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Das schwarze Schaf kann's nicht lassen – Heinz Rühmann als Pater Brown

Rühmann als BrownDas schwarze Schaf kann's nicht lassen
Heinz Rühmann als Pater Brown

Bevor wir uns kurz den Filmen DAS SCHWARZE SCHAF und ER KANN'S NICHT LASSEN zuwenden, in denen der unvergessene Heinz Rühmann mit viel Witz und kriminalistischem Spürsinn dem berühmten Pater Brown Leben einhauchte, wollen wir uns erst einmal einem etwas schludrigem Fehler zuwenden, der sich da in den Filmen eingeschlichen hat.

Es ist nämlich so ...


Rühmann als Brown... Pater ist die übliche Anrede für Ordensgeistliche und nicht für Weltgeistliche wie es unser netter Freizeitkriminologe Brown ist. Im Original heißt es daher richtiger „Father“ Brown und der ist wiederum eine literarische Figur von Gilbert Keith Chesterton. Da unser „Pater Brown“ eben ein Weltgeistlicher und kein Ordensgeistlicher ist, wäre die wirklich korrekte Anrede im Deutschen schlicht und einfach „Hochwürden Brown“.

Nur im englischsprachigen Raum werden Weltgeistliche eben mit „Father“ (auf Deutsch „Vater“) angeredet. Nun könnte man sagen, die Abenteuer unseres kriminalistisch verirrten Schafes geistlicher Prägung spielen ja in Irland. Aber wie gesagt, dann wäre die Anrede „Pater“ immer noch falsch. Macht das wiederum einen Abbruch bei den Filmen? Ehrlich gesagt überhaupt nicht, aber wissenswert ist es doch irgendwie.


Kommen wir aber nun zu den zwei Filmen, die es bereits recht günstig in einer DVD-Box von KOCH MEDIA zu erstehen gibt und die mit einer Gesamtspiellänge von 182 Minuten (jeweils pro Film 91 Minuten) einen spannenden und gleichsam lustigen Filmabend garantieren.

Rühmann als BrownDas schwarze Schaf
Schwarze Schafe gibt es so einige auf der Welt und da macht ein Geistlicher manchmal keine Ausnahme, wenn es nach dem Bischof von Pater Brown geht. Da mag er noch so beliebt sein, bekannt sollte er in Sachen Mord und Raub aber nun doch nicht werden. Außerdem beschwert sich jedes Mal die Polizei, wenn der kleine Hochwürden sie mal wieder wie kleine Schuljungen in Sachen Kriminalistik aussehen lässt.

So ergeht es auch Inspektor Graven, als es um den Hammermord gleich an der hübschen Kirche von Pater Brown geht. Und zum Leidwesen vom Bischof ist dann auch noch gleich auf der Titelseite der Zeitung ein Foto des geistlichen „Detektivs“, wo am Vortag noch das Busenwunder Brigitte Bardot ihren Ausschnitt einladend präsentierte. Flugs wird unser Pater Brown samt seiner Haushaltshilfe Mrs. Smith mal wieder strafversetzt.

In seiner neuen Gemeinde trifft er nicht nur auf der Suche nach Geldgebern für einen Kirchenneubau auf den verarmten Lord Kingsley und dem Bankier Conelly, sondern auch auf seinen alten Freund und ehemaligen Einbrecher Flambeau, der hier nun verheiratet ein neues Leben begonnen hat. Und dann ist da noch eine Schauspieltruppe die in Flambeaus Hotel nächtigen und ein „hübsch-hässliches“ Bühnenstück mit Adam, Eva und dem Teufel aufführen wollen. Doch kaum eingelebt ist dann auch bald der Teufel los, denn während einer Fußballübertragung wird Conelly erstochen. Pater Brown sieht sich bald der Frage gegenüber, was der Mord an dem Bankier mit den wertlosen Aktien von Lord Kingsley zu tun hat. Alles passt irgendwie zusammen und dann doch wieder nicht, wäre da nicht auch der komplette Stromausfall während der Sportübertragung, der Pater Brown nicht ruhen lässt. Selbst bei dem Teufel oder besser gesagt Scarletti, dem Chef der Theatergruppe, passen die Teile nicht wirklich zusammen. Doch dann kommt Pater Brown mit einem Malstift diesem entscheidenden Rätsel sehr nahe, während der ebenfalls strafversetzte Inspektor Graven noch völlig neben der kriminalistischen Spur hängt.

Das schwarze Schaf
mit Heinz Rühmann, Siegfried Lowitz, Lina Carstens, Karl Schönböck, Fritz Rasp, Friedrich Domin, Maria Sebaldt, Hans Leibelt u.a.
Regie: Helmuth Ashley

Deutschland 1960

Rühmann als BrownEr kann's nicht lassen
Inspektor Graven stand wieder mal ziemlich begossen da und Pater Brown füllte mal wieder als geistlicher Detektiv die Schlagzeilen in der Zeitung. Grund genug für den Bischof, den kleinen Pater aufs Neue zwecks erzieherischer Maßnahme zu versetzen. So landete er eben samt Mrs. Smith auf der kleinen Insel Abbott's Rock (bereits am Ende von DAS SCHWARZE SCHAF), wo es von Schmugglern und Kleinkriminellen nur so wimmelt. Da legt sich der Pater auch gerne mal mit den halbstarken Seebären wegen eines Fasses Schmuggelwhiskey an. Als er aber auch noch ein Gemälde des alten Künstlers van Dyke findet, kommen die Räuber auch schon als Staubsaugervertreter daher und überlisten Mrs. Smith, während Brown dem neuen Bischof seine Aufwartung macht. Doch die Räuber haben die Rechnung ohne Pater Browns Spürsinn gemacht. Ein Umstand, der dazu führt, dass er gleich wieder strafversetzt wird.

Und schon geht es wieder los, als er dort in der neuen Gemeinde einen Streit zwischen zwei Adeligen schlichten muss. Dabei war doch der letzte Kriminalfall in dieser idyllischen Gemeinde angeblich ein verschwundener Golfball. Schnell merkt unser Pater Brown, dass hier nicht wirklich alles mit rechten Dingen zugeht. Besonders das Gespenst aus dem Moor, das so ziemlich alle Schlossherren von Darroway dahin raffte,  wie die nette Mrs. Holland bereits erwähnte, gibt unserem „mordlustigen“ Pfarrer Rätsel auf. Als dann auch der nächste Angehörige des Adelsgeschlecht derer von Darroway im Nebel dahin gerafft wird, tippt Brown weder auf einen Geist, noch auf Unfälle, sondern auf Mord. Und dass nicht alle in dieser neuen Gemeinde das sind, was sie vorgeben, macht auch diesen Kriminalfall, wie Pater Brown sagen würde, hübsch-hässlich.

Nun will ich hier aber nicht weiter zu dem eigentlichen Fall spoilern, doch eines sei verraten. Am Ende trifft es auch mal den Sekretär des Bischofs richtig derbe, nachdem Malone sich ja bisher immer etwas hämisch freute, wenn der Zorn des Bischofs wieder unseren guten Pater Brown in eine neue Gemeinde vertrieb. Und ob Pater Brown nach diesem Abenteuer immer noch gerne einen starken Tee mit viel Milch (damit man den vielen Zucker nicht so sieht) trinken möchte, lassen wir auch einmal dahin gestellt.

Rühmann als BrownEr kann's nicht lassen
mit Heinz Rühmann, Lina Carstens, Grit Böttcher, Horst Tappert, Ruth-Maria Kubitschek, Peter Ehrlich, Siegfried Wischnewski, E. O. Fuhrmann, Paul Glawion, Rudolf Forster, Otto Schmöle u.a.
Regie: Axel von Ambesser
Deutschland 1962

Beide Filme haben eines gemeinsam, sie gehen die Morde und andere Verbrechen nicht verkniffen ernst an und die pfiffige Art, mit der Heinz Rühmann die Rolle des Pater Brown ausfüllt, ist schon als legendär zu bezeichnen. Gerade das macht diese Filme irgendwie wieder zeitlos schön, auch wenn z.B. die damalige Tricktechnik doch sehr unzeitgemäß und altbacken erscheinen mag.

Gerne wird zudem auch der Film DIE ABENTEUER DES KARDINAL BROWN aus dem Jahre 1968 (Farbfilm) in einem Atemzug mit den schwarz/weiß Filmen um Pater Brown genannt. Dieses stimmt jedoch so nicht ganz, denn dieser Film hat mit den eigentlichen Geschichten um den kriminalistischen Pater Brown eben nach den Ideen Chestertons nichts wirklich gemeinsam.

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