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Das Böse, Geister und erotische Fantasien - Barbara Büchner's Das Haus der Phantome

Das haus der PhantomeDas Böse, Geister und erotische Fantasien
Barbara Büchner's Das Haus der Phantome

Charmion Sperling hat ihren Partner für gewisse Stunden längst in Dr. Alec Marhold entdeckt, ohne sich jedoch zu fest an ihn zu binden. Man ist schließlich nicht mehr die jüngste und gewisse Eigenarten wollen gepflegt sein, besonders wenn man als Autorin von Horror-Romanen seine Einnahmen bestreitet. Als Marhold ein Haus kaufen möchte, in das auch Charmion einziehen soll, ahnt das seltsame Paar noch nicht, dass sie sich geradewegs ein Spukhaus in der Larabaya-Straße ausgewählt haben.

 

Das Haus der PhantomeCharmion schreibt nicht nur über Gespenster und Monster, sie hat auch einen sechsten Sinn für das Übernatürliche, und genau dieser Sinn schlägt in diesem Haus nicht nur an, sondern er macht sich bemerkbar wie die Glocken einer Kirchturmuhr. Doch das Haus lässt nicht jeden in seinen Mauern leben - zumindest nicht die eher gutmütigeren Geister, die in diesem Haus verweilen, wie eben ein kleines Mädchen, das hier ermordet wurde.

Die Erbauer des Hauses, die Familie Schwertsak jedenfalls, wurden in diesem Haus vom Pech geradezu überrollt. Doch nicht jeder dieser Familie war von Grund auf gut. Bei manchen war eher das Gegenteil der Fall, weshalb dieses Haus schnell den Beinamen "Totenhaus" erhalten hat. Auch der letzte Besitzer, Wolfram Hartmann, wurde mit seinem Bestattungsunternehmen, das er vornehmlich im Keller des Spukhauses betrieb, nicht wirklich glücklich. Ein nicht gerade netter Bursche, der für Hartmann arbeitete, starb auf grausame Weise eben in diesem Keller.

Schnell erkennt Charmion Sperling, dass in diesem Haus verschiedene Zonen zu bestehen scheinen, und in manchen, wie eben dem Keller scheint das personifizierte Böse seinen Sitz zu haben. In anderen Bereichen des Hauses scheinen die Geister der Toten geradezu angetan zu sein über die Neuzugänge an Bewohnern.
Schilmer war geradezu spezialisiert darauf, den bösartigen Umtrieben unsichtbarer Präsenzen ein Ende zu machen. Zumeist genügten ein Gebet und ein Segen, aber in anderen Fällen war ihm trotz seiner relativen Jugend vom Bischof die Erlaubnis zum offiziellen Exorzismus erteilt worden und er hatte diesen Dienst auch erfolgreich ausgeführt.
 (Das Haus der Phantome / Seite 143)
Und das Spukhaus wird eben nicht nur von Gespenstern bewohnt. Auch andere Personen leben bereits darin und am Anfang würde Dr. Alec Marhold eben diese Mitbewohner gerne nach einer gewissen Zeit los werden. Doch daraus wird nicht wirklich viel werden. Da ist zum einen die sehr junge und hübsche, aber auch sehr naive Coco, die wohl schon längst in der Prostitution gelandet wäre, hätte sie in diesem Haus keinen Halt gefunden. Ihr Traum ist jedenfalls eine Karriere als Fotomodell, während die Realität sie als Kellnerin in einem Nachtcafé arbeiten lässt. Desweiteren lebt noch ein junges Paar im Haus, die sich als Gothic-Jünger heraus stellen, aber irgendwie dann doch recht nett erscheinen. Mehr als die jungen Leute zieht der ehemalige Wirtschaftskriminelle Robert Junkarts Charmion in seinen Bann. Nun ist jedoch aus diesem ehemals schwerreichen Betrüger ein gefallener Penner geworden. Und gerade Junkarts ist dem pensionierten Rechtsanwalt Marhold zuerst der größte Dorn im Auge.
Einer der Männer drückte seine Zigarette auf meinem Nacken aus. Er hielt mich am Haar fest und zog meinen Kopf hinunter und nach vorn, und dann drückte er den glühenden Stummel darauf, (...)
 (Das Haus der Phantome / Seite 232)
Eingangs muss ich sagen, dass mir die Art zu schreiben von Barbara Büchner durchaus sehr angenehm erschien. DAS HAUS DER PHANTOME ist kein Splatter-Horror, an den wichtigen Punkten weiß die Autorin jedoch sehr gut, dem Leser einen gewissen Schauer den Rücken herunter zu jagen. Auch sind die Figuren und Charakter durchaus überschaubar und mitunter durchaus sehr sympathisch geschildert. In diesem Punkt gibt es also an dem Buch nichts zu bemängeln. Der Schrecken des Totenhauses ist so dezent geschildert, dass selbst die jüngsten Leser nicht wirklich durch drastische Schilderungen in Angst und Schrecken versetzt würden. Von einigen Figuren wie etwa Coco oder die jungen Gothics hätte ich gerne etwas mehr gelesen, bleiben sie doch irgendwie immer irgendwie Randfiguren der Handlung, was ich durchaus schade finde.

Wer jetzt jedoch einen spannenden Gruselroman erwartet, der dürfte mit der Zeit eines Besseren belehrt werden, denn dieser Part ist nur eine Schiene die in diesem Roman gefahren wird.

Denn auch das Leben von Robert Junkarts vom Betrüger im großen Stil bis zu seinem Abstieg in die Gosse nimmt einen beträchtlichen Raum ein, so dass hier die Aufmerksamkeit des Lesers gefordert wird. Hier haben wir es eher mit einem Thriller zu tun, in dem auch die eine oder andere Darstellung seiner Folter nicht ausbleibt. Nur müssen seine Narben, die auch eine gewisse Rolle spielen, logisch in die Handlung eingebunden werden, und Narben kommen eben nicht vom Wäsche waschen.
Ein kühler Lufthauch wehte an mir vorbei, ein dünner, kalter Strich Luft, bei dem es mir über den Rücken schauderte. Unbehagen ergriff mich. Der Lufthauch hatte etwas Bedrohliches an sich gehabt wie die plötzliche Kälte, die einen Fiebernden anweht und ihm den nahen Tod verkündet.
 (Das Haus der Phantome / Seite 422)
Eine weitere Schiene ist die Erotik. Hier dürften die Hauptfiguren Charmion Sperling und Dr. Alec Marhold eine Bestimmung ihrer Beziehung zueinander sehen. Das Spiel dabei heißt Dominanz und Unterwerfung. Doch halt, sowohl Alec als auch Charmion sind dominierende Persönlichkeiten in diesem Spiel, und so tritt auch hier wieder die Figur  des Robert Junkarts in den Mittelpunkt, der durch seine Peiniger gelernt hat, sich zu unterwerfen. Das Resultat sind bizarre erotische Fantasien, die hier von der Autorin geschildert und durch ihre Figuren umgesetzt werden.

2Wie gesagt, der Roman ist angenehm zu lesen und weiß durchaus gut zu unterhalten. Das Problem, finde ich, jedoch besteht darin, dass der Roman für mich keinem kontinuierlichem roten Faden folgte. Vielmehr folgt man verschiedenen roten Fäden durch das Buch, so dass hier eigentlich drei verschiedene Ebenen quasi gleichrangig bedient werden. Schon die Bezeichnung des Romans lässt die drei Ebenen erkennen wenn unten auf dem Cover vermerkt ist - "Ein erotischer Mystery-Thriller". Alle drei Elemente, Erotik, Mystery und Thriller, ergeben hier kein wirklich homogenes Ganzes und wirken mehr auf mich wie drei verschiedene Geschichten in einem und demselben Buch. Das kann für manche eine interessante Angelegenheit sein, für mich jedoch wirkte sich dieser Stil eher etwas störend aus, weil die verschiedenen Themen einfach wie künstlich getrennte Geschichten wirkten. Wie gesagt, ich möchte dies auch nicht als grundsätzlich negative Kritik aufgefasst wissen, sondern als meine persönliche Meinung. Einem anderen Leser oder Leserin mag nämlich gerade diese Art, einen Roman zu einer Einheit zusammen zu fügen, eventuell besser zusagen. Jede Handlungsschiene für sich ist nämlich durchaus sehr interessant und flüssig geschrieben und weiß auf eine recht besondere Art zu fesseln. Was im Übrigen die Erotik angeht (und hier mag ja der eine oder andere schon bei dem Wort zusammen zucken - warum eigentlich?), so kann ich auch hier beruhigen. Charmion entpuppt sich hier nicht als in Leder gekleidete Peitschenschwingerin und Dr. Marhold nicht als die Wiedergeburt des Marquis de Sade. Trotz der Darstellung von Dominanz und Unterwerfung in diesem Roman handelt es sich doch eher um erotische Fantasien, ohne wirklich in die tiefe gehende sexuelle Schilderungen.

Fazit von mir: DAS HAUS DER PHANTOME gehört nicht wirklich zu der Art Romane, die ich gerne öfter lesen würde, denn man sollte auch nicht immer nur den Nachtisch essen und das Hauptgericht stehen lassen. Trotzdem kann ich den Roman empfehlen, denn sowohl die einzelnen Handlungsstränge als auch das Gesamtpaket an sich ist recht interessant und wusste zu gefallen. Wer zwischen heftiger Kost und purer Spannung auch mal einen Roman lesen will, der eher mit leiseren Tönen glänzt und trotzdem eine gewisse Intensität entfaltet, der sollte durchaus zugreifen und Barbara Büchners Roman DAS HAUS DER PHANTOME genießen.
Das Haus der Phantome
Daten zum Buch:
Das Haus der Phantome
von Barbara Büchner
Erotischer Mystery-Thriller
456 Seiten/Hardcover/Schutzumschlag
ISBN: 978-3-89840-293-4
19,95 €
Blitz Verlag

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