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TOMMY GUN: Ein Interview mit Gunnar Schuberth

Tommy GunnTOMMY GUN
Ein Interview mit Gunnar Schuberth

Die Romantruhe erweitert ›genremäßig‹ das Portfolio. Hatte man sich dort bisher vorwiegend auf den Horror gestützt, kommt nun der klassische ›hardboiled‹ Detektiv vor dem Hintergrund der zwanziger Jahre in Joachim Ottos Verlag heraus. Was es mit ›Tommy Gun‹ auf sich hat und wer neben Harald Jakobsen dahinter steckt, versuchen wir in einem Interview mit dem dritten der Autoren, Gunnar Schuberth, zu klären. Er stellte sich unseren Fragen  ...


Gunnar Schuberth Zauberspiegel: Herr Schuberth, können Sie den Lesern des Zauberspiegels kurz etwas zu Ihrer Person erzählen? Wann und wo sind Sie geboren, wo zur Schule gegangen etc.?
Gunnar Schuberth: Ich bin 1959 in Münchberg/Oberfranken geboren. Ich habe in Hof die Schillerschule besucht und nach meinem Abitur in Erlangen Literaturwissenschaften und Geschichte studiert.
Während des Studiums arbeitete ich als Deutschlehrer für Ausländer. Dabei bin ich bis heute geblieben, weil mir diese Tätigkeit genug Zeit ließ, um zu schreiben. Und das war immer mein Ziel.
 
Zauberspiegel: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Gunnar Schuberth: Meine ersten Texte, und das waren am Anfang nur Gedichte, schrieb ich, als ich 15 Jahre alt war. Es gab keinen Antrieb, keinen besonderen Moment. Die Gedichte entstanden einfach. Ich zeigte sie niemandem, diese Gedichte waren etwas, das ich geheim hielt. Wenn ich sie später las, wirkten sie beinahe unheimlich auf mich. Ein fremdes Ich schien da zu mir zu sprechen, das mir ein wenig Angst machte, weil es so anders war. 
Irgendwann habe ich begriffen, dass ich der werden musste, der sich da in meinen Gedichten äußerte. Dann wurde auch der Drang immer stärker, sie anderen zu zeigen und mich mitzuteilen.

Zauberspiegel: Hatten Sie Vorbilder aus Ihrer Kinder- oder Jugendzeit an denen Sie sich beim Schreiben Ihrer Romane orientieren?
Gunnar Schuberth: Ich war in meiner Kindheit und Jugend ein begeisterter Leser. Ich habe fast alle Karl May Bände gelesen, ich erinnere mich, dass ich die ersten Perry Rhodan Hefte mit Begeisterung verschlungen habe. Ich habe mich aber auch schon früh für Autoren wie Max Frisch oder Hermann Hesse interessiert.

Zauberspiegel: Wann, wo und unter welchem Titel wurde Ihr erster Roman veröffentlicht?
Gunnar Schuberth: Mein erster Krimi erschien 1995 beim Bastei Verlag unter dem Titel ‚Der Schlaf des Schmetterlings‘.

Zauberspiegel: Im Oktober 2011 erscheint ihr neuer Krimi "Todesfinal: Ein Nürnberg-Krimi" im Sutton Verlag. Können Sie den Lesern etwas zum Inhalt des Romans verraten?
Gunnar Schuberth: Thema des Krimis ist das „Geocaching“, auch GPS-Schnitzeljagd, eine Art elektronische Schatzsuche. Die Verstecke werden anhand geographischer Koordinaten im Internet veröffentlicht und können anschließend mit Hilfe eines GPS-Empfängers gesucht werden.
Der Plot der Geschichte entstand aus einer Was-wäre-wenn-Idee: Was wäre, wenn in Verstecken von Geocachern nicht harmloser Krimskrams in Tupperdosen, sondern Leichenteile gefunden würden?

TodesfinalZauberspiegel: Sie sind ein sehr vielseitiger Autor. Darunter zählen neben der Tätigkeit als Theater- und Drehbuchautor und als Autor von Kriminalromanen auch das Verfassen von Gedichten. Einige dieser Werke wurden in dem Gedichtband „DIE HOFFNUNG GIBT MICH NICHT AUF“ veröffentlicht. Was fasziniert Sie an dem Verfassen von Gedichten?
Gunnar Schuberth: Bei Gedichten kommt es auf jedes Wort an. ‚Triffst du nur das Zauberwort‘, wie es bei Eichendorff heißt, so kann man mit einem Gedicht eine ganze Welt erschaffen. Mit Gedichten hat für mich das Schreiben angefangen und ich habe eigentlich sehr lange ausschließlich Gedichte geschrieben.
Irgendwann war mir das aber nicht mehr genug. Da habe ich angefangen, Romane und dann auch Drehbücher zu schreiben.

Zauberspiegel: Seit 2000 führen sie als Dozent auch Seminare durch. Was können Interessierte bei Ihnen bzw. in diesen Seminaren lernen?
Gunnar Schuberth: Während meiner Anfangszeit als Drehbuchautor habe ich mich sehr mit der Dramaturgie von Geschichten beschäftigt. Vor allem die Heldenreise, eine mythologische  Theorie, die Joseph Campbell in seinem Buch ‚Der Heros in tausend Gestalten‘ entwickelte, hat mich sehr fasziniert.
Die Heldenreise ist eine Art Grundmuster von Geschichten, eine archetypische Struktur. Die Star-Wars-Saga und viele andere Hollywoodfilme wurden nach diesem Muster entwickelt.
Darum geht es in meinen Seminaren, aber natürlich auch um kreative Techniken des Schreibens und um handwerkliche Fragen.Viel am Schreiben ist Handwerk, das man lernen kann. Aber es bleibt natürlich etwas, das nicht mit Theorien zu fassen ist.

Zauberspiegel: Zusammen mit den Autoren Harald Jacobsen und Manfred Köhler schreiben sie an der Serie „TOMMY GUN“, die demnächst als Taschenheft erscheinen werden. Wie sind Sie zur Serie gestoßen?
Gunnar Schuberth: Ich bin mit Manfred Köhler befreundet und er hat mich gefragt, ob ich Lust hätte an der Serie mitzuschreiben.
Anfangs konnte ich mir das nicht vorstellen, da ich auch keine Erfahrung mit Heftromanen hatte. Aber es gab eine Krimiidee, die ich schon seit Jahren hatte und mit der ich bisher nicht vorankam.
In der Konstellation Privatdetektiv und Chicago der 20er Jahre hat das auf einmal funktioniert. Ich habe meine erste Tommy Gun Geschichte geschrieben und es hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich gleich noch einen zweiten Band verfasst habe.

Zauberspiegel: Was fasziniert sie persönlich an der Figur des Privatdetektivs Russ
McGowan?

Gunnar Schuberth: McGowan ist für mich einer der Urtypen des Privatdetektivs. Man denkt sofort an  Geschichten von Raymond Chandler oder Dashiell Hammet, wenn man über diese Figur spricht.
Diese Detektivfigur ist so klassisch, dass man auch wunderbar mit all den Klischees spielen kann, die man mit so einem Detektiv verbindet.

Zauberspiegel: Spielt dabei auch die Zeit, die wilden 1920er Jahre, eine Rolle?
Gunnar Schuberth: Natürlich. Die 1920er Jahre sind so weit weg, dass man eine gewisse Freiheit beim Erzählen hat. Vor allem, weil das für mich nicht die tatsächlichen 20er Jahre in Chicago sind, sondern die Vorstellung, die wir alle von diesen Jahren in den Köpfen haben. Der Mythos einer Zeit der harten Gangster mit ihren Maschinengewehren.

Zauberspiegel: Wie viele  „Tommy Gun“ – Romane haben sie bis jetzt geschrieben und wielauten die Titel der Romane?
Gunnar Schuberth: Ich habe bisher 2 Tommy Gun Romane geschrieben: „10000 Dollar Teddy“ und „Abgetaucht“.

Zauberspiegel: Können Sie den Lesern des Zauberspiegels kurz etwas zu den Inhalten dieser Romane verraten?
Gunnar Schuberth: Ich wollte immer die Geschichte eines Privatdetektivs schreiben, zu dem eines Tages ein kleines Mädchen kommt, das ihn bittet, ihren verschwundenen Teddybär wiederzufinden. Russ McGowan ist so abgebrannt, dass er den Auftrag annimmt. Dadurch macht er sich zwar zum Gespött in der Stadt, aber das Verschwinden des Teddybären hat natürlich mit einem weitaus größeren Fall zu tun, den Russ am Ende lösen kann. Das ist der Plot von 10000 Dollar Teddy.
In „Abgetaucht“ muss sich Russ McGowan mit einer jungen Journalistin herumschlagen, die eine Serie über das Verbrechen in Chicago schreibt. Zu diesem Zweck begleitet sie Russ bei der Arbeit. Da im Detektivbüro von Russ mal wieder Flaute herrscht, wird sie etwas phantasievoll in ihren Reportagen und macht Russ zum Stardetektiv. Dadurch gerät er in das Visier eines Killers.

Zauberspiegel: Sind weitere „Tommy Gun“ – Romane Ihrerseits geplant?
Gunnar Schuberth: Auf jeden Fall. Die Reihe soll ja möglichst lange weiterlaufen und mir macht das Schreiben der Geschichten viel Spaß.
Mein nächster Tommy-Gun Roman hat auch etwas mit den Erlebnissen von Russ McGowan während des 1. Weltkriegs zu tun. Ein Fall, den er lösen muss, konfrontiert ihn damit.

Zauberspiegel: Welche weiteren Romane können die Fans und Leser in naher Zukunft von Ihnen erwarten?
Gunnar Schuberth: Ich schreibe im Moment an einen Thriller. Er befindet sich aber noch in einem sehr frühen Stadium, daher will ich nichts über den Inhalt verraten.

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Gunnar-Schuberth.de

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