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Die deutschen Edgar Wallace-Filme - Der Hexer

Die deutschen Edgar wallace Filme1964
Der Hexer

Gwenda Milton wird ermordet. Für Scotland Yard steht fest: Dieser Mord wird Folgen haben, denn Gwenda Milton war die Schwester des Hexers. Kaum jemand hat den Hexer je gesehen, niemand kennt sein wahres Gesicht. Er kann sein Äußeres so verwandeln, dass selbst seine eigene Frau ihn nicht erkennt. Dabei schlüpft er in die Gestalt und Maske eines jeden und täuscht somit seine Umwelt. Er ist ein Rächer, der Verbrechen dort sühnt, wo die herkömmliche Justiz versagt.


1Doch am Tod von Gwenda Milton hat er noch ein persönliches Interesse, und er weiß, wer die Mörder sind.

Hauptverantwortlicher scheint Maurice Messer zu sein, der sich nun seines Lebens nicht mehr sicher ist. Inspektor Higgins und Sir John tappen im Dunkeln. Doch sie erhalten Hilfe von Inspektor Warren und einem Kommissar aus Australien. Die beiden haben den Hexer einmal gesehen und kennen sein wahres Gesicht. Doch wird dieses Wissen ihnen nützen, um ihn zu fassen?


Higgins hält sich an die Frau des Hexers. Nur sie kann wissen, wo ihr Mann steckt. Und Higgins weiß, er ist immer in ihrer Nähe. Warren und Wesby verfolgen andere Spuren, doch will Scotland Yard den Hexer wirklich fassen? Ist es nicht einfach so, dass dieser ihnen nur unliebsame Arbeit abnimmt?

Mit dem "Hexer" machte man sich endlich an die Verfilmung des berühmtesten Wallace-Romans. Eigentlich hatte der Altmeister diesen zunächst als Theaterstück verfasst - und genauso kammerspielartig geht es im Roman auch zu. Der Film kommt jedoch ganz anders daher, und wurde um einige sehr interessante Elemente aufgewertet. Diese verleihen der Story ungewöhnlich viel Tempo, wie man es noch nie zuvor in einem Wallace erlebt hat. Waren mit Ausnahme der "Narzissen" und der "Orchidee" alles mehr oder weniger Gruselkrimis, so wartet beim Hexer eine eher kriminalistische Vollwerthandlung auf den Zuschauer. Dynamik und Spannung bestimmen hier die Szenerie. Dabei war klar, dass Wendlandt in die Trickkiste greifen musste, um den "Hexer" filmreif werden zu lassen.

Der HexerDenn jeder kannte den Roman und somit die Auflösung. Da musste man gegensteuern, sodass Wendlandt mit Herbert Reinecker einen frischen Drehbuchautoren anwarb, der auch gleich alle Hände voll zu tun hatte. Er schrieb ein eigenes Ende, welches jedoch stark in Anlehnung an das Romanende ging. Auch die Figur, hinter der sich der Hexer verbirgt, ist im Grunde die gleiche wie im Roman, nur etwas umgewandelt und mit anderem Namen.

Im Roman war Dr. Lommond der Hexer. Hier ist es Inspektor Warren. Doch es gibt im Film zwei Warrens. Einen echten, den jeder Polizist kennt, und einen zweiten, den Hexer. Als weitere Inspektoren dabei sind Higgins und der mysteriöse Wesby aus Sydney, der lange Zeit als Hauptverdächtiger gilt. Im Roman sind auch zwei Inspektoren auf der Jagd nach dem Hexer: Wembury und Bliss. Und auch Sir John ist dort mit von der Partie. Maurice Messer kommt im Roman wirklich so vor, und der Taschendieb Archibald Finch aus dem Film heißt im Roman Sam Hackitt. Schließlich sind noch Arthur, Gwenda und Cora Milton dem Roman entnommen, alle anderen Personen wurden dazuerfunden. So auch die Bande um Mister Messer, die Gespielin des Inspektors und die Assistentin von Sir John. Den Schluss des Films durfte kein Schauspieler vorab verraten, sonst hagelte es hohe Vertragsstrafen. Wendlandt ließ zur Vorsicht zwei Versionen vom Schluss drehen, um das Rätselraten auch unter den Akteuren des Films noch mehr anzufachen.


In dem Film spielt zum ersten Mal ein Mädcheninternat eine Rolle. Dies wird auch noch in den Filmen "Die blaue Hand", "Der Mönch mit der Peitsche" und "Der unheimliche Mönch" der Fall sein. Die beiden erstgenannten Filme stammten auch aus der Feder von Reinecker.


3Ein weiterer Clou Wendlandts war es, die beiden Hauptermittler der Wallace-Reihe, nämlich Heinz Drache und Joachim Fuchsberger, zum ersten Mal gemeinsam in einem Film auftreten zu lassen. Auch Siegfried Lowitz, den Inspektor aus dem "Frosch" und dem "Fälscher" nahm er mit ins Boot. Zusammen boten die drei ein fast unschlagbares Team gegen den Hexer. Für die Komik sorgte neben Siegfried Schürenberg abermals Eddi Arent, der diesmal aber auf der anderen Seite des Gesetzes stand - auf der Seite des Hexers. Margot Trooger wurde als des Hexers Frau besetzt, sodass man von einer rundherum gelungenen Besetzung sprechen kann. Ebenfalls aus dem "Frosch"-Film mit dabei sind Carl Lange und Jochen Brockmann. Brockmann spielt den Messer sehr markant. Eine überaus gelungene Performance, die man bei ihm schon beim "Frosch" erleben konnte, wo er den schmierigen Johnson spielte, der sich später als "Frosch" entpuppte.

Für Erotik sorgten diesmal Sophie Hardy und Ann Savo. Die Französin Hardy wird noch ein weiteres Mal in der Reihe auftauchen. Neben Dor, Ewert und Pflug gilt sie wohl als das attraktivste Wallace-Girl. Ann Savo steht ihr aber in nichts nach. Die Finnin wirkte auch in den "toten Augen" mit.

Trotz des großen Erfolges des Hexers (leider erreichte er jedoch nicht die 3 Millionen-Marke), bedeutete der Film für einige Schauspieler den Abgesang von Wallace. Jochen Brockmann und Ann Savo schieden aus.

Der HexerFür Fuchsberger begann eine dreijährige Wallace-Pause, die sich niemand erklären kann, die auch anscheinend niemanden aufgefallen ist. Letztlich ist und bleibt er der fleißigste Inspektor. Sophie Hardy und Margot Trooger starteten ihre Wallace-Karriere. Ebenso wie René Deltgen, der jedoch nur als Hexer zugegen war. Nach dem "Hexer" folgten nur noch drei Schwarz-Weiß-Filme
.

Zuschauer: 2.600.000
Laufzeit: 82 Minuten

Stab: Regie: Alfred Vohrer Drehbuch: Herbert Reinecker Produktion: Rialto Film, Horst Wendlandt Musik: Peter Thomas Kamera: Karl Löb Schnitt: Jutta Hering
Besetzung: Heinz Drache (Wesby) Joachim Fuchsberger (Higgins) Siegfried Lowitz (Warren) Eddi Arent (Finch) Jochen Brockmann (Mr Messer) Margot Trooger (Mrs Milton) René Deltgen (Hexer) Carl Lange (Abt) Sophie Hardy, Siegfried Schürenberg, Ann Savo, Hilde Sessak u. a.

Kommentare  

#1 Andreas Decker 2012-06-21 11:08
Ich habe den Film, der ja im TV in der Dauerwiederholung läuft, letztens an einem verregneten Sonntagnachmittag noch mal gesehen. Macht immer noch Spaß. Der Klamauk hält sich - im Gegensatz zu Teil 2- in Grenzen, Arendt ist richtig gut, Trooger nervt ausnahmsweise einmal nicht, die dezente Nacktszene paßt so gar nicht zu 1964 :D , und die Idee mit der Gesichtsmaske war ihrer Zeit und Mission:Impossible Jahre voraus. Alles ganz schön innovativ. Schade, dass sie nicht auf dem Niveau weitermachten.
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