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Ein Filmklassiker - Als die Welt, selbst mit Kriminellen, in Ordnung war

Ein FilmklassikerFolge 9
Als die Welt, selbst mit Kriminellen, in Ordnung war

In dieser Reihe DER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch mitunter manche Klassiker des Films tummeln. Wir werden hierzu einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. von manchen Actionfilmen über Western bis hin zu besonderen Romanzen einen Einblick gewähren werden. In Sachen Krimi mit Humor hatten man früher ein glückliches Händchen.

Die Herren mit der weißen WesteDie Herren mit der weißen Weste
Nein, dieser Film hat keinen Originaltitel in Englisch, weil es eine rein deutsche Produktion ist, die zwar irgendwie reichlich gealtert scheint, aber trotzdem noch Heute ordentlich Lacher auch seitens der jüngeren Generation nach sich zieht.

Etwas zu Lachen brauchte man damals aber auch irgendwie, denn die Jahre des Wirtschaftswunderland war 1969 wahrlich schon ein altes Eisen, das man in den 50ern noch bejubeln konnte, aber nun niemanden mehr wirklich hinter dem Herd herlockte. Dafür gab es spätestens seit 1967/1968 die sogenannten "Stundentenunruhen", die in Wirklichkeit nicht nur von den Studenten oder dem damaligen Sozialistischen Deutschen Studentenbund - kurz SDS abgekürzt - alleine ausgingen. Auch die normalen Schüler gingen schon mal auf die Straße, finden aber kaum im Rückblick noch eine wirkliche Beachtung. Und auch andere Teile der Gesellschaft konnte man auf den Straßen sehen, wie z.B. gegen die Wiederbewaffnung oder die Notstandsgesetze. Schließlich war die dunkle geschichtliche Vergangenheit noch ziemlich frisch in vielen Köpfen und dahin wollte man nun wirklich nicht mehr zurück. Allerdings gab es da auch die Mehrheit des sogenannten normalen Bügertums, die einfach nur ihre Ruhe, eine Bratwurst mit Bier und regelmäßig ihre Lohntüte haben wollten. Denen war es irgendwie schlicht egal was sich sonst so in der Politik tat und wo da überall immer noch der Hase im Pfeffer lag.

Und wenn man denn schon kein Wirtschaftswunder mehr hatte (was übrigens alles andere als ein Wunder war), dann wollte man zumindest im Kino noch ein wenig von dieser heilen Welt erhalten. Also holte man eine Truppe an Darsteller zusammen, die zu einem gewissen Teil ihre eigentliche Glanzzeit eher im Film der 50er Jahre besaßen.

Die Herren mit der weißen WesteGut gemixt ist halb gewonnen:
Horst Wendlandt, Preben Philipsen (Produktion) und Wolfgang Staudte (Regie) hatten in diesem Punkt ein sicheres Händchen. Denn sie setzten nicht nur auf die recht bekannten Dauerkomödianten des immer noch recht jungen deutschen Films, sondern bedienten sich in Sachen Darsteller durchaus auch einiger Schauspieler, die man eigentlich vom eher ernsten Fach her kannte. Das ganze gut gemixt und mit jüngeren, noch aufstrebenden Kalibern unterlegt, kam so ein vergnüglicher Reigen zusammen, der zwar recht witzig daher kam, allerdings niemals den Bogen des Klamauk überspannte. So kommt durchaus so mancher Witz eher mit einem Augenzwinkern daher ohne irgendwann übertrieben albern zu wirken. Damit haben schließlich nicht nur viele US-Komödien ihre Probleme, sondern auch so manche deutsche Produktion der jüngeren Zeit.

Die Darstellerliste liest sich daher auch irgendwie wie die Creme de la Creme des alten deutschen Nachkriegskinos. Wobei, man muss heute durchaus dabei beachten, das z.B. Hannelore Elsner (1942 geboren) im Produktionsjahr 1969 noch keine 30 Jahre alt war und eher noch selbst damals zu den Sternchen des Filmgeschäft zählte, die erst einmal eine ganz Große werden wollte. Und wie das in einem schnelllebigen Filmgeschäft so ist, gehört man nämlich erst dann zu den ganz Großen, wenn man über viele, viele Jahre keinen eklatanten Absturz hinlegte um danach eventuell sogar in der Vergessenheit zu entschwinden.

Entsprechend kommt sie hier in dem Film DIE HERREN MIT DER WEISSEN WESTE mit ihren kurzen Röckchen nicht nur recht sexy daher, sondern leider auch schon mal etwas überdreht oder auch mitunter etwas künstlich. Aber damals mit den Beinen, diesen Augen und den kurzen Röckchen nahm man ihr das nun wirklich nicht krumm.

Mario Adorf konnte man in diesem Film nur als den Gangster Bruno "Dandy" Stiegler besetzen. Den Bösewicht hatte er ja nun damals schon irgendwie verinnerlicht, man denke nur an den Film WINNETOU 1. aus dem Jahre 1963, wo er den Banditen Frederick Santer verkörperte. Aber Mario Adorf war ja schließlich nicht nur der ewige Gangster-Darsteller. Vielmehr war er schon damals ein Multitalent, der einen Ganoven wie Dandy mit dem gewünschten Augenzwinkern darstellen konnte. Und Martin Held war in diesem Film faktisch der komplette Gegensatz zu Adorf. Schließlich kannte man Martin Held eher aus Filmen wie CANARIS von 1954 oder EIN FASST ANSTÄNDIGES MÄDCHEN aus dem Jahre 1963. Dabei hatte Held durchaus eine komödiantische Ader, auch wenn diese bei Heinz Erhardt wesendlich ausgeprägter war, wie man in Filmen wie WITWER MIT FÜNF TÖCHTERN aus dem Jahr 1957 oder WAS IST DENN BLOSS MIT WILLI LOS? aus dem Jahr 1970 direkt erkennen kann. Und in der großen Runde der Darsteller ist es gerade Heinz Erhardt, der immer in seinen Filmen und Bühnenauftritten daran gefeilt hatte, wie man sich einen Deutschen aus den Wirtschaftswunderjahren vorzustellen hatte.

Die Herren mit der weißen WesteEin Krimi der locker, luftigen Sorte:
In der Regel kam ein Krimi damals nie ohne mindestens einen Toten aus. Alles darüber (also eine sich steigernde Anzahl von Toten in einem Krimi) war allerdings für den deutschen Kriminalfilm bereits eine gewisse Besonderheit, die man sich Rot im Kalender ankreuzen konnte. Alles was ohne eine Leiche daher kam, konnte man eher unter der Rubrik Gaunerfilm verbuchen, wobei man sogar der Meinung sein kann, das hier wohl die Gaunerkomödien wiederum damals zumindest etwas in Deutschland überwogen.

DIE HERREN MIT DER WEISSEN WESTE kann man hierzu eigentlich genau unter der Rubrik Gaunerkomödie einordnen. Aber eine Leiche gibt es dann doch in diesem Film, nur sieht man die Leiche nicht, oder zumindest das, was von ihr übrig geblieben ist. Und wirklich kein Zuschauer dürfte bei diesem Todesfall auch nur ein erschrockenes Gesicht gemacht haben.

Lustiger Weise wird dieses "Opfer", gespielt von Herbert Fux, hier als der Ganove Luigi Pinelli weder vergiftet noch erschossen, sondern er sprengt sich quasi selbst in die Luft, weil er die Finger nicht vom Marzipan lassen konnte, bei dem sich auch zwei Rollen Plastiksprengstoff versteckt befanden. Die hatte unsere wackere Rentnerbande gegen das organisierte Verbrechen nämlich vergessen, wieder zwischen dem Süßkram heraus zu holen. Witzig daran ist zudem, das dieser Sprengstoff sich nicht rührt, wenn Luigi noch darauf herum kaut. Nein, der Sprengstoff wartet brav bis Herbert Zänker (Martin Held) den Ganoven durch die Haustüre schiebt und diese hinter sich wieder schließt. Erst danach vernimmt man laut und deutlich eine Explosion. Das ganze wirkt zwar realistisch gesehen nicht nur unlogisch sondern auch in dieser Form unmöglich, ist aber durchweg ein filmisches Glanzlicht des schwarzen Humors, mit dem die Deutschen nun nicht gerade prall gesegnet sind.

Auch in ihrem Vorgehen ist die Rentnergang für Recht und Ordnung nicht gerade auf gesetzlichen Pfaden unterwegs. Zwar will man die Gangster mit Köpfchen, aber eben auch mit ihren eigenen Waffen schlagen. Diese Erkenntnis fruchtete hierbei aus der Erfahrung des pensionierten Oberlandesgerichtsrat Zänker, dem es in der beruflich aktiven Zeit nie gelungen war, Dandy hinter schwedische Gardinen zu bringen, so gerne er dies auch gewollt hatte. Dies ist für einen deutschen Film bzw. selbst einer Gaunerkomödie durchaus etwas ungewöhnlich. Schließlich ist es eigentlich nicht gerade eine deutsche Tugend, ein Gesetzbuch bzw. die Gesetzgebung an sich als ein offensichtliches Hindernis darzustellen. Und während heute die Rentner aus Hollywood sich nochmals zusammen tun um dann mit jeder Art von Waffen einem Gegner nochmal richtig Feuer unter dem Hintern zu machen, achtete man beim Film DIE HERREN MIT DER WEISSEN WESTE peinlich darauf, das im ganzen Film nicht einmal ein Hauch von Gewalt mit im Spiel von Gut gegen Böse war.

Die Herren mit der weißen WesteBesonderheiten aus Berlin und ein Fehler:
Ja, Berlin als geteilte Stadt hatte damals schon eine gewisse Sonderstellung. Wer damals in Berlin lebte, konnte nicht zur Bundeswehr eingezogen werden. Die einzigen Soldaten im Westen der Stadt waren die der Siegermächte (ohne die UdSSR) und die führten ab 1964 mit den anderen Alliierten jeden 1. Juli eine Militärparade durch (fragt mich aber nicht, ob sie das bis zum Ende der DDR durchzogen). Jedenfalls fuhr man da auch mit den schweren Panzern herum und die konnten so ziemlich alle Alarmanlagen durch ihre Erschütterungen auslösen. Aus Erfahrung meiner Bundeswehrzeit bei einer Panzereinheit (wir hatten noch den US-Panzer M48 statt den Leopard) weiß ich z.B. das man bei einem Laden wie ALDI (da musste man vorbei um die Panzer am Bahnhof zu verladen) immer auf die falsche Fahrbahnseite gewunken wurde. Scherte man da auf gleicher Höhe mit dem Laden auf die richtige Fahrbahnseite aus und kam dem Laden so entsprechend näher, waren die Erschütterungen das sichere Ende der großen Frontscheibe von ALDI. Ja, das waren noch Zeiten im hohen Norden, auf die ich auch hätte verzichten können. Aber zurück zum Film. Diesen Umstand nutzte man hier recht interessant um das Juweliergeschäft Haase zu plündern, bevor es Dandy mit seinen Ganoven tun konnte.

Auch nutzte man eine typische Studentenbude nahe am Flughafen  Tempelhof. Dies waren damals vom Senat geförderte Sozialwohnungen um z.B. Studenten billigen Wohnraum anbieten zu können. Aber auch Personen die von Westdeutschland nach Berlin zogen, waren über solche Wohnungen nicht gerade unglücklich. Im Film selbst wohnt der geläuterte Kleinkriminelle Pietsch in einer solchen, nicht gerade leisen Wohngegend im Umfeld des Flughafen Tempelhof.

Und dann machte man doch einen ordentlichen Fehler im Film. Denn es gab in Berlin nie ein Oberlandesgericht, also konnte es hier auch keinen Oberlandesgerichtsrat Zänker geben. Berlin hatte nämlich in dem Punkt wieder eine Extrawurst, weil hier diese Institution des Rechts schlicht als Kammergericht betitelt wurde. Folglich gab es dort eben auch keine Oberlandesgerichtsräte sondern statt dessen Kammergerichtsräte.

Doch kommen wir langsam und in gebotener Kürze zur Handlung des Film selbst, den man sich wirklich auch heute noch immer wieder mal ansehen kann. Alles was man hierzu benötigt ist ein gewisser Sinn für das nostalgische Flair, ein Gespür auch für den feinen Witz und eine genetische Veranlagung für Spaß (wer das nicht hat, geht zum lachen eh in den Keller).

Die Herren mit der weißen WesteWer sind denn hier die größten Gauner?
Auf dem Flughafen gibt sich die Presse gleich auf dem Landefeld die sprichwörtliche Klinke in die Hände, gilt es doch einen prominenten Gast zu begrüßen, der in Westberlin seinen Boxer in den Ring schicken will. Und dieser Gast ist niemand anderes, als der Boxpromoter Bruno Stiegler, der früher auch in Westberlin unter seinem Spitznamen "Dandy" bekannt war und wohl auch noch immer ist.

Schließlich war der nun recht bekannte Mann einmal ein Stadtbekannter Gauner, den der Oberlandesgerichtsrat Herbert Zänker nur zu gerne hinter die sogenannten schwedischen Gardinen gebracht hätte. Nur standen ihm da die eigenen Bestimmungen und Gesetze im Wege, die Dandy wohl immer locker für sich zu nutzen wusste. Nun aber im Ruhestand will es Zänker nochmals wissen und wenn Dandy wieder in Berlin ist, dann stecken da auch bestimmt einige krumme Dinger dahinter.

Und wenn der alte Zänker und seine Schwester Elisabeth nicht gerade den Schwiegersohn und Beamten bei der Kriminalpolizei, Walter Knauer auf die Palme bringen, denken sie sich mit weiteren alten Knaben aus den guten wie ebenso alten Zeiten mögliche Kniffe und Schachzüge aus, mit denen sie Dandy und seine alten Kumpels in Berlin endlich das Handwerk legen wollen. Das man da nicht gerade nach Recht und Gesetz verfahren darf, hatte Zänker ja in seinen besten Zeiten schon lernen müssen. Also beschließt man, die Gauner mit ihren eigenen Waffen zu schlagen.

Ganz nebenbei übt Zänker sein Geschick in Sachen krumme Touren in einem Tabakwarengeschäft, wo er trickreich täglich die eine oder andere gute Zigarre mitgehen lässt. Natürlich ist auch das mit dem Inhaber abgesprochen und nach Ablauf einer gewissen Zeitspanne zahlt Elisabeth dann die geklauten Zigarren, wobei der Geschäftsmann ins staunen kommt, wie oft er nicht gemerkt hatte, das Zänker ihn gerade wieder einmal um eine Zigarre erleichtert hatte.

Die Herren mit der weißen WesteDas erste Ding das Dandy ins Auge gefasst hatte, ist die prall gefüllte Kasse bei einem Fußballspiel der Herta BSC im Olympiastadion. Doch hier kommen ihm Zänker und seine Truppe samt einem Staubsaugersystem zuvor. Dandys Jungs, die gleich mit Maschinenpistolen anrücken, können sich nur noch über den völlig leeren Geldkoffer wundern.

Zwar hat die Polizei und hier allen voran Schwiegersohn Walter  Dandy gleich im Visier, zumal dessen Handschuh durchaus ein heißes Indiz sein könnte, doch gerade der alte Zänker liefert Dandy hier ein wasserdichtes Alibi, was Walter bei seinem Vorgesetzten natürlich gleich einen dicken Anschiss einbringt.

Dandys Jungs sind natürlich auch sauer und wollen ohne ihn mal flott den Geldschrank des Geschäftsmann Kunkelmann ausrauben, der wiederum jede Menge alter Menschen übers Ohr haut. Doch auch hier sind Zänker und seine Truppe rüstiger Rentner wieder einmal schneller. Dandy, der einfach mal seine Jungs machen lässt, muss sich gerade neben der jungen wie hübschen Susan auch noch um den eigentlichen Boxkampf kümmern, bei dem allerdings auch alles schief läuft.

Um den alten Zänker, der den Gaunern immer wieder über den Weg läuft, etwas einzuschüchtern, taucht dann auch Gauner Luigi bei ihm persönlich auf. Und während Elisabeth gerade ihren Bruder holen will, macht der sich über eine Schale mit Marzipan her, weil er doch so auf Süßes steht. Die Sache hat nur einen Haken. Während einer Besprechung bei Zänker kam auch die Sprache darüber auf, ob man bei der nächsten Aktion Plastiksprengstoff einsetzen sollte.  Dies wurde zwar abgelehnt da zu gefährlich, aber in einem unbedachten Moment musste man das Zeug verstecken und in der Schale mit Marzipan fällt das Zeug auch am wenigsten auf. Für Luigi kommt erschwerend hinzu, das man das explosive Zeug dann auch dort irgendwie vergessen hatte. Zumindest gelingt es dem alten Zänker noch, Luigi vor die Haustüre zu schaffen, bevor der gegessene Plastiksprengstoff den Gauner förmlich zerreißt.

Bevor Dandy aber mit Susan wieder in die USA entschwinden will, will er in Westberlin nochmals richtig Kasse machen. Also nimmt man sich den Juwelier Haase ins Auge, der im Schaufenster stets Schmuck im Wert von einer Million Deutsche Mark ausliegen hat. Zwischendurch ist man aber auch dahinter gekommen, das der ehemalige Gauner Pietsch als Spitzel für Zänker gearbeitet hat. Zwar will man Pietsch sogar beseitigen, doch der alte Zänker ist den Gaunern auch hier immer einen Schritt voraus. Elisabeth sorgt inzwischen über ein Computerunternehmen dafür, das alle von der Firma Kunkelmann geprellten alte Leute ihr Geld zurück bekommen. Darunter sind auch einige tausend Mark aus der eigenen Kasse und da Elisabeth sich etwas wegen dem Geldboten merkwürdig benimmt, informiert Zänkers Tochter besorgt ihren Mann Walter, der dann sofort kombiniert, daß hier ebenfalls irgendwo der Hase im Pfeffer liegen könnte, was den Diebstahl bei der Firma Kunkelmann angeht.

Zänker und die Rentnertruppe ziehen für die Aktion Juwelier Haase indessen noch den Kaufhausdetektiv Otto Sikorski hinzu, der einen wasserdichten Plan ausarbeiten soll, wie man den Schmuck vor Dandy und seinen Jungs klauen kann. Beiden Seiten kommt dabei zugute, das man an besagtem Tag des Diebstahls alle Alarmanlagen in der Straße ausschalten muss, weil die Erschütterung der schweren Panzer der alliierten Militärparade diese auslösen würden. Doch kurz bevor man nun zur Aktion schreiten kann, wird die Polizei auf Zänker und seine "Sängertruppe" aufmerksam. Und weil Walter bisher nicht viel vorweisen konnte, schreitet sein Vorgesetzter,  Kommissar Berg, selbst bei Zänker zur Tat.

Doch Berg und Zänker kennen sich selbst bereits seit vielen Jahren und als Zänker ihm erklärt, das man Dandy bald hinter Schloss und Riegel bringen kann, wenn man ihn und seine Rentnertruppe nur ließe, willigt Berg mit freuden ein und lässt den Dingen seinen Lauf. Aber auch Walter versucht seinen Schwiegervater per Telefon zu warnen, das Berg ihn verhaften wolle. Hierbei gibt Zänker ihm allerdings den Tipp, sich in kürze mit Verstärkung am Flughafen einzufinden. Denn Zänker hat Dandy zwischenzeitlich einen Besuch abgestattet und nicht nur herausgefunden, das dieser Berlin bald wieder in Richtung USA verlassen will, sondern auch, welche Koffer er hierfür benutzt.

Natürlich kommt man den Gaunern von Dandy auch beim Einbruch bei Juwelier Haase zuvor. Völlig unverrichteter Dinge in Sachen Einbrüche Dank Zänker, wird Dandy der Boden in Westberlin mittlerweile zu heiß und er setzt sich schnellstens mit Susan am Flughafen ab. Doch dort tauscht man mit Hilfe von Pietsch die Koffer aus und als Walter mit weiteren Polizisten anrückt und Dandy Dank Pietsch auffordert, die Koffer zu öffnen, beinhalten diese plötzlich den gesamten geraubten Schmuck und das Geld sowie die Quittungen der Computerfirma in der Straftat Kunkelmann.

So hat Zänker und seine Truppe Dandy alles untergeschoben und dafür gesorgt, das der Gauner dieses mal nicht mehr wie früher durch die Maschen des Gesetzes schlüpfen kann. Nun, nach diesem Erfolg, will man sich endgültig aufs Altenteil zurückziehen, käme da aus den USA nicht gerade ein Ganove an, der irgendwie mit dem US-Gangster Al Capone verwandt ist und Dandy auch noch verdammt ähnlich sieht. Also sind sich Zänker und seine Rentnerbande einig, dass man am nächsten Tag wegen diesem Gauner gleich wieder eine Lagebesprechung einberufen müsse. Auch Kommissar Berg merkt hierbei an, das er ja in kürze in Pension geht und er gerne bei einer der nächten Aktionen dabei sein würde.

Die Herren mit der weißen WesteMeine Filmkritik:
Der Wink mit Dem Zaunpfahl, das man mit ehrlichen Mitteln den Gaunern das Handwerk nicht legen kann, sollte man den lieben Kleinen nun nicht gleich täglich aufs Brot schmieren.  aber in diesem Film, der 1970 in die Kinos kam, passen diese  schrägen Aktionen wie die Faust aufs Auge.

Ansonsten sehe ich mir diese Gaunerkomödie immer wieder gerne mal an, weil sie einfach Spaß macht. Das liegt nicht nur an der Besetzung mit einer Menge sehr bekannter Schauspieler aus den frühen Jahren des deutschen Kinos nach dem Zweiten Weltkrieg, sondern auch an der intelligenten Mischung derselben. Schließlich hat man hier perfekt die Vertreter des komödiantischen wie eher ernsten Faches des deutschen Films kombiniert. Des weiteren schießt der Witz nie über ein vernünftiges Maß hinaus und auch mit dem einen oder anderen Vertreter des schwarzen Humors kann der Film DIE HERREN MIT DER WEISSEN WESTE durchaus punkten.

Was man natürlich hier so ganz nebenbei auch noch bieten wollte, ist das gewisse Flair der Filme aus der Zeit der Wirtschaftswunderjahre in Deutschland, die aber eben nur noch im Film etwas nachklangen. In der realen Welt waren diese Jahre allerdings schon längst selbst Geschichte geworden. Aber auch diese trockene Art von Humor war 1970 nicht mehr unbedingt im Filmgeschäft die Regel. Eigentlich kannte man diese Mischung zwischen Krimi und Humor eher noch aus den Edgar Wallace Filmen. Ansonsten schoss der Humor der 70er Jahre eher schon mal über ein erträgliches Maß hinaus, was man auch z.B. an den Filmen von Heinz Erhardt aus dieser filmischen Periode her leider sehen konnte.  Hatte Erhardt mit seinen früheren Filmen noch wirklich begeistern können, so wirkten manche humoristischen Einlagen in seinen "Willi-Filmen" mitunter schon recht albern und eben nicht mehr immer so lustig wie erhofft. Die 70er Jahre waren daher schon eher die Zeit, wo in Sachen Humor die bildliche Schraube mitunter im Film schon recht überdreht wurde.

DIE HERREN MIT DER WEISSEN WESTE machen hier eine durchaus positive Ausnahme, weswegen ich diesem Film auch immer wieder gerne volle fünf von insgesamt fünf Punkte vergebe. Das der Film zudem für mich ein würdiger Klassiker ist, der in einer Filmsammlung nicht fehlen sollte, muss ich hier wohl nicht mehr besonders betonen.

Ausblick:
Irgendwie kribbelt es mich in den Fingern, euch in der nächsten Folge DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER die KILLERTOMATEN von 1978 vorzusetzen, auch wenn ich diesen Film selber nicht in meinem Filmarchiv habe. Dafür musste ich ihn mir damals mit den Kumpels im Kino ansehen. Es war der schlimmste Kinobesuch überhaupt für mich. Gut also, das ich die erste Fortsetzung nicht auch noch sehen musste. Von der dritten Fortsetzung, die in deutschen Kinos nie ankam, ganz zu schweigen.

Also lassen wir das mit dem schlechtesten Trash-Horror aller Zeiten, der (warum auch immer) recht schnell irgendwie bei manchen Menschen zum Kultfilm schlechthin wurde.

Also wenden wir uns einem anderen Film zu, der zwar in die Sparte Psychothriller und Horror gehört, aber von Anfang bis Ende keine übernatürlichen Einflüsse pflegt.

Im Grunde genommen fängt das ganze nämlich auch wie ein kleines Gaunerstück an, weil eine junge Frau sich aus der Kasse ihres Chefs dreist bedient hatte. Und hier dann auch ein erster Hinweis für die, die mitraten wollen: Diese junge Frau kommt im Film aus dem süßen US-Städtchen Phoenix.

Die Dame fühlt sich irgendwie danach auch nicht so richtig wohl in ihrer Haut und schiebt eine gewisse unterschwellige Panik vor sich her. Dabei ahnt sie nicht einmal in ihren dunkelsten Träumen, was ihr bald bevorstehen wird oder das sie besser weiter gefahren wäre, um diesem Grauen zu entkommen.

Damit habe ich aber schon genug verraten. Den Rest, bzw. den Filmtitel müsst ihr nun selbst erraten. Verraten kann ich aber hier durchaus noch, das nicht wenige Jahre nach dem Film ins Land ziehen mussten, bis das man sich an Fortsetzungen zum Originalfilm heran traute.

Auch die waren nicht unbedingt schlecht, auch wenn sie es nicht schafften, die gleiche Popularität wie auch Qualität eben des Originalfilms zu erreichen. Und als wäre damit nicht der Zenit erreicht, kam es dann auch noch zu einer Fernsehserie. Aber auch das war nicht das Ende der allgemeinen Fahnenstange. 2006 gab es dann noch eine 24 Stunden Version eines schottischen Künstlers und NBC machte hierzu auch 1987 einen Fernsehfilm. Und dann wurde übrigens der Originalfilm quasi nochmals neu verfilmt. Bei der Neuverfilmung geht es dann allerdings etwas blutiger zu und masturbiert wurde auch noch kurz, bevor es so richtig blutig wird. Also etwas, was man sich beim Originalfilm mit Sicherheit noch nicht getraut hätte anzudeuten oder gar im Film zu zeigen.

Den Status Klassiker muss ich dem Originalfilm eigentlich auch nicht mehr nachträglich zuweisen, denn den hat der Film auch ohne mein zutun schon lange eingefahren. Also dürfte heute das Rätsel eigentlich auch wirklich nicht so schwer sein. Aber nun ist es gut mit den Hinweisen, sonst kann ich den Filmtitel auch gleich hier ausposaunen. Also wünsche ich euch noch ein schönes Restwochenende und viel Spaß beim rätseln.

Die Herren mit der weißen WesteDie Herren mit der weißen Weste
mit Mario Adorf, Martin Held, Agnes Windeck, Walter Giller, Rudolf Platte, Herbert Fux, Hannelore Elsner, Heinz Erhardt, Willy Reichert, Rudolf Schündler, Sabine Bethmann, Siegfried Schürenberg, Norbert Grupe, Friedrich Schoenfelder, Achim Striezel, Otto Graf, Stefan Behrens, Otto Czarski, Tilo von Berlepsch u.a.
Regie: Wolfgang Staudte
Drehbuch: Horst Wendlandt, Paul Hengge
Produktion: Preben Philipsen, Horst Wendlandt
Genre: Kriminalkomödie
Laufzeit: 94 Minuten (BD)
DVD/FSK: 12 Jahre
Vertrieb: Pidax Film/Alive
Deutschland 1970

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Kommentare  

#1 Friedhelm 2017-09-30 10:58
Da sind wir also wieder - letztes Wochende hatte die Wahl meine ganze Aufmerksamkeit - da war an nichts anderes zu denken. Und dann, das Ergebnis erst....AFD 13%- fürchterlich...und....aber lassen wir das jetzt - auf zu erfreulicheren Dingen, und dazu gehört ab und an der Blick in den Zauberspiegel..

"Die Herren..." entstand zu einem Zeitpunkt, da der Deutsche Film wohl schon so langsam danieder ging. Man sieht/sah diese herrliche Gaunerposse immer mal wieder im TV - und wünscht sich gelegentlich, dass es solche Figuren heute noch geben würde.

Der Ausblick ist heute mal extrem einfach zu erraten. Der Filmtitel hat dem daraus entstandenen Genre seinen Namen gegeben - und eigentlich war die 83er Fortsetzung auch die beste von denen, die noch folgten. Was den Fernsehfilm aus dem Jahre 1987 betrifft, so hatte der mit der Originalstory nur noch den Handlungsort gemein - das war eigentlich auch ein Pilot für eine geplante Serie.Die neuere TV-Serie stellt dagegen ein Prequel da.

Ach ja, die sogenannte Neuverfilmung war ja einfach nur eine 1 zu 1 Umsetzung.
#2 Andreas Decker 2017-09-30 11:59
Ich habe den nie gesehen oder wieder vergessen. :-)

Joo, der Ausblick ist irgendwie klar.

Die TV-Serie ist kein Prequel, jedenfalls kein übliches Prequel. Es ist eher eine alternative Version, die die Filmstory in der letzten Staffel als Abschluss verarbeitet. Normalerweise kann ich mit diesem Recycelwahn ja nichts anfangen. Aber am Ende war ich ein Fan.

@Friedhelm: Ich gebe dir zu 100% recht.
#3 Friedhelm 2017-09-30 14:02
Zitat:
Die TV-Serie ist kein Prequel, jedenfalls kein übliches Prequel.
Stimmt schon, ist kein Prequel wie man es ansonsten erwartet, wenn es um erklärende "Vorgeschichten" geht..(sagen wir es mal so...)

Ich finde das ja irgendwie schon bemerkenswert, dass es heute immer noch jemanden geben sollte, der das Original noch nie gesehen - geschweige denn evtl. sogar wieder vergessen hat.

Okay, wahrscheinlich habe ich das eineboder anderen "Must have-Movie" auch nie gesehen oder eben vergessen. Hängt wahrscheinlich auch davon ab, welchen "Stellenwert" so ein Film für jemand anderen hat.
#4 Laurin 2017-10-01 13:26
@ Friedhelm:
Ja die Wahlen. Hatte an dem Sonntag ja ab 13 Uhr im Wahllokal gesessen als Beisitzer. Und zur AfD schweige ich mal lieber, sonst muss ich 13 Prozent der Wähler als Hirnlos bezeichnen. :sigh:
Und ja, zu der Zeit als DIE HERREN MIT DER WEISSEN WESTE ins Kino kamen, ging es irgendwie langsam Abwärts mit dem deutschen Film. Da war dieses Schmuckstück glatt noch eine der wenigen Perlen.
Und was den AUSBLICK angeht, da hätte ich noch weniger Hinweise geben können und trotzdem hätte jeder wohl gewusst, welchen Klassiker ich da meine. ;-)

@ Andreas Decker:
Was ... du kennst diese Gaunerkomödie nicht? :eek: Das musst du aber ganz schnell nachholen. Schaden wird es bestimmt nicht. :-)
#5 Erlkönig 2017-10-01 21:04
Laurin

Wenn du Spass an Gauner-Komödien der Sechziger hast, kann ich dir guten Gewissens z.B. "DM-Killer" von Rolf Thiele mit Curd Jürgens und der reizenden Daliah Lavi sowie "Ganoven-Ehre" von Wolfgang Staudte mit Gert Fröbe und Mario Adorf empfehlen. Beide Filme hatten damals eine FSK 18-Freigabe, enthielten aber keine Gewalttätigkeiten. Lag wohl eher an "leichten Anzüglichkeiten". "Ganoven-Ehre" ist mittlerweile auf FSK 12 heruntergestuft worden. Beide Filme fand ich sehr unterhaltsam.

Ausblick

Wieder ein Film, der ein Dogma hinterlassen hat: Schließe nie den Duschvorhang, wenn du alleine duscht. :-)
#6 Laurin 2017-10-02 10:14
@ Erlkönig:
Danke für die Empfehlungen. Beide Filme müssen irgendwie an mir spurlos vorbeigegangen sein. Jedenfalls kannte ich beide bisher noch nicht. Werde da aber mal genauer nachsehen. ;-)

Was das Dogma mit dem Duschvorhang angeht, war ich immer schon der Meinung, das Frauen den auch nicht schließen müssen, wenn ich dabei bin. :D Der Nachteil ist eben nur, das nach dem duschen das halbe Badezimmer unter Wasser stehen könnte. :sigh:
#7 Andreas Decker 2017-10-02 10:20
zitiere Laurin:
Der Nachteil ist eben nur, das nach dem duschen das halbe Badezimmer unter Wasser stehen könnte. :sigh:


Das erklärt die Statistik mit der so hohen Zahl an Haushaltsunfällen bei unter 40zigjährigen :lol:
#8 Laurin 2017-10-02 10:38
Ach, das konnte ich noch mit über 40 Jahren hinkriegen, Andreas Decker. Zumindest jedenfalls den Wasserschaden, ansonsten wird man ja mit über 50 ruhiger. :lol:

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