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In den finsteren Wäldern - Ein Laymon, der alle Register der Härte zieht

In den finsteren WäldernIn den finsteren Wäldern
Ein Laymon, der alle Register der Härte zieht

Vor Kurzem hatte ich ja im Zauberspiegel die Buchvorstellung zu DER WALD von Richard Laymon, und wir bleiben bei dem Autor und dieser bleibt irgendwie in den Wäldern. Nun, DER WALD ist ja eben erst kürzlich im Heyne Verlag erschienen, weswegen ich diesen Roman gerne vorzog. IN DEN FINSTEREN WÄLDERN ist nun eine auf dem deutschen Buchmarkt ebenso aktuelle Neuerscheinung von Richard Laymon im FESTA Verlag.

 

In den finsteren WäkldernUnd beide Romane könnten unterschiedlicher nicht sein, denn IN DEN FINSTEREN WÄLDERN wartet diesmal keine Hexe, sondern das absolute Grauen!

Es ist Ferienzeit für die zwei jungen Frauen Neala und Sherri und in diesem Sinne kurven sie mit ihrem Wagen gerade durch die Berge Kaliforniens, als sie plötzlich eine sowohl erschreckende, wie auch gruselige Entdeckung machen. Angst und aufkommende Panik bestimmen ihr Handeln. Doch dieses Etwas, dieses Ding, das sich über die Straße wieder in den dichten Wald verzieht, hat etwas bei Neala und Sherri gelassen. Es ist eine abgetrennte Hand, die dieses Wesen ihnen zugeworfen hat und Neala und Sherri möchten in diesem Moment nur noch eines - diesen ebenso einsamen, wie erschreckenden Ort in den Wäldern verlassen.

Die jungen Frauen glauben sich erst wieder etwas in Sicherheit, als sie das Städtchen Barlow erreichen. Man beschließt daher hier einen Zwischenstopp zu machen und etwas im Restaurant zu essen, bevor man die Fahrt wieder aufnimmt, um dieses Gebiet so schnell wie nur möglich hinter sich zu lassen. Selbst über die abgetrennte Hand schweigen sie, um nicht länger als unbedingt nötig in dieser Gegend verweilen zu müssen. Dass Neala und Sherri bereits einen gravierenden Fehler begangen haben, als sie in Barlow anhielten, wird ihnen erst bewusst, als sie sich aufmachen wollen, ihre Reise fortzusetzen, denn Barlow zu verlassen ist schlicht unmöglich!

Auch Lander und Ruth Dills befinden sich mit ihrer Tochter Cordelia (kurz Cordie genannt) und ihrem Freund Ben auf dem Weg nach Barlow, wo sie zu übernachten gedenken. Landers größtes Problem dabei scheint zu sein, sein Töchterchen davon abhalten zu müssen, mit ihrem Freund in einem Zimmer und damit in einem Bett zu schlafen. Zwar ist Lander bewusst, dass seine Cordie kein Kind mehr ist und mit Sicherheit auch nicht mehr Jungfrau, doch zumindest in dieser gemeinsamen Zeit möchte er an der Vergangenheit noch etwas festhalten und in ihr sein kleines Mädchen sehen, auch wenn sie fast volljährig ist. Doch als Cordie und Ben etwas Eis besorgen sollen und nicht wieder zurückkehren, muss Lander langsam, aber sicher feststellen, dass das Sexualleben seiner Tochter wohl sein kleinstes Problem sein wird. Denn wie bereits gesagt, niemals verlässt ein Fremder Barlow wieder.
"Wir müssen uns ausruhen", erwiderte Robbins. Sherri hob den Kopf. "Ich geh da nicht nochmal raus." "Dieser Ort ...", setzte Neala an. "Wer immer hier lebt, muss derjenige gewesen sein, der die Köpfe aufgespießt hat." "Ich will das nicht hören", verkündete Sherri. "Was, wenn derjenige zurückkommt?"
 (In den finsteren Wäldern / Seite 115)
Richard LaymonWer nun glaubt, die vermeintlichen Opfer hätten es hier mit einer Horde bösartiger Hinterwäldler zu tun, der mag sich bei Richard Laymon bald eines Besseren belehren lassen müssen. Denn irgendwie sind die Bewohner von Barlow nicht die Monster, sondern eigentlich sogar irgendwie selber Opfer. Gut, über die Jahrzehnte hinweg haben sie sich wohl mit ihrem Dasein abgefunden, sind selbst eher gefühlskalt, was ihre Opfer angeht, die sie in die Wälder verschleppen und dort anbinden. Und alles, was Fremde von Wert mit sich führen, wechselt schnell den Besitzer. Aber die eigentliche Gefahr für Neala und Sherri, Lander, Ruth, Cordie und Ben sind nicht die Bewohner von Barlow, sondern die Bewohner der Wälder. Gefesselt und hilflos warten sie auf die Dunkelheit und auf die hungrigen Krull! Doch Johnny Robbins, selbst ein Bewohner von Barlow, hat sich in die hübsche Neala verliebt, und damit bricht er aus dem Teufelskreis von Wahnsinn und Schmerzen aus, um sie zu retten und mit ihr für immer von hier zu verschwinden. Doch Laymon wäre wahrlich nicht Laymon, würde für die Gepeinigten sich alles wieder zum Guten wenden, für manche wäre der Tod eher eine Erlösung.
Die Jungen liefen zu dem Dickicht voraus und hoben einige Leichenteile auf. Cordie senkte den Blick, wollte die Arme und Beine nicht sehen, die sie trugen. Gott, wie konnte das alles sein?
 (In den finsteren Wäldern / Seite 160)
Richard Laymon schleift in diesem Roman den Leser gleich bei den ersten Seiten in einen Wahnsinn hinein, der an Tempo und bizarren Situationen stetig zunimmt. The Woods are Dark besticht durch kurze, knappe Kapitel, in denen Laymon sich nicht dazu hinreißen lässt, seine Figuren in jeder Untiefe auszuleuchten. Vielmehr bestimmen die rasante Handlung und seine bitterbösen Fantasien den Ablauf und lassen den Leser eine wahre Achterbahnfahrt des Schreckens erleben. Richard Laymon kennt in diesem Roman wahrlich keine Tabus, sodass der Leser oder die Leserin sich auf Passagen einstellen muss, die den Rahmen mancher "Gruselromane" bewusst und gewollt sprengt. Fast könnte ich hier sagen, dass es sich hier um Terror fürs Kopfkino handelt, den ich genau so liebe und der mich geradezu zwingt, immer weiter zu lesen, egal welche Abgründe das nächste Kapitel auch für mich als Leser bereithalten mag. Die Bezeichnung, IN DEN FINSTEREN WÄLDERN sei Richard Laymons schockierendster Roman, kann ich an dieser Stelle nur unterstreichen. Eben ein Meisterwerk für die, die von einem Horror-Roman mehr erwarten, als nur eine leichte Gänsehaut!

Darüber hinaus sollte nicht vergessen werden, dass der Roman auch ein Klassiker (1981) von Laymon ist, den der FESTA Verlag hier zum ersten Mal ungekürzt den Lesern und Leserinnen in Deutschland zugänglich macht. Doch genau das ist keine Selbstverständlichkeit. Hierzu ein Zitat von Richard Laymon selbst:
 ... meine ursprüngliche Fassung von In den finsteren Wäldern kann nach der umfangreichen Umgestaltung, die mein Lektor von Warner Books verlangt hat, nie mehr wiederhergestellt werden ...
 (In den finsteren Wäldern / Seite 5)
The Woods are darkSchon dieses Zitat lässt erahnen, wie sehr Richard Laymon selbst mit diesen Vorgaben seines Lektors nicht einverstanden war. Folglich war es nicht mehr sein Werk. Nicht nur dass Warner Books ständige Neufassungen einforderte und dann sogar eigene Eingriffe über den Kopf des Autors hinweg darin vornahm, sondern darüber hinaus für Richard Laymon ein unsägliches Design statt der vorgeschlagenen Umschlagsillustration verwendete. Schon aus diesen Gründen war Richard Laymon fast der Überzeugung, dass der Roman The Woods are Dark seine Karriere als Autor ruinieren würde. Doch Richard Laymon wäre nicht Laymon gewesen, hätte er sich davon entmutigen lassen. Dass wir jedoch nunmehr die Originalfassung lesen dürfen, haben wir dem unermüdlichen Einsatz von Kelly Laymon zu verdanken, die Stück für Stück die Originalkapitel wieder zusammenfügte. Übrigens ebenfalls nachzulesen im Vorwort von Richard Laymons Tochter Kelly Laymon.
Während Der Keller aus dem Jahr 1980 ein bemerkenswertes Debüt war - böse, düster und kompromisslos -, hat für mich der ein Jahr später veröffentlichte Titel In den finsteren Wäldern seinen Ruf als König der brutalen Splatter-Horrorbelletristik besiegelt.
 (In den finsteren Wäldern / Seite 251)
Kelly Laymon, brett McBeanDas obere Zitat entstammt dem Nachwort im Roman IN DEN FINSTEREN WÄLDERN von Brett McBean. Einem jungen Autor, der sich eindringlich mit seinen Romanen DIE MUTTER oder DIE BESTIEN (beide FESTA Verlag) als würdigen Erben eines Richard Laymon qualifiziert hat. Brett McBean gelingt es in seinem Nachwort uns Lesern den Stil Richard Laymons fundiert näherzubringen und was die Einzigartigkeit seiner Romane ausmacht, die nicht nur ihn beeinflusst haben. In diesem Sinne mag es durchaus interessant sein, dieses Buch mit dem Vorwort von Kelly Laymon und dann mit dem Nachwort von Brett McBean zu beginnen, bevor man zum eigentlichen Roman übergeht.

Fazit: Der Roman IN DEN FINSTEREN WÄLDERN ist sowohl ein kurzweiliges Buch von seinem Umfang her, gleichsam allerdings für den Leser eine wahre Achterbahnfahrt des Grauens und darf gerade bei Fans von Richard Laymon nicht im Bücherregal fehlen.

In den finsteren WäkldernDaten zum Roman:
In den finsteren Wäldern
(The Woods are Dark)
von Richard Laymon
256 Seiten / 12,80 €
Übersetzung: Michael Krug
Vorwort von Kelly Laymon/Nachwort von Brett McBean
ISBN: 978-3-86552-100-2
FESTA Verlag/Oktober 2011
(Eine amerikanische Ausgabe dieser ungekürzten Originalfassung erschien 2008 im Verlag Dorchester Publishing Co., Inc.)

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