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Jerry Cotton - Die Heftromanserie - EIN INTERVIEW MIT DEM AUTOR Michael Peinkofer

Jerry Cotton - Die HeftromanserieEIN INTERVIEW MIT DEM AUTOR
Michael Peinkofer
 
Michael Peinkofer über sich: »'69 geboren, also ein Kind der 70er und 80er mit allem, was so dazugehört ich sag' bloß Star Wars). In München habe ich Germanistik, Geschichte und Kommunikationswissenschaft studiert und währenddessen bereits erste Sachen veröffentlicht. Danach dann 12 Jahre Mitarbeiter der "Moviestar"-Redaktion und an diversen Romanheftserien unter diversen Pseudonymen.
2004 dann mit  dem historischen Roman "Die Bruderschaft der Runen" (Lübbe)  die erste eröffentlichung unter meinem Namen, ein Jahr später die erste Fantasy mit "Die Rückkehr der Orks" (Piper). Diesen Genres bin ich bis heute treu geblieben - mit den "Sarah Kincaid"-Romanen bei Lübbe und den "Zauberern" bei Piper. Darüber hinaus arbeite ich auch an Jugendbuch- und Hörspielprojekten wie "Team X-treme".«


Zauberspiegel:
  Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Michael Peinkofer:
Der Wunsch zu schreiben bzw. Geschichten zu erzählen, kam schon während der  Schulzeit und hat sich irgendwie durchgezogen. Ich wollte immer Unterhaltung machen, ganz unabhängig vom Genre - Buch, Comic, Hörspiel, Film.

Zauberspiegel: Hatten Sie Vorbilder aus Ihrer Kinder- oder Jugendzeit an denen Sie sich beim Schreiben Ihrer Romane orientieren?
Michael Peinkofer:
Ich mag die klassische Jugendliteratur sehr gerne, die ich gerade in meinen Jugendromanen aufzuleben lassen versuche, also Autoren wie Dickens, Twain, Stevenson und Cooper, die ich in meiner Kindheit verschlungen habe. In  Deutschland natürlich auch Karl May.

Zauberspiegel: Sie schrieben als Autor auch an der Serie "JERRY COTTON" mit. Wann gaben Sie Ihr Cotton-Debüt und wie hieß ihr erster Cotton-Roman?
Michael Peinkofer:
Ups, das ist lange her - es war Mitte der 90er Jahre, und der Roman hieß "Party für Miss Liberty".

Zauberspiegel:  Wie viele Romane schrieben Sie für die Krimi-Serie. Können Sie uns  einige Cotton-Titel verraten, die von Ihnen verfasst wurden?
Michael Peinkofer:
Insgesamt dürften es fast an die hundert Romane und Taschenbücher gewesen  sein. Das war eine tolle Zeit damals, weil der Redakteur Peter Thannisch und ich sehr ähnliche Vorstellungen davon hatten, wie man Cotton fit fürs neue Jahrtausend machen könnte. Habe dann meinen Beitrag dazu mit einigen  Trilogien und dem Zyklus um die geheimnisvolle "Domäne" geleistet. Ein  bisschen stolz bin ich auf die Trilogien "Mein letzter Fall" und "Der Tag, an dem Phil Decker starb", weil sie, bei den Fans wirklich gut angekommen  sind und bis heute für Gesprächsstoff sorgen.

Zauberspiegel: Konnten Sie eigene Ideen etc. in  Ihren Cotton-Romane mit einbringen?
Michael Peinkofer:
Klar. Peter hat uns Autoren - den "jungen Wilden", wie man uns heute gerne nennt - da weitgehend freie hand gelassen. Und da wir wie gesagt geschmacklich sehr eng beisammen lagen, gab es da auch nie Probleme. Obwohl es sich um ein festes Serienkonzept handelte, war es ein sehr schönes und  weitgehend freies Arbeiten.

Zauberspiegel: Hatten Sie freie Hand in Bezug auf die Figuren und die Handlung?
Michael Peinkofer:
Ja - bis auf die Hauptfiguren, versteht sich, die ja weitgehend festgelegt sind. Was uns allerdings nicht davon abgehalten hat, ihnen das eine oder andere anzutun.

Zauberspiegel: Haben Sie früher selbst Romane mit dem FBI-Agenten gelesen?
Michael Peinkofer:
Klar - deshalb war es auch eine echte Ehre, irgendwann selbst zum Autorenteam zu gehören.

Zauberspiegel: Wann und warum stiegen Sie aus der Heftromanserie aus?
Michael Peinkofer:
Aus Zeitgründen musste ich mich irgendwann entscheiden, wie ich weitermachen möchte, und habe mich für eigene Romanprojekte unter meinem Namen entschieden. Der letzte von mir verfasste Band war der Jubi-Band 2500. Ein schöner Abschluss.

Zauberspiegel: Schrieben Sie nach oder während "JERRY COTTON" noch an anderen > Heftromanserien mit?
Michael Peinkofer:
Zu  viele, um sie alle zu nennen - Maddrax war jedenfalls dabei, und mit "Torn" hatte ich zweitweise ja sogar eine eigene Serie.

Zauberspiegel: "TORN" erschien von 2001 bis 2003 im Bastei Verlag. Wie kam es zur Entstehung der Heftromanserie?
Michael Peinkofer:
Die Idee eines einsamen Wanderers, eines Verstoßenen, der durch die Zeiten und Welten irrt, spukte mir plötzlich Kopf herum, eine Mischung aus Comic und Roman, wie es sie bislang noch nicht gab. Also habe ich ein Konzept erstellt und es beim Verlag eingereicht.

Zauberspiegel: War es ein langer Weg bis zum fertigen Serien-Konzept?
Michael Peinkofer:
Eigentlich nicht. Gute Ideen kann man von Schnapsideen meist dadurch unterscheiden, dass sie sich sehr schnell entwickeln und schnell eins zum anderen kommt.

Zauberspiegel: War der Bastei Verlag von Anfang an der Serie interessiert oder kostete es einige Überredungskunst damit der Verlag die Serie "TORN" veröffentlichte?
Michael Peinkofer: Nein, es ging überraschend schnell. Damals lief eine Serie namens "Gruselschocker", die eingestellt wurde, und "Torn" sollte auf den Programplatz nachrücken, alternierend mit "Maddrax". Einen Verlag mit Argumenten davon zu überreden, eine Serie zu machen oder nicht, dürfte aber ziemlich aussichtslos sein. Entweder, ein Konzept kann überzeugen, oder eben nicht.

Zauberspiegel:  Sie schrieben unter dem Pseudonym Michael J. Parrish die meisten Romane der Serie. Hinzu kamen noch die Co-Autoren Martin Barkawitz (Roger Clement), Jens H. Altmann (Ashe Hyams) sowie Peter Thannisch als Steve Salomo. Konnten Sie sich als Erfinder und Hauptautor der Serie die Co-Autoren aussuchen?
Michael Peinkofer:
Ja, da hatte ich freie Hand. Die genannten Kollegen kannte ich schon vorher, von daher wusste ich, dass sie gute Arbeit abliefern würden.

Zauberspiegel: Was war der Grund für die Einstellung der Serie? Lag es wirklich allein an den geringen Verkaufszahlen?
Michael Peinkofer:
  Woran sonst? Kein Verlag würde doch eine Serie einstellen, die gut läuft, man will damit ja auch Geld verdienen. Aber der Begriff "gering" ist Definitionssache. Die Verkäufe von Torn blieben hinter den Erwartungen des Verlags zurück, also hat man bei Bastei beschlossen, die Serie zu kippen. Ein Kleinverlag hingegen kann mit den vorgelegten Zahlen durchaus gut leben, weshalb Torn bei Zaubermond ja auch eine neue Heimat gefunden hat.

Zauberspiegel: "TORN" hat eine neue Heimat beim Zaubermond Verlag gefunden, wo die Serie nun im Buchformat fortgesetzt wird. Was ist der Unterschied  zwischen der Torn-Heftromanserie und der Torn-Buchserie, sieht man von  dem Seitenumfang ab?
Michael Peinkofer:
  Der Erzählrhythmus ist natürlich ein anderer geworden, da ein Buch zwei Heften entspricht und wir seither also in "Doppelbänden"  weiter erzählen. Und natürlich hat sich die Serie einhaltlich weiterentwickelt. Torn ist heute nicht mehr der einsame Einzelkämpfer, der er einst war. Das Korps der  Wanderer wurde neu gegründet, dem er als Anführer vorsteht, und gerade in letzter Zeit gab es einige wirklich dramatische Entwicklungen.

Zauberspiegel: Insgesamt sind bisher 30 Bücher mit "TORN" beim Zaubermond erschienen? Was ist Ihrer Meinung nach der Grund für den Erfolg der TORN-Buchserie?
Michael Peinkofer:
  Das liegt zum einen an den wirklich treuen Lesern, die uns seit so langer Zeit die Treue halten - "uns" sage ich deshalb, weil ich die Serie seit einigen Jahren ja nicht mehr verfasse, sondern nur noch die Storys liefere und das Lektorat mache. Autoren wie Christian Montillon und Lars Urban leisten tolle Arbeit, und Michael Jurisch steht mir beim Redigieren zur Seite. Ein tolles Team also, das mit Begeisterung dabei ist - und das merkt man den Romanen auch an, was der zweite Grund für Torns anhaltende Popularität sein dürfte.

Zauberspiegel: 2007 erschien mit "DER SCHATTEN VON THOTH" das erste Abenteuer der Archäologin Sarah Kincaid, die jenseits der üblichen Klischees agiert. Warum gerade eine weibliche Heldin, die zudem noch für das 19. Jahrhundert ziemlich emanzipiert wirkt?
Michael Peinkofer:
Es ist immer schön, mit Gegensätzen zu arbeiten, und eine weibliche Heldin in der von Männern dominierten viktorianischen Ära schien mir einfach ein sehr reizvoller Gedanke zu sein. Emanzipiert sind die Heldinnen historischer Romane ja meist - kein Leser von heute wäre wohl in der Lage, sich mit einer Heldin zu identifizieren, die in historischen Denkmustern verhaftet ist. Das ist streckenweise ja schon bei Karl Mays Romanen nicht mehr ganz einfach, weshalb sie immer wieder überarbeitet werden.

Zauberspiegel: Nach "DIE FLAMME VON PHAROS" und "AM UFER DES STYX" folgte im Februar 2010 mit "DAS LICHT VON SHAMBALA" der vierte Roman mit der Archäologin.  Können Sie den Lesern kurz etwas zu dem Inhalt des Romans verraten?
Michael Peinkofer:
  Es ist der Abschluß der Tetralogie, in dem endlich alle Fragen beantwortet werden, die im Lauf der handlung aufgeworfen wurden - gerade auch zu Sarahs
Vater und der berüchtigten "Dunkelzeit", an die Sarah sich nicht erinnern kan.

Zauberspiegel: Wie würden Sie die Archäologin persönlich beschreiben? Ist sie ein Kind ihrer Zeit?
Michael Peinkofer:
Sarah ist sehr streng erzogen, Patriotin und dem humanistischen Ideal verpflichtet - also durchaus ein Kind ihrer Zeit. Auch bemühe ich mich, die Ideen und Gedankenwelten, in denen sich die Figuren bewegen, stets der entsprechenden Epoche anzupassen. Das ist gerade beim "Licht von Shambala" sehr ausgeprägt, wo es u.a. um den Kampf verschiedener weltanschaulicher Ansätze geht.

Zauberspiegel: Sind weitere Abenteuer mit Sarah Kincaid geplant?
Michael Peinkofer:
Vorerst nicht. Die Serie ist abgeschlossen, derzeit arbeite ich an einem neuen historischen Roman, ein Einzelband, der in einer ganz anderen Epoche spielt und im Herbst 2011 erscheinen soll.

Zauberspiegel:  2007 wurde mit "DIE RÜCKKEHR DER ORKS" ihr erster Fantasy-Roman veröffentlicht. Warum gerade ein Roman um Orks? Was fasziniert Sie  persönlich an diesen Wesen?
Michael Peinkofer:
Bösewichter haben natürlich immer auch etwas Faszinierendes an sich. Bei den  "Orks" war es so, dass ich sie im "Herr der Ringe" ein wenig ungerecht  behandelt fand. Tolkien hat herrlisch verschrobene Ork-Charaktere entworfen, das aber nicht weiter verfolgt. Das war mein Ansatzpunkt - und natürlich  wollte ich die Jungs humoristisch brechen.

Zauberspiegel:  Nach dem Erfolg von "Die Rückkehr der Orks" folgten die beiden Fortsetzungen "DER SCHWUR DER ORKS" und "DAS GESETZ DER ORKS". Ist damit die Geschichte der Orks abgeschlossen oder folgen in naher Zukunft weitere Ork-Abenteuer?
Michael Peinkofer:
Der nächste Fantasy-Roman, den ich schreiben werde, wird in einer ganz neuen Welt spielen, an denen Erstellung ich schon seit einigen Jahren arbeite. Danach aber wird es wieder nach Erdwelt gehen, das habe ich versprochen.

Zauberspiegel: Neben den Abenteuern mit Sarah Kincaid schreiben sie ab und zu auch noch  weitere historische Romane wie "DIE BRUDERSCHAFT DER RUNEN" und "DIE ERBEN DER SCHWARZEN FLAGGE", die aber einen gewissen phantastischen Einschlag nicht verhehlen können. Was fasziniert Sie persönlich an dieser Mischung aus historischen Ereignissen, historischen Figuren, Geheimnissen, Fantasy und Horror?
Michael Peinkofer:
  Ich denke, dass historischer Roman und Fantasy verwandte Genres sind - gewissermaßen ist ja jeder Fantasy-Roman ein historischer Roman, nur eben aus einer fiktiven Welt. Und wenn man einen historischen Roman verfasst, der u.B. in den Dark Ages nach der Völkerwanderung spielt, dann hat man nur wenig verlässliche Quellen und ist letztlich vor allem auf seine Fantasie angewiesen. Beim Schreiben habe ich Spaß daran, beide Geners zu mischen und Historisches mit einer Prise Phantastik zu würzen - wie in "Die Erben der Schwarzen Flagge" - oder Fantasy in epischer Breite zu schildern - wie in "Die Zauberer".

Zauberspiegel: Sind Sie ein historisch interessierter Mensch?
Michael Peinkofer:
  Durchaus - und nicht nur, weil ich Geschichte studiert habe. Ich finde es vor allem interessant, sich in die Perspektive der Menschen vergangener Jahrhunderte zu versetzen. Das trägt mehr zum Verständnis der Vergangenheit bei als Jahreszahlen und Ereignisse.

Zauberspiegel: 2010 erschien mit "DIE ZAUBERER - DAS DUNKLE FEUER" der Abschlussband  ihres neuen Fantasy-Zyklus bei Piper. Wie kam es zur Entstehung?
Michael Peinkofer:
  Schon während der Entstehung der "Orks"-Trilogie habe ich mir viele Notizen über die Vergangenheit von Erdwelt gemacht - und hatte irgendwann Stoff für eine weitere Trilogie beisamen, die die Geschichte des Zweiten Krieges  erzählte und vom Schicksal dreier junger Zauberer handelte. So kam es zur  "Zauberer"-Trilogie, die ebenfalls in Erdwelt spielt, aber eben rund 1000 Jahre vor den Orks.

Zauberspiegel: Welche weiteren Romane  können die Fans und Leser in  naher Zukunft von Ihnen erwarten?
Michael Peinkofer:
Wie gesagt geht es nach dem Abschluss des historischen Romans für Lübbe wieder in phantastische Gefilde für den Auftaktband eines neuen epischen Fantasy-Abenteuers für den Piper-Verlag. Die Planungen dauern noch immer an, und es zeichnet sich ab, dass das etwas ganz Besonderes werden wird, auf das sich die Leser wirklich freuen können. Außerdem wird im nächsten Jahr ein neues Kinderbuch aus meiner Feder erscheinen, diesmal im Carlsen-Verlag.

Zauberspiegel: Was hat es mit der Firma Dreamagix Studios auf sich?
Michael Peinkofer:
  Dreamagix ist meine eigene Firma, mit der ich, zusammen mit meinen Geschäftspartnern, kleinere Medienprojekte auf die Beine stelle - Leseevents, Kurzfilme und dergleichen. Wir haben einen großen Pool von freien Mitarbeitern und Künstlern, auf deren Talente wir zurückgreifen können, und diese Zusammenarbeit macht wirklich Spaß.

Zauberspiegel: Herr Peinkofer, vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.

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