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Die deutschen Edgar Wallace-Filme: Die SchauspielerInnen -Klaus Kinski

Die deutschen Edgar wallace FilmeKlaus Kinski
1926-1991

Klaus Günter Karl Nakszynski war sein bürgerlicher Name. Er wurde 1926 in Danzig geboren und lebte dort mit seiner Familie. Schon frühe musste er sich nach eigenen Aussagen "durchschlagen" und Geld verdienen. U.a. als "Leichenwäscher". Dies würde zu ihm passen, doch wenn man Kinski sieht, dann sieht man ihn in seinen Rollen. Vielleicht er damit das erreicht, was alle Schauspieler wollen. Als Künstler gesehen zu werden und nicht als Privatmensch.


Klaus KinskiNur wenige kannten Kinski privat. Seine engsten Freunde waren es, u.a. Schauspielkollege Blacky Fuchsberger. Dass er verrückt war, sagten immer nur die, die ihn am wenigsten kannten.

Im Krieg geriet er in britische Gefangenschaft. Hier bildete sich schnell eine Lager-Schauspieltruppe, wozu nicht nur Kinski zählte, sondern auch einige spätere berühmte Kollegen. Auf der Lagerbühne wurde laienhaft gespielt. Nach dem Krieg ging Kinski zum Schauspielunterticht zu Marlise Ludwig. Bereits hier lernte er Brigitte Grothum kennen, mit der er später mehrere Filme drehte. Privat unterhielt Kinski Kontakt zum zwielichtigen Berliner Milleu, wie es einmal hieß. Über Umwege gelangte er aber so zu seiner ersten Filmrolle in "Morituri". Einem breiten Publikum wurde Kinski jedoch erst durch die Edgar Wallace-Filme bekannt. Schon bald sah er sich als Weltstar. "Für ein paar Dollar mehr", "Doktor Schiwago", "Codename Wildgänse", "Nachts, wenn Dracula erwacht" sind nur wenige seiner populärsten und international erfolgreichsten Filme. Er sammelte zahlreiche Filmpreise wie 1979 das "Filmband in Gold".

"Als ich Anfang der 50er Jahre am Theater viel Erfolg hatte, habe ich unter der Brücke im Park geschlafen - weil ich es so wollte" (1)

Legändär wurde Kinski auch durch seine zahlreichen Interviews in denen er eher wüst oder merkwürdig auftrat.

"Das erste was mich an einem Film interessiert, ist die Gage. Ich lese kein Drehbuch, bevor ich nicht weiß, was es mir einbringt" (2)

Anfang der 70er Jahre drehte Kinski hauptsächlich in Italien einige Western mit zweit- und drittklassigen Ruf. Unter Jess Franco drehte er zwischenzeitlich auch wieder in Deutschland. Unter anderem den Film "Jack the Ripper - Der Dirnenmörder von London". bereits 1972 begann Kinskis Zusammenarbeit mit dem Regisseur Werner Herzog. Ihr erster gemeinsamer Film: "Aguirre, der Zorn Gottes".

Der Film schildert eine fiktive Expedition spanischer Konquistadoren im 16. Jahrhundert, die das legendäre Goldland Eldorado im Urwald des Amazonas ausfindig machen wollen. Nach der abenteuerlichen Überquerung der Anden erreichen die Eroberer, die von peruanischen Hochlandindianern als Träger begleitet werden, unter der Führung von Gonzalo Pizarro den Dschungel und die Sümpfe des Tieflandes.
Nachdem die Expedition zu Lande kaum vorangekommen ist, wird auf Befehl Pizarros eine 40 Mann starke Gruppe zusammengestellt, die auf Flößen nach Proviant suchen und eine Route ausfindig machen soll. Der Voraustrupp wird von Don Pedro de Ursúa geführt, zu seinem Stellvertreter wird Don Lope de Aguirre ernannt. Zu der Gruppe gehört auch der Franziskanerpater Gaspar de Carvajal, der die Expedition als Missionar und Chronist begleitet und ein Tagebuch führt (das im Film die Rolle des Erzählers übernimmt), sowie zwei weibliche Personen, nämlich Ursúas Geliebte Inés de Atienza und Aguirres Tochter Flores. (3)

Es folgten dann noch die Filme "Nosferatu, Phantom der Nacht", "Woyzeck", "Fitzcarraldo" und "Cobra Verde". All diese Filme waren von merkwürdigen Dreharbeiten begleitet. Kinski hat Herzog und einzelene Leute seines Teams ständig beleidigt und herunter gemacht. Dennoch hielt Herzog an ihm fest, bekniete ihn fast, als er den Dreh einmal abbrechen wollte. Herzog selbst sprach von einer Hassliebe zu Kinski. In Wirklichkeit hätte man sich sehr respektiert.

Herzog sagte einmal, dass die Asháninka-Ureinwohner, mit denen er bei "Fitzcarraldo" zusammenarbeite, ihm anboten, Kinski für ihn zu ermorden. Für sie war es unmöglich, wie er sich aufführte, und in ihren Augen war er wahnsinnig.

Nach "Cobra Verde" spielte Kinski nichts Erwähnenswertes mehr. Sein eigener Film "Paganini" wurde von der Kritik zerrissen.


Kinski war dreimal verheiratet und hat drei Kinder. Seine Tochter Nastassja wurde durch den NDR-TATORT "Reifezeugnis" bekannt und spielt seit den 80er Jahren vornehmlich in den USA.

Kinski verstarb 1991 an einer Herzkrankheit.


Filme - Eine Auswahl:
Cobra Verde
Fitzcarraldo
Nosferatu-Phantom der Nacht
Der Rächer
Die toten Augen von London
Winnetou 2. Teil
Die blaue Hand
Der letzte Ritt nach Santa Cruz
Dr. Schiwago
Gern hab ich Frauen gekillt
Mit Django kam der Tod
Nachts, wenn Dracula erwacht

(1-2) Klaus Kinski
(3) Wikipedia

Kommentare  

#1 AARN MUNRO 2016-06-30 10:52
...für uns war er immer der Beste...gruselig, seltsam, abgefahren...genial, auch die etwas tonlose Stimme...einmal ein Diabeteskranker...alle dachten, er wäre drogensüchtig...in einem Film hieß Kinski "KInski"...was mußten wir lachen, als die Leute aufgerufen wurden...und er so genannt wurde, netter Gag. im Fitzcarraldo ist er umwerfend, als Schauspieler war er schon gut...übers Privatleben schweige ich...es gibt eine Autobiographie von ihm...viele B-Filme allerdings auch, die Italo- Western taugen nix
#2 Andreas Decker 2016-06-30 11:28
zitiere AARN MUNRO:
die Italo- Western taugen nix


Il grande Silenzio - Leichen pflastern seinen Weg von Corbucci taugt nichts? Das halte ich für eine gewagte und ausreichend widerlegte These.
#3 Thomas Mühlbauer 2016-06-30 12:45
@Aarn Munro

Der Film, in dem Kinski mit "Kinski" angesprochen wurde, ist "Das Verrätertor", und die Anrede war ein Versprecher von Albert Lieven, der einfach im Film belassen wurde; Kinskis Charakter trug nämlich und eigentlich den Namen "Kane". Und stimmt, das ist noch immer zum Schmunzeln.
#4 Carn 2016-06-30 13:22
zitiere Andreas Decker:
zitiere AARN MUNRO:
die Italo- Western taugen nix


Il grande Silenzio - Leichen pflastern seinen Weg von Corbucci taugt nichts? Das halte ich für eine gewagte und ausreichend widerlegte These.

stimmt
#5 AARN MUNRO 2016-07-01 12:13
Na ja, zu den obigen Posts, die ich jetzt nicht alle nochmal zitiere...wahrscheinlich haben wir verschiedene Auffassungen von Filmqualitäten.Ich bin kein Westerfan an sich, die kommen also immer schlecht bei mir weg, von Wayne über Stewart bis zu den Italos. Da ich sie nach gewissen Filmkriterien beurteile, also eher nach der Film-Machart, nicht innerhalb des Westerngenres, gibt es für mich hier nichts wirklich Intelligentes, Kreatives. Natürlich hebelte der Italo den sauberen amerikanischen "Weiß-Hut-Western" des guten Helden aus, er war schmutzig, ordinär und echt (?). Ein Western im Film ist letztlich wie Fantasy beim Schreiben, es ist einfach, etwas primitiv und locker im Dutzend herbeiproduzierbar, Der Aufwand ist gering. der Leser/Zuschauer benötigt keine Intelligenz.Das Ambiente ist schnell herstellbar, nicht nur im Film (von Ronco bis Lassiter etwa im Heftroman...). Kurz und gut: bei mir kommt kein Western gut weg, also auch nicht B-oder C-Filme von oder mit Klaus Kinski. Aber er hatte eben auch sehr gute Rollen/Charaktere außerhalb des Western-Genres,
#6 Des Romero 2016-07-03 07:49
Komisch, dass Kinski nicht komplett ausgerastet ist, als man ihn während der Dreharbeiten mit seinem Privatnamen angesprochen hat. Mit Dilettanten vor und hinter der Kamera konnte er doch an sich nie richtig warm werden. Werner Herzog mit seinen "Hausmütterchen"-Regieanweisungen bildet da wohl die große Ausnahme :-)

Auf der DVD von "Leichen pflastern seinen Weg" gibt's übrigens ein herrliches Interview mit Kinski zu seinem Bühnenmonolog "Jesus Christus".

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