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Eine Fledermaus auf Verbrecherjagd

Die schwarze FledermausEine Fledermaus auf Verbrecherjagd

Als junger Bursche mit einem ausgemachten Interesse an Comics kennt man ihn natürlich, den dunklen Rächer BATMAN aus den DC-Comics (wahlweise solo oder mit Robin, dem Wunderboy). Und dann hat man plötzlich ein Romanheft in den Händen mit dem Titel DIE SCHWARZE FLEDERMAUS. Aha, dachte ich mir, also Batman im Roman und lustigem eingedeutschtem Titel. Nun, so schlimm war es natürlich nicht. Aber ein dunkler maskierter Rächer wollte da durchaus die Unterwelt etwas aufmischen und die Bösen zur Strecke bringen, wenn die Justiz versagt. Und da darf man bekanntlich in der Wahl seiner Mittel nicht zimperlich sein, eben weil die Justiz ja versagt hat.

 

Ich gebe es auch gerne zu: Damals kaufte ich mir - wenn es hoch kam - zwei Hefte dieser Romanserie. Und eine wirkliche Alternative zu den BUTLER PARKER-Romanen wurde DIE SCHWARZE FLEDERMAUS bei mir nie. In dem Sinne war BUTLER PARKER einfach eine andere Liga und gewollt lustiger in der Art der Verbrechensbekämpfung.

Die Jahre zogen so ins Land und auch ich wurde älter. Und irgendwie sah ich es mit einigem Interesse, dass der BLITZ-Verlag da ein "neues" Abenteuer eben dieses Fledermaus-Helden in einem Paperback herausbrachte. Die Sache schien durchaus interessant, doch noch haderte ich etwas mit dem Kauf. Freute und freue ich mich doch immer noch etwas mehr auf den ersten Band DER BUTLER vom BLITZ-Verlag, der nun schon einige Male zeitlich leider verschoben wurde. Es geht also mit dem Nachfolger von BUTLER PARKER nicht wirklich voran - warum auch immer. Und dann fasste ich mir doch ein Herz und sah noch mal nach auf der Internet-Seite zur Reihe DIE SCHWARZE FLEDERMAUS im BLITZ-Verlag.

Und siehe da, nun konnte man viermal DIE SCHWARZE FLEDERMAUS erhalten. Neben drei neuen Abenteuern des Helden im Paperback-Format gab es nun auch die Classic-Reihe mit dem ersten Hardcover zur Serie. Und was mich natürlich noch neugieriger werden ließ, war die Ankündigung, dass in diesem besagten Hardcover das erste, in Deutschland nie veröffentlichte Abenteuer DER SCHWARZEN FLEDERMAUS enthalten war. Und dieser Roman trägt den Titel ...

Im Zeichen der schwarzen Fledermaus... DAS ZEICHEN DER SCHWARZEN FLEDERMAUS
In diesem Roman macht der gefürchtete Unterweltboss Snate dem ebenso gefürchteten Staatsanwalt Tony Quinn das Leben merklich schwer. Und die Sache beginnt schon recht merkwürdig, denn zuerst einmal wird Tony Quinn in der Nacht von einem Einbrecher geweckt. Nein, nicht dadurch, dass er etwa zu laut war. Der Einbrecher mit Namen Silk Kirby weckt unseren seelig schlummernden Bezirksstaatsanwalt, weil er wohl nicht der Einzige ist, der sich in dieser Nacht gewaltsam Zugang zu Quinns Wohnstätte verschafft hat. Ein weiterer ungebetener Gast ist durch das Fenster gestiegen, um Quinn möglichst eine Kugel zwischen die Augen zu verpassen. Aber genau das schmeckt Silk nicht, der zwar etwas stehlen wollte, aber niemals in einen Mord mit hineingezogen werden möchte.

Man darf hier hinzufügen: Mit dem Töten an sich scheint auch Silk Kirby kein wirkliches Problem zu haben. Man merke sich: Tötet ein Ganove, ist das megaböse, tötet ein Staatsanwalt, ist das - na ja - okay! Doch aus einem Gefühl der Dankbarkeit heraus macht Tony Quinn eben diesen Silk zu seiner rechten Hand und liefert ihn nicht der Polizei aus, wie Staatsanwälte dies sonst zu tun pflegen. Dem zweiten Einbrecher nutzt dies indessen nichts, denn der überlebt diese Nacht dank Silk und Quinn nicht mehr.

Vor Gericht, wo Tony Quinn den Gangsterboss Oliver Snate endlich durch einen geheimen Zeugen und einer ebenso geheimen Aufzeichnung auf den elektrischen Stuhl bringen will, geht der Schuss jedoch für Quinn nach hinten los. Bisher in der Stadt unbekannte Bösewichte greifen im Gerichtssaal ein, und durch den Einsatz von Säure scheint unser Bezirksstaatsanwalt nun auch sein Augenlicht verloren zu haben. Zeuge und Beweise jedenfalls gehören seitdem der Vergangenheit an und Oliver Snate reibt sich genüsslich die Hände.

Snate kommt frei, Silk wird immer unverzichtbarer für Quinn und dieser sinnt auf Rache. Ich sag es mal locker, hier hatte ich dann das gnadenlose Gefühl, die Ideen zu DC's Batman und Marvel's blindem Daredevil wurden hier flott per Mixer vereinigt - kann also noch recht spannend werden. Und ja, Quinn bemerkt, dass er andere Sinne nun mehr gebraucht. Da fällt es ihm nicht schwer, eine hübsche junge Frau auch ohne Augen zu erkennen, die ihm ein interessantes Angebot macht. Quinn soll sich zu einem bestimmten Arzt begeben, der ihm nicht nur sein Augenlicht wiedergibt, sondern dieses sogar noch verbessert. Die Sache hat aber auch einen Haken, denn auch die hübsche junge Fremde möchte an den zukünftigen Selbstjustiz-Aktivitäten von Tony Quinn beteiligt sein, was Quinn nicht wirklich behagt. Indessen scheint Snate noch mächtiger geworden zu sein und selbst gepanzerte Geldtransporter verschwinden ohne die geringste Spur zu hinterlassen. Doch in der Stadt taucht zur Überraschung von Commissioner Jerome Warner noch eine andere geheimnisvolle Gestalt auf und mischt ihrerseits kräftig auf unter den Gangstern. Dabei hinterlässt er stets das Zeichen der "Schwarzen Fledermaus" und schickt sich an, zum Schrecken von Oliver Snate und seiner Bande zu werden. Doch ist Snate noch der Big Boss in der Stadt, oder zieht nicht bereits ein ganz anderer, intelligenterer Verbrecher die Fäden im Hintergrund?

Man fühlt sich direkt in das Chicago der 50er-Jahre versetzt, und das nicht nur durch die Umschreibungen innerhalb der Handlung. Auch die Wortwahl gerät hier äußerst putzig. Da bezeichnet man zum Beispiel einen ziemlich üblen Gangster auch mal mit so einem Wort wie "Tunichtgut", das als Bezeichnung einer Person zwar nicht verkehrt ist, aber in der heutigen Zeit eher in einem Kinderbuch noch Verwendung finden dürfte. Wie gesagt, manche Wortwahl hört sich geradezu niedlich, oder sollte ich sagen, verniedlichend an. Aber es sei hier auch gesagt: Es handelt sich um einen recht alten Roman und in puncto Nostalgie finde ich so was noch nicht einmal negativ, hilft es doch, sich per Kopfkino in diese besagte Handlungszeit hineinversetzen zu können.

Ein anderes Manko für die damalige Zeit dürfte vom Inhalt des Romans her gegeben sein. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass manche "Gutmenschen" der damaligen Zeit recht glücklich darüber waren, dass hier eine Krimiserie erscheint, in der die Selbstjustiz als etwas völlig Normales und Positives dargestellt wird. Und das auch noch durch einen Staatsanwalt. Vom lustigen Grillen auf dem elektrischen Stuhl will ich da gar nicht erst reden. Klar, nehmen wir das Beispiel Comic noch mal heran. Auch die dortigen Helden und Heldinnen kämpfen sich nicht mit einer Genehmigung der Justiz durch die Masse von Verbrechern und Superschurken. In dem Sinne ist Selbstjustiz also nichts Neues im Genre gewesen und hoppla, im realen Leben agieren auch Staaten mit Formen der Selbstjustiz. Man nennt das Kind nur nie wirklich beim Namen, und hier liegt eher das Problem. Der Held oder die Heldin rächt sich. Das Gesetz kann oder will nicht schützend eingreifen, also agiert man in höchster Gefahr selbst. Das ist alles bekannt und in unzähligen Romanen oder Comics an der Tagesordnung. Und über viele Jahre hinweg war eine Comicfigur wie Batman als "Beschützer der Schwachen und Hilflosen" berühmt. Dass ihn dies auch zum Vertreter der Selbstjustiz machte, wurde dann jedoch nicht wirklich plakativ erwähnt. Dies änderte sich dann erst in den späteren Jahren (also viel später).

Die FalleSolche Romane wie DIE SCHWARZE FLEDERMAUS dürften manchem Gutmenschen auch noch aus einem anderen Grund zumindest Bauchschmerzen bereitet haben. Im Comic prügelt sich Batman mit den Schurken und setzt sie zumeist lebend außer Gefecht. Stirbt doch mal einer, war bestimmt dessen Schusseligkeit mit daran schuld. Mit dieser Art Selbstjustiz und einem gewissen Ehrenkodex lässt sich ja noch leben. Doch was tut unser Held Tony Quinn? Der hat gleich die Knarre dabei und nietet auch schnell mal einen der lästigen Buben um. Oder ein Querschläger knallt in den Unterkiefer und arbeitet sich hurtig durch bis zum verbrecherischen Oberstübchen eines Bösewichts. Und hört man Tony Quinn alias DIE SCHWARZE FLEDERMAUS da nun jammern, weil bestimmt irgendwo im kaputten Hirn dieses Verbrechers auch noch ein guter Kern hat sitzen müssen? Nein, er geht zur Tagesordnung über, denn schließlich gilt es höhere Ziele zu verfolgen. Man könnte sagen, Tony Quinn arbeitet effektiver als Batman. Klappe zu, Affe tot! Wo ist der nächste Schurke? Gut so, kann ich als bekennender Fan der Hardcore-Welle in Romanen und Filmen nur sagen. Denn Quinn erscheint mir somit nur etwas realistischer als Batman und damit auch sympathischer.

Man sollte beim Lesen der Romane (insbesondere der Classic-Reihe) Folgendes beachten. Man bekommt als Krimi-Fan hier keine realistische Darstellung geboten, dafür aber einen guten Krimi im Stil etwa der guten alten schwarz/weißen Kriminalfilme aus den USA. Auch dieser Held (Tony Quinn) und sein Team haben einen Ehrenkodex, nur dürfte dieser etwas gewöhnungsbedürftig sein. Wie weit der sich an den herrschenden Mainstream mit der Zeit anpasst, lasse ich einmal dahingestellt. Wer hier spritzende Hirnmasse, reichlich Blut, Sex und Gewalt erwartet, der dürfte ebenfalls enttäuscht werden, denn das gaben die Heftromane dieser Zeit nicht wirklich her. Natürlich wird fleißig gestorben und Prostitution gibt es auch, aber vieles bleibt dann doch der Phantasie des Lesers überlassen. Wer also eher die harte Welle oder mehr Realitätsnähe mag, dürfte eigentlich eher enttäuscht sein. Und doch machen die Romane durchaus Spaß. Man muss eben nur wissen, worauf man sich einlässt. Romane der Serie DIE SCHWARZE FLEDERMAUS sind erst einmal pure Nostalgie für jeden Heftroman-Leser - nicht mehr, aber auch bestimmt nicht weniger. Ich würde es schlicht als geistiges Popcorn-Kino bezeichnen, dem man sich zwischendurch gerne mal hingibt. Dann, wenn man seine "modernen" oder "härteren" Ansprüche mal etwas zurückstellt, machen diese Krimis wirklich Spaß und bieten ein paar spannende Stunden. In dem Sinne, und weil ich manchmal ein hoffnungsloser Nostalgie-Fan sein kann, kann ich die Romane zur Reihe DIE SCHWARZE FLEDERMAUS aus dem BLITZ-Verlag nur jedem wärmstens ans Herz legen und ausrufen: "Flieg, kleine Fledermaus, und mach sie platt, die bösen Buben!"
Fledermäuse
Titelverzeichnis:
Die neuen Abenteuer:
Band 1: A. S. Jones - Blutgeld (Paperback-Ausgabe)
Band 2: A. S. Jones - Das falsche Opfer (Paperback-Ausgabe)
Band 3: A. S. Jones - Die Falle (Paperback-Ausgabe)


Classic-Reihe:
Band 1: G. W. Jones - Das Zeichen der schwarzen Fledermaus (Hardcover-Ausgabe)

Erschienen im BLITZ-Verlag

Kommentare  

#16 Max 2011-10-26 17:36
Zumindest kann ich bestätigen, dass es sich um eine "Amateur-Übersetzung" handelt. Wenn jemand den amerikanischen D.A. (District Attorney) mit "Bezirksanwalt" übersetzt ... nun ja ... 8)
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