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Die Bryan-Wallace-Filme: Peter Vogel

Die Bryan Edgar Wallace FilmePeter Vogel
(1937-1978)

Peter Vogel wurde am 22. März 1937 in München geboren. Schon früh kam Peter durch seinen Vater, den Schauspieler Rudolf Vogel, mit dem Theater in Berührung.  
An ungezählten Abenden trieb sich der Junge hinter den Kulissen und auf den Beleuchterbrücken des Münchner Staatstheaters herum, wo Vogel senior damals engagiert war.


Peter VogelAuf diese Art hatte Peter Vogel so manches Bühnenstück seines Vaters fünfzigmal und öfter gesehen und konnte schon als Kind einen kritischen Blick hinter die Kulissen werfen.

Peter Vogel erlebte eine eher wechselhafte Kindheit und Jugend. Er lebte abwechselnd beim Vater und bei der Mutter. Zudem war Peter ein schlechter Schüler, der von insgesamt fünf Internaten flog. Darunter auch von einem in Augsburg,  dass er in der Rekordzeit von sechs Tagen verlassen musste.

„Es gab eigentlich nie einen bestimmten, besonders schwerwiegenden Grund dafür. Es hatte sich halt immer so allerlei zusammengeläppert!" (1)

Mit sechzehn Jahren trug der junge Peter Vogel eine Filmidee in seinem Kopf mit sich herum. Und eines Tages entschloss er sich, den Filmleuten in Geiselgasteig in dieser Angelegenheit persönlich auf den Pelz zu rücken.

Als sein Vater davon erfuhr, rief er vorbeugend dort an, mit der Bitte, seinen Sohn gleich in die dortige Kantine zu schicken.  

Dort saß Peter Vogel schließlich grollend am Tisch und fühlte sich plötzlich von einem Mann fixiert, der sich als Regisseur Kurt Hoffmann entpuppte, der den Jugendlichen für seinen Film "Das fliegende Klassenzimmer" engagierte, mit dem Peter Vogel 1954 sein Filmdebüt gab.


Nach seiner Rolle in "Das fliegende Klassenzimmer"  entschied sich Peter Vogel, obwohl seine Liebe der Musik galt, Schauspieler zu werden. Er nahm Schauspielunterricht bei Siegfried Lowitz und Unterricht bei einer Sprachlehrerin, die den jungen Mann zu einen Schauspieler formten.

„Es war von Anfang an klar, dass ich Schauspieler werden würde, es gab gar nichts anderes!" (2)

Nach seinem Debüt in "Das fliegende Klassenzimmer" (1954) folgten u. a. größere und kleinere Rollen in Filmen wie "Ihr erstes Rendezvous" (1955), "Hilfe - sie liebt mich" (1956), "Witwer mit 5 Töchtern" (1957), "Alle Sünden dieser Erde" (1958), "Der Pauker" (1958), "Der Haus-Tyrann" (1959) und "Peter Voss, der Held des Tages" (1959).

Auch im aufkommenden westdeutschen Fernsehen war Vogel tätig, wo er mit dem Fernsehfilm "Regen und Wind" 1956 sein TV-Debüt gab. Sechs Jahre später bekam er dort als Dr. Erich Striebel im Fernsehfilm "Flitterwochen" auch seine erste Hauptrolle.

Ab 1957 ließ der hochmusikalische Peter, der auch Geige und Klavier spielte,  bei Elisabeth Ohms, einer ehemaliger Wagner-Heroine in Bayreuth, seine vielversprechenden Baritonstimme ausbilden.

Nach Rollen in Filmen wie "Dicke Luft" (1962), "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett" (1962), "Die schwarze Kobra" (1963), "Charleys Tante" (1963), "Das Phantom von Soho" (1964), "Das hab ich von Papa gelernt" (1964), "Das siebente Opfer" (1964) und "Gern hab ich die Frauen gekillt" (1966) zog sich Peter Vogel vollständig vom Film zurück.

Danach spielte er  nur noch fürs Fernsehen, wo er in Fernsehfilmen wie "Das Abgründige in Herrn Gerstenberg" (1966), "Fentons völlig verrückte Erfindung" (1967), "Valentin Katajews chirurgische Eingriffe in das Seelenleben des Dr. Igor Igorowitsch" (1967), "Die Moritat vom Räuberhauptmann Johann Georg Grasel" (1969), "Hier bin ich, mein Vater" (1970), "Ein Mädchen für alles" (1970), "Kein Geldschrank geht von selber auf. Die Eddie Chapman Story" (1971) und "Mein Onkel Benjamin (1973) in diversen Hauptrollen zu sehen war.  
Peter Vogel

1976 trennte sich Vogel von seiner Ehefrau, der Schauspielerin Gertraud Jesserer, mit der er die Söhne Michael und Nikolaus zusammen hatte.
Vogel lebte danach mit der Schauspielerin Erika Pluhar (der Ehefrau von Andre Heller) zusammen, während seine Frau Gertraud mit Andre Heller (dem Ehemann von Erika Pluhar) in einer Beziehung lebte.

Während dieser Zeit wurden beide Ehen nicht geschieden, was in den Medien für Gesprächsstoff sorgte, die diese Beziehungen als "Partnertausch" bezeichneten.

"Die Traudl Jesserer war dann mit dem Heller zusammen. »Partnertausch« nannten das die Medien. Mit dem Peter hatte ich eine sehr, sehr schöne Beziehung." (3)

Am 8. August 1976 gab Peter Vogel mit dem Fernsehfilm  "Hartlgasse 16a" sein Debüt als Kottan im ORF. Die erste Folge der Serie "Kottan ermittelt" kam so beim österreichischen Fernsehpublikum an, dass ein Jahr später mit "Der Geburtstag" eine zweite Folge in Spielfilmlänge mit Peter Vogel als Kottan gedreht wurde.

Im März 1977 stand Vogel zudem nicht nur als Lorenzo Querini in Hochwälders "Heiligem Experiment" auf der Bühne, sondern inszenierte auch das Stück "Ein Ehemann" von Italo Svevos.

Ein Jahr später drehte der Schauspieler mit DAS EINHORN seinen letzten Film, den der Regisseur Peter Patzek in nur acht Tagen nach einer Novelle von Martin Walser verfilmte.

Im Juni 1978 stand der Schauspieler in der Matinee "Josefstadt einmal anders" zum letzten Mal auf der Bühne.

Seine Regiearbeit für Molnars Stück "Panoptikum",  das am 22. Oktober 1978 seine Premiere feiern sollte, legte Vogel im September aus gesundheitlichen Gründen nieder.

Peter Vogel, der alkoholabhängi und medikamentensüchtig war, machte mehre Entzüge durch, wurde aber immer wieder rückfällig.

"Es gab den Alkohol, und es gab die Medikamente, die er sich injizierte. Deshalb konnte er sich so gut mit einer Spritze töten
Ich habe unzählige Entzüge mit ihm mitgemacht, aber er ist immer wieder in die Sucht zurückgefallen. Sein Unglück war unter anderem, dass er zu spät erkannt hat, dass sein Weg die Musik gewesen wäre." (4)

Peter VogelAm 21. September 1978 verließ Peter Vogel, nachdem er mit seiner Lebensgefährtin Erika Pluhar telefoniert hatte, die Entzugsklinik, in der er sich aufgehalten hatte, ging in eine Wiener Pension, wo er Selbstmord beging.

"Am Tag seines Todes haben wir noch telefoniert und Pläne gemacht. Dann hat er die Entzugsklinik verlassen und sich in einer Wiener Pension mit einer Injektion getötet. Er hat oft versucht, mir zu erklären, warum seine Angst vor dem Leben größer ist als die Angst vor dem Tod." (5)

Erst einige Tage nach Vogels Selbstmord kam sein letzter Film "Das Einhorn" am 29. September 1978 in die westdeutschen Kinos.

Am 16. November 1978 sahen die österreichischen Fernsehzuschauer den Schauspieler in der Kotton-Folge "Nachttankstelle" in seiner letzten TV-Rolle. Darin spielt Vogel Kottans Vorgesetzten Horeis.

"Einige   wenige   tragen   die   starke Flamme einer ungeheuren Erlebniskraft in sich, wieder andere fachen ein  schwaches  Flämmchen für den Augenblick mit Regungen und Impulsen an, die manchmal sogar pathologischen Ursprungs sind — aber selbst das mag noch besser sein, als wenn gar nichts da wäre!" (6)

(1)    Peter Vogel
(2)    Peter Vogel
(3)    Erika Pluhar
(4)    Erika Pluhar
(5)    Erika Pluhar
(6)    Peter Vogel

Filmographie
1.    Das fliegende Klassenzimmer (1954)
2.    Der erste Kuss (1954)
3.    Marianne, meine Jugendliebe (1955)
4.    Ihr erstes Rendezvous (1955)
5.    Regen und Wind (1956) (TV)
6.    Hilfe - sie liebt mich (1956)
7.    Die Fahrt ins Blaue (1956) (TV)
8.    Bei Tag und bei Nacht oder Der Hund des Gärtners (1957) (TV)
9.    Weekend (1957) (TV)
10.    Banktresor 713 (1957)
11.    Witwer mit 5 Töchtern (1957)
12.    Die große Chance (1957)
13.    Alle Sünden dieser Erde (1958)
14.    Taiga (1958)
15.    Worüber man nicht spricht - Frauenarzt Dr. Brand greift ein (1958)
16.    Der Pauker (1958)
17.    Stefanie (1958)
18.    Wenn die Conny mit dem Peter (1958)
19.    Der Haus-Tyrann (1959)
20.    Alle lieben Peter (1959)
21.    Wenn das mein großer Bruder wüßte (1959)
22.    Ein Mann geht durch die Wand (1959)
23.    Heimat, deine Lieder (1959)
24.    Peter Voss, der Held des Tages (1959)
25.    So angelt man keinen Mann (1959)
26.    Der Held meiner Träume (1960)
27.    Stefanie in Rio (1960)
28.    Gauner in Uniform (1960)
29.    Die junge Sünderin (1960)
30.    Agatha, laß das Morden sein! (1960)
31.    Eine hübscher als die andere (1961)
32.    Saison in Salzburg (1961)
33.    Freddy und der Millionär (1961)
34.    Flitterwochen (1962) (TV)
35.    Dicke Luft (1962)
36.    Tanze mit mir in den Morgen (1962)
37.    Die Rebellion (1962) (TV)
38.    Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett (1962)
39.    Kohlhiesels Töchter (1962)
40.    Das haben die Mädchen gern (1962)
41.    Sing, aber spiel nicht mit mir (1963)
42.    Ferien wie noch nie (1963)
43.    Die schwarze Kobra (1963)
44.    Wochentags immer (1963)
45.    Charleys Tante (1963)
46.    Der schlechte Soldat Smith (1963) (TV)
47.    Ferien vom Ich (1963)
48.    Rote Lippen soll man küssen (1964)
49.    Das Phantom von Soho (1964)
50.    Monsieur (1964)
51.    Das hab ich von Papa gelernt (1964)
52.    Die Festung (1964)
53.    Das siebente Opfer (1964)
54.    Hallo - Mr. Moss (1965) (TV)
55.    Match (1966) (TV)
56.    Alibi für James (1966) (TV)
57.    Gern hab ich die Frau'n gekillt (1966)
58.    Das Abgründige in Herrn Gerstenberg (1966) (TV)
59.    Ollapotrida (1966) (TV)
60.    Fentons völlig verrückte Erfindung (1967) (TV)
61.    Valentin Katajews chirurgische Eingriffe in das Seelenleben des Dr. Igor Igorowitsch (1967) (TV)
62.    Was ihr wollt (1968) (TV)
63.    Der Kaufmann von Venedig (1968) (TV)
64.    Das Lamm (1969) (TV)
65.    Die Moritat vom Räuberhauptmann Johann Georg Grasel (1969) (TV)
66.    Hier bin ich, mein Vater (1970) (TV)
67.    Kannibalen (1970) (TV)
68.    Ein Mädchen für alles (1970) (TV)
69.    Einer muß der Dumme sein (1971) (TV)
70.    Kein Geldschrank geht von selber auf. Die Eddie Chapman Story (1971) (TV)
71.    Die heilige Johanna (1971) (TV)
72.    Die seltsamen Abenteuer des geheimen Kanzleisekretärs Tusmann (1972) (TV)
73.    Rechtsprechung - Szenische Rekonstruktion des Prozesses gegen Dr. John Bodkin Adams (1972) (TV)
74.    Versuchung im Sommerwind (1972)
75.    Blitzlicht (1973) (TV)
76.    Mein Onkel Benjamin (1973) (TV)
77.    Der Menschenfreund (1973) (TV)
78.    Die Biedermänner (1973) (TV)
79.    Ist Onkel Jack ein Konformist? (1974) (TV)
80.    Rosmersholm (1974) (TV)
81.    Das Einhorn (1978)


TV-Serien
1.    Der Kommissar (1 Folge, 1974)
2.    Holocaust (als Emil Frey, 2 Folgen, 1978) Mini-Serie
3.    Kottan ermittelt (als Kottan, 2 Folgen/als Oberstleutnant Horeis, 1 Folge / 1976-1978)

© by Ingo Löchel

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Kommentare  

#1 Laurin 2016-04-16 13:23
Peter Vogel hatte ich in den alten Filmen immer gerne gesehen. Schade um ihn. Wusste nicht, dass sein Herz so an der Musik hing, aber das Talent zur Schauspielerei hatte er für mich schon immer eindeutig von seinem Vater Rudolf Vogel geerbt.
#2 G. Walt 2016-04-16 14:19
Zitat:
1976 trennte sich Vogel von seiner Ehefrau, der Schauspielerin Erika Pluhar, mit der er die Söhne Michael und Nikolaus zusammen hatte. Vogel lebte danach mit der Schauspielerin Erika Pluhar (der Ehefrau von Andre Heller) zusammen, während seine Frau Erika mit Andre Heller (dem Ehemann von Erika Pluhar) in einer Beziehung lebte.
Confused
#3 Valerius 2016-04-16 14:44
So, jetzt müsste dass mit dem "Partnertausch" stimmen.
#4 G. Walt 2016-04-16 15:16
:-)

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