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Von menschlichen Bestien und gefangenen Seelen - Brett McBean – Die Bestien

Die BestienVon menschlichen Bestien und
gefangenen Seelen

Brett McBean – Die Bestien

Mit seinem Roman DIE MUTTER legte der junge Autor Brett McBean einen Thriller im Festa-Verlag vor, der im Härtegrad nichts zu wünschen übrig ließ und dabei eine aufwühlende und zugleich fesselnde Story bot. McBean z. B. zu vergleichen mit dem Autor Jack Ketchum fällt durchaus leicht, schreibt er doch genauso ungeschönt und rotzfrech, dass es eine wahre Freude ist.

 

Die BestienNun liegt der neueste Roman von Brett McBean vor, eine Mischung zwischen "Rambo und Geisterstunde", wie es auf dem Klappentext heißt. Sein Titel: DIE BESTIEN

Jim Clayton war schon im Knast, weil er schon einmal getötet hat, jemanden, der wiederum das Leben seiner kleineren Schwester auf grausame Weise beendet hatte. Und Jim Clayton weiß, dass er nie wieder in den Knast will. Also geht Jim jeder Konfrontation möglichst weit aus dem Weg. Eigentlich ist Jim Clayton auch kein schlechter Kerl, doch er weiß auch, wie es ist, wenn man die Beherrschung verliert und weil er dies weiß, sitzt ihm die Angst davor stetig im Nacken.

Craig wiederum ist von Geburt her Australier, aber irgendwann ist er hier in dem Wald in den USA gelandet. Hier, wo ein recht seltsamer Stand steht, an dem er Blechdosen mit geheimen Inhalt und von Autos überfahrene Tiere verkauft. Craig will weg von hier, auch wenn die Geister der toten Tiere ihn nicht gehen lassen wollen und alles daran setzen werden, ihn wieder an den Stand zu zwingen um seine Aufgabe zu erfüllen. Diese Aufgabe hat Craig sich nicht ausgesucht, vielmehr ist es ein Fluch, wie die Schmerzen, die nie enden, oder die Stimme von Rachel, die ihn martert. Doch dann wagt Craig den Ausbruch vom Straßenrand und dem unheiligen Stand, egal was die toten Tiere ihm antun mögen. Und es gelingt Craig, ihre Angriffe mehr oder weniger abzuwehren, den Wald zu verlassen und an eine seltsame Hütte zu kommen, wo er von einem Gesetzeshüter der nahen Kleinstadt empfangen wird. Doch was Craig vorfindet, das ist eine bizarre Party des abgrundtiefen Schreckens, welche in der Hütte abläuft, und eine Mutter, die mit ihren Töchtern dem Grauen hilflos ausgeliefert sind. Doch eine Frage bewegt die menschlichen Bestien: Wer hat Craig so zugerichtet und welchen Sinn hat diese Dose, die Craig an einer Schnur um den Hals trägt?
Sie hatte also, vollkommen hilflos, mit angesehen, wie sie im düsteren Maul der Hütte verschwanden, die Lichter im Inneren angingen und sich das Maul wieder schloss. Die Schreie ertönten schon kurze Zeit später.
 (Brett McBean: Die Bestien / Seite 9)
Jim Clayton trifft inzwischen in der Kleinstadt Billings auf seiner Harley ein. Auch hier versucht er, möglichst jedem Streit gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen. Doch als er mitbekommt, wie ein hübsches junges Mädchen, das ihn an seine kleine Schwester erinnert, von einem Mann mit dem Gürtel blutig geschlagen wird, greift er beherzt ein. Doch der brutale Bursche erhält Hilfe. Ist er doch der Polizei-Chief  von Billings. Doch statt im Knast landet Jim Clayton im Keller einer Hütte, außerhalb der Stadt. Dort trifft er nicht nur auf Craig, sondern fragt sich auch, weshalb hier unten die Erde so seltsam aufgetürmt erscheint als seien es frische Gräber. Was Jim Clayton nun erwartet, ist keine Anklage, kein Gericht, keine Anwälte, sondern Jäger, die eine ganz besondere Beute in den Wäldern von Billings jagen - Menschen!
Jim kniff die Augen zusammen, um zu sehen, was der Chief da in seinen Händen schaukelte als sei es ein wertvoller Edelstein. Aber es war kein Edelstein, es sah aus wie ein...
Vor Jims ungläubigen Augen verschwamm alles.
Oh. Mein. Gott.
Die Nabelschnur baumelte von dem winzigen Fötus wie ein Stück eines blutigen Seils.
 (Brett McBean: Die Bestien / Seite 201)
Brett McBeanBrett McBean bietet mit dem kleinen Städtchen Billings den Hintergrund für eine abgelegene Gemeinschaft, die keine Fragen stellt, auch wenn das Grauen fast greifbar erscheint, oder die, die aktiv an diesem Grauen beteiligt sind und ihren krankhaften Spaß an Mord und Folter haben. An der Spitze der blutrünstigen Bestien in Menschengestalt steht dabei niemand anderes als der Polizei-Chief selbst. Ein gewalttätiger Kerl, der auch vor Inzucht nicht zurück schreckt. Es gelingt dem Autor perfekt, die einzelnen Hinterwäldler so zu beschreiben, dass man sie sich geradezu bildlich vorstellen kann. Er zieht den Leser geradezu in eine Welt, in der es scheinbar keine Möglichkeit gibt, diese wieder lebend zu verlassen. Man kann also sagen, McBean schleift den Leser quasi durch alle möglichen Abgründe, die sich unter Menschen im schlimmsten Fall eröffnen können. Er führt uns Menschen vor, die das Unvorstellbare ablehnen, aber nicht wissen, wie sie der Übermacht der menschlichen Bestien entgegen treten sollen und eher hilflos wirken. Er führt uns die 13-jährige Darlene vor, die in ihrer Jugend schon mehr Gewalt miterleben musste als manche Frau in ihrem ganzen Leben. Er führt uns Jim Clayton vor, der nur helfen will und am Ende vor einer Entscheidung steht, die ihn sein eigenes Leben kosten kann. Er führt uns einen Polizei-Chief und seine Schergen vor, die an Kaltblütigkeit und Grausamkeit kaum noch zu überbieten sind.

Also alles, was einen knallharten Thriller ausmacht. Doch das reicht Brett McBean nicht. Denn welches Geheimnis bringt der geheimnisvolle Craig mit, als er in diese Gegend um Billings gerät? Sind die bösartigen toten Tiere nur ein Hirngespinst von Craig oder, wenn diese Zombie-Wesen wirklich vorhanden sind, welchen Plan verfolgen sie? Warum lebt ein Mensch plötzlich wieder, obwohl man doch vorher genau gesehen hat, dass eine Gewehrkugel vorher das halbe Gesicht weggerissen hat? Und wieso beginnt der Polizei-Chief langsam zu sterben, als er die geheimnisvolle Blechdose geöffnet hat (was ihn jedoch nicht ungefährlicher macht)? Wenn Sie als Leser wissen wollen, welches Geheimnis sich um simple Blechdosen ranken kann, dann sollten sie den Roman DIE BESTIEN auf keinen Fall verpassen.

Insgesamt jedoch kann ich Ihnen hier, ohne mehr zu spoilern, versichern, dass Sie hier keine simple Zombie-Story erwartet, sondern ein Geheimnis, dass es wirklich in sich hat und jeden Freund gepflegter Grusel-Geschichten erfreuen dürfte. Man mag gar nicht glauben, welche Schrecken in einer einfachen Blechdose stecken können.

TormentFazit: Mehr als hier oben bereits aus den Anfangssequenzen des Romans vorgestellt, kann und will ich Ihnen als Leser nicht spoilern. Dafür ist die Handlung zu umfangreich und was den Härtegrad angeht, ist dieser hier kaum in knappen Worten wiederzugeben. Hier fiebert man als Leser mit, reißt vor Erstaunen selbst die Augen weit auf und entwickelt beim Lesen geradezu einen persönlichen Hass auf Typen wie den Polizei-Chief.

Man gerät ins Staunen über die Elemente des Phantastischen, die der Autor hier mit der Thriller-Handlung verwoben hat, und man beginnt förmlich mitzuzittern, ob am Schluss die Guten gewinnen. Doch gleichsam spürt man, dass nicht jeder wirklich gewinnt, denn man beginnt zu ahnen, dass Opfer unumgänglich sein werden. Und sanftere Gemüter kann ich hier nur warnen, den Roman DIE BESTIEN mit der gleichen Einstellung zu lesen wie einen handelsüblichen Gruselroman. Die Folge dürfte bei diesen Lesern Alpträume in der Nacht sein, denn der Härtegrad eines Brett McBean steht dem eines Jack Ketchum in nichts nach - ungeschönt, brutal und manchmal wie ein Schlag mitten ins Gesicht! Den Freunden harter Thriller- und Horrorkost, die mit den blutigen bis ekeligen Bildern im Kopfkino umzugehen wissen und diesen Kick geradezu lieben wie ich, kann ich den Roman DIE BESTIEN von Brett McBean nur ans Herz legen. Mit DIE BESTIEN dürfte sich Brett McBean nach dem Roman DIE MUTTER endgültig in die Spitzenreihe der Horror-Autoren katapultiert haben und Dank dem Festa-Verlag eine feste und stetig wachsende Fan-Gemeinde in Deutschland sein eigen nennen können.
Die Bestien
Daten zum Buch:
DIE BESTIEN
( TORMENT )
von Brett MacBean
Horror Taschenbuch 1535
ISBN: 978-3-86552-132-3
352 Seiten/13,95 €
Erstauflage: August 2011
FESTA Verlag
 

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