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Jerry Cotton - Die Heftromanserie - Ein Interview mit dem Autor HARALD JACOBSEN

Jerry Cotton - Die HeftromanserieEin Interview mit dem Autor
HARALD JACOBSEN

Durch „DER RIPPER VON FLENSBURG“ (erschienen im Blitz Verlag) über den in wenigen Tagen noch ein separater Artikel erscheinen wird, trat ich mit HARALD JACOBSEN, dem Autor des Romans in Kontakt. Durch seine Website erfuhr ich, dass er auch an der Heftromanserie „Jerry Cotton“ mitschreibt. Und so beantwortete mir Herr Jacobsen freundlicherweise einige Fragen über seine Arbeit an „Jerry Cotton“, über seinen neusten Roman „Der Ripper von Flensburg“ sowie über seine weiteren Buch-Serien und -Projekte.

 

Harald jacobsenZauberspiegel: Herr Jacobsen, wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Harald Jacobsen: Zunächst habe ich sehr viel gelesen und als Jugendlicher erste Gehversuche als Schriftsteller unternommen. Da mich damals bereits Krimi- und Agentenromane stark angesprochen haben, sollte es ein spannender Agentenroman werden. Anders als meine Aufsätze, die irgendwie immer mit der vom Lehrer vorgegebenen Obergrenze der Seitenanzahl so ihre Probleme hatten, erwies sich ein vollständiger Roman doch als zu großes Unterfangen.
Es folgte eine sehr lange Auszeit, in der ich als Ernährer einer Familie mein Lebensunterhalt als Soldat und später als Angestellter verdienen musste. Zum Schreiben bin ich erst 2003 wieder gekommen und wusste sofort, dass ich eine vernünftige Ausbildung benötigte. Mit diesem Rüstzeug klappte es dann und mein Roman „Das Geheimarchiv“ begann ab 2005 mehr und mehr an Form anzunehmen.

Zauberspiegel: Hatten Sie Vorbilder aus Ihrer Kinder- oder Jugendzeit an denen Sie sich beim Schreiben Ihrer Romane orientieren?
Harald Jacobsen: Im Bereich der Heftromane waren es vor allem die Abenteuer von Jerry Cotton sowie einen CIA-Agenten mit Namen John Drake, die mich ausgesprochen gefesselt haben. Darüber hinaus fand ich die Romane von Robert Ludlum und C.H. Günther so spannend, dass so mancher Sommertag mich mit der Nase in einem Buch und nicht im Wasser der Nordsee hinnehmen musste. Später erweiterte sich mein Spektrum, da mein Deutschlehrer meine Aufmerksamkeit auch auf Autoren wie Siegfried Lenz oder Heinrich Hesse lenkte. In deren Romanen spürte ich erstmals, wie spannend tiefgründige, menschliche Schicksale sein konnten.
Ab diesem Zeitpunkt wurde ich ein Allesleser, der die örtliche Bücherei genauso oft wie die Schule besuchte (oft mit erheblich mehr Spaß).

Cutters WegZauberspiegel: Wann, wo und unter welchem Titel wurde Ihr erster Roman veröffentlicht?
Harald Jacobsen: In der Chicago-Reihe erschien der Roman mit dem Titel „Mit harten Bandagen“ im Juli 2006 im Bastei-Verlag. Als eigenständiger Roman erschien der Thriller „Das Geheimarchiv“ im August 2008 im Verlag Peter Hopf.

Zauberspiegel: Sie schreiben als Autor auch an der Serie "JERRY COTTON" mit. Wann gaben Sie Ihr Cotton-Debüt und wie hieß ihr erster Cotton-Roman?
Harald Jacobsen: Mein Debüt bei Jerry Cotton erfolgte im Dezember 2006 mit dem Roman „Tödliche Patente“.

Zauberspiegel:
Wie stießen sie zum Cotton-Team? Hatten Sie sich als Jerry Cotton-Autor beim Verlag 'beworben'?
Harald Jacobsen: Ich hatte mich als Autor für die Krimireihe Chicago beworben und wurde akzeptiert. Nachdem die Reihe leider sehr früh wieder eingestellt wurde, bot Dr. Marzin mir den Wechsel ins Autorenteam von Jerry Cotton an.

Zauberspiegel: Können Sie eigene Ideen etc. in  Ihren Cotton-Romane mit einbringen und haben Sie freie Hand in Bezug auf die Figuren und die Handlung?

Harald Jacobsen: Alle Romane entspringen einer eigenen Idee, die ich als zirka drei Seiten umfassendes Expose an Dr. Marzin schicke. In der Regel akzeptiert er meinen Vorschlag und ich schreibe los.
Natürlich muss ich mich im Serienkonzept bewegen und kann aus Jerry nicht auf einmal einen Frauenheld machen oder seine Freundschaft mit Phil beenden. Darüber hinaus gewährt Dr. Marzin mir größte Freiheit bei der Handlung.
Zum ständigen Figurenensemble der Reihe konnte ich bislang den farbigen Agent Blair Duvall als neuen Partner von Agent June Clark entwickeln, sowie den Rechtsmediziner Dr. Victor Blunt in die Reihe einfügen.

Zauberspiegel: Wie bereiten Sie sich persönlich auf Ihre Jerry Cotton-Romane vor?
Harald Jacobsen: Sobald sich eine Idee entwickelt, recherchiere ich ausgiebig zu dem Hintergrund und mache mich mit Besonderheiten vertraut. Wenn es also um einen neuartigen Sprengstoff gehen soll, der bei einem Anschlag eingesetzt wird, lese ich mir ausreichend Wissen in diesem Bereich an. Dr. Marzin legt größten Wert auf die Fakten in den Romanen, die genauso nachprüfbar wie etwa die Handlungsorte sein müssen.

Zauberspiegel: Was fasziniert Sie persönlich an der Figur des FBI-Agenten?
Harald Jacobsen: Mich hat von Anfang an die überlegte Vorgehensweise von Jerry Cotton begeistert, da ich selbst gerne ab und an ein wenig impulsiv reagiere. Egal wie stressig seine Situation auch ist, Jerry bleibt in der Regel gelassen und behält die Übersicht. Außerdem beneide ich ihn um den Jaguar, den ich mir persönlich nicht leisten kann.

Zauberspiegel: Sind nach „CUTTERS WEG“ (JC # 2808) weitere Jerry Cotton-Romane von Ihnen in Planung?
Harald Jacobsen: Im Mai 2011 werden die Romane „Unerwünschte Einmischung“ sowie „Wenn Haie lächeln“ folgen. Da ich wenigstens einen neuen Roman pro Monat schreibe, erscheinen mit Sicherheit auch in den kommenden Monaten weitere Abenteuer mit Jerry Cotton aus meiner Feder.

Der Ripper von FlensburgZauberspiegel: Mit der „DER RIPPER VON FLENSBURG“ erschien im März 2011 im Blitz Verlag ihr neuester Roman. Können Sie den Lesern kurz etwas zum Inhalt verraten?
Harald Jacobsen: Es geht um eine Serie von Frauenmorden in Flensburg. Die Kripo ermittelt sehr schnell einen Tatverdächtigen, dessen Anwältin aber einen Privatdetektiv zu dessen Entlastung mit eigenen Ermittlungen beauftragt.
Hauptkommissarin Martenson und Manfred Brodersen entdecken einige Unregelmäßigkeiten, die vermehrt Zweifel an der Täterschaft des Verdächtigen aufkommen lassen.
Das Morden geht weiter und dann weist ein mysteriöser Mann die Ermittler auf einige Verbindungen zu einer ähnlichen Mordserie in Flensburg hin, die zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts die Fördestadt heimsuchte. Tatsächlich sind die Hinweise sehr wichtig für die Aufklärung, wobei der Tippgeber sogar selbst ins Visier der Ermittler gerät. 

Zauberspiegel: Man könnte sagen, dass „Der Ripper von Flensburg“ wie ein reiner Krimi bzw. Thriller aufgebaut ist, wäre da nicht die Figur des DAMIAN SULTAN sowie die kurzen Auftritte von CHARON. Wie kamen sie auf die Idee zu diesen beiden Figuren?
Harald Jacobsen: Der Tod spielt naturgemäß bei Morden eine zentrale Rolle, aber wir Menschen stehen sehr unterschiedlich zu dessen Existenz. Teilweise wird der Tod sogar personifiziert, aber soweit wollte ich in meinem Roman nicht gehen. Mit Charon und Aken greife ich allerdings auf bekannte Elemente der Mythologie zurück, die für die Ansicht zum Tod ihre spezielle Sichtweise einbringen.
Für mich ist es wichtig, mit dem Tod eines Menschen nicht seine Existenz völlig aufzuheben. Daher benutze ich die Figur von Damian Sultan, um diese Ebene in den Roman mit einzufügen, ohne es dadurch zu einem Mysterythriller zu machen. Bisher haben die Leserreaktionen gezeigt, dass mein Vorhaben überwiegend gelungen ist.

Zauberspiegel: War es von Anfang an geplant diesen ‚mysteriösen‘ bzw. geheimnisvollen Hintergrund in Ihren neuen Roman mit einzubauen?
Harald Jacobsen: Ich wollte keinen typischen Krimi schreiben, sondern unbedingt eine weitere Ebene einfügen. Die allzu nüchterne Reduktion der meisten Krimis auf die gegenwärtigen Fakten reizte mich dieses Mal nicht so sehr, weshalb Damian Sultan sich quasi reindrängte. Er geisterte bereits einige Zeit in meinem Hinterkopf herum, als ich einige Berichte über Flensburgs Geschichte gelesen hatte. Wer weiß? Vielleicht hat er sogar den Stachel mit der weiteren Ebene bei mir eingepflanzt und ich habe es nicht bemerkt. Hmm, zutrauen könnte man es diesem heimtückischen Glatzkopf. Wink

Zauberspiegel: Neben Sultan und Charon gibt es mit AKEN noch eine weitere Figur, die am Rande Erwähnung findet. Was hat es mit dieser Figur auf sich?
Harald Jacobsen: Damian Sultan hat seine eigenen Motive, warum er den Hades regelmäßig in unsere Welt überquert und dort Einfluss auf Abläufe nimmt. Während Damian eine erfundene Figur ist, gehören Aken und Charon zur bekannten Mythologie. Aken ist quasi der Chef der Unterwelt (ausnahmsweise ist hiermit nicht die Parallelwelt des Verbrechens gemeint)und Charon der Fährmann, der die Toten über den Hades rudert. Ich nutze diese Hierarchie, um Sultan nicht als übermächtige Erscheinung wirken zu lassen. Aken hat ihn ständig im Blick und Charon fungiert als Vermittler, so dass Sultan nur immer kurze Zeit aktiv sein kann.

Zauberspiegel: Wird es noch weiterer Romane mit dem Detektiv MANFRED BRODERSEN und der Komissarin SONJA MARTENSON geben?
Harald Jacobsen: Ja, Herr Kaegelmann vom Blitz-Verlag hat bereits sein Einverständnis für wenigstens einen weiteren Krimi mit den Flensburger Ermittlern gegeben. Der Plot steht und ich hoffe sehr, den fertigen Roman im Spätsommer an den Verlag schicken zu können.

Zauberspiegel: Auch mit DAMIAN SULTAN? Und werden dann auch mehr Horrorelemente eventuell eingebaut?
Harald Jacobsen: Diese besondere Ebene wird auch in weiteren Romanen bestehen bleiben. Damian Sultan behält seine Rolle, aber es können auch andere Figuren aus der Geisterwelt auftauchen. Flensburg scheint ein gutes Pflaster dafür zu sein, was mich selbst ein wenig überrascht hat.
Horror- oder Gruselelemente sollen die Krimihandlung nicht überlagern, sondern sie eher auf eigene Art unterstützen. Die Fälle und die Auflösung bleiben in der Realität angesiedelt, aber die Unterwelt mischt gerne immer mit und befördert bzw. behindert die menschlichen Bemühungen.

Zauberspiegel: Damian Sultan wurde im 19. Jahrhundert von dem Dämon Major von Dobbrinsky verletzt. Können Sie den Leser darüber etwas verraten und ist darüber ein Roman in Planung?
Harald Jacobsen: Damian Sultan hatte einen Auftrag zu erledigen, der ihn mitten in die Wirren des Preußisch-Dänischen Krieges führte. Damals verliebte er sich in eine geheimnisvolle Gräfin und musste hilflos mit ansehen, wie der Dämon in Gestalt des Majors die Frau tötete. Damian wurde damals schwer verletzt und von seinen Mitmenschen für tot gehalten. Seit diesen Tagen ist er nun ein Geistwesen, dessen Antriebsfeder das Streben nach Rache an dem Dämon ist.
Wie sich die Ereignisse im Einzelnen abspielten, werde ich nach und nach in den Romanen weiter aufdecken. Die Dämonen würden unsere Welt längst kontrollieren, wenn es nicht Jäger wie Damian Sultan gäbe.

B-SideZauberspiegel: Im Verlag Peter Hopf erscheinen neben den „Rendsburg-Krimis“ auch die eBook-Serie „C.T.O. - Counter Terror Operations“, die Sie unter dem Pseudonym BEN RYKER schreiben. Können Sie den Lesern kurz etwas zu diesen Serien verraten?
Harald Jacobsen: Die Rendsburgkrimis könnte man unter der Rubrik Regionalkrimis einordnen, wobei der bislang zuletzt erschienene Roman „B-Side _Wenn das Leben dich f***t!“ schon mehr ein Szeneroman geworden ist. Dazu haben wir parallel einen Kinofilm gedreht, der mit großem Erfolg im regionalen Kino läuft.
Die Reihe C.T.O ist eine reine Agenten/Actionreihe, in der eine amerikanische Antiterroreinheit weltweit gegen Terroristen vorgeht. Dabei wird diese Einheit vor Ort jeweils von Spezialisten des Landes unterstützt, wobei alle diese Einheiten real existieren. Es gibt aktuell fünf Romane, die alle miteinander verbunden sind. Neben den eBooks kann man sie seit Herbst 2010 als Taschenbücher beim Verlag p.maschinery erhalten. 

Zauberspiegel: Welche weiteren Romane können die Fans und Leser in naher Zukunft von Ihnen erwarten?
Harald Jacobsen: Es werden regelmäßig neue Jerry Cotton Romane erscheinen und zu dem Flensburgkrimi habe ich ja bereits etwas gesagt.
Im Atlantis-Verlag wird ein SF-Roman von mir vermutlich im Frühjahr 2012 erscheinen und die Agentur Schmidt & Abrahams verhandelt derzeit mit Verlagen über einen fertigen Roman von mir, der das Thema Menschenschmuggel behandelt.
Dann soll es eine Neuauflage sowie Fortsetzung der Detektivreihe „Tommy Gun“ geben, die wahrscheinlich bei Amazon-Kindle als eBooks herauskommen wird.
Dummerweise hat der Tag immer nur vierundzwanzig Stunden, obwohl meine Kreativität scheinbar ohne Schlaf auskommt.

Zauberspiegel: Herr Jacobsen, vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.

Harald-Jacobsen.de

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