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Abseits vom DC-Mainstream - »Batman: Der dunkle Prinz«

»Batman: Der dunkle Prinz«Abseits vom DC-Mainstream
»Batman: Der dunkle Prinz«

»Ich arbeitete gerade an meiner Comic-Reihe DIE ADLER ROMS, als plötzlich Batman an meine Tür klopfte. Na ja, eigentlich krachte er durch mein Fenster, so wie er es meistens tut, wenn er es eilig hat. Er sah zu mir herunter und sagte: "Enrico, ich möchte, dass du eine Geschichte über mich schreibst und zeichnest." Ich gebe zu, ich war etwas verwundert, und mein erster Gedanke war: Wer bezahlt das kaputte Fenster.« (Zitat: Enrico Marini/Vorwort aus Batman: Der dunkle Prinz/komplette Sammelausgabe)

»Batman: Der dunkle Prinz«»Batman: Der dunkle Prinz (Batman: The Dark Prince Charming)«Doch liest man zwischen den zugegeben witzigen Zeilen von Enrico Marini, so kommt man der Realität über Hergang und Ablauf hinsichtlich der Vorgeschichte zu seinem BATMAN-Abenteuer durchaus recht nahe. Dies gilt es auch etwas weiter unten zu beachten, wo ich nochmals ein Zitat von Marini aus dem Vorwort hier wiedergeben werde und wo ihr vergleichend auch ein Zitat aus dem Interview findet, welches Alexander Bubenheimer mit ihm führte.

Nun ist es ja bei DC wie auch bei Marvel durchaus üblich, dass hier Zeichner pzw. Autoren durchaus internationaler Herkunft anzutreffen sind. Bei Enrico Marini ist dies etwas anders, denn eigentlich arbeitet der Italiener mit dem Geburtsort in der Nähe von Basel nicht wirklich für DC oder überhaupt dem amerikanischen Comic-Markt. So dürfte seine Version von BATMAN durchaus eine recht interessante wie auch spannende Besonderheit für den Comic-Fan sein. Liegt doch mit BATMAN: DER DUNKLE PRINZ ein waschechter Euro-BATMAN vor, wo man dem Zeichner und gleichzeitigen Autor Marini sogar seitens DC völlig freie Hand gelassen hatte.

Dabei erschien BATMAN: DER DUNKLE PRINZ zuerst als Zweiteiler auf dem Comic-Markt (zeitlich versetzt auch in Deutschland). Mir persönlich liegt hier allerdings die darauf folgende Gesamtausgabe (also beide Teile in einem Format) als 148 seitiges Album (Softcover) vor. Die jeweiligen Cover plus das Originalcover ist ja hier im Artikel auch recht schön zu betrachten, wobei es hierzu allerdings auch noch einige Variant-Cover seitens Panini Comics für den deutschen Markt gibt.

»Batman: Der dunkle Prinz«Wer ist denn nun Enrico Marini?
Enrico Marini wurde am 13 August 1969 in der Nähe von Basel geboren und kam schon recht schnell mit dem Medium Comic in Berührung. Schuld daran war seine Großmutter, welche ihn als Kind bereits neben Comics von Donald Duck und Micky Mause auch mit Heften der Serien Diabolik, Dylan Dog oder Tex versorgte. Beeinflusst wurde Marini allerdings mit der Zeit auch durch amerikanische Comics und japanische Mangas sowie natürlich den frankobelgischen Comics. Aber auch TV-Serien wussten bei Marini ihre Spuren hinsichtlich seiner Arbeiten zu hinterlassen, wie etwa "VIKINGS" und "GAME OF THRONES" oder die Fernsehserien zu US-Comics wie "DAREDEVIL" und "GOTHAM".

Einen großen Eindruck hinterließen bei ihm allerdings auch solche Comic-Größen wie Jordi Bernet, Hermann, Milton Caniff, Manara oder Moebius. Zwischen Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre besuchte Marini in Basel die Kunsthochschule, wo er ein Studium in Grafikdesign abschloss. Danach startete er seine Karriere als Zeichner im Rahmen der "neunten Kunst", zumal er im Vorfeld auf einem schweizer Comic-Festival in Sierre sein außergewöhnliches Talent unter Beweis gestellt hatte und hierfür auch die entsprechende Aufmerksamkeit erhielt.

Zu Enrico Marinis bekanntesten Comics gehören zweifellos seine Arbeiten auf dem europäischen Comic-Markt sowie den großen französischen Verlagen mit seinen Arbeiten wie "DER SKORPION", "DER STERN DER WÜSTE", "GIBSY" oder "DIE ADLER ROMS". Berührungsängste hat Marini hierbei keine, so das er sich recht vielseitig in den verschiedenen Genres bewegt, egal ob nun Western, Science Fiction, Horror oder eher historischen Mantel-und Degen-Abenteuern.

Während er in der Vergangenheit bereits mit Szeneristen wie Thierry Smolderen oder Stephan Desberg zusammengearbeitet hat, setzt er wie bei DIE ADLER ROMS auch bei seinem recht beeindruckenden BATMAN-Zweiteiler sein Werk als Autor und Zeichner alleine in Szene. Dabei setzt er nicht nur diese BATMAN-Story durchweg recht spannend, sondern auch mit einer einzigartigen neuen Perspektive zum dunklen Superhelden von Gotham City um, die man so wohl nicht in dem üblichen DC-Serien-Universum finden dürfte.

Am liebsten zeichnet und schreibt Enrico Marini seine Comics nicht nur selber, sondern koloriert diese auch direkt, ohne hier großartig auf die Möglichkeiten eines Computers zurück zu greifen. Diesen besonderen Prozess der Kolorierung bezeichnet er persönlich daher auch gerne als "Couleur Directe".

»Batman: Der dunkle Prinz«Wie man dazu kommt, Batman seinen Stempel aufzudrücken:
Auch hierzu findet man im Comic BATMAN: DER DUNKLE PRINZ eine sehr interessante Antwort, denn das Werk wurde ebenfalls mit einem recht interessanten Interview mit Enrico Marini versehen, wo er auch auf diesen Punkt eingeht. So erzählt er hier recht sinnig:

Eigentlich war das ein Gag. Bei einem Nachtessen mit dem Verleger von Dargaud-Lombard vor zwei, drei Jahren habe ich mitbekommen, das er auch der Verleger von Urban ist, die die DC-Comics auf Französisch publizieren. Und da sagte ich zu ihm: "Du bist doch der Boss, du entscheidest das, lass mich ran." Aber ich hab das nicht ernst gemeint, und das entscheidet ja auch gar nicht er, sondern die Amerikaner. Ich hätte eh keine Zeit gehabt, daher war die Sache nach ein bisschen Herumalbern für mich erledigt. Aber ein Jahr später hat er mich darauf angesprochen. Er hatte Jim Lee getroffen, der meine Arbeiten kannte, und Jim sei daran interessiert, dass ich einen BATMAN mache.

(Zitat: Interview/2017, von Alexander Bubenheimer mit Enrico Marini  in BATMAN: DER DUNKLE PRINZ/148 seitige Sammelausgabe)

Wie bereits gesagt, es gibt nicht wenige Europäer, die in Sachen Comics fest für den amerikanischen Markt arbeiten, doch hier handelte es sich um ein reines "Marini-Ding", eben einem Euro-BATMAN aus dem für die USA fernen Europa. Doch bei DC kannte man Marinis Alben durchaus und was man nun gerade nicht wollte, war noch eine 08/15-Geschichte mit einem Autor und Zeichner, der in dem üblichen US-Stil eine weitere BATMAN-Story ablieferte. Es handelte sich bei dem was Marini dann an Ideen vorlegte ja auch schließlich um eine Alternativgeschichte, welche nichts mit den jeweiligen Serienverläufen um BATMAN zu tun hatte und so eben völlig eigenständig für sich stehen sollte und konnte.

DC wollte also durchaus etwas völlig neues im großen Format ausprobieren, wie Marini im Interview festhielt. So hatten sie nicht nur seine vorgelegte Geschichte mit interesse gelesen, sondern diese auch ohne jegliche Änderungswünsche bewilligt.

Enrico Marini bringt dies in seinem recht lustigen Vorwort (wir erinnern uns, Batman hatte sein Fenster kaputt gemacht) von BATMAN: DER DUNKLE PRINZ auch irgendwie recht ansprechend herüber, wenn er hier schreibt:

Allerdings hatte ich noch ein paar Fragen. "Darf ich mir die Geschichte selber ausdenken und sie in meinem Stil zeichnen? Darf ich ein neues Batman-Kostüm entwerfen und ein neues Batmobil? Darf Catwoman in der Geschichte vorkommen (reiner Egoismus meinerseits) Und Harley Quinn? Und der Joker?"
Batman nickte. "Unter einer Bedingung."
"Welche?", fragte ich.
"Keine weißen Socken", antwortete er.
"Bitte?!"
"Zeichne mich nicht mit weißen Socken. Niemals", forderte Batman. "Ich trage Schwarz."
"Klar, kein Problem", erwiderte ich (und dachte: "Meinetwegen.").

(Zitat: Enrico Marini/Vorwort aus Batman: Der dunkle Prinz/komplette Sammelausgabe)

»Batman: Der dunkle Prinz«Ein uneheliches Kind und ein Geburtstagsgeschenk für Harley:
Der rote Faden dieser Geschichte ist eigentlich sogar recht simpel, allerdings auch nicht gerade weit hergeholt und durchaus stimmig, denn Harley Quinn hat in Kürze Geburtstag. Auch wenn das Liebesleben zwischen ihr und dem Joker nicht gerade so verläuft, wie man es bei normalen Paaren erwarten würde, will der Joker ihr nun ein ganz besonderes Geschenk machen. Dabei handelt es sich um einen Diamanten mit dem Namen "Blue Cat", der zur Versteigerung steht. Man muss jedoch etwas ausholen (der eigentliche Beginn der Geschichte), denn Bruce Wayne wird öffentlich von einer jungen Frau mit dem Namen Mariah Shelly konfrontiert. Dieser geht es scheinbar nicht wirklich gut und so verlangt sie eine Menge Geld von Bruce für ihre kleine Tochter Alina. Der Haken hierbei ist, das Bruce in der Vergangenheit eine einmalige Affäre mit Mariah gehabt haben und daraus Alina somit als seine uneheliche Tochter entstanden sein soll. Nur kann sich Bruce nach all diesen Jahren nicht wirklich mehr an Mariah erinnern.

Und genau hier tritt der "dunkle Prinz" aller Clowns auf den Plan, denn während sich die gesamte Presse von Gotham City auf diese Story stürzt, verursacht der einen geplanten Unfall, bei dem Mariah mehr als schwer verletzt wird und er die kleine Alina in seine Gewalt bringt.

Zum einen ruft diese Tat nicht nur in Bruce Wayne den dunklen Ritter Batman hervor, der um alles in der Welt das Leben des Kindes retten will, egal ob sie nun wirklich seine Tochter ist oder nicht. Zum anderen gelangt am Unfallort Alfred Pennyworth durch eine kleinen Verletzung von Alina an eine Blutprobe, mit der er bestimmen kann, ob das Mädchen wirklich die Tochter von Bruce Wayne ist, oder ob Mariah Shelly nur mit dieser Behauptung an die Öffentlichkeit gegangen ist, um Geld von dem millionenschweren Bruce Wayne zu erpressen. Sein Ruf als Playboy eilt Wayne schließlich hier mehr als voraus, so das die Presse hier anhand des Vorwurf bereits eindeutig Stellung bezieht.

»Batman: Der dunkle Prinz«Wayne hat indessen seit längerem schon ein intensives Verhältnis mit Selina Kyle am laufen, die man wohl besser als die Meisterdiebin Catwoman kennt. Und die hat, ohne das Bruce es weiß, ebenfalls ein Auge auf den Diamanten geworfen und wird ihrerseits keine Begründung gelten lassen, womit ihr diese fette Beute wieder durch die Finger gleiten könnte. Bruce hingegen macht seinerseits bereits Jagd auf ehemalige Mitglieder von Jokers alter Gang, die jedoch alle nicht wissen, wo der sich gerade aufhält. Dabei gerät er auch an den gefährlichen Killer Croc, mit dem der Joker zuletzt zusammen gearbeitet haben soll.

Anhand der Blutprobe stellt sich indessen bald zur Überraschung von Alfred und Bruce heraus, das Mariah nicht gelogen hatte und Alina wirklich die leibliche Tochter von Bruce Wayne, alias Batman ist. Der Joker erpresst indessen wiederum Bruce, ohne natürlich zu wissen, dass dieser gleichsam sein Erzfeind Batman ist. Diesen trifft Bruce dann auch wie verabredet in der Bar, in der Mariah vor Jahren gearbeitet hatte als Frau verkeidet, wo der Joker ihn damit erpresst, mit seinem Geld den Diamanten zu ersteigern und diesen ihm danach auszuhändigen, wenn er Alina nochmals lebend wiedersehen will. Bruce bleibt trotz Wut im Bauch nichts anderes übrig, als auf die Erpressung einzugehen, denn sonst würde er seine Geheimidentität vor dem Joker offenbaren und die kleine Alina befände sich trotzdem immer noch in höchster Gefahr. Das der Joker kurzerhand vorher seine gesamte Gang ermordet hat und Alina so nur in der Obhut von Harley Quinn und einem kleinen Clown namens Archie ist, weiß er zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht.

Bruce Wayne geht zähneknirschend auf den Deal ein und versucht den Diamanten auf der folgenden Auktion zu ersteigern, wobei er mit dem Joker in ständigem Kontakt bleibt. Und dann überschlagen sich die Ereignisse. Durch eine Unachtsamkeit gelingt es einem anderen, den "Blue Cat" zu ersteigern und auch Catwoman tritt auf den Plan, um sich diesen Diamanten unter ihre Krallen zu reißen. Und wären das nicht schon Probleme für Bruce genug, reißt der Kontakt zum Joker ab, der sich seinerseits nun durch Bruce Wayne betrogen fühlt.

Harley Quinn fühlt indessen ihre Liebe zu "Pupsie" ebenfalls aus Eifersucht gegenüber der kleinen Alina bedroht, so das Bruce Wayne/Batman nun mächtig die Zeit davonläuft. Kann er noch rechtzeitig das Versteck des Jokers ausfindig machen und das Leben der kleinen Alina zu retten?

Nun, selber lesen macht erst richtig Spaß und so werde ich den Einblick hier mit diesem kleinen, bösen Cliffhanger beenden. Das Ende wird - soviel sei verraten - hier nicht einfach nach dem üblichen Schema F ablaufen, wie es sich eben für einen waschechten Italo-Europäer-Batman gehört. Diese recht eigenwillige wie stimmige Neuinterpretation weiß jedoch durch die Story wie auch die Zeichnungen mehr als nur zu überzeugen und dürfte das Herz jedes Comic-Freund und BATMAN-Fan höher schlagen lassen.   

»Batman: Der dunkle Prinz«Mein kritischer (oder eher begeisterter) Blickwinkel:
Tja, zuerst bin ich kürzlich quasi ganz zufällig auf die Informationen zum zweiten Teil/Hardcover von BATMAN: DER DUNKLE PRINZ gestoßen. So wirklich hatte ich diese Graphic Novel nämlich nicht auf dem Schirm. Aber auf dem Cover war eine recht ansprechende Zeichnung des Joker, der in Sachen DC Comics und auch Schurken im allgemeinen durchaus zu meinen finsteren Lieblingen zählt. Begeisterung kam dann allerdings wirklich bei mir auf, als ich eine Leseprobe dieses Comics erblicken konnte.

Natürlich hat so ein Superheld wie BATMAN natürlich eine Menge an Gegnern, die sich nicht gerade um einen Platz hinsichtlich eines Kaffeekränzchen balgen dürften. Da gibt es Two-Face, den Pinguin oder den Riddler, um nur drei seiner Erzschurken zu nennen. Doch der dunkle Prinz der Clowns hatte es mir bei BATMAN immer schon besonders angetan. Diese Figur bot und bietet für mich persönlich so viele verschiedene Facetten und Möglichkeiten, so das die anderen Schurken ihm gegenüber mitunter doch eher etwas blass aussehen. Dabei sind auch die anderen Gegner von BATMAN bei einer guten Story keine Leichtgewichte und bieten durchaus so manche spannenden Möglichkeiten innerhalb einer Geschichte. Doch der Joker bietet einfach eine viel größere Palette, welche von witzig über böse bis hin zum blanken Wahnsinn und unmenschlicher Grausamkeit reichen kann. Diese Figur scheint irgendwo keine wirklichen inneren Grenzen zu unterliegen, weshalb jeder Comic-Künstler natürlich auf den Joker zurückgreifen wird, wenn er mal die Chance hat, völlig aus der eigentlichen Reihe heraus ein Abenteuer um BATMAN zu erschaffen. Wenn man dann in Sachen Story und Zeichnungen noch völlig freie Hand erhält, wie eben Enrico Marini, dann sind zumindest alle Grundsteine für eine ausergewöhnliche bis einzigartige Geschichte gelegt. Und dies wusste Marini hier in BATMAN: DER DUNKLE PRINZ auch wirklich perfekt zu nutzen.

So hat Bruce Wayne/BATMAN hier durchaus seine recht offensichtliche intime Beziehung zu Selina Kyle/Catwoman, ohne das die Meisterdiebin hier nun zur absoluten Heldenfigur gewandelt wird. Ganz im Gegenteil, denn wenn es um "ihre Beute" geht, dann kennt Catwoman hier wahrlich kein halten mehr und da muss dann auch die Liebe zu BATMAN zurückstehen. Bei Killer Croc, der in Sachen reiner körperlicher Kraft BATMAN wohl überlegen ist, zeigt uns Marini, wozu unser dunkler Ritter durch rohe Gewalt wirklich fähig ist und auch Harley Quinn zeigt sich hier von einer sehr ansprechenden wie lustigen Seite, wobei sie gleichzeitig Dank Marini neben Selina Kyle in Reizwäsche auch noch einen geballten Schuss Erotik beiträgt (ich sage hier nur nackt als lebendes Sushi-Buffet).

»Batman: Der dunkle Prinz«Hier geht BATMAN mit seinen Gegnern auch wahrlich nicht wirklich zimperlich um, wenn es um das Leben eines kleinen Mädchens geht, welches offensichtlich sogar seine Tochter ist, die einem früheren Seitensprung des Playboy Bruce Wayne entstammt. So kann man dei der Dynamik der Bilder fasst schon deren Knochen brechen hören. Und was eben den Joker angeht, so greift Marini hier auf die gesamte Bandbreite der Möglichkeiten zurück - der eher witzigen wie wahnsinnigen als auch tödlichen Seiten dieser Figur. So muss man einfach gesehen haben, wie der Joker bei einem Treffen mit Bruce Wayne sich als Transvestit verkleidet und so die Zeichnungen dem Leser ein perfektes Lächeln ins Gesicht zaubern, während er an anderen Stellen mit purer kaltblütiger Leichtigkeit so ganz nebenbei Menschen ermordet.

Neben Bruce Waynes vermeintlicher Tochter Alina, die am Ende das Blatt eigentlich sogar entscheidend wendet, rückt hier auch eine weitere interessante Figur in den Fokus des Lesers. Hierbei handelt es sich um den kleinwüchsigen Archie (Marinis Eigenkreation), der nicht nur seine Kostümierung als Clown "beschissen" findet und nicht das kleinste Lächeln zustande bringt, sondern auch eigentlich dem Leben überdrüssig ist. Leider sind bisher aber alle seine früheren Selbstmordversuche fehlgeschlagen.

Man muss diese Geschichte einfach als Einheit mit den jeweiligen genialen Zeichnungen von Enrico Marini betrachten, um wirklich zu erkennen, warum diese BATMAN-Saga von den Fans so frenetisch gefeiert wurde. Die einzelnen Bilder strotzen mitunter nur so vor gefühlter Geschwindigkeit und Action um dann an anderen Stellen schon das Prädikat stiller wie eindringlicher Kunst zu offenbaren. Natürlich glaubt man nach so vielen Jahrzehnten eigentlich, BATMAN und seine Abenteuer in- und auswendig zu kennen, so das man eigentlich der Meinung sein könnte, dass sowohl was die Story angeht als auch die Zeichungen betrifft, kaum noch wirkliche Überraschungen auftauchen können. Doch diese Graphic Novel belehrt den Leser wie auch Fan hier wahrlich eines besseren. Gut, es ist BATMAN und den kennt man. Und doch zeigen sich hier Seiten (betreffend der Geschichte wie auch der Zeichnungen), die so völlig anders, erfrischend und genial sind, dass der Zweiteiler, oder Alternativ der komplette Sammelband/Softcover, einfach in der Comic-Sammlung zur Pflichtlektüre wird. Von mir erhält BATMAN: DER DUNKLE PRINZ daher auch ohne jegliche Abstriche die vollen fünf von insgesamt fünf zu vergebenen Sterne als Bewertung, wobei hier sowohl die künstlerische Seite dieses Meisterwerk von Enrico Merini zum tragen kommt, wie auch die spannungsgeladene Geschichte, welches dieses wirklich einmalige Fest für die Augen grandios trägt.
»Batman: Der dunkle Prinz«
Batman: Der dunkle Prinz
(Batman: The Dark Prince Charming)
Story/Zeichnungen/Kolorierung: Enrico Merini
Zweiteilige Ausgabe: Gebundene Ausführung/je 76 Seiten
Einzelpreis je Teil 1 & 2: Hardcover/16,99 Euro
Auflage 1: 29. Januar 2018/Teil 1 und 10. Juli 2018/Teil 2
Sammelausgabe: Softcover/148 Seiten
Einzelpreis: 16,99 Euro
Auflage 1: 11. September 2018
Empfohlenes Alter: Nicht unter 12 bis 15 Jahren
Extras: Vorwort von Enrico Marini/Interview mit Enrico Marini, Charakterzeichnungen/Schlusswort seitens "Archie" dem Clown
US-Originalausgabe: DC Comics
Deutsche Ausgabe/Vertrieb: Panini Comics

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