER und nicht in DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER bespreche. Denn bei allen diesen Subgenre sah man sich damals und sieht man den Film auch heute nicht wirklich gut aufgehoben. Da hatte man nämlich in Italien ein eigenes Genre aus der Taufe gehoben, welches man auch hier als "Giallo" recht gut kennt. Und genau dort - egal wie viele Ähnlichkeiten auch innerhalb der Handlung zu anderen Filmen zu finden sind, die unter anderen Subgenre laufen oder unter dem Oberbegriff "Horror" eingeordnet werden können - sieht man sich mit diesem italienischen Film auch am bestens aufgehoben. Im Grunde will ich da auch nicht wirklich widersprechen, denn Giallos sind durchweg dafür bekannt, dass sie recht blutig sind und mit dem Thema Sex auch recht freizügiger umzugehen verstehen. Und wenn man damals in Italien für die eigenen Filme auch ein eigenes Genre aus dem Hut gezaubert hatte, dann kann und soll man dies auch durchweg akzeptieren können. Von dieser Warte aus betrachtet,  sortiere ich den Film hier als Giallo auch gerne unter der Rubrik DER FILMKLASSIKER ein, auch wenn die inhaltlichen Parallelen zum Film THE LAST HOUSE ON THE LEFT durchaus mehr als offensichtlich sind, der wiederum in der Rubrik DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER von mir besprochen wurde.

Doch kommen wir einfach hier jetzt zum Inhalt des Film MÄDCHEN IN DEN KRALLEN TEUFLISCHER BESTIEN, schließlich will der Fan von Filmen der Kategorie Giallo wie auch die der Rape-and-Revenge-Filme ja wissen, was ihn erwartet oder vielleicht auch entgeht.

Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien (L 'ultimo treno della notte)Eine Zugfahrt die ist lustig ... manchmal jedenfalls:
Es weihnachtet sehr in der Nähe des Münchner Hauptbahnhof, während zwei ziemlich brutale Rüpel sich pöbelnder Weise unter dem Fußvolk des Christkindlmarkt bewegen. Dabei verprügeln sie sogar einen als Weihnachtsmann verkleideten Mann und berauben ihn aller bisherig gesammelten Einnahmen. Da allerdings auch die Polizei bald hinter ihnen her ist, flüchten die Ganoven in den Hauptbahnhof und besteigen einen Zug, der direkt über die Grenze nach Italien fährt.

Auch Margaret und Lisa, zwei junge Mädchen müssen sich beeilen, um diesen Zug zu erwischen. Schließlich wollen beide noch die Zeit über die Feiertage bei Lisas Eltern in Verona verbringen. Diese werden inzwischen schon einmal vorsorglich darüber informiert, das Lisa beabsichtigt, ihrem Vater zu Weihnachten eine hässliche blaue Krawatte mit lustigem Aufdruck zu schenken. Was allerdings die Mädchen ziemlich nervt, ist der Umstand, dass der Zug ziemlich überfüllt ist und sie wohl die nächsten Stunden im Stehen verbringen müssen. Aber auch die zwei Rowdies befinden sich im gleichen Zug und fahren auch hier damit fort, andere Fahrgäste zu schikanieren und zu quälen.

In dem Gewimmel der verschiedensten und manchmal absonderlichsten Mitreisenden treffen die zwei Ganoven auch auf Lisa und Margaret, die in der unmittelbaren Nähe einer der Toiletten stehen. Doch die zwei Gangster scheinen sich hier endlich etwas benehmen zu können und rauchen mit den Mädchen sogar recht freundschaftlich eine Zigarette. Dann jedoch streift der Wortführer der zwei wieder durch den Zug, geradewegs auf der Suche nach möglichen neuen Opfern bzw. lohnenden Wertgegenständen. Dabei nimmt er auch Blickkontakt mit einer gutaussehenden und sehr gutgekleideten Frau auf, die wohl etwas über 30 Jahre sein dürfte. Diese unterhält sich gerade in einem Abteil mit einem Geistlichen über die heutige Jugend und die Moral. Doch hierbei passiert ihr ein Missgeschick.  Als ihre Handtasche plötzlich zu Boden gleitet, fallen dabei kompromittierende Sex-Fotos von ihr, für alle sichtbar, heraus.

Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien (L 'ultimo treno della notte)Als sie das Abteil verlässt, nähert sich der Ganove ihr mit mehr als eindeutigen Absichten, auf die sie jedoch gegen seinen Erwartungen sogar bereitwillig eingeht. Er zieht sie mit sich zurück zur Toilette, wo er sich mit ihr einschließt und dort mit ihr recht vernehmlich, auch für Lisa und Margaret, Sex hat. Die beiden Mädchen beschließen deshalb, sich von den beiden Ganoven abzusetzen. Doch es kommt in dieser Nacht noch schlimmer. Der Zug muss einen unbeabsichtlichen Halt durchführen, weil die Polizei den gesamten Zug durchsuchen will. Es hatte eine Bombenwarnung gegeben. Eigentlich dürfen bei dieser Durchsuchung die Fahrgäste nicht wegen der allgemeinen Personalienfeststellung aussteigen, doch Lisa und Margaret gelingt es mit ihrem Charme, trotzdem auf den Bahnsteig zu gelangen um einen anderen Zug nehmen zu können. Das Glück scheint hierbei auf ihrer Seite zu sein, denn ein anderer, fasst leerer Zug fährt in kürze in die gleiche Richtung nach Verona ab. Die Mädchen machen es sich gemütlich, ohne auch nur zu ahnen, dass sie ihre letzte Reise antreten werden. Denn als der Zug endlich losfährt, müssen sie feststellen, dass die zwei Ganoven samt der Frau ebenfalls den Zug heimlich gewechselt haben und nun direkt in ihr Abteil eindringen.

Durch die teuflische Manipulation der Frau fangen die zwei Ganoven an, die jungen Mädchen sexuell zu quälen und zu missbrauchen. Ein anderer Fahrgast, der sie dabei heimlich beobachtet, wird entdeckt und mit Gewalt ins Abteil gezerrt, wo man ihn zwingt, Margaret vor aller Augen zu vergewaltigen. Dieser Aufforderung kommt der Mann jedoch scheinbar nur zu gerne nach. Gleichsam quälen die Frau und der andere Ganove Lisa weiter. Es kommt sogar zu einer Kurzen Auseinandersetzung der Rüpel untereinander, doch einer der beiden, der sich mit Drogen bereits aufgeputscht hat, verschafft sich mit dem Messer den nötigen Respekt. Durch die diabolische Manipulation der Frau beginnt dieser Lisa nun mit der blanken Klinge des Messers förmlich zu vergewaltigen, woraufhin sie bald verblutet. Der Voyeur kann in dem Tumult und nach verrichteter Vergewaltigung flüchten und auch Margaret gelingt halbnackt zuerst die Flucht, wird jedoch von den Rüpeln verfolgt. Aus Panik schließt sie sich in einer Toilette des Zuges ein und springt aus dem Fenster des fahrenden Nachtexpress. Ihren Sprung in die Freiheit bezahlt sie jedoch bei der Geschwindigkeit des Zuges mit dem Tode. Derweil holen die Ganoven die Leiche von Lisa und entsorgen auch diese durch ein Zugfenster.

Am Morgen warten Lisas Eltern jedoch erst einmal vergebens auf ihre Töchter. Dafür wird Lisas Vater, ein Arzt der Chirurgie des Krankenhaus von Verona gebeten, einer Frau zu helfen, die eine Verletzung am Bein hat. Bei dieser Frau handelt es sich jedoch um die diabolische Dame samt den zwei Ganoven, die Margaret in den Tod getrieben haben und Lisa ermordeten. Die Wunde am Bein der Frau stammt indessen von einer Auseinandersetzung der Drei untereinander. Der Vater nimmt die Drei erst einmal mit in sein Haus, wo er die nötigen medizinischen Utensilien vorrätig hat.

Doch besonders die zwei Rüpel benehmen sich recht auffällig und Lisas Mutter erkennt die Krawatte eines der Zwei aus der Beschreibung wieder, die ihr Margarets Mutter am Telefon gemacht hatte. Während dessen erfährt Lisas Vater mehr über den Verbleib seiner Tochter und Margaret und den Mord an ihnen aus dem Radio.

Schnell zählt er Eins und Eins zusammen und seine sprichwörtliche Ablehnung von Gewalt jeglicher Art weicht seinen blutigen Rachegelüsten. In gnadenloser Weise zieht er die zwei Gangster nacheinander zur Rechenschaft und tötet sie. Nur die Frau, die nun behauptet, von den Zwei gezwungen worden zu sein, lässt er am Leben. Aber auch die Polizei ist bereits verständigt und ist am Ende des Films scheinbar schon in unmittelbarer Nähe um sich dieser teuflischen Dame wohl anzunehmen.

Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien (L 'ultimo treno della notte)Meine Filmkritik:
Da mag nun Aldo Lado, der bei dem Film MÄDCHEN IN DEN KRALLEN TEUFLISCHER BESTIEN auch am Drehbuch mitschrieb, damals auch noch so oft betonen (wie in einem mit ihm geführten Interview: Keiner kommt hier lebend raus"), dass er bei dem Film nicht durch Wes Cravens Film THE LAST HOUSE ON THE LEFT beeinflusst wurde, so lässt sich kaum widersprechen, dass man hier wohl schlicht nur die Grundhandlung vom Haus auf die Eisenbahn verlagert hat. Da fehlt mir also eigentlich schon recht intensiv der Glaube an die entsprechenden Aussagen seitens Aldo Lado.

Trotzdem muss man hier zugestehen, dass der Film an sich eine sehr gute Produktion in Sachen Terror-Kino aus Italien darstellt, welcher im Bereich des Giallo durchaus hohe Beachtung verdient. Dazu trägt auch die recht gute Auswahl der jeweiligen Darstellerinnen und Darsteller bei. Besonders hervorheben darf man da das Spiel von Macha Meril als undurchschaubare, diabolische Frau, die einem Geistlichen im Zug mit Inbrunst nach dem Mund redet, wenn es z.B. um die Moral der Zeit geht, ihr kurz darauf allerdings ein Foto aus der Handtasche fällt, auf dem sie eindeutig wie schamlos mit zwei Männern gerade sexuell verkehrt. So wirkt sie recht schnell recht undurchschaubar für den Zuschauer. Ihre manipulative wie diabolische Art kommt allerdings recht schnell zum tragen, als sie in Kontakt mit den zwei Ganoven kommt. Das ganze wirkt zuerst eher befremdlich auf den Zuschauer und steigert sich dann intensiv in Richtung Gänsehautalarm auf wirklich hohem schauspielerischem Niveau.

Aber auch Flavio Bucci und Gianfranco De Grassi nimmt man direkt die brutalen und zum Teil drogenabhängigen Ganoven ab. Den eher friedfertige Chirurgen, der durch die grausame Tat an seiner Tochter plötzlich zum gnadenlosen Rächer wird, kann ich Enrico Maria Salerno allerdings nicht so wirklich abnehmen. Da wirkt mir dann der Wandel vom Paulus zum Saulus doch ein klein wenig gekünstelt. Dies mag aber auch daran liegen, dass dieser Wandel sich zu plötzlich vollzieht. Hier hätte man etwas mehr Zeit aufwenden sollen, um diesen radikal gefühlsmäßigen Wandel - für den Betrachter - sich glaubwürdig entwickeln lassen zu können.

Franco Fabrizi ist in seiner Nebenrolle als voyeuristischer Lüstling wiederum für den Film eine gelungene Besetzung und zeigt recht bösartig auf, wie schnell ein Mensch sich trotz der eigenen gewaltsamen Einbindung in die stattfindenden Grausamkeiten selbst zu einer triebgesteuerten Bestie wandeln kann, um später, nach seiner Flucht, ziemlich halbherzig und anonym vom Bahnsteig aus per Telefon die Polizei recht vage formuliert, zu verständigen.

Interessant ist zudem die Filmmusik von Ennio Morricones, die eine mitunter sehr beklemmende Atmosphäre zu schaffen weiß. Hierbei trägt gerade die recht prägnante Mundharmonika-Melodie einen nicht unwesentlichen Teil bei. Lustiger Weise sind die Szenen zu Beginn auf dem Münchner Bahnhof mit dem Titellied aus dem Soundtrack zum Film VIER FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT von Dario Argento aus dem Jahre 1971 unterlegt. Dieser italienisch-französische Psychothriller ist ebenfalls dem Giallo zugehörig und wurde bereits von mir hier in der Reihe DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER besprochen.

Gesamt betrachtet und wenn einem die eigentliche Grundstruktur der Handlung durchweg sehr (und nicht von ungefähr) bekannt vorkommt, handelt sich es bei dem Film MÄDCHEN IN DEN KRALLEN TEUFLISCHER BESTIEN durchaus um eine richtig kleine und schmutzige Version, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Die Verlagerung der Handlung auf eine Zugfahrt ist durchaus gelungen und Macha Meril als diabolische und unberechenbare Dame wertet den Film wirklich enorm auf. Was den Fan einer eigenen Giallo-Sammlung angeht, so dürfte dieser Film eigentlich in dessen Sammlung nicht fehlen. Es gilt jedoch zuzugreifen, denn mit drei möglichen Covern ist dieser Giallo auch noch limitiert auf 333 Stück (Mediabook). Da kann ich eigentlich nicht anders, als dem Film hier gleich volle fünf von insgesamt fünf Sterne zu verpassen. Wer allerdings in Sachen Härtegrad und Brutalität eher zu einer leichteren Kost neigt, der sollte sich die Anschaffung des Films durchaus noch einmal überlegen. Denn trotz das der Film schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat, können manche gezeigten Gewaltszenen noch immer sehr verstörend wirken.

Ausblick:
Im nächsten Teil von DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER geht es um jemanden (oder vielleicht etwas?), für den Feuer nicht wirklich ein Element ist, mit dem er sich positiv anfreunden würde. Und doch hat dieser hier keine wirklichen Probleme mit eben diesem recht heißen Element. Aber keine Angst, Feuer spielt nur eine wirklich untergeordnete Rolle innerhalb der Handlung.

Aber es geht auch etwas um die Frage, ob der Mensch wirklich die eigentliche Krone der Schöpfung ist, oder er hier gerade etwas an einer ausgeprägten Selbstüberschätzung krankt. Zumindest wird man als Mensch plötzlich mit etwas konfrontiert, dass an dieser Frage doch mitunter einige Zweifel aufkommen lassen.

Der eigentliche Star des Films wurde sogar recht auffällig im Hinblick seiner Interessen während der Dreharbeiten. So beschwert sich die damals noch junge Schauspielerin (die ja eigentlich auch die Hauptrolle inne hatte) auch Jahre später noch, wenn sie auf diesen Film angesprochen wird, darüber, dass unser Star ihr ständig und völlig ohne Schamgefühl "lüstern" auf ihre Brüste geschaut habe. Aber halt, gemeint ist hier nun nicht die noch jüngere Version des Filmproduzenten Harvey Weinstein. Der darf nach der damaligen Sichtweise unseres Star seinen Sexskandal selbst ausbaden, denn unser Star steht da etwas über den Dingen und schert sich weniger um üble Nachreden in diesem Fall.

Der Film selbst heimste allerdings damals nicht gerade viele positive Kritiken ein und selbst der Regisseur selbst meinte hinterher, dass dieser Film für ihn auf fast allen Ebenen eine "unbefriedigende Erfahrung" gewesen sei. Ob er sich da wohl plötzlich etwas aus der Schusslinie herauswinden wollte?

Gut, ich habe diesen Film nun schon mehrere male gesehen und muss eigentlich gestehen, dass er mir immer noch recht gut gefällt. Beim ersten mal sah ich ihn sogar damals mit meiner Mutter zusammen und die empfand den hier gezeigten Horror (ebenso wie ich bei der ersten Sichtung) als recht erschreckend. Mit den Jahren nutzt sich so etwas natürlich ab, aber an sich finde ich selbst heute so manche negativen Kritiken von damals doch mehr als nur etwas überzogen.

Die Handlung ist dabei recht einfach und überschaubar, was jedoch nicht negativ zu bewerten ist. Da holt man durchaus einiges heraus aus dieser feinen aber kleinen Handlungsebene, und daran ist zu einem großen Teil eben auch unser Star mit verantwortlich, der bei seiner "Partnerin" eben zum Ausgleich in den Drehpausen die Oberweite musterte. Man sollte das also nicht so eng sehen, denn wie man im Film recht gut sehen konnte, hatte unser Star durchaus auch seine höflichen Seiten. Zumindest dann, wenn er einem nicht gerade alle Knochen einzeln nummerieren wollte.

Mal sehen, ob unsere Ratefreunde hier den Filmtitel zusammen bekommen. Aber wenn es dazu nicht ganz reicht, dann würde mir auch der Name unseres Star völlig genügen, denn dann wären wir dem Filmtitel auch schon recht nahe. In diesem Sinne, viel Spaß beim nachdenken, grübeln oder darüber schlafen und von meiner Seite aus noch ein schönes Restwochenende gewünscht.

Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien (L 'ultimo treno della notte)Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien
(L 'ultimo treno della notte)
mit Marina Berti, Irene Miracle, Macha Meril, Flavio Bucci, Gianfranco De Grassi, Franco Fabrizi, Enrico Maria Salerno, Laura d'Angelo, Daniele Dublino, Dalila di Lazzaro u.a.
Regie: Aldo Lado
Drehbuch: Renato Izzo, Aldo Lado
Produktion: Roberto Infascelli (European Incorporated)
Genre: Giallo
Laufzeit: 94 Minuten
Version: 2-Disc Mediabook mit DVD und BD sowie 24 seitigem Booklet
Extras: Limitierte Version auf 333 Stück/Zusatmaterial auf DVD
DVD/FSK: Keine Altersfreigabe vorhanden
Vertrieb: Koch Media
Italien 1975

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2018-02-03 15:07
Ich habe nur Lados "Malastrana" im Regal. In Prag gedreht, teilweise unter abenteuerlichen Bedingungen. Ein Krimi mit Gruselelementen, wunderschön anzusehen. Sehr langsam und ziemlich blutfrei. Mit Adorf in einer kleinen Nebenrolle. Lado ist eher ein Handwerker, der hat ja jedes Genre gedreht. Von der Sex-Komödie bis zum SF-SF Heuler. Aber die frühen Sachen dürften die besten sein.

Man darf sich bei den italienischen Filmen nicht von den deutschen Bahnhofskinotiteln abschrecken lassen. Natürlich ist da viel Schund dabei, aber selbst der ist meistens unterhaltsamer als das geleckte und inhaltsleere Hollywood-Kino von heute. Vor allem bei Genre-Filmen.

Und es gibt da echte Perlen. Du solltest dir mal "San Babila, 20 Uhr: Ein sinnloses Verbrechen" besorgen. Ist ein halb-dokumentarischer Film über einen Mord von Neo-Faschisten an einem Studenten in Mailand in den 70ern. An Originalschauplätzen teilweise mit Laiendarstellern gedreht. Mich hat der schwer beeindruckt.
#2 Laurin 2018-02-03 15:39
@ Andreas Decker:
Oh, ich mochte da schon damals eine Menge Filme aus italienischer Produktion. Da habe ich so manche Genre-Filme früher im Kino oder auf VHS ausgeliehen gesehen, die mir sehr gefallen hatten. Und von den deutschen "Bahnhofskinotiteln" hatte ich mich da noch nie abschrecken lassen.
Insgesamt gibt es da noch so einige filmische Perlen, die es wert wären, wieder gehoben zu werden.
#3 Erlkönig 2018-02-04 20:06
Ausblick

Handelt es sich vielleicht um MJY? Rufname J.?
Kann die Beschwerde der Schauspielerin gar nicht verstehen. J. blickte ja so treuherzig und gar nicht frivol. Es sei denn, die Dame hat mit einer Banane gespielt. :-)

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