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Hooper + Gentleman = Straßenfeger 50

StraßenfegerHooper + Gentleman = Straßenfeger 50
Die Gentlemen bitte zur Kasse / Hoopers letzte Jagd

Die Gentlemen bitten zur Kasse
Jeden Abend um 18.50 Uhr verlässt ein Postzug Ihrer Majestät der Königin von England den Bahnhof Glasgow. Zielort ist Euston-Station London, wo der Zug laut Fahrplan um 3.41 Uhr am anderen Morgen eintrifft. 

Am Morgen des 8. August 1963 erreicht der Zug sein Ziel nicht.


Fünfzig Kilometer vor London stoppt eine Bande maskierter Männer den Zug und beraubt die Geldwaggons um 2.631.784 Pfund Sterling, etwa 29,5 Millionen Mark.“ 

Mit diesen Worte begann der berühmte NDR-Straßenfeger DIE GENTLEMEN BITTEN ZUR KASSE, dessen Dreharbeiten Anfang 1965 begannen.   Eine Bande maskierter Männer raubt den Postzug London-Glasgow aus. Michael Donagan (Horst Tappert ), Anführer der Bande, plant vorher alles bis ins kleinste Detail. Doch als das Geld verteilt wird, gerät alles aus dem Häusschen und Donagan wird seiner Bande nicht mehr Herr.  Eine aufregende Verfolgungsjagd nach den Posträubern, die die Sympathie von ganz England haben, beginnt.

Der Dreiteiler DIE GENTLEMEN BITTEN ZUR KASSE basiert auf dem Postraub aus dem Jahre 1963, der in die Kriminalgeschichte einging.  Drehbuchautor Henry Kolarz hatte zuvor bereits einen Tatsachenbericht im Magazin STERN veröffentlicht, der wie der Film aus der Sicht der Räuber geschildert war.

Da zum  Zeitpunkt der Dreharbeiten noch viele Details des Postraubs noch ungeklärt und einige Posträuber noch auf der Flucht, andere freigesprochen oder gar nicht erst angeklagt worden waren, entschied man sich beim NDR alle Namen und auch Teile der Biographien der Posträuber zu ändern.

DIE GENTLEMEN BITTEN ZUR KASSE, der 2,1 Million Deutsche Mark kostete, wurde größtenteils in Deutschland gedreht. Der Überfall auf den Postzug wurde an der Bahnstrecke Sollingbahn zwischen Altenbeken und Northeim bei der Ortschaft Moringen in der Nähe von Göttingen gedreht.

Der NDR mietete für diesen Dreh von der Bundesbahn einen ganzen Zug, dessen Behelfspackwagen oberflächlich als Royal-Mail-Fahrzeuge verkleidet wurden. Die im Film eingesetzte Diesellok V 200 050 bekam den Schriftzug „British Rail“ aufgepappt. Für die Bridego Brücke, an der der Überfall stattfand, fand sich genauso eine deutsche Kopie, wie für den nahe gelegenen Bahnhof Cheddington.

Regisseur John Olden hatte in England nicht alle erwünschten Drehgenehmigungen bekommen, drehte die geplanten Szenen dann aber trotzdem heimlich mit versteckter Kamera. Claus Peter Witt übernahm die Regie, als Olden während der Dreharbeiten an einem Herzanfall starb.   Ein kleines Schmankerl gab es am Ende des dritten Teils von DIE GENTLEMEN BITTEN ZUR KASSE“.

Nach dem vermeintlichen Ende des Dreiteilers beginnt der Abspann, der dann plötzlich angehalten  wird. Danach wird die Geschichte um die Posträuber noch zweimal fortgesetzt bis dann endgültig der TV-Dreiteiler beendet wird.

1Die Gentlemen bitten zu Kasse
BRD 1966

Erstaustrahlung
Erster Teil : Planung des Verbrechens (80 Minuten, 08.02.1966
Zweiter Teil: Der Anschlag auf den Postzug (77 Minuten,10.0.1966)
Dritter Teil: Die Bande löst sich auf (77 Minuten, 10.2.1966)

Stab
Regie: John Olden, Claus Peter Witt
Drehbuch: Henry Kolarz
Produktion: Egon Monk
Musik: Hein

Darsteller
Horst Tappert als  Michael Donegan
Hans Cossy als Patrick Kinsey
Günther Neutze  als Archibald Arrow
Karl-Heinz Hess als Geoffrey Black
Hans Reiser  als Thomas Webster
Rolf Nagel als Gerald Williams
Wolfgang Weiser als Harold McIntosh
Harry Engel  als George Slowfoot
Woflram Schaerf  als Andrew Elton
Günther Tabor  als Ronald Cameron
Wolfried Lier als Walter Lloyd
Franz Mosthav als Alfred Frost
Kurt Conradi als Arthur Finegan
Siegfried Lowitz als Dennis McLeod
Grit Böttcher als Jennifer Donegan
Kai Fischer als Inge Masterson
Eleonore Schroth als Eileen Black

Hoopers letzte Jagd
Chief-Superintendent James Hooper (Max Mairich) jagt seit vielen Jahren den Chef der legendären Posträuberbande Michael Richardson (Horst Tappert). Während er die meisten Komplizen hinter Gitter bringen konnte, konnte sich Richardson jedes Mal seiner Verhaftung entziehen.
Da er nur noch wenige Tage bis zu seiner Pensionierung hat, beschließt er Richardson vor dieser hinter Schloss und Riegel zu bringen und verfolgt der Posträuber, der mit seiner Frau Jenny (Liselotte Pulver) und seinem Sohn Tommy (Florian Halm) auf der Flucht ist, rund um die Welt. Unterstützt wird er dabei von seinen Assistenten Higgins (Herbert Bötticher), Robbins (Erik Schumann) und Morris (Dieter Augustin) ....

Aufgrund des großen Erfolges von DIE GENTLEMEN BITTEN ZUR KASSE  plante der NDR eine Fortsetzung. Doch die Produktion stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Aus rechtlichen Gründen musste nicht nur das Drehbuch geändert werden, das nach Fertigstellung überhaupt keinen Bezug mehr zum TV-Dreiteiler DIE GENTLEMEN BITTEN ZUR KASSE hatte, sondern auch die Namen mussten komplett umbenannt werden.

Zudem spielten außer HORST TAPPERT, der nun Michael Richardson heißt, keine anderen Schauspieler aus DIE GENTLEMEN BITTEN ZUR KASSE  mit, was ebenfalls ein Manko von HOOPERS LETZTE JAGD ist.

Auch Hauptdarsteller HORST TAPPERT äußerte sich in seiner Biographie DERRICK UND ICH  nicht gerade positiv über diesen TV-Zweiteiler:

"1971 ließen sich einige der an den 'Gentlemen' Beteiligten in Erinnerung an den großen Erfolg des Films zu einer Fehlentscheidung verleiteten, darunter auch Claus-Peter Witt und ich. Natürlich unter der Voraussetzung, daß ich wieder den Part des Majors übernahm, einen anderen hätte das Publikum wahrscheinlich kaum geduldet. Er durfte, mal wieder aus rechtlichen Gründen, jetzt nicht einmal mehr 'Major' heißen, das war zu nah an Reynolds, der im Gefängnis saß.  Ich sagte zu, leichtsinnigerweise, ohne das Drehbuch zu kennen. Die Lektüre war eine Qual. HOOPER LETZTE JAGD erzielte übrigens eine überraschend hohe Einschaltquote. Besser wurde das Produkt dadurch trotzdem nicht."

Und tatsächlich. Wie man bereits aus Horst Tapperts Worten entnehmen konnte, erreichte der Zweiteiler mit 56% Einschaltquoten eine durchaus sehr gute Sehbeteiligung, was vermutlich daran lag, dass Tappert als Zugpferd agierte  und auch die übrigen Schauspieler solide in ihren Rollen agierten.

1Hoopers letzte Jagd
BRD 1972

Regie: Claus Peter Witt  

Darsteller
Max Mairich als James Hooper
Horst Tappert als Michael Richardson
Liselotte Pulver als Jenny Richardson
Florian Halm als Tommy
Dieter Borsche als Chef von Scotland Yard
Herbert Bötticher als Higgins
Erik Schumann als Robbins
Dieter Augustin als Morris
Edgar Hoppe als Williams
Karla Holm als Hoopers Mutter

Fazit: Mit der 50. STRASSENFEGER-Box präsentiert das Label STUDIO HAMBURG mit DIE GENTLEMEN BITTEN ZU KASSE wohl DEN Klassiker des deutschen Fernsehens, der bis heute nichts von seiner Spannung, seinem zeitlosen Flair und seinem Charme verloren hat. Hinzu kommt die ausgezeichnete Besetzung, allen voran HORST TAPPERT, dem mit diesem TV-Dreiteiler der Durchbruch als Schauspieler gelang.

Das einzige Manko an der DVD-Veröffentlichung ist dieunterschiedliche Bildqualität der einzelnen Folgen. Hier hätte Studio Hamburg noch etwas nachbessern müssen. Wer sich daran stört, kann sich den Kinofilm von DIE GENTELMEN BITTE ZUR KASSE als Bonus ansehen, dessen Bildqualität - im Gegensatz zu dem TV-Dreiteiler -  ausgezeichnet ist.

Bei dem TV-Zweiteiler HOOPERS LETZTE JAGD scheiden sich vermutlich die Geister, weil einfach zu viele Änderungen vorgenommen wurden und er so gut wie nichts mehr mit den Figuren aus DIE GENTLEMEN BITTEN ZUR KASSE zu tun hat. Was wirklich schade ist. Denn die Schauspieler, allen voran Horst Tappert sowie Lieselotte Pulver, tun ihr bestes. Als Hooper hätte ich mir allerdings einen anderen Darsteller gewünscht. Denn Max Mairich passt nicht so recht in die Rolle des in die Jahre gekommen Scotland Yard-Beamten.

Studio Hamburg

© by Ingo Löchel

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