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Horror-Schocker & intensives Mystery-Kammerspiel - Static – Bewegungslos

StaticHorror-Schocker & intensives Mystery-Kammerspiel
Static – Bewegungslos

Greift man zur DVD oder BD des Films STATIC – BEWEGUNGSLOS, dann glaubt man zumindest erst einmal einen Film aus der Sparte der Home-Invasion-Thriller in den Fingern zu halten. Liest man aufmerksam auf der Rückseite, dann wird dieser Eindruck gar noch schriftlich bestätigt.

Doch Vorsicht.


StaticNichts in dem Film ist wirklich so, wie man es eigentlich erwarten würde.

Wer hier darüber hinaus einen Schocker aus dem breiten Genre-Bereich der Marke Horror erwartet, der erwartet auch jede Menge Blut und sonstige Feinheiten an Grausamkeiten. Aber auch in diesem Punkt sollte man die persönlichen Erwartungen ziemlich schnell zurück rudern lassen. Die eine oder andere gute Schock-Szene ist dabei in dem Film durchaus gut platziert zu finden. Aber auch diese Szenen sind im Gesamtfilm eher überschaubar gesät. Und hier werde ich mich jetzt nicht darüber auslassen, wo man ähnliches schon mal in anderen Filmen gesehen hat, denn in diesem Punkt das Rad neu zu erfinden halte ich schlicht für eine Utopie. Wichtig ist vielmehr ob diese Szenen funktionieren (oder eventuell auch nicht) und hier kann ich sagen, sie sind gut gewählt, mit Umsicht platziert und funktionieren prächtig.

Trotzdem haut es nicht so sehr hin mit dem schocken und dem Horror und das hat gleich mehrere Gründe. Der erste Grund mag schon darin zu finden sein, dass mit dem Einstiegstext auf dem Cover der Zuschauer gleich schon mal auf eine falsche Fährte gelotst wird, wenn er Schlagworte wie „Gruselschocker“ oder „Thriller“ liest. Was der Film letztendlich mit Grusel zu tun hat, dass offenbart schlicht der Finaltwist am Ende des Films, der es hier auch etwas beschwerlich macht, den Film zu besprechen ohne hier diesen Kniff in der Handlung zu spoilern. Im Grunde spoilert aber der Regisseur gleich selbst etwas durch die Anfangsszene und etwas später im Bereich des Mittelteils. Da fällt selbst dem weniger geübten Zuschauer zumindest auf, dass da irgendwo im Handlungsablauf etwas nicht stimmen kann. Der geübte Zuschauer dagegen dürfte fasst schon einen Aha-Moment erreichen und bereits schnell auf der richtigen Spur sein. Doch sollte man hier doch eher in einer Rezension die Spannung erhöhen und etwas Meinung kund tun aber eben dem Zuschauer nicht den letzten Rest Spaß und Spannung am Film vermiesen bevor er ihn überhaupt gesehen hat. Schließlich handelt es sich bei STATIC – BEWEGUNGSLOS ja um einen noch relativ unbekannten Film und nicht um das, was man einen Klassiker nennt, den eigentlich schon jeder kennen müsste. Einen kleinen Einblick müssen wir allerdings quasi als Appetithappen schon aus dem Film gewähren.

StaticFinstere Bedrohung und dramatische Zweisamkeit:
Dem Zustand einer glücklichen Beziehung wurde im Leben des Schriftstellers Jonathan und seiner Frau Addie Dade ein empfindliches Ende gesetzt. Eigentlich sollte alles bestens sein. Jonathan hat den Durchbruch geschafft und der daraus resultierende kleine Reichtum sorgt für ein schönes großes Anwesen außerhalb der Hektik der Großstadt. Und der Erfüllung des Wunsches, nun eine kleine Familie zu gründen konnte auch bereits entsprochen werden. Doch dann schlägt das Schicksal grausam zu. In einem unbeobachteten Moment ertrinkt der dreijährige Sohn Thomas in einem nahe gelegenen See. Seitdem vergräbt sich Jonathan immer mehr in seine Arbeit und durchlebt seine Trauer im stillen, während Addie eher depressiv wirkt und ihre Trauer im Alkohol zu ertränken versucht. Gemeinsame Trauerbewältigung jedenfalls sieht anders aus.

In diese Situation bricht eines Nachts die junge Rachel ein, die Jonathan und Addie an der Haustür panisch aus dem Schlaf klopft. Rachel gibt sich als eine Nachbarin der Dades zu erkennen, die auf der Straße eine Autopanne hat. Zu allem Überfluss tauchten bei ihr dann einige Männer in gruseligen Masken auf, die die junge Frau bis zum Anwesen von Jonathan und Addie verfolgt haben sollen. Doch als Jonathan die Umgebung beobachtet, kann er von den angeblichen Verfolgern nichts sehen. Rachels Angst scheint so groß zu sein, dass sie die Nacht auch nicht mehr alleine in ihrem Haus verbringen will. So bietet man ihr notgedrungen ein Nachtlager an, da sogar die Telefone scheinbar nicht richtig funktionieren. Doch Addie kommt die junge Rachel nicht ganz geheuer vor, zumal sie im Gespräch Dinge erwähnt, die sie eigentlich nicht einmal wissen dürfte. Doch dann dringen plötzlich die maskierten Männer in das Haus ein und verschleppen Rachel gewaltsam in den nahen Wald. Für Jonathan und Addie beginnt nun eine Nacht der panischen Angst, denn diese Männer scheinen fasst jeden ihrer Schritte vorhersehen zu können.

StaticStatt Horror eher Drama:
Man könnte glatt sagen, dass der Film STATIC – BEWEGUNGSLOS auf insgesamt zwei Ebenen spielt. Zuerst jedenfalls wird dem Zuschauer das Paar Jonathan und Addie und ihre inneren Konflikte durch den Tod ihres kleinen Sohnes nahe gebracht.

Was also eher als Horrorfilm bzw. Thriller der Sparte Home-Invasion auf der Hülle angekündigt wurde, nimmt bereits zu Beginn eher die Form eines gefühlsbetonten filmischen Dramas an, indem der Zuschauer erst einmal in das Innenleben des Paares faktisch hinein gestoßen wird. Diese Dramaturgie bleibt auch während des Filmes über ein wesentlicher Bestandteil der Handlung.

StaticMan könnte auch sagen, dass der eigentlich erwartete Spannungsfluss, ausgehend von den Eindringlingen, von diesem Bestandteil der Handlung stetigst (aber nicht immer glücklich) unterbrochen wird. Hier kann man also von einem Schwerpunkt innerhalb der Handlung reden, der sich schlicht nur um das Paar und ihre Probleme dreht. Dabei zwingt die Ausnahmesituation, in der sich das Paar befindet, eine heilsame Aussprache führen zu müssen, um das auseinander driften der Beziehung durch den Unglücksfall zu verhindern. Unlogischer Weise scheinen die Eindringlinge diese Situation aber auch nicht stören zu wollen, indem sie in den Raum eindringen.

Die andere Ebene des Films ist natürlich in dem eindringen der maskierten Männer zu sehen. Wer hier nun allerdings auch auf die eine oder andere blutige Szene hofft, der dürfte auch hier enttäuscht werden. So bedrohlich sich die eine oder andere Situation darstellt, so mehr fragt man sich als Zuschauer doch mit der Zeit, welche Ziele diese Männer eigentlich wirklich verfolgen. Würde ich euch aber jetzt hier einen Hinweis liefern, dann würde ich die finale Wendung gegen Ende des Films wiederum verraten. Also lasse ich das jetzt mal lieber.

StaticMeine Filmkritik:
An Spannung mangelt es dem Film trotz mancher dramaturgischer Zwischensequenzen nicht, doch mit der Zeit könnte man bei einer gewissen Unachtsamkeit das Gefühl bekommen, der Film strotze etwas vor Logiklöchern. Immer wieder taucht mal etwas in der Handlung auf, wo man sich z.B. fragt, wie ist dies oder das (z.B. die Kameras) da hin gekommen oder wie haben es diese maskierten Typen geschafft, das riesige Anwesen nur so flott mit Kameras zu verwanzen. Weder hat man da etwas verpasst oder aber man hat schlicht im Film vergessen, dieses Geheimnis für den Zuschauer befriedigend aufzulösen.

Doch weit gefehlt. Man muss sich eben diesen Film bis ganz zum Ende ansehen um hinter manche Logikbrüche zu kommen, die sich dann wiederum nicht wirklich als Logikbrüche entpuppt. Aufpassen ist also während des gesamten Films wirklich angesagt und wenn man dann mitunter etwas ungläubig die Sache betrachtet, so muss man sich schlicht erst einmal damit trösten, dass die finale Auflösung eben erst zum Ende des Films auf einen wartet. Aber auch hier Vorsicht, denn es gibt im Film durchaus auch den einen oder anderen Logikfehler bzw. Bruch, den man sich hätte verschmerzen können. Und wenn man den gesamten Film kennt, dann sind diese schlicht als Hausgemacht zu erkennen, weil es leider so nicht wirklich klappen kann. Vieles soll z.B. im Dunkeln spielen und doch kann man alles recht gut erkennen als wäre es heller Tag. Das Manko ist hier schlicht z.B. der Einsatz von zu vielen Scheinwerfern, die alles bis in den letzten Winkel gut ausleuchten und so das gruselige Flair aber leider nachhaltig schmälern. Das Gefühl der Isolation auf dem großen Anwesen will so jedenfalls nicht wirklich beim Zuschauer aufkommen. Doch seien wir hier nicht all zu streng, denn bei STATIC – BEWEGUNGSLOS handelt es sich schließlich um den ersten abendfüllenden Film von Todd Levin in diesem Genre.

StaticEin weiteres Manko ist die reißerische Aufmachung, wenn man sich die DVD oder Blu-ray erst einmal zur Hand nimmt und die dortigen Textwerbung zum Film zu eigen macht. Die Erwartungshaltung wird einfach zu weit nach oben geschraubt, die der Film dann an sich nicht einmal im Ansatz halten kann. Wer Splatter-Szenen erwartet, wird schlicht schon einmal auf ganzer Linie enttäuscht und nur etwas blutige Szenen gibt es auch so gut wie überhaupt keine und wenn, dann durch ein eingefügtes Klischee in Sachen weibliche Hauptdarstellerin und Unachtsamkeit. Der angedeutete Hinweis auf Horrorelemente wird im Film ebenfalls kaum bedient. Zwar gibt es die eine oder andere Schock-Szene, vergleichbar mit einer Katze  die plötzlich ins Bild springt, aber das war es auch schon mit Schock und Horror. Unter dem Strich erhält man trotz des großen Anwesens eher ein intensives Kammerspiel das die Darsteller jedoch vorbildlich mit ihrem Spiel ausfüllen können. Und statt Action und Gänsehaut wird man mit einer Story beliefert, die mit hohem Drama-Anteil daher kommt und in einer zweiten Ebene eine lebensbedrohliche Situation schildert, die sich jedoch ab einem gewissen Punkt in eine klare  Mystery-Handlung wandelt.

Ein weiteres Manko dürfte sein, dass Levin in einer Szene am Anfang versucht, den Zuschauer ob des Finales an die Hand zu nehmen. Mag sein, dass er dem Zuschauer nicht zutraut, selbst hinter das Geheimnis zu kommen. Leider nimmt er dem Zuschauer damit aber im Finale den größtmöglichen Aha-Effekt und verrät damit einfach zu Beginn schon zu viel.

Wer also bei STATIC – BEWEGUNGSLOS auf einen weiteren Film hofft, der mit plakativen Gewaltszenen punkten will, der dürfte schlicht ins Leere laufen.

Mancher Fehler mag dabei auch dem geringen Budget von rund einer Million US- Dollar geschuldet sein. Große Spezialeffekte gibt es daher nicht, aber man vermisst sie ehrlich gesagt auch nicht im Film. Von daher kann man positiv sagen, dass man nicht versucht hat innerhalb der Handlung Erwartungen zu schüren, die man schlicht nicht positiv erfüllen kann. Das kann man durchaus wieder als eine Stärke des Films betrachten.

Drei von insgesamt fünf Punkte sind für diesen Film insgesamt durchaus drin, auch wenn er gesamt und recht nüchtern betrachtet nicht der ganz große Wurf im Genre darstellt. Aber wer der eher reißerischen Ankündigung im Text des Covers nicht zu viel Bedeutung beimisst, der dürfte durch STATIC – BEWEGUNGSLOS durchaus noch recht gut unterhalten werden. Man sollte also die Erwartungen in Sachen Action und Spannungskurve nicht zu hoch legen. Man bekommt hier schließlich keinen Blockbuster und auch keinen Ausnahmefilm des Genre präsentiert, dafür aber durchaus solide Unterhaltung auf zwei Ebenen der Gesamthandlung.
Static
Static – Bewegungslos
(Static)
mit Milo Ventimiglia, Sarah Shahi, Sara Paxton, William Mapother, Brett Mann, John Hermann, Ahmad Russ, Oz Kalvan, Dominic Bogart, Carl McGrier, Joshua Stone u.a.
Regie: Todd Levin
Drehbuch: Todd Levin, Andrew Orci, Gabriel Cowan, John Suits
Genre: Thriller/Mystery
Laufzeit: 83 Minuten
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertrieb: Sunfilm Entertainment
USA 2012

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