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Was kann man mit einer Seele alles anstellen? - Emma von Rodger Simons

EmmaWas kann man mit einer Seele alles anstellen?
Emma von Rodger Simons

Russland – Ein abgelegener Ort. Eine Lichtung eingebettet in einem Kiefernwald und dort verborgen ein altes Herrenhaus. Dort geschieht irgendetwas das sich jedem normalen menschlichen Verstand entzieht.

In einem geheimen Labor, in dem die Qual und der Tod scheinbar zur Normalität gehört, beginnt etwas erschreckendes, dass man bald nicht mehr unter Kontrolle halten kann.


EmmaIrgendwie ein bleibender Eindruck in verschiedenster Form:
Bevor wir uns der Geschichte hier etwas eingehender widmen, seien vorab schon mal einige Informationen gegeben. Von Rodger Simons hatte ich vorher noch nie etwas gehört. Doch wie das so beim durchforsten von möglichen, ansprechenden Romanen nun mal so ist, fällt einem dann doch manchmal etwas ins Auge, dass einen neugierig macht.

Das ganze muss wohl zuerst für den Kindle (eBook) geschrieben worden sein, zumindest wird auf der Autorenseite von Rodger Simons angegeben, dass man ihn ausgewählt habe um exklusiv für das Amazon Kindle Programm zu schreiben.

Gut, aus diesem Grund dürfte er mir wohl erst jetzt aufgefallen sein, denn eBooks gehören nicht zu den Medienformen, die ich schätze und demzufolge auch nicht im Auge behalte oder gar rezensiere. Doch EMMA, der Thriller von Rodger Simons liegt auch als Printversion vor und damit kommt er dann doch in den Bereich meines Beuteschemas.

Das System um diesen recht kurzen Thriller (oder zumindest dem, was zur Zeit verfügbar ist) ist recht nett aufgebaut. Da gibt es die eigentliche Hauptstory mit ca. 148 Seiten (Alle Ausgabeformen der Printversion) unter dem Titel EMMA – CHAPTER 1. - ERSTKONTAKT. Dieses Taschenbuch gibt es bereits für 5,99 Euro zu erstehen. Wer dann noch etwas Vorgeschichte möchte, der kann auf eine weitere Printversion mit sage und schreibe nur ca. 32 Seiten für 3,54 Euro zugreifen. Die gibt es dann unter dem Titel EMMA – PREQUEL CHAPTER 1 – WAS GESCHAH DAVOR? Und wer dann nicht viel für ein solches Baukastensystem übrig hat, der bekommt auch beides zusammen in einem Taschenbuch für ca. 6,98 Euro sogar etwas günstiger als Gesamtpaket geliefert.

Selbst die Schreibform von Rodger Simons scheint einen eigenen Namen zu haben. Der Schreibstil nennt sich „Over the Shoulder Shot“, also eine Art über die Schulter Erzählung, was immer das jetzt nun genau sein mag. Ich weiß es nicht, habe mich aber auch noch nie über solche diversen Unterscheidungsformen innerhalb der Schreibstile wirklich informiert. Doch zwei Dinge sind mir dabei direkt aufgefallen.

Zum einen ist die Handlung wirklich gut und es macht Spaß sie zu lesen. Zum anderen wirkt sie allerdings auch noch etwas grob und irgendwie unfertig, so als wenn man über weite Strecken eher vor einem Grundgerüst steht, dass man noch recht ausführlich mit Leben ausfüllen könnte, indem man die einzelnen Charaktere intensiver vertieft und die Handlung klarer ausbaut. Man sollte sich da auch nicht von der Hauptstory täuschen lassen (148 Seiten angegeben). Die Seiten sind äußerst übersichtlich bedruckt mit jeder Menge Leerraum pro Seite. Schnellleser dürften da das ganze wohl locker in einer Stunde durch haben (eventuell sogar mit den 32 Seiten Vorgeschichte). Nimmt man da die Textmenge einer durchschnittlichen Taschenbuchseite, bliebe also durchaus noch eine Menge Raum für Handlung und die Vertiefung der einzelnen Charaktere übrig, ohne das man die Seitenzahl nun dafür kräftig erhöhen müsste.

In manchen Momenten reagieren die einzelnen Charaktere auch irgendwie etwas unlogisch, was man sehr gut an der Hauptfigur des Boris Petrov festmachen kann. Petrov, ein ehemaliger KGB-Mann und jetziger Polizist wird zuerst recht eiskalt geschildert, bekommt dann im Verlauf der Story aber irgendwie einen moralischen Anfall um direkt danach jedoch wieder zu einer Art blutgeilen Schweinehund zu mutieren. Ich will da jetzt nun nicht näher darauf eingehen, denn dann müsste ich von der Story etwas zu viel spoilern, was angesichts des doch recht ansprechenden Gesamtpaket der Handlung nicht angebracht wäre.

Ein weiterer Negativpunkt ist der schlichte Fakt, dass sich in den CreateSpace – Veröffentlichungen stets zu viele Fehler finden lassen, die den Lesefluss etwas stören können und manchmal auch zu einigen „lustigen“ Ausrutschern führen, wie wir sie später noch anhand einiger Beispiele sehen werden. Da bin ich dann doch der Meinung, dass etwas mehr Sorgfalt auch von der betreffenden Verlagsseite her gegeben sein sollte und man sich hier nicht einseitig nur auf das wachsame Auge des Autor selbst verlassen kann. Denn aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man bei eigenen Texten mitunter regelrecht „blind“ für Fehler bzw. seltsame Satzkapriolen wird und diese einem erst dann mit aller Macht ins Auge springen, wenn man selbst etwas Abstand gewonnen hat. Nur dann ist es zumeist irgendwie auch schon zu spät zum nachbessern.

Dass Rodger Simons nämlich durchaus ansprechend und spannend schreiben kann, kann man am Gesamtpaket durchweg erkennen. Auch gelingt es ihm vorzüglich das Kopfkino des Lesers mit recht knappen und auf den Punkt gebrachten Sätzen ordentlich zu stimulieren.

EmmaAuf der blutigen Jagd nach verwertbaren Seelen:
Boris Petrovs beste Zeiten beim KGB sind längst vorbei und so sitzt er sich seinen Hintern seit einigen Jahren an einem Schreibtisch der Polizei platt. Die politischen Veränderungen in Russland sind damit auch an ihm nicht spurlos vorüber gegangen.

Alles was Boris eigentlich mit seinen 60 Jahren noch geblieben ist, sind nervende Kollegen, belanglose Anzeigen und die junge Nadja aus der Notrufabteilung, mit der er sich täglich einen wahren verbalen Kleinkrieg leistet.

Der Notruf, der ihm auf den Tisch flattert ist schon etwas merkwürdig, denn wirklich schlau wird man aus den darin befindlichen Daten nicht. Statt einer Adresse wurden nur Längen- und Breitengrade angegeben um zum Zielpunkt zu gelangen und unterzeichnet wurde das ganze schlicht mit dem Namen Emma.

Da ihm keine freie Streife zur Verfügung steht, muss Petrov sich selbst etwas widerwillig zum Einsatzort bemühen. Später, an einem einsam stehenden Herrenhaus sieht er sich mit einem Komplex konfrontiert, der vollgestopft ist mit modernster Technik. Auch Sewjesch, ein arroganter junger Schnösel, der diese Forschungsanlage leitet ist ihm keine wirkliche Hilfe. Vielmehr belauert man sich zuerst, bis das es zu einer für Petrov gefährlichen Auseinandersetzung kommt. Doch dies ist nur ein Vorgeschmack auf den blutigen Schrecken, der sich Petrov innerhalb der Forschungseinrichtung offenbart und bald merkt er das es für ihn keinen Weg zurück mehr gibt, denn Emma hat längst alle Fäden in der Hand und bestimmt nun über Leben und Tod. Das Problem ist nur, dass Emmas zu Tode gefolterte und gehäutete Leiche direkt in seinem Blickfeld liegt.

Welchem Zweck diente diese Einrichtung und was hat dies alles mit den Seelen ihrer grausam ermordeten Opfer zu tun?

Warum hat Emma die Polizei mit dieser höchst mysteriösen Nachricht kontaktiert und warum weiß dieses Wesen so viel aus der blutigen Vergangenheit des alten KGB-Agenten?

Dieses und etwas mehr sind die Fragen, die aufgeworfen werden in der Geschichte um Emma. Dabei genießt es Rodger Simons durchaus, seine Leser an Grenzen zu führen mit einem manchmal provokanten bis brutalen und ab und an etwas anstößigen Schreibstil, der nicht wirklich so ganz dem üblichen Mainstream entspricht.

EmmaEine kritische Nachbetrachtung:
Beim lesen juckte es mir förmlich in den Fingern, nebenher eine Positiv und eine Negativ Liste zu führen. Die Grundidee ist nicht wirklich neu und man findet sie sehr wohl auch z.B. in dem Horrorfilm MARTYRS in ähnlicher Form dargereicht, in dem man durch Folterungen und diversen Grausamkeiten herauszufinden versucht, ob es für die Seele ein Weiterleben nach dem Tode gibt. Hier wandelt Simons die Story jedoch etwas ab und so nimmt seine Story eine andere Stoßrichtung, die ebenfalls nicht unspektakulär und durchaus interessant ist. Ob man allerdings nun alle westlich geprägten Klischees hier einbringen musste, die über Russen, Russland oder den ehemaligen Angehörigen des KGB schon reichlich an anderen Stellen ausgeschlachtet worden sind, lasse ich mal dahin gestellt.

Zumindest der KGB/Polizei-Bezug bietet sich ja hierzu auch wiederum geradezu (aufdringlich) an. Dann muss man dem Autor hoch anrechnen, dass es ihm bestens gelingt, in knappen Sätzen auf den Punkt zu kommen, die Spannung voran zu treiben und das Kopfkino des Lesers ordentlich anzukurbeln. Andererseits hätte es der Story nicht geschadet, wenn man hier etwas mehr in die Tiefe gegangen wäre und die Charaktere etwas ausgebaut hätte. Auch an der Story selbst hätte man noch etwas „Fleisch“ anbringen können und manchen logischen Patzer in der Handlung und den Charakterbeschreibungen somit glätten können, die in der vorliegenden knappen Form einfach zu offensichtlich negativ ins Auge springen. So hätte man die logisch nicht nachvollziehbaren Wechsel in den Verhaltensweisen von Boris Petrov zumindest nachvollziehbar aufarbeiten können. So aber bleiben sie zu sprunghaft und nicht wirklich realistisch nachvollziehbar. Dabei gibt der Autor selbst auf seiner Seite bei AMAZON an, dass ihm das „Spiel von Charakter-Wandlungen in Kombination mit schnellen Schock-Elementen und eindringlichen Empathie-Momenten“ gefällt. Nur muss das ganze auch für den Leser logisch nachvollziehbar sein.

Der Härtegrad dieses Horrorthrillers bewegt sich dabei etwas über dem allgemein mittleren Niveau mancher anderer Thriller, so das man nicht unbedingt einen starken Magen benötigt, aber andererseits den einen oder anderen Schockmoment durchaus genießen kann.

So bin ich (irgendwie hin und her gerissen) durchaus geneigt, dem Gesamtpaket EMMA (einschließlich der mir gesondert vorliegenden Vorgeschichte) noch drei von fünf möglichen Punkten zu geben. Dies liegt zum Teil daran, dass der Autor Rodger Simons es versteht, manchen kritischen Punkt schnell mit einer vorzüglichen Weiterführung der Story vergessen zu machen und damit dann durchaus schriftstellerisches Potential zeigt. Andererseits hätte die Wertung auch noch höher ausfallen können, wenn es eben dann nicht an manchen Ecken (Nachvollziehbarkeit, Handlungsdichte und Charakteraufbau) des durchaus spannenden Thrillers doch etwas zu auffällig geschwächelt hätte.

EmmaSo jedenfalls macht es der Autor einem nicht gerade leicht, seinen Horrorthriller klar zu bewerten, obwohl das Potential durchaus greifbar ist, dass in der vorliegenden Story steckt. Eine weitere Chance hat der Autor allerdings bei mir durchaus verdient, weshalb ich gespannt auf ein neues Werk hoffe, bei dem ich mich nicht so hin und her gerissen fühlen muss zwischen positiver und negativer Kritik.

Kleine verstörende „Ausrutscher“ im Text:

Büstenhalter statt Schulterhalfter...
Hastig packte er seine Zigarettenschachtel ein und steckt seine 9mm Makarow in das linke Brusthalter.
(Emma – Chapter 1 / Seite 9.)

Verstrahlte Schönheit...
Verrottete Skulpturen und ein zugewucherter Brunnen lassen auf den früheren Glanz schließen, den das Herrenhaus verstrahlte.
(Emma – Chapter 1 / Seite 14.)

Keine Lust mehr...
Was soll er jetzt machen? Verstärkung rufen und nach Hause fahren?
(Emma – Chapter 1 / Seite 33.)

Aufwachen in Einzelteilen...
(…) gemächlich wachen auch seine Augen wieder auf und geben die Sicht auf seine Umgebung preis.
(Emma – Chapter 1 / Seite 69.)

Lassen wir es mal damit gut sein, denn irgendwie zaubern solche Sätze einem doch auch zwischendurch ein Lächeln beim lesen in die Gesichtsfalten. Und das bei einem eher blutigen Thema. Wir verbuchen es einfach mal als stilistische Auflockerung da ja wohl eh kein Lektorat im Umkreis zu finden war. Insgesamt gesehen ist die Story von Rodger Simons jedoch sicherlich einen Blick wert, denn Potential hat sowohl die Story als auch der Autor selbst.

EmmaEmma – Chapter 1. - Erstkontakt
Seitenzahl: 148 Seiten
Preis: 5,99 Euro
ISBN: 978-1517323301

Emma – Prequel Chapter 1. - Was geschah davor?
Seitenanzahl: 32 Seiten
Preis: 3,54 Euro
ISBN: 978-1517335618

Emma – Komplettpaket in einem Band
Seitenanzahl: 160 Seiten
Preis: 6,98 Euro
ISBN: 978-1517325420

von Rodger Simons
Genre: Horror/Thriller
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
Auflage 2./September 2015
Bezug über Amazon

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