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Wenn du nicht weißt, ob du die Nacht überlebst - Brian Keene's Novelle EINGESPERRT

EingesperrtWenn du nicht weißt, ob du die Nacht überlebst
Brian Keene's Novelle EINGESPERRT

Wer kennt das Gefühl nicht - endlich Feierabend, oder doch zumindest kurz davor. Der eine ist schon in Gedanken dabei, seine Liebste zum Geburtstag auszuführen. Andere denken eher darüber nach, früh schlafen zu gehen, weil im Fernsehen eh nichts Vernünftiges mehr läuft, wenn man dann erst zu Hause ankommt. So geht es auch den Angestellten von Big Bill's Electronics. Und dann steht plötzlich ein Mann ganz in Schwarz gekleidet im Laden und ist bis an die Zähne bewaffnet.

 

EingesperrtPlötzlich ist die Normalität vorbei und weicht einer Brutalität, die sich keiner auch nur vorzustellen vermochte. Der schwarze Mann scheint weder ein Gewissen zu haben, noch über Mitgefühl zu verfügen und tötet schneller, als die verängstigten Angestellten samt Chef es für möglich halten. Schließlich sind acht Personen für sein Vorhaben sowieso zwei Leben zu viel. Der Killer weiß genau, was er will und dafür benötigt er "nur" sechs Leben.
Die Explosion donnerte durch den Laden. In diesem Bruchteil einer Sekunde schien Alan genauso überrascht zu sein wie alle anderen auch. Dann verschwand Alans halber Kopf. Die zerfetzten Reste spritzten über das Display des Mikrowellenofens hinter ihm.
(Brian Keene – Eingesperrt / Seite 11)
Die sechs, die übrig bleiben, werden von dem schwarzen Mann nach hinten befördert und in einen Käfig gesperrt. Man fragt sich mit der Zeit, was dieser Mann eigentlich vor hat, welches Ziel verfolgt er in dem Laden, aus dem immer seltsamere Geräusche nach hinten dringen. Manchmal macht sich ein Anflug von Panik bei den Eingesperrten breit und dann wieder die Frage, welche Möglichkeiten es gibt, dem Ganzen zu entfliehen oder den Fremden zu überwältigen. Und eine weitere Frage steht nicht nur für die Eingesperrten, sondern auch für den Leser immer mehr im Vordergrund - was passiert mit den Personen, die der schwarze Mann von Zeit zu Zeit aus dem Käfig holt?
"Nein", heulte er. "Nein, nein, nein, nein, nein ... Amanda! AMANDA!"
Der Eindringling zerrte kräftiger und Scotts Fingernägel lösten sich ab wie die Haut einer Weintraube. Er jammerte, während er durch das Lager gezogen wurde. Seine blutenden Finger und das Knie hinterließen eine rote Spur.
(Brian Keene – Eingesperrt / Seite 53)
EingesperrtDie Zeichnung der jeweiligen Figuren in dieser düsteren Novelle ist von Brian Keene sehr einfach gehalten worden. Ab und zu erfährt der Leser etwas mehr von Jeff, Jared, Roy, Scott, Clint oder Carlos. Auch ein paar kleine Erinnerungen zu Alan oder dem Chef Big Bill, den seine Angestellten hinter seinem Rücken nur "Bumble" nannten. Dieses reicht aber durchaus auch aus, um sich ein Bild von den handelnden Personen zu machen. Mit jeder weiteren Seite spürt man, wie sich die Spannungsschraube immer weiter anzieht, während sie nach dem "Zehn-kleine-Negerlein-Prinzip" von dem Fremden in Schwarz wieder in den Laden zurück geholt werden - freiwillig oder eben mit Gewalt.

Bedrückend wird es für den Leser zudem, wenn aus ihrer Mitte heraus eben kein Held erwacht, der sich zur Wehr setzt und noch mal alles zum Guten wendet. Sie alle sind keine Kämpfer, sondern Angestellte, denen schon ihre normalen Probleme zu schaffen machen. Und das, was an Widerstand aufflammt, wirkt unüberlegt und hilflos. Eben das macht ihre Situation so bedrückend für den Leser, denn würde er sich selbst in einer solchen Situation nicht ebenso hilflos fühlen?

Der Mann, völlig in schwarz gekleidet, ist bald ersichtlich ebenso nicht das, was der Leser im ersten Moment erwartet. Alleine an der Kleidung erkennt Jeff auf Anhieb, dass dieser Typ wahrscheinlich weit mehr im Jahr verdient als er selbst. Es stellt sich auch bald heraus, dass er es nicht auf die teuren Geräte oder das Geld aus der Kasse abgesehen hat. Zuerst kommt es einem in den Sinn, es hier mit einem völlig durchgeknallten Amokläufer zu tun zu haben, doch sein eiskaltes Verhalten passt nicht wirklich in dieses Schema.

Wenn unsere Gefangenen alleine sind, fragen sie sich immer wieder, was der Fremde im Laden treibt und warum die seltsamen Geräusche aus den Geräten im Verkaufsraum immer intensiver und unheimlicher werden. Was für einen Plan verfolgt dieser eiskalte Typ? Jeff wird die Antwort erhalten, doch seien wir einmal ehrlich:Wollte er wirklich wissen, was hinter allem steckt? Ich glaube, Jeff hätte gut auf diese erschreckende Antwort verzichten können.

Brian KeeneGut, man hat diese abgrundtief böse Novelle sehr schnell gelesen, da die gesamte Story einen Umfang von 68 Seiten hat. Da dürfte es bei der Hardcover-Ausgabe schon eine Frage sein, ob man den Preis von 11,90 Euro zahlen möchte. Ich sage es direkt, ich besitze die Hardcover-Ausgabe, die man nur direkt über den Atlantis Verlag ordern kann. Es gibt aber auch eine ISBN-Nummer, durch die man im freien Handel wohl die Paperback-Ausgabe für 8,90 Euro erhält. Amazon macht es da möglich zu bestellen. Ein Umstand der für mich aber bei einem Paperback kaum in Frage kommt, denn hat man erst einmal eine ISBN-Nummer zur Hand, bekomme ich die Novelle auch gleich am nächsten Tag nach der telefonischen Bestellung durch meinen Buchhändler ausgehändigt. So schnell war Amazon bei mir jedenfalls noch nie. Wer jedoch die eBook-Version will, der sollte bei Amazon vorbei sehen, denn da gibt es das eBook für 3,99 Euro. Trotzdem habe ich zum Hardcover gegriffen, weil manche Dinge für mich auch einen Liebhaberwert haben, und gerade Brian Keene gehört für mich zu einem der wenigen Autoren, die ich wirklich in edelster Form in meinem Regal haben möchte. Und diese Novelle ist für mich wirklich jeden Cent wert, denn es gibt nicht viele Autoren, die auf diesen wenigen Seiten eine so spannende und perfekte Story packen können. Düster und spannend bis zum Finale, so muss eine gute Story aufgebaut sein - egal ob auf 68 oder auf 600 Seiten. Empfehlen kann ich Brian Keene's Novelle EINGESPERRT daher jedem, der auf Spannung, Gänsehaut und dunklem Grauen steht. Nur auf ein Happy End würde ich hier keine Wetten abschließen, so dass man mit einem bitterbösen Ende bei Brian Keene rechnen muss.

EingesperrtDaten zum Buch
Eingesperrt
(The Cage)
von Brian Keene
Deutsche Ausgabe: Atlantis Verlag/Dezember 2011
Originalausgabe bei Cemetery Dance Publications/USA/2010
Titelbild: Mark Freier
Übersetzung: Markus Mäurer
ISBN: 978-3-941258-96-9
Novelle auf 68 Seiten
Hardcover: 11,90 €
Paperback: 8,90 €
eBook: 3,99 €
Atlantis Verlag

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