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Öffne niemals die Büchse der Pandora – Knock Knock

Knock, KnockÖffne niemals die Büchse der Pandora
Knock Knock

Es gibt Filme, die sollte man sich zweimal ansehen. Da muss man bei der Regie und beim Drehbuch auch nichts falsch gemacht haben.

Trotzdem tun sich auf dem zweiten Blick neue Perspektiven auf, die man beim ersten sehen vielleicht nicht registriert hat, die aber das Gesamtbild erst richtig abrunden.


Knock, KnockUnd dann muss ich hier leider auch mal auf diverse Reaktionen auf den Film eingehen, die ich lesen konnte (Kommentare zum Film) und die ich persönlich schon seitens der Denkweise mancher Leute nicht intelligent aber dafür ziemlich erschreckend fand. Als Betreiber eines Filmportals sollte man zumindest dafür sorgen, dass rassistische, homophobe und persönlich höchst beleidigende Kommentare entfernt werden, bevor man als Internetportal selbst in eine gewisse Ecke gestellt wird, in die man eigentlich nicht hinein gebracht werden möchte.

Versuchung und Wahnsinn:
Man kennt das ja bestimmt aus dem täglichen Fernsehen: „Knock...Knock...Knock...Penny“, und schon hat man die Dose der Pandora geöffnet, Sheldon Cooper steht vor der Tür und schon die ersten Worte die er an einen richtet, können einen an der Normalität der Welt zweifeln lassen. Zumeist setzen schon kurz darauf die ersten Lacher ein, weil diese Figur einfach nur herrlich schön verrückt ist (auch wenn ihn seine Mutter schon einmal testen gelassen hat). Hier haben wir also die lustige Variante, doch es gibt auch eine recht böse, bei der man die Tür geschlossen halten sollte.

Bei dem Film KNOCK KNOCK ist es am Anfang nämlich durchaus ähnlich. Man ist versucht die Tür zu öffnen und was man dann draußen im strömenden Regen mitten am Abend vor der Tür antrifft, ist wirklich verführerisch. Zumindest empfindet dies nicht nur der (zumeist männliche) Zuschauer so, sondern auch der Architekt Evan, der an diesem Wochenende alleine das luxuriöse Haus hütet, weil er noch arbeiten muss. Ja, man sieht es Evans Augen an, wenn sie kurz freudig aufblitzen, während er verlegen lächelt.

Die zwei jungen Frauen kennt er nicht, aber für das Wetter sind sie denkbar leicht gekleidet, völlig durchnässt und benötigen dringend Hilfe, weil das Taxi sie versehentlich in einer falschen Gegend abgesetzt hat. Die Fantasien, die gerade scheinbar schon in Lichtgeschwindigkeit durch Evans Kopf jagen, kann der Zuschauer förmlich in dem kurzen aufblitzen seiner Augen lesen.

Doch Evan selbst sieht sich als guten Ehemann und Vater an und versucht standhaft zu bleiben. Doch genau hier liegt der doppelte Boden, der ihn tief hinab in den Abgrund führen kann. Denn wann ist der Punkt erreicht, wo man als Mann den Boden der Standhaftigkeit verlässt.

SzenenfotoAuch Kritiken lassen manchmal tief blicken:
Der Film hatte z.B. nach dem Kinostart in Deutschland einige heftige Reaktionen bei manchen hervorgerufen, wie man auf der Seite von FILMSTARTS nachlesen kann. Wenn man mal davon absieht, dass einigen Kommentatoren der IQ wohl unter das Niveau einer Scheibe Brot gerutscht ist, lässt sich doch recht schnell erhellend feststellen, dass viele nicht damit umgehen können, wenn in einem Film plötzlich zwei junge Frauen das Heft des Handelns in Händen halten und ihr männliches Opfer wie ein armes Würstchen aussehen lassen. Da kann das gesehene schon mal einem einen Stich in die prollige Seele versetzen. Anders ist es leider nicht mehr zu erklären, wenn manche Eli Roth plötzlich in die Ecke des (so bezeichneten) „Fuck Feminism“ verordnen, die Darstellerinnen als „Nutten“ tituliert und von einem „beschissenen Regisseur“ faselt, nur weil sie sich plötzlich in ihrer männlichen Ehre getroffen sehen. Scheinbar fühlten sich da einige Zuschauer in ihrer Männlichkeit sehr tief verletzt und mussten dabei ihren recht unterirdischen (zum Teil sogar aggressiv rassistischen) Intelligenzgrad im Netz öffentlich zur Show stellen. Denn bei aller durchaus berechtigten Kritik scheinen sie die Handlung zumindest kaum begriffen zu haben, was sie in ihrer putzigen bildungsfernen Art dann auch gleich per Kommentar jedem Leser beweisen mussten.

Fakt ist, in diesem Film geht es um Rache wegen möglichem voran gegangenem sexuellen Missbrauch. Das ist weder Weltfremd noch als Grundthema völlig daneben, weil auch in der Realität sexueller Missbrauch täglich stattfindet und Opfer hinterlässt. Richtig ist aber auch, dass dies als Begründung in diesem Film durchaus etwas phantasielos erscheinen mag. Wenn also mancher lieber einfach ein paar psychologisch durchgeknallte Täterinnen bevorzugt hätte, dann lässt dies eher darauf schließen, dass man nicht jeden Film mit einem erhobenen bzw. belehrenden Zeigefinger versehen muss.

SzenenfotoDem kann ich zustimmen, doch mal ehrlich, Menschen (auch weiblichen) brennen psychologisch meistens nicht ohne Grund die Sicherungen durch. Als Hintergrundlogik ist diese Variante des sexuellen Missbrauch also nicht unbedingt Innovativ, aber auch nicht als einfachstes Erklärungsmuster völlig verkehrt. An anderer Stelle (der Filmdienst) hätte man da dann genau entgegen gesetzt lieber mehr Aufbereitung der Emotionen gesehen, die eben zu den Gewaltorgien der jungen Frauen führten. Das ist das andere Extrem, denn wer geht schon in einen Thriller um ellenlange Ausführungen seitens Siegmund Freuds serviert zu bekommen. Das hat dann schon was von einem langweilenden deutschen Aufklärungsfetischismus, als könne der Zuschauer nicht selbst denken.

Falsch wäre es hier auch, bei KNOCK KNOCK von einem „Horrorfilm“ zu reden, denn wie Eli Roth selbst sagt, ist dieser Film eher ein Abstecher in Richtung Psychothriller, bevor er sich wieder dem nächsten Horrorstoff widmet. KNOCK KNOCK ist zudem als Remake des Films DEATH GAME aus dem Jahre 1977 zu sehen, so dass sich über weite Stecken nun mal gewisse Querverbindungen in der Handlung nicht vermeiden lassen und größere Abweichungen von der Grundhandlung eher kontraproduktiv sind.

Alles in allem kann ich aber manchen so genannten Fünf-Sekunden-Kritikern (dessen seltsame Kommentare ich bei FILMSTARTS lesen durfte) nur anraten, sich Filme im Kino anzusehen, die sie auch verstehen, wie z.B. „Bernd das Brot“, wenn dieser mal abendfüllend umgesetzt werden sollte.

SzenenfotoDie Handlung funktioniert:
Wirklich als bitterböse schwarze Satire würde ich den Film KNOCK KNOCK nun nicht bezeichnen wollen, auch wenn ich zugeben muss, dass mir die Handlung selbst beim zweiten mal ansehen sichtlichen Spaß bereitet hatte. Wird doch hier wirklich mal der Spieß völlig umgedreht und der Mann findet sich mal in der Rolle des Opfers, dem es nicht gelingt, sich Dank seines körperlichen Kräfteverhältnis zumindest am Ende einen gewissen Vorteil zu verschaffen (wenn es mit dem denken schon nicht klappt). Letzteres ist ja nun wirklich ein schon etwas dümmliches Klischee, dass in gefühlt 99,9 Prozent aller Filme zum tragen kommt und eigentlich doch langsam in die Mottenkiste des Kinos gehört.

In diesem Sinne dürfte die Rolle des Evan auch etwas befremdlich wirken, wenn ein Schauspieler wie Keanu Reeves diesen Part ausfüllt, den man bekanntlich eher als den Action-Helden schlechthin aus Filmen wie SPEED, MATRIX oder CONSTANTINE her kennt. Hoch anrechnen muss man ihm, dass er sich zumindest redlich Mühe gibt, seine Rolle auch bestens auszufüllen. Doch irgendwie gelingt ihm das nicht ganz und hinterlässt gesamt gesehen dann doch eher einen blassen Charakter. Dafür kann jedoch die Rolle nichts, die er hier ausfüllt. Vielmehr wirkt Reeves etwas müde und ziemlich unausgeglichen, was sich dann doch etwas negativ auf seine Rolle auswirkt.

Da wird er dann doch von den beiden Darstellerinnen Lorenza Izzo, bekannt aus THE STRANGER oder THE GREEN INFERNO und Ana de Armas, die 2015 ebenfalls mit Keanu Reeves zusammen in dem Film EXPOSED in die Kinos kam und demnächst in BLADE RUNNER 2 mitwirkt, etwas arg an die Wand gespielt.

Die Rolle der durchgeknallten „Bitch“ haben jedenfalls beide vorzüglich drauf, wobei Lorenza Izzo hier den Part der bestimmenden Figur einnimmt, während Ana de Armas etwas stärker die erotische Lolita-Rolle bedient.
Das Prinzip des Films KNOCK KNOCK funktioniert hierbei überraschend gut, auch wenn bei der ersten Sichtung des Films doch noch so einige Fragen offen bleiben, die sich bei eben wie oben gesagt, zweiten Sichtung jedoch offenbaren dürften.

Was irritierend auf den ersten Blick sein mag, ist die Tatsache, dass Evan als Opfer sich eigentlich nichts bei den beiden jungen Frauen zu Schulden kommen gelassen hat. Er kennt sie nicht einmal. Folglich muss man sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass Evan ein Zufallsopfer ist, dass in das typische Beuteschema der beiden Psychopathinnen passt. Bestätigt werden diese Psychopathinnen dann im Verlauf des Films auch durch einen Ausspruch, den ihr männliches Opfer tätigt, indem er ihr auftauchen mit einer Pizza vergleicht, die man auch nicht ablehnen würde, wenn man sie umsonst bekommen könnte. Dies genügt den Frauen um ihre Sichtweise bestätigt zu sehen, dass ihre Opfer im Grunde immer auch Täter sind.

Diese durchaus krankhaft verengte Sichtweise bedarf schon für die innere Logik der Handlung einer gewissen Vorgeschichte, die hier mit dem früheren sexuellen Missbrauch der jungen Frauen erklärt wird, ohne hier gleich in ermüdende Rückblenden zu verfallen.

Nicht umsonst vergleicht Eli Roth die Handlung des Films also in einem anhängenden Interview (Bonusmaterial auf der DVD) mit der „Büchse der Pandora“. Einmal geöffnet lässt sie sich nicht wieder unbeschadet schließen. Und die zwei Psychopathinnen setzen alles daran, dass eben Evan diese Büchse öffnet und an ihrer verheerenden Wirkung zugrunde geht.

SzenenfotoWenn aus heißen Fantasien Albträume werden:
Im Prinzip und wenn man die Filme von Eli Roth kennt, dann verwundert es schon, dass KNOCK KNOCK generell eigentlich sehr unblutig über die Bühne geht.

Das ist durchaus durchdacht, denn generell geht es hier verstärkt um die plötzliche Machtlosigkeit der Figur des Evan und dem sichtlichen, sadistischen Terror, dem er zusehends ausgesetzt ist. Da kommt es zuerst zum Kontrollverlust seitens Evan, den er glaubt in dem Moment zurück gewonnen zu haben, als er die Mädchen mit dem Wagen irgendwo absetzt. Auch hier wirkt er wieder typisch männlich nach dem Motto „Problem gelöst“ und kehrt zur Normalität zurück, als hätte es z.B. den Sex mit den Mädchen nicht gegeben. Das sein bisheriges Leben jedoch bereits verloren ist, wird ihm erst in dem Moment klar, indem der Psychoterror erst so richtig beginnt.

Hätte hier die Figur des Evan am Ende das Ruder herum reißen können, hätte man im Film jedes billige Macho-Klischee bedienen müssen, dass man hätte auffinden können. Einschließlich dem, dass der Mann am Ende eben doch (mal wieder) die Oberhand behält. Dann, und nur dann hätte man wirklich Grund gehabt den Film hart zu kritisieren, schon weil er durch ein abgedroschenes Klischee (Mann,Kraft, Sieg) vorhersehbar in seiner Schlusshandlung ist. Dieses wirklich an den Haaren herbei gezogene Macho-Klischee hat uns Eli Roth dann dankenswerter Weise erspart. Die Idee hierfür war durchaus vorhanden, man sehe sich hierzu nur das im Vorfeld des eigentlichen Films bereits gedrehte alternative Ende an (Bonusmaterial auf der DVD), dass jedoch dann dankenswerter Weise nicht Bestandteil des Films wurde. Leider wohl zum Nachteil mancher Kommentatoren bei FILMSTARTS, die sich durch den Film wohl in ihrem eher schon bemitleidenswertem männlichen Stolz nach dem Kinobesuch angegriffen fühlten und entsprechend ausfallend manchen geistigen Griff ins Klo offenbarten.

SzenenfotoVom öffnen der Büchse der Pandora:
Eigentlich hätte der Architekt Evan Webber gerne Sex mit seiner Frau, doch da die Kinder schon mal wach sind, vertröstet sie ihn gleich einmal weiter auf den kommenden Montag, denn vorher fährt Karen, eine erfolgreiche Künstlerin, mit den Kindern noch alleine übers Wochenende an den Strand.

Evan indessen bleibt alleine zurück, weil er noch an seinem Projekt arbeiten muss. Am Abend dann klopft es plötzlich an der Haustür und vor ihm stehen zwei leicht bekleidete junge Flugbegleiterinnen, die von ihrem Taxi statt bei einer Party scheinbar in einem falschen Stadtteil abgesetzt wurden.

Anfänglich etwas verstört nimmt Evan sich der jungen Frauen, die sich als Genesis und Bel vorstellen an und bietet ihnen jegliche erdenkliche Hilfe bis hin zum Wäschetrockner. Es kommt zu Gesprächen, in denen die jungen Frauen stets provokative sexuelle Anspielungen einstreuen. Eigentlich würde Evan gerne standhaft bleiben, doch unter der Dusche lässt er dann doch alle guten Vorsätze sausen und durchlebt eine heiße und recht wilde Nacht mit den beiden Frauen.

Am nächsten Morgen jedoch zeigen die beiden Schönheiten bereits eine Seite in ihrem Verhalten, dass Evan alles andere als gefällt. Als dann auch noch eine Bekannte an der Haustüre mit der im Bademantel gekleideten Genesis konfrontiert wird und Evan einen schändlichen Ehebruch unterstellt, reißt ihm der Geduldsfaden gänzlich.

Er packt Bel und Genesis kurzerhand in seinen Wagen und setzt sie  in einem anderen Stadtteil ihrer Wahl ab. Im Glauben, der Spuk sei nun vorbei, geht Evan wieder seinem normalen Tagesablauf nach, als wäre nichts geschehen. Doch in der Nacht hört er ein Geräusch im Haus und als er nachsehen geht, wird er niedergeschlagen.

Genesis und Bel sind zurückgekehrt. Durchgeknallter und brutaler als Evan es sich hätte träumen lassen, beginnen sie mit ihm eine perfide Psychotortur um sein Leben. Der Terror der jungen Frauen nimmt immer zerstörerische Formen an, denen Evan hilflos ausgeliefert ist. Selbst wenn er überleben sollte, würde er sein Leben nie wieder so weiter leben können, wie er es gewohnt war. Indessen haben Genesis und Bel für ihn bereits in seinem eigenen Garten ein Grab ausgehoben.

SzenenfotoEine kritische Gesamtbetrachtung:
Eigentlich hat Eli Roth in seinem Psychothriller KNOCK KNOCK nicht viel falsch gemacht. Die Story ist durchdacht, mitunter recht sexy und sehr spannend umgesetzt und auch wenn hier kaum Blut fließt, dürfte der Film wie bereits der BERLINER KURIER schrieb, nichts für zarte Gemüter sein.

Auch die Besetzung lässt nichts zu wünschen übrig, auch wenn Keanu Reeves eher etwas blass herüber kommt und es irgendwie nicht schafft, zu seiner eigentlichen Höchstform aufzulaufen. Dies mag allerdings auch an seiner Rolle gelegen haben, die ihn hier mal von einer recht ungewohnten Seite zeigt, in der er eben nicht die Kontrolle hat, sei es nun in seiner Ehe wie auch gegenüber den jungen Psychopathinnen. Eine gewisse Heldenpose scheint ihm da doch besser zu liegen als ein normaler Durchschnittsmann, der von der ihm dargebotenen geistigen wie körperlichen Gewalt völlig überrollt wird. Da bleibt halt nicht viel übrig vom steinzeitlich männlichen Stolz eines Jägers und Sammlers, so das einige männliche Kinobesucher sich ebenfalls wohl in ihrem Stolz angekratzt sahen und mit einer Fülle an eher unsachlichen Kritiken und bildungsfernen Beschimpfungen bis hin zum Rassismus in ihren Kommentaren Luft verschafften. Doch irgendwie war auch in dieser Hinsicht wohl der Film ein Erfolg. Sorgte er doch dafür, mal anschaulich heraus zu kitzeln, welche Abgründe ich in manchen Köpfen auftun können, wenn sie denn mal in Rage geraten.

Nun sei es drum, jeder hat da auch das Recht sich im Internet selbst als äußerst negativer Zeitgenosse zu outen.

Wirklich überzeugen konnten mich wie gesagt in diesem Spiel die beiden Hauptdarstellerinnen, die herrlich durchgeknallt und bitter Böse ein wirklich ansprechendes Bild als Psychopathinnen ablieferten. Da machte es mir streckenweise wirklich Spaß zuzusehen und wirkte in sich trotzdem stimmig und nicht ins lächerliche überzogen. Ob man jetzt unbedingt das gängige Klischee  des früheren sexuellen Missbrauch heranziehen musste, lasse ich dann mal offen, denn hier hätte an dieser Stelle auch gut eine andere, eher noch unverbrauchte Idee zum Zuge kommen können.

Besonders interessant ist jedoch der Umgang mit der eher im Film typischen Geschlechterrolle, die hier völlig auf den Kopf gestellt wurde. Das hatte schon etwas modernes das z.B. in manchen Romanen bereits umgesetzt wird (ich erinnere da gerne an die Psychopathin Roxie aus Bryan Smith's Romanen TODESGEIL und BLUTGEIL aus dem FESTA Verlag), im Film allerdings noch kaum so intensiv übernommen wurde wie eben in KNOCK KNOCK von Eli Roth. Schön übrigens auch, dass Eli Roth hier auch für die Umsetzung auf einige Personen und Darsteller aus seinem Horrorfilm THE GREEN INFERNO zurück gegriffen hat.

Lasse ich zum Schluss hier die Spannung und die Umsetzung, die mitunter richtig Spaß gemacht hat Revue passieren, vergebe ich für den Psychothriller KNOCK KNOCK von Eli Roth daher gerne vier von fünf möglichen Punkten. Einen Punkt musste ich leider abziehen für das leider mitunter etwas zu blasse Spiel seitens Keanu Reeves. 
Knock, Knock
Knock Knock
(Knock Knock)
mit Keanu Reeves, Lorenza Izzo, Ana de Armas, Aaron Burns, Ignacia Allamand, Daniel Baily, Megan Baily, Colleen Camp u.a.
Regie: Eli Roth
Drehbuch: Eli Roth, Guillermo Amoedo, Nicolas Lopez
Genre: Psychothriller
Laufzeit: 96 Minuten
DVD/FSK: 16 Jahre
DVD-Start: April 2016
Vertrieb: Universum Film
USA/Chile 2015   

Kommentare  

#1 Andreas Decker 2016-05-04 11:59
Ich kann es dir nachempfinden. Mich nerven Kinokritiken eigentlich auch nur noch, vor allem amerikanische. Und auch die meisten Buchkritiken. Entweder ist es dieser politisch korrekte und/oder pseudofeministische Unsinn, wo alles vor 2010 oder wann das heilige Jahr der Erkenntnis stattfand, grundsätzlich rassistisch und sexistisch ist. Was erst einmal brav verdammt wird, bevor man sich dem Inhalt zuwendet. Oder dann das heutige Produkt auf Dogmatreue abklopft. Vor allem in SF-Blogs ist das eine grassierende Seuche.

Aber vor allem beim Film kann man sich dann auch noch mit der genauso stupiden Reaktion rumschlagen, die dann Geschichten, die einem diese Agenda vermeintlich - oder auch real, davon gibt es auch genug, habe letztens eine NCIS-Folge gesehen, da hätte ich kotzen können - in den Rachen stopfen wollen, hysterisch niederbrüllen. Beides ist nur noch nervtötend.

Aber mal ehrlich, diese Filmstory ist so was von lahm. Die läuft in Variationen jedes Jahr mindestens zweimal in TV-Serien wie Criminal Minds oder L&O:SVU. Da hast du dann die durchgeknallte Frau, die wahllos Männer kidnappt und in der Scheune gefangen hält, bevor sie sie in Kompost verwandelt, oder die Homeinvasion, wo die Frau auf Rachefeldzug echte oder auch nur vermeintliche Täter quält. Braucht man das dann noch einmal auf der Kinoleinwand, wenn man dem Thema nichts wirklich Neues hinzuzufügen hat?
#2 Laurin 2016-05-04 12:57
Ich würde da den Film nicht mit irgendwelchen Fernsehserien gleichsetzen wollen, Andreas Decker. Fernsehserien sind allgemein für ein Massenpublikum weichgespülte Allgemeinware. Im Film KNOCK KNOCK kommen erfrischender Weise die zwei jungen Psychos ja ungeschoren davon. Im Fernsehen nur schwer vorstellbar. Und insgesamt gesehen ist alles ja schon mal da gewesen (hier handelt es sich ja um ein Remake wie oben zu lesen), es kommt nur auf die Umsetzung an. Auf die Frage, ob man dies oder das dann auch noch mal abgewandelt auf der Kinoleinwand braucht, müsste man folgerichtig sonst sagen, macht die Kinos zu und stellt das Filmemachen ein. ;-)
Und was die Kommentare angeht, die ich oben meinte, da konnte man recht schön die Ausgefallenheit einer Generation-PEGIDA heraus lesen. Mit Kritik am Film im eigentlichen Sinne hatte das nichts mehr gemein. :sigh:
#3 Mainstream 2016-05-04 22:23
-
Ich muss leider sagen, dass ich den Film auch sehr abstossend fand.
Die Charaktere von Bel und Genesis sind meines Erachtens viel zu
überdreht und hysterisch. Hätte Roth hier mehr auf seine Figuren
geachtet, wäre KNOCK KNOCK ein wirklich sehr guter Thriller
geworden. Das ein Typ, wie ihn Keanu darstellen sollte, sich derart
weichgespült überwältigen lässt, ist einfach nicht glaubwürdig.
Meine Meinung.
#4 Laurin 2016-05-05 10:37
@ Mainstream:
Überdreht waren die Mädels, was aber für mich wiederum einen gewissen Reiz ausmachte. Als hysterisch kann ich es allerdings so nicht wirklich empfinden. Aber gut, jeder mag es anders sehen aus seinem persönlichen Blickwinkel heraus.

Bei der "nicht vorhandenen Glaubwürdigkeit" in Sachen "Typ wie Keanu" zeigt sich mir dagegen schon die stetige Hoffnung auf das Klischee des am Ende doch siegenden Mannes und wenn dies nur seiner körperlichen (Kraft) Überlegenheit entspringt. Da hätte man glaube ich auch jeden anderen Schauspieler nehmen können und Mann würde es als unglaubwürdig ansehen. Hinzu kommt natürlich auch das Bild des Schauspielers, dass man sich eben aus seinen früheren Rollen gemacht hat (ich schätze mal, in dem Punkt tun wir uns alle etwas schwer damit, einen ehemaligen Helden gegen zwei durchgeknallte Frauen verlieren zu sehen). Da schätze ich dann doch mal, dass man diese Rolle mit einem ziemlich dünnen Kerlchen von gerade mal 1,20m Größe hätte besetzen müssen, der zudem noch mit offensichtlicher Sehschwäche zu kämpfen hat, damit die meisten Männer diesen Part als glaubwürdig akzeptieren. Da ist meiner Meinung nach das gängige Rollenbild der Geschlechter dann doch eher ausschlaggebend als die einfache Frage des Glaubens. ;-)
#5 Andreas Decker 2016-05-05 14:30
zitiere Laurin:
Da hätte man glaube ich auch jeden anderen Schauspieler nehmen können und Mann würde es als unglaubwürdig ansehen.


Ach, ich weiß nicht. Das ist doch ein weit verbreitetes Problem. Es gibt so viele eher durchschnittlich begabter Schauspieler, denen du ihre Rolle einfach nicht abnimmst. Was auch daran liegt, dass so viele Drehbücher so schlicht geworden sind und nur noch mit Typen arbeiten. Das ist der Bulle, das ist der Hacker, etc.

Nimm zum Beispiel mal Clint Eastwood. Der hat bewiesen, dass er auch was anderes als den harten Burschen spielen konnte. Ist vielleicht ein blödes Beispiel, weil man Dirty Harry nicht mal die Hälfte von dem zugetraut hätte, was er geleistet hat.

Das hat weniger mit Rollenbildern als mit dem Können der Mimen zu tun. Doris Day hättest du eine Rolle als FBI-Agentin auch nicht abgekauft.
#6 Laurin 2016-05-05 17:59
Das ist das Problem, was viele Schauspieler haben, weil sie meisten auf eine gewisse Rolle festgelegt werden, aus der sie so leicht nicht mehr heraus kommen, Andreas Decker. Wobei ich die heutigen Darsteller auch nicht besser oder schlechter als die früheren halte. Mit den früheren sind wir nur angenehm aufgewachsen, weshalb wir da lieber über manches Manko hinweg blicken.

Unterstreicht aber meine These eigentlich, denn den eher Hilflosen will man "Keanu Reeve" in dieser Rolle ja auch nicht wirklich abkaufen (mal abgesehen von seinem recht blassen Spiel in diesem Film).

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