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Herzlich willkommen im tödlichsten Strip-Club – One Night Stan's

One Night Stan'sHerzlich willkommen im tödlichsten Strip-Club
One Night Stan's

Scud City in Nevada ist nicht gerade eine Millionenstadt und wohl auch kein Zufluchtsort für Touristen, die auf amerikanische Geschichte stehen. Dafür hat Scud City einen Straßenstrich, Clubs und anrüchige Bars, die Mafia und auch sonst jede Menge undurchsichtiger Typen zu bieten.

Und eine dieser schäbigen Strip-Clubs ist die Titty Bar von One Night Stan's.


One Night Stan'sJa, Scud City ist eine recht sündige kleine Stadt in denen selbst die Cops besser beide Augen schließen sollten, wenn sie nicht Mittelpunkt eines unschönen Blutbades werden wollen. Und wenn sie mehr sehen wollen als nur ein paar nackte Möpse, die die Mädchen tanzend an der Stange präsentieren, dann treibt es einsame Ehemänner, gelangweilte Cops, düstere Gestalten und betrunkene College-Boys eben in den übelsten Nachtclub der Stadt mit dem schönen Namen „Titty Bar“, sofern sie an Russian Bob vorbei kommen.

Eines Abends versucht allerdings der halbseidene Traci Jack eine prall gefüllte Tasche voller Geld durch die Stadt zu schleusen. Vorher aber lässt er sich noch auf ein kleines Abenteuer mit der schärfsten Braut der Titty Bar ein. Man könnte sagen, ein Fehler beginnt immer mit den besten Aussichten, bevor man merkt, dass man die Zeit leider nicht mehr zurückdrehen kann. Denn Ginger ist nicht nur eine heiße Stripperin, sondern auch eine etwas – nun sagen wir mal – absonderliche Killerin, die Stan's, der sich gerne auch mal mit Sinatra vergleicht, auf Traci Jack angesetzt hat, um eben an diese Tasche voll Dollars zu gelangen. Nun macht Stan's natürlich kein „Geschäft“ auf eigene Rechnung, dafür aber auf eigenes Risiko, denn ihm im Nacken sitzt ein verdammt übler Mafiosi.

Dumm nur, dass die nymphomane Ginger sexuell so richtig abgeht, wenn sie ihre Kunden so richtig langsam und sadistisch ins Jenseits befördern kann. In Sachen Traci Jack war dies aber leider nicht langsam genug, denn bevor er verraten kann, wo sich der Geldsegen befindet, dürfte er schon an der Tür von Petrus stehen und die Hoffnung hegen, doch noch ein paar Flügel angeschraubt zu bekommen.

»Zieh dir etwas Salz in die Nase, drück dir Limettensaft ins Auge, trink einen Tequila und bringe einen Freund dazu, dir ins Gesicht zu boxen. Das nennt man einen „Man Shot“.«

(Zitat: One Night Stan's, Seite 28)

One Night Stan'sDie Situation wird so für Stan's ziemlich übel und da hilft ihm auch nicht sein russischer Türsteher, der aussieht, als könne er jeden anderen in der Luft der Länge nach zerreißen. Denn wenn der üble Mafiosi auftaucht, wechselt die Frage rapide, wer gerade der Chef im Laden ist und wer hier die Kommandos erteilt. In dieser  Nacht erhält auch ein ziemlich angetrunkener Student einen Anruf in einer öffentlichen Telefonzelle. Und eben dieser Anrufer hält ihn versehentlich für Traci Jack. Mit diesen eher unfreiwillig erhaltenen Informationen macht dieser sich mit seinem Kumpel auf, die besagte Geldtasche aus ihrem Versteck zu holen. Dabei sind unsere Studenten nicht gerade die hellsten ihrer Zunft. Ihnen fällt nichts besseres ein, als mit ihrem neu erbeuteten Reichtum in der Titty Bar die Sau raus zu lassen, nachdem sie in Panik ihren Wagen geschrottet haben. Und dort hält Ginger gerade die Augen auf, um Kunden mit unverhofftem größeren Geldsegen ausfindig zu machen.

»Hätte Jeremy warten können, bis Caleb komplett im Auto war, bevor er losfuhr? Klar, bestimmt. Wenn es ihm  nichts ausmachte, von Terroristen gefangen genommen und mit einem Schweißbrenner kastriert zu werden.«

(Zitat: One Night Stan's, Seite 59/One)

Die Nacht (und auch die Story) fängt pünktlich um 21:15 Uhr an und setzt sich über die gesamte Nacht fort. Da stolpern Cops über eine Leiche im Whirlpool und stehen unvermittelt selber auf der Abschussliste. Drogen konsumierende Studenten kommen in den Besitz einer orangefarbenen Tasche, prall gefüllt mit Hundert-Dollar-Scheinen, Ein Mädchen will unbedingt einen Job in Stan's Strip-Club und ein obszöner und nicht gerade intelligenter FBI-Agent taucht auf, weil er einen Serienkiller sucht, der auf seiner Tour bevorzugt Stripperinnen aufschlitzt. Und um 05:45 Uhr dürfte der Tod wohl Überstunden gemacht haben, denn die meisten haben ein recht schmerzhaftes und ebenso unangenehmes Ende gefunden. Da kann man nur sagen:

Willkommen bei One Night Stan's.

»Eine der örtlichen Legenden über Russian Bob  besagte, dass er einmal einen Polizisten mit einem Tacker getötet hatte, weil er ihm auf den Fuß getreten war.«

(Zitat: One Night Stan's Seite 71)

Greg SiscoGrec Sisco bietet dem Leser mit ONE NIGHT STAN'S eine wahrlich abgefahrene und zum Teil durchgeknallte Story, in der Gewalt, Sex und eine plakativ vulgäre Sprache schon Programm sind. Dabei fällt am Ende überraschender Weise auf, dass der eigentliche sexuelle Akt nur eine verschwindend geringe Rolle spielt. Das meiste in dieser Richtung bleibt eher angedeutet und lebt sich nur in der obszönen Aussprache der Protagonisten aus. Und genau bei den Protagonisten bedient Sisco bewusst jedes erdenkliche Klischee. Denn was er abliefern will ist einfach rasanten und blutigen Trash der wirklich edlen Sorte, in denen er Nerds mal zu Geld kommen lässt, sie in Liebe zu einer Stripperin in jedes üble Fettnäpfchen jagt und  das ganze mit schmutzigen Fantasien und Gewaltorgien würzt, als sehe man gerade einen SIN CITY-Film auf Speed.

Einen Knigge in Sachen Wortwahl und Verhalten sollte man bei den Protagonisten also nicht voraussetzen. Aber wer es rasant, hart, schlüpfrig, mit einer gewissen Menge schwarzem Humor liebt und nicht alles zu ernst nimmt, der dürfte bei ONE NIGHT STAN'S eigentlich nichts falsch machen.

Das ganze rast förmlich durch kleine bis überschaubare Kapitel und legt so ein Tempo vor, dass man nur selten in Romanen findet, deren Seitenzahl die fasst 300-Seiten-Marke erreichen. ONE NIGHT STAN'S will mit Sicherheit nicht zu ernst genommen werden, aber auch nicht beliebig jugendfrei dahin plätschern. Daher wird dieser Thriller gerade die Leser wohl weniger erreichen, die unflexibel immer einen sympathischen Protagonisten mit langatmigem Tiefgang benötigen, oder immer noch eher unglaubwürdige Heldengestalten suchen deren Aktivitäten sie auf ihre Moralvorstellungen hin  abklopfen können. Für die hat sich Greg Sisco aber auch nicht ins Zeug gelegt. Wer aber auf einen Spaß steht, der wie eine Achterbahnfahrt geradewegs in die Hölle führt, der dürfte mit diesem Thriller mit Sicherheit keinen Fehlgriff getan haben.
One Night Stan's
One Night Stan's
von Greg Sisco
Übersetzung: Madeleine Seither
Taschenbuch: 298 Seiten (Plus Leseprobe & Cover)
Deutsche Erstausgabe: 2015 (eBook 2014)
Preis: 13,95 Euro
ISBN: 978-3-95835-018-2
Luzifer Verlag

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