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Das Internet, Anonymität und tödliche Gefahren - Black Heaven

Black HeavenDas Internet, Anonymität und tödliche Gefahren
Black Heaven

Im Internet wandeln sich ja manchmal Menschen recht heftig, weil sie sich im weltweiten Netz schlicht für Anonym genug halten, die gute Kinderstube völlig zu vergessen. Dabei verkennen sie, dass jedes Wort und jedes Bild nachverfolgbar ist. Man muss nur die nötigen Mittel und die Geduld dafür aufbringen. Wie gefährlich das ganze werden kann, hat wohl so mancher dabei auch nicht auf dem Schirm.


Black HeavenGlauben heißt ja bekanntlich „nicht wissen“ und so etwas kann einem unbedarften Teilnehmer im Internet schon mal zum Verhängnis werden. Bei Facebook etwa etwas falsch gepostet und schon hat man eine Menge Ärger am Hals. Da muss man sich dann mit aggressiven Zeitgenossen herum ärgern oder erntet gleich einen gehörigen Shitstorm. Da kann dann schon mal die „Empörung“ eine Menge Menschen umfassen, die ohne die besagte Kinderstube im Nacken sich zu üblen Beschimpfungen und Unterstellungen hinreißen lassen. Oder an anderer Stelle mal falsch geklickt und schon kommt halb Deutschland zu einer Geburtstagsfeier und verwandelt gleich die Gärten der Nachbarschaft mit in ein wüstes Schlachtfeld. Von den Kosten, die dann per Polizeieinsatz und Co. auf einen zukommen können, ganz zu schweigen.

Mensch fühlt sich also in seiner Anonymität im Netz (leider) recht sicher. Man gibt einen falschen Namen an oder versorgt sich gar mit einer falschen Geschlechtsangabe und schon ist sie vermutlich dahin, die lang antrainierte Sozialisierung in der Gesellschaft. Wieder andere – sehr leichtgläubige – fallen auf Menschen im Netz herein und ehe sie sich versehen, finden sie sich in einem Ärger wieder, den sie sich nicht hätten vorstellen können.

Black HeavenDie Gefahren im Netz können also recht vielfältiger Natur sein. Und bitte, beschimpfen sie ihren Chef nicht im Netz oder lästern über ihn ab. Denn wenn sie Pech haben erwartet sie am nächsten Morgen schon der zuständige Personalchef mit einem Grinsen im Gesicht und einer fristlosen Kündigung in der Hand, weil sie im Internet am Vortag an der Tastatur sich wahrscheinlich selbst die Schlinge um den Hals gelegt haben.

Doch auch in den virtuellen Welten der Online-Rollenspiele trifft man auf Menschen (Mitspieler) die eventuell ihre kleinen teuflischen Gelüste verfolgen, die mit dem Spiel an sich vielleicht nicht mal etwas zu tun haben müssen, aber eine geradezu perfekte Plattform bieten, um aus der Anonymität heraus einen gewaltigen Schaden anzurichten. Im vorliegenden Fall wird der Tod eines Menschen nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern ist das erklärte Ziel eines solchen Teufels im Netz. Hier nenne ich mal das DARK NET, indem man nicht nur an Waffen heran kommt, sondern auch so manche andere Teufelei gegen Bares möglich ist. Doch was hat das alles mit dem Film BLACK HEAVEN zu tun? Nun, es gibt im Netz auch recht üble Sadisten der grausigen Art.


Black HeavenBlack Heaven – Die virtuelle Hölle:
Die jungen Leute Gaspard und Marion könnten eigentlich recht glücklich sein. Man ist bis über beide Ohren verliebt und auch ansonsten funktioniert alles bestens in ihrem sozialen Umfeld.

Also eigentlich alles im grünen Bereich und so steht auch ein Stelldichein in der freien Natur Südfrankreichs nicht wirklich etwas im Wege, wo man die aufkeimenden Liebesgefühle zueinander noch vertiefen könnte. Doch leider hat das Schicksal etwas anderes mit Gaspard und Marion vor, was der Startschuss für eine lebensbedrohliche Ausgangslage werden wird.

Denn neben Küssen, im Gras liegen oder umher wandern gibt es in der freien Natur auch Dinge, mit denen man nicht gerechnet hat. So  trifft man plötzlich auf ein Auto mitten in der Wildnis und das ist nicht gerade verlassen, wie die zwei jungen Leute feststellen müssen. Denn in dem abgestellten Wagen finden sie die hübsche blonde Sam und Dragon vor, die gerade einen gemeinschaftlichen Selbstmord begehen.

Zwar gelingt es ihnen Sam noch zu retten, doch Dragon stirbt noch an Ort und Stelle. Doch diese seltsame Begebenheit wird für Gaspard noch verwirrender, denn Sam heißt eigentlich mit bürgerlichem Vornamen Audrey und geht dem jungen Mann nun nicht mehr aus dem Kopf, was nicht nur an ihrer auffälligen Tätowierung oberhalb ihres Hinterns liegt, wo sie das Wort HEAVEN in großen Buchstaben eintätowiert trägt.

Black HeavenZum Leidwesen von Marion macht sich Gaspard auf die Suche nach den Hintergründen für diesen gemeinschaftlichen Suizidversuch und verfällt dabei immer mehr der seltsamen blonden Schönheit. Er beginnt sich über sie zu informieren und stößt so auch auf das virtuelle Onlinespiel BLACK HOLE, in der die Schöne nicht gerade wenig der Zeit ihres Lebens verbringt und scheinbar auch diverse Kontakte findet.

BLACK HOLE ist eine Art düsteres Rollenspiel, in dem Audrey unter dem Namen Sam eine höchst devote wie seltsame, aber auch für Gaspard faszinierende Rolle spielt. So meldet sich Gaspard recht schnell für dieses Spiel an und taucht so immer tiefer in eine gespenstische Welt zwischen Lust und Albtraum ein. Gleichsam entfernt er sich aber auch immer mehr von Marion, weil Audrey, die bei ihrem älteren Bruder lebt, ihn auch real immer stärker in ihren Bann zieht.

Fasst schon zu spät erkennt Gaspard, dass Audrey eigentlich nichts anderes ist, als die willige Marionette ihres sadistischen Bruder Vincent, der ihren Avatar „Sam“ im besagten Rollenspiel BLACK HOLE schon mal mitbenutzt, um andere Menschen in dem Spiel zum Selbstmord zu verführen, den er dann stets genüsslich zu beobachten gedenkt. Gaspard versucht daraufhin Audrey aus den teuflischen Fängen ihres Bruders zu befreien, wird aber seinerseits von Vincent in eine tödliche Falle gelockt.

Vincent lockt Gaspard auf das Dach eines Hochhauses und will dort Gaspard ermorden, wobei er dessen Tod wie einen Selbstmord aussehen lassen will.  Doch bevor ihm dies gelingt, springt Audrey statt Gaspard in den Tod. Völlig paralysiert vom Selbstmord seiner Schwester, in die er auf höchst seltsame Weise selbst verliebt war, verlässt Vincent ohne ein weiteres Wort das Dach des Hochhauses um kurz darauf verhaftet zu werden. Gaspard, der das ganze überlebt, steht vor den Scherben sowohl was seine Liebe zu Audrey als auch die zu Marion betrifft und bittet letztere völlig aufgelöst um Verzeihung.

Black HeavenEin Thriller wie ein kleiner Albtraum:
Insgesamt scheint der Film stets eher durch ruhiges Fahrwasser dahin zu gleiten, nimmt den Zuschauer aber immer tiefer mit in so manche menschlichen wie psychischen Abgründe und weiß ihn hiermit fest an sich zu fesseln.

Die Szenen, die in der Welt des virtuellen Onlinespiels handeln, mögen vielleicht zu Anfang etwas billig wirken, denn die Avatare wirken zuerst sehr künstlich und vielleicht auch etwas grob. Doch lässt man sich erst einmal darauf ein, wandelt sich dieser erste Eindruck schnell und macht einer recht düsteren, aber auch faszinierend ähnlichen Version des Rollenspiels DIE SIMS platz, die den Zuschauer schnell in ihren Bann zu ziehen weiß. Das ganze Spiel hat etwas von einer Welt ohne Sonnenlicht und besticht förmlich in seiner fasst schon albtraumhaften Darstellung.

Black HeavenDass hinter der Figur Sam/Audrey mitunter niemand anders steckt als ihr sadistischer Bruder Vincent, der geradezu krankhaft vom Tod anderer Menschen fasziniert ist, macht das ganze zwar etwas undurchsichtig, was aber durchaus gewollt ist. Denn es zeigt recht gut auf, dass eben im Internet nicht alles der Wahrheit entspricht, was man hier geboten bekommt. Die Gefahr lauert eben im Verborgenen und sei es auch in einer Figur, die man eigentlich glaubt einschätzen zu können. Letzteres stellt sich dann als ein sehr gefährlicher Trugschluss heraus.

Aber auch die Realszenen wissen zu überzeugen und liefern in ihrer Gesamtheit ein Bild, dass einem mitunter frösteln lässt. Schnell verliert man hier durchaus gewollt von den Machern des Films den feinen Überblick, wo die Rolle des Opfers beginnt und wo sie endet. So hat man unter Umständen Vincent schon durch sein recht seltsames Verhältnis zu seiner Schwester schnell als möglichen Täter im Visier. Welche bodenlosen Abgründe und erschreckenden Gelüste aber sich hinter der Figur des Vincent verbergen, wird man sich nur mit dem Fortlauf der Handlung wirklich bewusst. Auch bei Sam/Audrey findet man nicht direkt klare Bezugspunkte. Wie weit begibt sie sich selbst und äußerst freiwillig in die Opferrolle zu ihrem Bruder und ist sie in der Vergangenheit gar selbst Täterin?Oder wie sehr hängt sie selbst noch an diesem Leben, aus dessen gefährlichen Spirale sie scheinbar den Absprung selbst nicht mehr schafft. Selbst im Tode bleibt Sam/Audrey daher immer noch die mysteriöse, irgendwo fremde Schönheit, die sie seit Beginn der Handlung gewesen war.

Black HeavenMeine kritische Betrachtung:
BLACK HEAVEN ist ein Film, wie man ihn aus England oder den USA nur recht selten geliefert bekommen wird. Die französisch/belgische Produktion ist dafür zu stark verhaftet in die Art und Weise des eher psychologisch geprägten französischen Films, was hier allerdings nicht als Negativ angesehen werden sollte. Vielmehr sollte man dies als Hinweis betrachten, dass man es hier z.B. nicht mit einem US-Blockbuster zu tun hat, bei dem man den Kopf vordringlichst dafür benutzen sollte, um nur das Popcorn einzuschieben. Wer hier verspätet anfängt mitzudenken, der wird wohl am Ende nicht darum herum kommen, nochmals den Film zu starten, weil man sonst immer das Gefühl haben wird, irgend etwas wichtiges verpasst oder einfach übersehen zu haben. Man muss sich hier auf die jeweiligen Figuren wirklich einlassen um ihre Beweggründe und Verhaltensweisen auch nur halbwegs verstehen zu können. Nimmt man sich die Zeit und die Konzentration hierzu, so schlägt einen der Film BLACK HEAVEN durchaus tief in seinen Bann und weiß durch spannende wie fesselnde Twists durchaus zu überzeugen.

Black HeavenWarum man diesen Film allerdings mit der Genre-Bezeichnung „Science Fiction“ innerhalb der Bewerbung versehen hat, erschließt sich mir nicht wirklich. Handelt es sich doch hier nicht um einen Film in der Machart wie TRON LEGACY (oder dessen Vorgänger TRON). Die Darstellung der virtuellen Welt gibt dafür jedenfalls nichts her. Wie gesagt bot das Rollenspiel SIMS (Erstveröffentlichung im Jahre 2000) bereits alle nötigen Voraussetzungen. Man hätte schlicht dieses Rollenspiel nur wesentlich düsterer gestalten und im Internet für alle registrierten Spieler - frei spielbar -  zugänglich machen müssen.  Ob man dies heute umsetzt, kann ich von dieser Stelle aus nicht sagen, denn ich selbst spiele solche Onlinespiele im Internet nicht. Aber laut mancher Informationen scheint es im Internet solche halbwegs ähnlichen Onlinewelten durchaus zu geben, in denen man faktisch in ein anderes, virtuelles Leben eintauchen kann. Es müssen ja nicht immer Ballerspiele sein die einen die Zeit vergessen lassen. Die Voraussetzungen waren im Jahr 2010, in dem der Film erschien, also alles andere als Science Fiction.

Ansonsten wussten die Darsteller, darunter die Femme Fatale Louise Bourgoin als Sam/Audrey ebenso zu überzeugen wie die Wahl der Drehorte (z.B. Südfrankreich). Der Film BLACK HEAVEN ist nicht einfach aber durchweg spannend bis fesselnd mit verführerischen Momenten und intelligenter Handlungsform. Rundum also ein Paket, dass nicht gerade in den schrillsten Farben bis zum erbrechen beworben wurde, sondern eher still und etwas verstohlen daher kam, aber schlicht und ergreifend volle fünf von fünf Punkten meinerseits abkassieren konnte. Wer allerdings an die DVD bzw. BD nun neugieriger Weise ran will, sollte am besten Anfangen zu suchen, denn beide Versionen sind zur Zeit wohl leider nur noch im gebrauchten Zustand zu erstehen.
Black Heaven
Black Heaven
(L'autre monde)
mit Louise Bourgoin, Gregoire Leprince-Ringuet, Pauline Etienne, Melvil Poupaud, Pierre Niney, Ali Marhyar, Patrick Descamps, Pierre Vittet, Frank Merenda, Mohamed Diakite, Swann Arlaud, Moon Dailly, Leslie Clack u.a.
Regie: Gilles Marchand
Drehbuch: Gilles Marchand, Dominik Moll
Genre: Thriller/Drama
Laufzeit: 101 Minuten
DVD/FSK: 16 Jahre
DVD-Start: August 2011
Vertrieb: Koch Media
Frankreich/Belgien

Kommentare  

#1 Andreas Decker 2016-08-03 11:37
Danke für den Tipp. Klingt interessant. In Frankreich passieren viele spannende Genre-Dinge, von denen man hier leider nur wenig mitbekommt.
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#2 Laurin 2016-08-03 17:45
Nichts zu Danken, Andreas Decker.
der Tipp ist ja auch etwas für Leute, die mal an spannender Atmosphäre statt nur krachender Action Spaß haben. ;-)
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