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Traue niemandem - Auch nicht der eigenen Familie – Blumen der Nacht

Blumen der NachtTraue niemandem
Auch nicht der eigenen Familie
Blumen der Nacht

Die Welt könnte für die beiden Teenager Cathy und Chris sowie den kleinen Zwillingen Cerrie und Cory eigentlich nicht besser verlaufen. Ihre Kindheit verläuft äußerst harmonisch und sie können der Liebe ihrer Eltern Christopher und Corinne Dollanger völlig sicher sein. Scheinbar handelt es sich also um eine glückliche Familie, wie man sie sich eigentlich nur erträumen kann. Doch dieses Bild erhält bald einen ersten Riss.


Blumen der NachtGespannt warten Corinne und ihre Kinder auf die Rückkehr des Ehemannes und Vaters. Doch statt Christopher steht an diesem Abend die Polizei vor der Tür, die der geschockten Familie den Unfalltod von Christopher mitteilen muss. Schon bald steht so die Familie am Rande ihrer Existenz, denn Geld ist keines vorhanden und der Lebensstil sinkt faktisch auf Null. In diesem Moment fasst Corinne den schweren Entschluss, nach nunmehr fünfzehn Jahren Ehe wieder zurück zu ihren Eltern zu gehen, um das einmal verlorene Vertrauen ihres mittlerweile schwerkranken Vaters zurück zu gewinnen. Ihr Ziel ist es, das dieser sie wieder als Alleinerbin in seinem Testament einsetzt.

Weder Cathy oder Chris, noch die viel jüngeren Zwillinge haben je ihre Großeltern in ihrem Leben gesehen. Auch den Grund, warum ihre Mutter die Liebe ihres Vaters zurück gewinnen muss und weshalb er sie ehemals aus dem Testament gestrichen hatte, kennen sie nicht. Das dunkle Geheimnis besteht darin, das Corinne damals nicht standesgemäß geheiratet hatte, denn Christopher war auch ihr eigener Onkel. Grund genug also für ihren Vater, sie nicht nur zu enterben, sondern wegen der Blutschande auch aus der Familie zu verstoßen.

So finden sich Chris, Cathy und die Zwillinge mit ihrer Mutter bald nach einer Reise in einer weiträumigen Parkanlage wieder, in dessen Zentrum ein riesiger und eher düsterer Landsitz steht, der scheinbar immer auf sie gewartet hatte um ihrem glücklichen Leben ein jähes Ende zu setzen.

Blumen der NachtDoch nicht nur das Herrenhaus umgibt eine Aura eisiger Kälte. Auch ihre Großmutter Olivia, die die Familie in Empfang nimmt, scheint keinerlei positive Gefühle für ihre Enkelkinder zu hegen. Und damit Corinne ihr Ziel bei ihrem bettlägrigen Vater erreichen kann, darf dieser nicht einmal wissen, das aus der Ehe zwischen Corinne und Christopher jemals Kinder entstanden sind. So müssen sie eingeschlossen in einem Zimmer ihr weiteres Dasein zumeist alleine bestreiten. Für Cathy wie auch Chris, ist dieser Zustand nicht gerade das, was sie erwartet hatten, doch zuerst einmal sind die Kinder bereit, diese für sie völlig bizarre Situation zu akzeptieren, um ihre Mutter bei ihrem Vorhaben zu unterstützen, während die Zwillinge noch zu klein sind, um wirklich alles zu verstehen. Und um ihre Reue dem kranken Vater zu zeigen, lässt sich Corinne sogar vor seinen Augen für ihr Vergehen auspeitschen.

Zuerst berichtet Corinne ihren Kindern auch bei ihren Besuchen von den erreichten Erfolgen und das sich ihre beengte Situation bald schon in Wohlgefallen auflösen werde. Damit insbesondere die Kleinen etwas mehr Raum zum spielen haben, wird ihnen sogar gestattet, den weiträumigen Dachboden als Spielplatz und Rückzugsraum zu nutzen. Doch auch damit bleiben die Vier weiterhin isoliert von der Außenwelt und sind nicht in der Lage, ihr Gefängnis im alten Herrenhaus zu verlassen. Auch das Verhältnis zu ihrer Großmutter ist weiterhin durch eine gefühlsmäßige Kälte und sogar Gewaltbereitschaft von Olivia gegenüber den Kindern geprägt. Als dann auch noch die Besuche ihrer Mutter immer seltener werden, beginnt besonders Cathy zu Anfang das Vertrauen zu ihrer Mutter mehr und mehr zu verlieren. Doch die ersten Fluchtversuche der Kinder scheitern kläglich.

Den Kindern fällt es immer schwerer, sich mit ihrer Gefangenschaft abzufinden, während sich das Verhältnis zu ihrer Mutter immer mehr abkühlt, bis das sie sich kaum noch blicken lässt. Mit diesem unmenschlichen Zustand beginnen die Kinder auch Hunger zu leiden, da sie immer unregelmäßiger Essen erhalten. Das einzige was ihnen scheinbar regelmäßig von der Großmutter gebracht wird, sind kleine runde Kekse mit Puderzucker. Die Lage spitzt sich zu, als einer der kleinen Zwillinge immer schwerer erkrankt. Nur mit äußerster Überredungskunst lassen sich Corinne und Olivia scheinbar dazu überreden, den kleinen Cory in ein Krankenhaus zu bringen. Doch schon bald darauf erklärt ihnen ihre Mutter das Cory im Krankenhaus an einer Lungenentzündung verstorben sei. Das Cory nie in ein Krankenhaus kam, erzählt man den Geschwistern ebenso wenig, wie die Tatsache, das man Cory auf dem Landsitz verscharrt hat, wo bereits drei weitere Gräber ausgehoben worden sind.

Blumen der NachtCathy und Chris gelingt es indessen, ihrer Gefangenschaft heimlich zu entkommen, um im Haus auf Erkundung gehen zu können. Dabei erfahren sie nicht nur, das ihr schwerkranker Großvater bereits  verstorben ist, sondern auch, das ihre Mutter Corinne mitten in den Vorbereitungen zu ihrer Hochzeit mit einem gewissen Bart Winslow steckt. Als ihnen der Inhalt des Testament ihres Großvaters in die Hände fällt, wird ihnen das Ausmaß der Grausamkeiten erst wirklich bewusst. Denn selbst nach dem Tode von Corinnes Vater kann ihr das Erbe wieder entzogen werden, wenn bekannt wird, das aus ihrer ersten Ehe mit ihrem Onkel Kinder hervorgegangen sind. Als dann auch noch eine Maus, die die Kinder in einem Käfig halten, nach dem Verzehr von Stücken der kleinen Kekse stirbt, wird Cathy und Chris klar, das man ihnen und Cerrie das gleiche Schicksal wie Cory zukommen lassen will, indem man sie langsam vergiftet. Denn in den Puderzucker mischen Olivia und Corinne heimlich immer eine gewisse Menge Arsen.

Als am Hochzeitstag von Corinne die Großmutter den Kindern wieder Kekse bringt, wird sie von ihnen überwältigt. Die Kinder platzen in die Hochzeitszeremonie und Cathy stellt ihre Mutter zur Rede. Doch Corinne verleugnet ihre eigenen Kinder und während eines Kampfes mit Cathy stürzt die Mutter über eine Brüstung und erhängt sich am eigenen Hochzeitsschleier selbst zu Tode.

Blumen der NachtDas ich den Psychothriller BLUMEN DER NACHT zum ersten mal gesehen hatte, ist schon viele Jahre her und meine Mutter lebte noch. Ich weiß noch genau das uns die Handlung so aufgewühlt hatte, das wir am liebsten selbst durch den Fernseher gesprungen wären, nur um Olivia und Corinne eigenhändig den Hals umdrehen zu können.
 
Dies lag zum einen an der stetig wachsenden Stimmung des Films, die selbst dem Zuschauer immer düsterer und erdrückender vorkam. Aber auch das Schauspiel der einzelnen Darsteller lies damals wirklich nichts zu wünschen übrig. Louise Fletcher spielte die Großmutter Olivia Foxworth mit einer so beeindruckenden Intensität, das ihr eisiger Blick und ihre völlige Gefühlslosigkeit gegenüber den Kindern jeden zum schaudern brachte, und Victoria Tennant stand ihr als verschlagene Mutter Corinne Dollanger in nichts nach. Auch Kristy Swanson legte in ihrer Rolle als Tochter Cathy eine wahre Glanzleistung hin. Etwas aus der Rolle fiel dabei die Figur des Chris, gespielt vom damals ebenfalls noch recht jungen Jeb Stuart Adams. Für unsere Begriffe war seine Rolle etwas zu naiv und zu brav angelegt gewesen, was ihn eher zurück zerrend und blauäugig erscheinen ließ. Dadurch hebt sich zwar die Rolle der Cathy weiter positiv ab, indem sie kämpferischer und eben von Zweifeln gedrängt viel stärker zur Geltung kommt. Doch soviel Naivität nimmt man einem jungen Burschen irgendwie nicht wirklich ab. Doch kann ich hier aber auch durchaus sagen, das man diese kleine Ungereimtheit dem Film an sich nicht krumm nehmen kann, denn beim ersten mal ansehen, liegt der Fokus des Zuschauers überall, nur eben nicht auf der Naivität des Jungen, dafür fesselt die Story den Zuschauer einfach zu intensiv und hält dessen Gefühlswallungen beträchtlich auf Trap. Man muss sich den Film also schon mehr als einmal ansehen, um über diesen kleinen Punkt zu stolpern.

Blumen der NachtGegenüber dem Roman FLOWERS IN THE ATTIC von V. C. Andrews aus dem Jahre 1979 weist der Film allerdings auch einige kleine Änderungen auf. Insbesondere wurden die Bereiche Sadomasochismus gegenüber den Kindern und das Thema Inzest nur sehr, sehr oberflächlich angekratzt, z.B. durch die Erwähnung der Ehe zwischen Onkel und Nichte, bzw. durch eine Szene, in der Cathy durch Olivia das lange Haar gewaltsam abgeschnitten wird, um sie zu erniedrigen, oder das auspeitschen von Corinne. Die aufkeimende Sexualität der Teenager selbst, die im Roman eine gewisse Rolle (Inzest) spielt, kommt im Film ebenfalls nicht zum tragen. Spielte die Handlung der Romanvorlage in den 50er Jahren, so wurde die Handlung des Films in die 80er Jahre verlegt. Auch heiratet Corinne im Roman bereits während der Gefangenschaft der Kinder, während die Hochzeit im Film zum abschließenden Höhepunkt wird. Es gibt noch einige weitere Abweichungen zum Roman, aber wer hierzu das Buch lesen möchte, dem werde ich hier nun nicht alles verraten. Gebraucht ist es nämlich z.B. über Amazon durchaus noch sehr preisgünstig zu erhalten. Einfach mal den Titel BLUMEN DER NACHT unter der Rubrik „Bücher“ eingeben.

Zwar besaß ich den Film damals auch auf VHS, doch die Kasette hat leider bereits lange das Zeitliche gesegnet und so war ich gleich Feuer und Flamme, als ich bei Weltbild nun auf die DVD aufmerksam geworden bin. So war es für mich also keine Frage, das ich mir diesen genial gemachten Psychothriller wieder zulegen musste. Freunden wirklich spannend umgesetzter Filme dieser Sparte kann ich den Film BLUMEN DER NACHT wirklich nur ans Herz legen. Dabei muss ich aber auch jeden Interessierten, der diesen Film noch nicht kennt, warnen. Die Handlung hat trotz des Alters dieses Filmes nichts an Intensität verloren, so das er den Zuschauer nicht gefühlsmäßig unberührt zurück lässt.
Blumen der Nacht
Daten zum Film:
Blumen der Nacht
(Flowers in the Attic)
mit Kristy Swanson, Louise Fletcher, Victoria Tennant, Jeb Stuart Adams, Ben Ryan Ganger, Lindsay Parker, Alex Koba, Marshall Colt, Nathan Davis, Leonard Mann u.a.
Regie: Jeffrey Bloom
Drehbuch: Jeffrey Bloom, V. C. Andrews (Romanvorlage)
Produktion: Tom Fries, Sy Levin
Kamera: Gil Hubbs
Musik: Christopher Young
USA / 1987

Spieldauer: 83 Minuten/FSK 16

DVD Veröffentlichung: Februar 2012
Intergroove Media

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