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Die deutschen Edgar Wallace-Filme: Das Verrätertor

Die deutschen Edgar wallace FilmeDas Verrätertor
1964

Der wohlhabende Londoner Geschäftsmann Trayne hat einen raffinierten Plan ausgearbeitet, um die berühmten Kronjuwelen aus dem Tower zu rauben. Er organisiert den Ausbruch des Sträflings Graham, der dem Tower-Wächter Dick Lee-Carnaby verblüffend ähnlich sieht. Traynes Sekretärin Hope, mit Carnaby befreundet, ahnt nichts von dem teuflischen Plan, soll aber unfreiwillige Helferin bei der Durchführung des Raubes werden.


Das VerrätertorDas Vorhaben scheint einwandfrei und lückenlos vorbereitet, aber Trayne hat nicht mit den Intrigen seiner Komplizin Dinah Pawling und mit dem Erscheinen eines trotteligen Touristen gerechnet. Dieser sieht, wie Hope von Bandenmitgliedern weggebracht wird. Daraufhin nimmt man ihn ebenfalls gefangen. Der Raub klappt zunächst genau nach Plan: Man zwingt Hope, ihren Freund Dick aus dem Tower zu locken, worauf dieser überwältigt wird. Mühelos werden daraufhin die Juwelen erbeutet. Da erfährt Graham von Dinah, dass Trayne ihn betrügen will. Graham schlägt Trayne nieder und flieht mit Dinah und den Juwelen. An Bord des Fluchtschiffs wird Graham versehentlich von Dinah getötet. Hope hat inzwischen die Polizei verständigt. Diese findet Trayne und erfährt von ihm, dass sich auf dem Schiff eine Zeitbombe befindet. Kurz bevor das Schiff explodiert, können die Juwelen gerettet werden. (1)

Das Projekt "Verrätertor" verzögerte sich abermals, da man 1964 nach einem geeigneten englischen Co-Produzenten suchte. Wie bereist 1961 beim sehr erfolgreichen "Narzissen"-Film, suchte man einen Partner. Diesmal um die schwierigen Verhandlungen für Drehgenehmigungen an Original-Schauplätzen zu umgehen. Denn man hätte alle im Drehbuch vorkommenden Bauten niemals in den Studios von Berlin realisieren können. Somit ist "Das Verrätertor" nicht nur an Originalschauplätzen fotografiert, sondern spielt auch an solchen, was ihn mit dem Narzissen-Film gleichsetzt. Der Atmosphäre ist das sehr zuträglich, weil der Film dadurch dichter wirkt. Hanns Wiedmann schrieb den ersten Drehbuchentwurf, später schrieb Basil Dawson es um.  Vorher erhielt es aber noch von Harald G. Peterson den Titel "Der leuchtende Schlüssel". Dass Petersons Drehbuch nicht angewendet wurde, und man stattdessen Dawson ran lies, hing damit zusammen, das dieser eben auch für den englischen Produzenten tätig war, und Dawson letztlich ja den erfolgreichen Narzissen-Film schrieb.

Als Regisseur verpflichtete man den Hammer- und Dracula-Spezialisten Freddie Francis. All das sollte für einen erfolgreichen Film  sprechen. Leider gehört "Das Verrätertor" inhaltlich wie auch kommerziell zu den schwcäshten Filmen der schwarz-weiss-Ära, was ihn in etwa auf eine Stufe mit "Die Gruft" hebt. 1964 dürfte damit mit Ausnahme des "Hexers" das schwächste Wallace-Jahr bis dahin gewesen sein. Kaum vorstellbar, da 1963 noch das stärkste war. Was aber waren die Gründe? Nun zum ersten fehlte dem Film ein kassenträchtiger Star. Man hat in der Vorankündigung zwar Namen wie Heinz Drache, Joachim Fuchsberger, Karin Dor, Hans Clarin, Elisabeth Flickenschild, Siegfried Lowitz, und Eddi Arent genannt, doch nur Arent war am Ende von all diesen dabei. Man besetzte die Hauptrollen mit eher unbedarften Akteueren in Sachen Wallace.

Das VerrätertorZum Beispiel Catharina von Shell, die zwar zu den hübschesten Wallace-Girls zählt, aber doch eher die Fraktion "bieder" bedient. Gary Raymond spielte die männliche Hauptrolle. Man hatte zwar Margot Trooger vom Hexer-Film dabei, und Klaus Kinski und Albert Lieven, die schon bei den "Narzissen" spielten, doch das reichte letztlich nicht, um ein vertrautes Wallace-Gefühl aufkommen zu lassen. zudem ist der Film vom Motiv her zu weit weg vom typischen Wallace, zu weit weg vom "Whodunit". Und man hatte sich zu weit von der Romanvorlage entfernt. Die Konsequenz daraus war dann, dass man in Zukunft nur noch freie Stoffe nach Wallce konzipierte, die zwar die Motive aus vielen bekannten Filmen der Frühphase haben sollten wie etwa "Der Frosch", "Die Bande", "Das Gasthaus" u.s.w., sicher aber weit von den Romanen entfernten. Beim "Hexer" hatte man damit Erfolg. Hier aber fehlten die Bezüge zum Roman ebenso wie die typischen Motive. Eine vernichtende Mischung. Mit-Produzent G.F. Hummel zog sich aus diesem Grunde von Wallace zurück. Das ist zu bedauern, standen auf seiner Liste doch noch Stoffe wie "Die vier Gerechten", wo er eine richtige Serie draus machen wollte.

Das VerrätertorMit dem Verrätertor geht also endgültig der Ära zuende, in der zumindes noch echte Wallace-Romane als Vorlage verwendet wurden. Alles was nun folgt, sind rein freie Interpretationen, wo zwar zum Teil der Romantitel nich verwendet wurde, aber der Rest nur auf Motiven von alten Filmen beruht. Besonders bemerkbar macht sich das bei den beiden Mönch-Filmen, oder dem Buckligen von Soho, vor allem aber auch beim toten Augen-Remake, sowie bei der blauen Hand.

Wir lesen uns wieder.

  • Zuschauer: 1.500.000
  • Laufzeit: 85 Minuten
  • Stab: Regie: Freddie Francis Drehbuch: Basil Dawson Produktion: Rialto Film, Horst Wendlandt Musik: Peter Thomas Kamera: Denys Coop Schnitt: Oswald Hafenrichter
  • Besetzung: Gray Raymond (Jonny Gray) Catharina von Schell (Denise Marney) Albert Lieven (Legge) Walter Rilla (Sir Marney) Hans Clarin (Mr. Igle) Eddi Arent (Dr. Dr. Higgins) Siegfried Schürenberg (Sir John) Kai Fischer (Pia) Benno Hoffmann, Bruno W. Pantel, Artur Binder u.a.

 
















Kommentare  

#1 Thomas Langes 2016-05-12 11:30
Die Inhaltsangabe gehört zu "Zimmer 13"!!!
#2 Harantor 2016-05-12 11:43
Stimmt und Korrektur vollzogen

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