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Absolut keine leichte (Lese-)Kost - Michael Merhi: Candygirl

CandygirlAbsolut keine leichte (Lese-)Kost
Michael Merhi: Candygirl

Eigentlich war Robert Dunhill, auch Bobby genannt, nicht von Geburt an böse. Er war nicht gerade ein hübsches Kind, aber wirklich abgrundtief böse – Nein, dass konnte man nicht wirklich behaupten. Im Grunde war wohl erst einmal das Leben selbst böse. Die Umstände, die waren bestimmt auch böse. Sein Vater? Ja, der war wirklich abgrundtief böse. Und der hat Bobby nicht nur geschlagen und misshandelt, sondern auch oftmals missbraucht.


CandygirlUnd auch in der Schule war Bobby schlicht zuerst einmal ein Mobbingopfer seiner Mitschüler. Da er wie gesagt nicht gerade schön war, sondern eher sogar als hässlich betrachtet wurde, hätte er sich vielleicht denken können, dass das süße rothaarige Mädchen in seiner Klasse niemals so verliebt in ihn war, wie er in sie. Ein Spitzname hat sich bei ihm daher wirklich in den Kopf eingebrannt. „Schweineschwarten Bob“ war wohl eine der grausamsten Bezeichnungen für ihn. Das sich daran etwas ändert, dafür hatte der Junge mehr als oft den lieben Gott gebeten – ja regelrecht angefleht. Doch der interessierte sich wohl gerade einen Scheiß um seine Probleme. Und so hatte Bobby schon in jungen Jahren bald jede Menge Leben auf seinem Gewissen. Schließlich waren ja alle Menschen Gottes Kinder, und Bobby hatte sehr früh damit begonnen, diesen unfähigen Gott für dieses Leben zu hassen.

Das Baby schrie. Schrie so laut, dass es keinen Zweifel mehr daran gab, dass ihn das Feuer bereits erfasst und seine zarte Babyhaut in ein knuspriges Barbecuebraun verwandelt hatte. Es schrie. Laut und herzergreifend. Diese qualvollen Schreie sollte Bobby noch Zeit seines Lebens hören, sowohl im Schlaf als auch im Wachzustand, aber das wusste der zwölfjährige Junge von damals nicht.

(Michael Merhi: Candygirl / Seite 31)

Der erste Eindruck:
Michael Merhi, den Namen hatte ich noch nie gehört und das ist hierbei auch nicht verwunderlich, denn CANDYGIRL ist sein Debütroman. Die Gefahr ist also im Vorfeld schon einmal groß, dass man das Thema vielleicht als recht vielversprechend einstuft, aber dann leider unter Umständen doch eher enttäuscht wird.

Wozu gibt es aber Leseproben, hatte ich mir in meiner aufkommenden Weisheit gesagt und flugs gleich mal bei AMAZON rein gesehen und mir die Leseprobe dann auch in einem Zug reingezogen. Gut, die ist nicht wirklich lang und sagt vielleicht noch nicht ausreichend viel aus. Doch ich will hier ehrlich sein, diese Leseprobe hatte mich mehr als ordentlich angefixt. Also nichts wie ran und das Büchlein bestellt. Was dann allerdings ankam war ein Buch das vom Format her um einiges größer ist als ein normales Taschenbuch. Gut, für den Preis von gut 16,04 Euro kann man ja was erwarten. Hier aber auch gleich meine Kritik dazu, denn zum entspannten lesen ist dieses Format eher sogar etwa unhandlich. Ein Grund also bei einer Neuauflage auf ein normales Taschenbuchformat zu wechseln oder es in diesem Format doch besser gleich als Hardcover vermarkten. Und kurz will ich in Sachen Printausgabe hier nur erwähnen, dass Amazon zur Zeit, wo ich diesen Artikel schreibe, mir nur noch die Kindle-Version (eBook) anzeigt. Sollten wirklich schon die Printausgaben ausverkauft sein? Nun, wenn das Buch so gut läuft, dann sollte man flott eine zweite Auflage als Print auflegen, denn viele wollen ein gutes Buch auch als reales Buch besitzen und nicht nur auf einem elektronischen Lesegerät, wo man meistens das hochspielt, was gerade kostenlos von Amazon verbraten wird, oder eh nur für einmal Hop und Ex lesen vorgesehen ist. Für mehr nutzen nämlich viele ihr Lesegerät in meinem Bekanntenkreis nicht, wenn es um Romane geht.

Doch kommen wir wieder zur Handlung selbst zurück. Und hier wurde ich durchaus recht positiv überrascht. Ein Stephen King, Jack Ketchum oder Richard Laymon, wie gerne zum Buch umworben, ist Michael Merhi noch nicht. Aber seinen wir ehrlich, man will hier ja nun auch keinen Klon eines anderen Schriftstellers lesen. Doch Merhis Roman CANDYGIRL ist böse … verdammt böse Lesekost. Das merkt man schon anhand der Leseprobe, die uns Bobby oder auch Schweineschwarten Bob als erwachsenen Zuhälter präsentiert, der gerade von einem drogensüchtigen Dealer ein zwölfjähriges Mädchen zum Kauf angeboten bekommt.

Candis, nicht nur blutjung und hübsch ist gerade selbst auf Droge und lässt die erniedrigende Feilscherei wie auf einem Viehmarkt über sich ergehen, weil man ihr schlicht einen neuen Drogentrip versprochen hat. Candis, die auch von vielen einfach nur CANDYGIRL genannt wird, ahnt in diesem Moment aber noch nicht, an was für einen Albtraum sie gerade regelrecht verschachert wird.

Bobby nämlich ist längst kein Menschenfreund mehr. In seiner eigenen Jugend hat er den Tod seiner Mitschülerinnen zu verantworten und auch das Elternhaus samt Eltern hatte er als Minderjähriger in Brand gesetzt. Frei nach dem Grundsatz: Wenn Gott mir nicht hilft, dann muss man dies eben in die eigene Hände nehmen. Und CANDYGIRL interessiert ihn, weil sie dem Mädchen sehr ähnlich ist, in das er sich als Schüler bis über beide Ohren verliebt hatte und das ihn in eine so verdammt gemeine und schmerzhafte Falle gelockt hatte.

Vorsicht bei dem Thema – nichts für schwache Nerven:
Bobby steht nämlich auf minderjährige Ware, egal ob Mädchen oder Junge. Dafür wurde von den perversen Freiern schließlich immer gut gezahlt. Und Bobby ist mittlerweile ein Meister darin, seine Opfer seelisch und körperlich zu brechen. Wie Tiere gebrandmarkt werden sie von einem perversen bis brutalen Kunden zum nächsten weiter gereicht. Kunden, die wenn sie erst einmal gezahlt haben, mit ihnen machen können, was immer sie wollen.

Das alte Ehepaar starb auf der Stelle. Nun ja, nicht exakt auf der gleichen Stelle, da sie zirka dreißig Yards weiter südlich durch die Gegend flogen und direkt vor Frankies Eisenwarenhandel landeten. Mister Widynski schaffte es sogar, durch das dicke Schaufensterglas hindurch und landete blutüberströmt direkt in der Campingabteilung.

(Michael Merhi: Candygirl / Seite 169)

Michael MerhiEinblicke in die Vergangenheit:
Michael Merhi gibt sich allerdings auch positiver Weise nicht damit zufrieden, eine Gräueltat an die nächste zu reihen, was die junge Candis angeht. Zuerst entführt er nämlich den Leser in die Vergangenheit von Bobby. Lässt uns teilhaben an dessen Leben das ihn geprägt hat und das so ziemlich alles schlechte bei ihm nach oben spülte, was ihn später ausmachen sollte. Wenn Kindheit eine Hölle sein kann, dann hat Bobby bis zum Hals in dieser Hölle gesteckt.

Danach geht es zu Candys, die von ihrem Vater abgöttisch geliebt wurde. Nur leider verstarb dieser viel zu früh und ihre Mutter samt deren Bruders waren aus einem anderen, recht herzlosen Kaliber. Je hübscher sie wurde, je mehr war es Ruth, ihre eigene Mutter (die sich als Prostituierte ihr Geld verdiente) die diesen Umstand bei ihren Freiern nutzte, um hier schnell zu Geld zu kommen. Candis muss nun alles daran setzen, dieser Hölle zu entkommen und auch an ihren zarten Händen klebt bald jede Menge  Blut. Doch befreien kann sie sich aus dem Teufelskreis der Prostitution nicht und landet letztendlich in den Pranken der Bestie, die man hinter der vorgehaltenen Hand nur „Schweineschwarten Bob“ nennt.

CANDYGIRL ist nun wirklich kein Horror-Roman im klassischen Sinne, sondern stellt sich bald als eine perfekte Rape & Revenge – Story dar, in der der Autor wirklich kein Blatt vor den Mund nimmt und es auch nicht an ausführlichen und sehr drastischen Beschreibungen fehlen lässt. Michael Merhis eigene Aussage ist daher auch hier Progamm wenn er aussagt, dass Leser mit zartem Gemüt und schwachen Nerven besser gleich die Finger von seinem Buch lassen sollten. Dies kann ich nach der Lektüre von CANDYGIRL hier auch ohne Übertreibung bestätigen. Kenner würden die Handlung auch als harten Tobak bezeichnen, der einen trotzdem in seinen Bann zieht und nicht mehr los lässt.

Das Fleischerbeil. Sie packte es am Holzgriff, nahm es aus der  Schublade und hielt es in Richtung Ruth, die auf dem Boden lag und sich benommen umsah. „Das reicht jetzt!“, sagte das Mädchen hysterisch.

(Michael Merhi: Candygirl / Seite 247)

Meine Kritik:
CANDYGIRL lässt für die Freunde der beinharten Literatur nun wirklich keine Wünsche offen, auch wenn zum Autor Vergleiche z.B. zu Jack Ketchum doch noch etwas zu hoch gegriffen sein dürften.

Das macht aber wie oben schon mal gesagt, nichts. Der Roman weiß zu fesseln und treibt einen faktisch wie unter Peitschenhieben von Seite zu Seite. Ich will aber hier nicht verschweigen, dass nicht wenige Beschreibungen einen eher reinen Gruselroman lesenden Freund schon zum schlucken bringen dürfte. Merhi beschönigt nichts zum Thema Blut, Sex, Folter und Grausamkeiten. Also wirklich keine leichte Kost und mitunter nur für Leser mit einem wirklich stabilen Magen zu empfehlen.

Übernatürliches sucht man in diesem Horror-Thriller vergeblich, aber trotzdem schleift uns der Autor durch durchaus realistisch mögliche Abgründe, die schlicht der absolute Horror sind. Von daher für die, die damit umgehen können, eine volle Leseempfehlung.

Leider kann ich aber wie gesagt nicht sagen, ob man noch an die Printausgabe ran kommt und wenn nicht, ob eine weitere Auflage geplant ist. Zu hoffen wäre es in jedem Fall. Ansonsten kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nur auf die eBook-Ausgabe bei Amazon verweisen, die nach wie vor erhältlich ist.
Candygirl
Daten zur Printausgabe:
Candygirl
von Michael Merhi
Genre: Horror-Thriller
Seitenanzahl: 434 Seiten
Neue ISBN:  978-3959570107
Erstveröffentlichung: August 2016
Printed by Amazon Fulfillment, Poland
Preis 16,04 Euro
Redrum Books

Kommentare  

#1 Laurin 2016-11-18 18:26
Die Printausgabe von CANDYGIRL ist für 16,54 Euro wieder über AMAZON erhältlich. ;-)

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