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Ein Filmklassiker - Tourismus, Prostitution und Köln in Aufruhr

Ein FilmklassikerFolge 17
Tourismus, Prostitution und Köln in Aufruhr

In dieser Reihe DER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch mitunter manche Klassiker des Films tummeln. Wir werden hierzu einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. von manchen Actionfilmen über Western bis hin zu besonderen Romanzen einen Einblick gewähren werden. Bei diesem Film waren die Stadtoberen »not amused«.

Heisses Pflaster KölnHeisses Pflaster Köln
Ja, dieser Titel war damals 1967 Programm. Da holte man die Zeit der Rotlichtgrößen der Stadt hervor und der kölner Prügelknabe Anton "Toni" Dumm, in der Szene und auch über Köln hinaus im Umland eher bekannt als "Dummse Tünn", lieferte hier dann auch gleich für den Film HEISSES PFLASTER KÖLN auch die nötige Inspiration.

Dummse Tünn war, wie man im Voksmund hier sagen würde, in den Jahren 1965/1966 in aller Munde. Und das endete eben nicht an den Stadtgrenzen von Köln. Auch bei mir im Rheinisch-Bergischen-Bereich war sein Name (und der einiger anderer Rotlichtgrößen) durchaus recht bekannt. Anton Dumm saß allerdings bereits 1967 hinter den sogenannten "Schwedischen Gardinen" und man war seitens der Polizei und auch der damaligen Stadtoberen nicht gerade erfreut darüber, dass nun Ernst Hofbauer (Regie) und Karl Spiehs (Produktion für die Lisa Film/München) mit diesem Film ihre Finger wieder in diese offene Wunde legten. Denn eines war klar, Gangster dieses Schlages wurden mit der Zeit schon irgendwie als eine Art moderner Robin Hood in manchen Erzählungen gehandelt und mit Anton Dumm war eben die Zeit so mancher Unterweltgrößen der Rheinmetropole und im Rotlichtmilieu noch längst nicht vorbei, sondern setzte sich durchaus in den 70er und 80er Jahren fort. Namen (und hier wieder schön im Kölner Volksmund) wie Schmidte Udo, Abels Män, Hermanns Tünn (den man auch "Die Axt" nannte) oder eben Dummse Tünn dürften da wohl mit die bekanntesten sein. Man sollte also vielleicht mal einen kleinen Blick in den Bereich aus Prostitution, Glücksspiel, Hehlerei und Gewalt werfen, welches an der Kölner Ringszene beheimatet war.

Heisses Pflaster KölnEin kleiner geschichtlicher Einblick in das "Chicago vom Rhein":
Da gab es z.B. den "Bordellkönig" Hans Münnichhoff, der mit seinen Szene-Kumpels damals eine eigenartige Begrüßungform pflegte. Denn wenn er an einer Kneipe auflief, dann packte man ihm schon mal direkt in den Schritt, lachte und fragte nach: "Wie stehts". Das war dann nicht ungewöhnlich, sondern fasst so wie ganz normales schütteln der Hände. Die Sitten waren im Milieu zwar rau, aber man hatte laut einhelliger Aussage der noch lebenden früheren kriminellen Größen, immer viel gelacht. Und wer sich über die seltsamen Namen wundert, der sollte zumindest wissen, dass man im kölschen Dialekt so einiges verniedlicht, was auch den bekannten Zuhältern und Gangstern der Stadt nicht anders erging.

Hermanns Tünn z.B. trug damals auch nicht den gesonderten Beinamen "Die Axt" ohne Grund. Die trug er nämlich in einem Gitarrenkoffer gerne mit sich und so manche Theke in einer Kneipe bekam sie zu spüren, wenn es Nachts mal wieder sehr laut und grobschlächtig zuging. Ein beliebter Treffpunkt war da z.B. die Kneipe "Grünen Eck", die wohl auch heute noch existieren soll (habe vor diesem Artikel leider nicht nachgesehen) und die auch viele Jahre später, als die Größen der Unterwelt von Köln längst keine "Größen" mehr waren, immer noch für sie, geführt vom "Dicken Johnny", als Stammlokal dient (sofern sie noch mittlerweile gestorben sind).

Dann gab es noch den "Langen Tünn", der als bekanntester Türsteher an den Ringen galt (70er Jahre). Doch er war auch noch einiges mehr. Sein Berufszeugnis fängt da bei Türsteher an, setzt sich dann über Zuhälter, Clubbesitzer und Frauenheld fort und seine Hobbys dürften mit Dampfplauderer und Zocker (vorlautes Mundwerk und Kartenspieler für die, die mit den kölschen Wortspielen nicht so bewandert sind) recht gut umschrieben sein.

Abels Män galt damals als der "schönste Mann" im Kölner Milieu. Dabei war er Chef mehrerer Nachtclubs, Rolls-Royce-Besitzer, Ex-Millionär, Gigolo und Zuhälter. Man könnte also mit recht sagen, dass Abels Män ein Star der Szene war, was ihn jedoch nicht davor schützte, von Dummse Tünn stets ausgelacht zu werden, weil er seinen Mädchen pro Nacht nur 50 D-Mark abnahm. Späterhin sollen es dann wohl bis 5000 D-Mark gewesen sein, wobei er selbst sagte, dass er sich hierzu erst einmal Mut antrinken musste, weil er schließlich bei seinen Anfängen im Milieu erst 17 Jahre war. Ein gutes Wochenende für ihn lief meistens unter zehn Schlägereien ab (schlechter wenn es mehr waren).

Heisses Pflaster KölnDer "Dicke Johnny" war übrigens auch mal Türsteher von Kölns größtem Bordell, dem PASCHA gewesen. Oder "Karate Jacky" war zu seinen besten Zeiten der angesagteste Straßenkämpfer (70er Jahre). Das er bei den deutschen Olympia-Kadern damals wieder aussortiert wurde, lag daran, dass man herausgefunden hatte, dass er im Kölner Milieu recht aktiv war. Dummse Tünn soll sogar auf der Tanzfläche vom Szenelokal "Big Ben" mal 100 Liegestützen auf einem Arm hingelegt haben. Bekannter dürfte allerdings sein, dass Anton Dumm es sogar einmal zum Leibwächter von Romy Schneider gebracht hatte. Und Abels Män hatte dem damaligen Fußball-Star Bernd Schuster dessen Corvette abgekauft, den er dann stolz als seinen "Zuhälterwagen" bezeichnete. Nicht minder unbekannt ist der Zuhälter Heinrich Schäfer, den man allerdings Schäfers Nas nannte, wegen seiner recht auffällig großen Nase. Bei einer Prügelei hatte mal Anton Dumm gegen Schäfer den kürzeren gezogen. Wohl zum letzten mal vor seinem Tod kam Schäfers Nas 1996 nochmals ins Gespräch, als man das wertvolle Vortragekreuz aus der Domschatzkammer gestohlen hatte. Der damalige Dompropst Bernard Heinrich bat Schäfers Nas um dessen Hilfe. Der lies dann seine kontakte in der Kölner Unterwelt spielen, worauf dieses Kreuz wieder in die rechtmäßigen Hände kam. Schäfers Nas verzichtete sogar hierbei auf die 3000 D-Mark Finderlohn. Später griff das Kölner Millowitsch-Theater diese Geschichte auf und verwandelte es in das Theaterstück DER KÖNIG VOM FRIESENPLATZ.

Geschichten und Anekdoten rund um das Rotlichtmilieu von Köln gibt es jedenfalls mehr als genug und da könnten auch Stadtteile und Straßen wie die Brinkgasse (ehemaliger bekannter Straßenstrich in Köln), der Gereonswall, die Friesenstraße oder so manche einschlägigen Lokale und Klubs noch so einiges erzählen, wenn sie könnten. Die Friesenstraße ist heute z.B. schon "stocksolide", aber damals regierte dort im "Klein Köln" eben die bekanntesten Gangsterbosse der kölschen Rheinmetropole.

Die Stadtoberen von Köln hatten allerdings 1967 für ihre geliebte Stadt den Fremdenverkehr fest ins Auge genommen. Und um Touristen auch zu halten, musste Köln nach außen eben liebenswert und friedlich wirken. Man kann sich also ein wenig vorstellen, wie man dort wie ein Fisch an Land nach Luft schnappte, als plötzlich ein Film wie HEISSES PFLASTER KÖLN plötzlich in die Kinos kam. Da überschlugen sich selbst manche Kritiken in wilder Wut und bescheinigten dem Film dann eben auch "eine schlampige Gestaltung" oder hielten ihn schlicht für einen billigen "Kolportagefilm". Zumindest hatte man in Köln mal wieder einen hübschen Skandal ausgemacht. Dieser sollte dem Film allerdings nicht gut bekommen, denn der wurde recht flott in die dunkelste und staubigste Ecke des Filmarchiv verbannt, bis viele viele Jahre später unter anderem ein bekannter Kölner Zeitungsverlag diesen Film wieder für den DVD-Markt gehoben hatte.

Heisses Pflaster KölnEin Skandälchen für die Stadt Köln:
Der KÖLNER STADTANZEIGER hatte am 01. September 1967 eine Schlagzeile, die sich gewaschen hatte und eigentlich für noch mehr Aufruhr in so manchen Amtsstuben in Köln sorgte. Ging es doch hier um das Image der Domstadt am Rhein und deren Pläne in Richtung Fremdenverkehr, der ordentlich Geld in die Stadtkassen spülen sollte.

Aber auch bei der Polizei war man nicht gerade auf Lässigkeit gebürstet, schließlich warf dieser nun beworbene Film doch wieder einmal ein nicht gerade positives Licht auf die Gesetzeshüter der Stadt Köln, welche aus manch kundigem Munde auch als das "Chicago vom Rhein" bezeichnet wurde. Da änderte es auch nicht wirklich viel, dass Anton Dumm sich gerade im Knast befand, denn da kam er ja in recht absehbarer Zeit wieder heraus.

Hinzu kam natürlich auch der "Kölsche Klüngel", der hier scheinbar bis weit in die kriminellen Kreise hinein zu funktionieren schien. So sah es jedenfalls aus in dem Kinofilm HEISSES PFLASTER KÖLN, welches in dem Artikel der Zeitung besprochen wurde und zwischen Isar und Elbe jedem zeigte, dass die Domstadt Köln am Rhein eben nicht nur ruhig, friedlich, aufgeschlossen und vielleicht auch eher etwas provinziell war. Da sah man schließlich in dem Film plötzlich ein gut florierendes Rotlichtmilieu, Zuhälter, Gangsterbanden und Schlägercliquen. Ganz zu schweigen von jungen Mädchen die alte Rentnerinnen wegen ihrer kargen Rente ermorden. Die Krone setzt dann noch dem ganzen das Bild des Biedermann in köln auf, der der Moral wegen das ganze mal "im Kirchenvorstand" besprechen will und kurz danach selbst im Bett einer Prostituierten liegt, als wäre es das normalste auf der Welt.

Da kam schon eine gewisse Panik bei den Werbern für den Fremdenverkehr auf, denn die wollten Köln lieber in einem völlig anderen Licht geschildert wissen. So zog der Film HEISSES PFLASTER KÖLN seine Kreise und wurde damit zum Feindbild erster Klasse. Und wie sich das eben so gehörte, setzte die Politik, die Polizei und alle anderen Persönlichkeiten der Stadt alles daran, dass diesem filmischen Spuk schnell ein Ende gesetzt wurde.

Heisses Pflaster KölnDabei war und ist die Handlung des Films durchaus etwas Schablonenhaft und hätte mit seinem Charme wohl kaum dem Fremdenverkehr wirklich geschadet. Eventuell hätte er Köln sogar für manche sogar interessanter gemacht. Doch es war eben das Bild, welches hier von Köln gezeichnet wurde, welches den Oberen nicht in den vorgefertigten Plan passte, aber der Wahrheit wohl sogar etwas näher kam, als eben das Bild, welches man von der damaligen Domstadt vrmitteln wollte.

Genutzt hatte es allerdings nichts, diesen Film in die hinterste Ecke der Archive zu verbannen, denn die Namen und Geschichten um die wahren Gangster und Zuhälter vom Chicago am Rhein sind selbst heute im neuen Jahrtausend immer noch eine feste Größe in Köln. Zwar gibt und gab es auch in unmittelbarer Nähe in Düsseldorf ein Rotlichtmilieu, aber wer erinnert sich da an wirklich große Namen der Szene? Alles was einem zu Düsseldorf einfällt ist, dass dort die Landesregierung von NRW ihren Sitz hat und man seltsames, dunkles Altbier trinkt. Das es da in der Szene von Düsseldorf seit den 70er Jahren einen Bert Wöllersheim gab, bekam man z.B. im Rheinisch-Bergischen-Kreis erst wirklich mit, als dieser sich vor einigen Jahren samt (mittlerweile) Ex-Frau von einem Privatsender medial vermarkten ließ. An der Berühmtheit eines Dummse Tünn, Schäfers Nas oder Abels Män kommt er allerdings selbst jetzt kaum heran.   

Heisses Pflaster KölnEs kracht im Chicago am Rhein:
Bevor ich aber jetzt hier einen Einblick in die Handlung des Film HEISSES PFLASTER KÖLN gebe, sei hier schon einmal gesagt, dass ich hier wirklich nur einige Einblicke gebe und nicht die gesamte Handlung bis ins Detail wiedergeben werde. Da müsst ihr euch schon diesen damaligen Skandalfilm selbst besorgen und ihn ansehen. Als ein kleines Stück Heimatpflege geht man schließlich hier mit einem gewissen Respekt an den Film.

Namen wurden hier durchaus im Film verändert, allerdings wird schnell klar, dass man sich hier z.B. realer Vorfälle um Dummse Tünn aus dieser Zeit angenommen hatte. Bei den entscheidenden Elementen des Film, die in der Realität tatsächlich vorgekommen sind, werde ich diese Passagen mit "Reale Vorkommnisse" in Klammern kennzeichen. Doch nun hier der kurze Blick in die Handlung des Film selbst:

Wir schreiben den Beginn der 1960er Jahre und auf den Straßen von Köln geht es nicht gerade beschaulich zu. Der Zuhälter und Bordellbesitzer Poldi wagt den Sprung von Wien (Österreich) ins Kölner Rotlichtmilieu, was eben nicht ohne heftige Auseinandersetzungen vonstatten geht. Schließlich sind die Reviere unter den hier einheimischen Zuhältern bereits klar aufgeteilt und da stören fremde Fische natürlich gewaltig im einenen Teich. Das ganze findet daher seinen ersten Höhepunkt, als bei einer Schlägerei auf einem Hinterhof zwischen den "Kölnern" und den "Wienern", einer der Männer an seinen Verletzungen verstirbt.

Sofort macht die Polizei einen der stadtbekannten Ganoven für das zu Tode geprügelte Opfer verantwortlich und nimmt diesen auch sogleich in Haft. Doch dies ruft wiederum recht schnell dessen Bruder Paul Keil ("Paule") auf den Plan, der deswegen ziemlich aus der Haut fährt und den Kleinkrieg gegen die "Wiener" nun auch gleich auf den ermittelnden Staatsanwalt Dr. Stauffer erweitert.  Dieser wird daher auch recht bald von den Kumpanen von Paule in einer der recht belebten Straßen von Köln hart angegangen und übel überfallen. Gleichsam wird sein Sohn Ernst von Paules Bandenmitgliedern sogar entführt.

(Reale Vorkommnisse: Tatsächlich gelang es trotz zahlreicher Anzeigen nicht, Anton Dumm ins Gefängnis zu schaffen. Zur Bekämpfung der Kriminalität setzte man seitens des Innenministeriums daher einen Sonderbevollmächtigten ein, der sich speziell den Ermittlungen gegen Dumm widmete. Im Oktober 1966 erhielt er eine dreijährige Zuchthausstrafe. Im Verlauf der Verhandlungen kam es zu Einschüchterungsversuchen gegen die Staatsanwälte und Richter, sowie zu Attentatsdrohungen gegen das Gericht)

Während nun die Polizei natürlich in diesem Fall fieberhaft weiter ermittelt, geht der Krieg zwischen den "Kölnern" und den "Wienern" natürlich ebenfalls unvermindert weiter. In der Wahl der Waffen ist man dabei recht kreativ und greift sowohl zu Messer, Peitsche wie auch zur Schusswaffe. Allerdings geht auch das Geschäft der Prostitution hierbei scheinbar unvermindert seinen gewohnten Gang.

Heisses Pflaster KölnDa gibt es als Beispiel dann den typischen Biedermann wie hier die Figur des Anton Schulz, der eigentlich über alles schimpft, was modern und unmoralisch erscheint, gleichsam sich aber weniger tugendhaft und eher heimlich, regelmäßig mit einem der Freudenmädchen ins Bett begibt und sich dort nach Strich und Faden sexuell verwöhnen lässt. Schließlich ist die Sitzung des Kirchenvorstand manchmal im eigenen Heim eben nur ein willkommener Vorwand.

(Reale Vorkommnisse: Muss man hier nicht ausführen. Solche sogenannten "Musterbürger" und "Biedermänner" gab und gibt es zu jeder Zeit und wohl an jedem Ort)

Das Köln viele kriminellen Gesichter hatte, zeigt denn auch ein weiterer Handlungsablauf im Film: Zwei junge Mädchen, knapp 16 Jahre, prellen ihre Zeche bei den Taxifahrern, pöbeln Passanten an und geben sich dem Alkoholkonsum hin. Hierbei kommt es auch schon mal zu heimlichen sexuellen Diensten mit dem Kneipenwirt Benno Troger, der eigentlich ganz genau weiß, dass er den beiden Mädchen gesetzlich noch keinen Alkohol ausschenken dürfte. Um allerdings an Geld zu kommen, suchen die Mädchen auch schon mal eine alte Rentnerin auf, die sie nur "Tantchen" nennen, um von ihr auf recht gemeine Art regelmäßig Geld zu erpressen. Als "Tantchen" jedoch nichts im Hause hat, was ihr die Mädchen nicht glauben, kommt es zu einem Gewaltausbruch, bei dem sie die völlig verängstigte Rentnerin ermorden.

(Reale Vorkommnisse: Auch der Mord an der Rentnerin durch zwei junge Mädchen hat während dieser Zeit in Köln einen realen Hintergrund)

Was den entführten Sohn von Staatsanwalt Dr. Stauffer angeht, so kommt es hier in den Kölner Messehallen zu einem gefährlichen Showdown. Gangster (einschließlich Paul "Paule" Keil) und Polizei liefern sich einen Schusswechsel, wobei sogar einige ihr Leben lassen müssen. Dabei kann Ernst, Dr. Stauffers Sohn, quasi noch im letzten Augenblick aus den Klauen der Gangster befreit werden.

Heisses Pflaster KölnMeine Filmkritik:
Auch die damalige Filmkritik wollte Köln gerne wieder als ruhig und friedlich darstellen, in dem die Schutzmänner (Polizei) eher eine ruhige Kugel schieben. Wie ruhig sie ihre Kugel nun damals zur Zeit des Films schoben, weiß ich nun nicht, aber ruhig und friedlich sah in Köln schon immer etwas anders aus. Natürlich ist Köln immer eine Reise wert, nur sollte man auch heute nicht jede dunkle Gasse in der Nacht sorglos mitnehmen wollen, als befände man sich im Märchenland. Die damalige Gaunerehre, die die schweren Jungs vom Rhein so an den Tag legten, hat sich mittlerweile auch in Köln längst verflüchtigt.

Mir persönlich liegt die FSK-16er-Fassung vor, die gleich als DVD auf den Markt kam. Die FSK-18er-Fassung (Special Edition) kam erst etwas später. Warum diese Version allerdings erst ab 18 Jahre ist, entzieht sich doch ziemlich meinem Verständnis. Es werden wohl kaum Szenen hinzugekommen sein, die eine solch hohe Altersfreigabe überhaupt rechtfertigen könnten. Ich würde diese zu hohe Altersfreigabe eher als einen gut kalkulierten Werbegag betrachten um Käufer anzulocken, die sich einen wirklich derben Film erhoffen. Doch schon die 16er-Fassung dürfte recht deutlich zeigen, dass man heute als Jugendlicher weit härtere Kost gleich über das tägliche Fernsehprogramm geliefert bekommt. Wer also noch an die 16er-Fassung gerät, verpasst hier nicht das geringste und wird genauso gut und eben auch ohne inhaltliche Verluste bedient.

In gewisser Weise allerdings hatten schon die damaligen Kritiken etwas recht, denn der Film HEISSES PFLASTER KÖLN spult in erster Linie einen zeitlich typischen Gansterfilm ab, der sich allerdings einiger Anleihen von realen Hintergründen bedient. Von daher sollte man auch mit den Erwartungen auf ein Niveau herunter gehen, welches der Entstehungszeit des Films gerecht wird. Da mag dann auch in Sachen Dramaturgie eine eher simple Schiene gefahren werden und eben nicht alles wird dem damaligen Milieu in diesem Film wirklich gerecht. Nur kann ich auch hier wiederum nur auf die damalige Zeit verweisen, in der wohl jeder Krimi heute eher handzahm wirken muss. Schon wenn man dies beachtet, wirkt schon die Freigabe ab 18 Jahre trotz ca. 5 Minuten längerer Laufzeit dann wirklich nur noch lächerlich.

Heisses Pflaster KölnUnd trotzdem transportiert der Film HEISSES PFLASTER KÖLN einen gewissen Zeitkollorit, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Aber auch der damalige Umgang macht diesen Film durchweg für Sammler - nicht nur aus Köln und dem Umland - recht interessant. Spannung ist innerhalb der Handlung ebenfalls durchaus gegeben, so das man sich diesen lange verschmähten Filmklassiker durchaus nicht entgehen lassen sollte. Das Herz von Nostalgikern wie auch Freunden und Fans alter Krimis dürfte bei HEISSES PFLASTER KÖLN jedenfalls höher schlagen. Von mir erhält dieser wirklich seltene Film daher die vollen fünf von insgesamt fünf möglichen Punkte.

Ausblick:
Ich will es heute mal recht kurz machen mit dem Filmrätsel für den nächsten Samstag in DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER.

Da hätten wir Verbohrtheiten in Sachen Glauben und Co., Rachegelüste, peinliche Momente und ein Straftraining. Das ganze garnieren wir mal mit einigen Anspielungen auf den Film PSYCHO von Alfred Hitchcock und verlegen die Dreharbeiten ins sonnige Kalifornien. Und damit das Teilchen auch irgendwann in die Kinos kam, fischte man mal locker 1,8 Millionen US-Dollar aus den Sparschweinen der lieben Kleinen.

Keine Angst, die Einspielergebnisse waren um ein vielfaches höher, so das die Kinderchen nichts von dem Raub aus den Ferkelchen mit dem Schlitz auf dem Buckel gemerkt hatten.

Und nun wisst ihr ja eigentlich schon, von welchem Film ich hier rede ... oder?
Nein?
Warum?
Also ehrlich, ein Schweinchen musste (laut Filmhandlung) sogar in der Handlung dran glauben. Bekam also eine Freikarte für den Himmel mit rosa Wölkchen samt Harfe.

Na ja, war schon eine recht blutige Sache, aber Spaß komm raus, danach war das Sterben noch längst nicht beendet. Ach ja, den Roman schrieb ein recht bekannter Autor (glaube ich zumindest mal behaupten zu können). Der Roman kam 1974 heraus und wurde 1977 für die deutsche Erstveröffentlichung von Elisabeth Epple übersetzt, worauf er im Schneekluth-Verlag erschien. Späterhin war es dann ein anderer, größerer Verlag, der den Roman in neuer Übersetzung vertrieb (und auch heute noch vertreibt). Als der Roman allerdings auf den deutschen Markt kam, war er bereits verfilmt worden. Man könnte also sagen, die Handlung war allgemein schneller in den Kinos als in den deutschen Bücherregalen vertreten gewesen. Und um dem ganzen dann noch die Krone aufzusetzen, gab es sogar noch für zwei Darstellerinnen eine Oscar-Nominierung für den Film.

Also wie viele Horrorfilme kennt ihr, die mit dem Oscar zumindest mal eine Runde wilde Maus spielen durften?

In dem Sinne verlasse ich euch heute erst einmal und schau aus der Entfernung zu, wie eure Köpfe rauchen und sage mal tschüss bis zum nächsten mal. Schließlich ist das Rätsel nicht so schwer. Ich kenne den Film z.B. wie meine Westentasche, auch wenn ich den (Original-) Film selber nicht einmal in meinem Archiv habe (Na ja, das Remake habe ich allerdings dann doch auf BD, weil es mir wesentlich besser gefällt als die Originalverfilmung).   

Heisses Pflaster KölnHeisses Pflaster Köln
mit Richard Münch, Herbert Fux, Arthur Brauss, Walter Kohut, Klaus Löwitsch, Angelika Ott, Günther Ungeheuer, Doris Kunstmann, Rainer Basedow, Beate Hasenau, Klaramaria Skala, Claus Ringer, Monika Zinnenberg, Christine Schuberth, Eric Pohlmann, Doris Arden, Dirk Dautzenberg, Monika Rasky, Lisa Helwig, Petra Schürmann, Claus Ringer u.a.
Regie: Ernst Hofbauer
Drehbuch: Claus Tinney
Produktion: Karl Spiehs
Genre: Kriminalfilm
Laufzeit: 85 Minuten (16er-Fassung)
Laufzeit: 90 Minuten (18er-Fassung)
DVD/FSK: 16 Jahre
DVD/FSK: 18 Jahre (Special Edition)
Vertrieb: Kölnprogramm
Deutschland 1967

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Kommentare  

#1 Friedhelm 2018-01-20 13:11
Ganz ehrlich,kann sein, dass ich diesen Film tatsächlich irgendwann einmal gesehen habe. Jedenfalls kommt mir da einiges bekannt vor. Kann allerdings auch sein, dass ich das Ding hier mit einigen Jürgen-Roland-Movies verwechsle.

Was nun mal widder den Ausblick betrifft - eigentlich wollte ich diesmal anderen den Vortritt lassen und mich eh für längere Zeit rar machen...aber, ich kann's einfach (noch) nicht lassen.
Dein Filmrätsel, lieber Konrad, ist auch heute nicht schwer zu knacken - erwartest du wahrscheinlich auch gar nicht anders von uns..

Nun gut, der Film ( der Romanautor ist tatsächlich seeehr bekannt))trägt den Namen der noch jungen "Heldin" und behandelt eigentlich eher ein typisches "Mädchenthema", mit dem sie nicht umgehen kann. Für Muttern, die einen "religiösen Hau" weg hat, ist das Sünde - und mit ihren Mitschülern hat das Mädel auch Probleme. Das löst dann "etwas" aus. Mehr will ich denn doch dazu nicht schreiben - höchstwahrscheinlich möchten noch einige mitraten.
Nur dieses noch; Einer der Darsteller macht dann später, in einem anderen Film, den "Disco-King"
#2 Laurin 2018-01-20 18:42
@ Friedhelm:
Ja, der Mann hatte eine steile Karriere vom Schweinekiller zum Disco-King. Und ja, es ist ein typisches Mädchenthema. Man könnte auch sagen, es geht um die Tage, wo als Beispiel blonde Mädels rote Bärte tragen. :lol:

Ob Jürgen Roland mal einen ähnlichen Film gemacht hat, weiß ich allerdings nicht. Will ich aber auch nicht unbedingt ausschließen wollen. :-?
#3 Friedhelm 2018-01-20 19:38
Zitat:
Ob Jürgen Roland mal einen ähnlichen Film gemacht hat, weiß ich allerdings nicht
Zumindest gab es bei Roland auch Milieu und Zeitkolorit (u.a. "Polizeirevier Davidswache"). Und er hat wohl einiges aus seiner Zeit als Reporter mit einbringen können.

Aber ich kriege es jetzt doch tatsächlich nicht "auf die Reihe", ob "Heisses Pflaster Köln" denn nun wirklich gesehen habe - oder einfach nur verwechsele ..(Oh Mann, das Alter zollt gerade mächtigen Tribut...)

Zitat:
(Na ja, das Remake habe ich allerdings dann doch auf BD, weil es mir wesentlich besser gefällt als die Originalverfilmung).
Naja, ich habe beide Filme nicht auf DVd/Blueray - bin aber vom Original immer noch richtig angtan. Und das liegt evtl am Komponisten der Filmmusik, P..D, den ich genial fand/finde. Der hat dann ja noch öfter mit B.d.P zusammengearbeitet.

Das Remake fand ich auch nett - habe ich aber dann doch bald vergessen.

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