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WILL EISNER - Der Erfinder von THE SPIRIT

Will Eisner (1917 - 2005)WILL EISNER
(1917 – 2005)

William Erwin Eisner wurde am  6. März 1917 in New York City, Brooklyn, USA, geboren. Auf  der “DeWitt Clinton High School” zeichnete er  für das dortige Schulmagazin „THE CLINTONIAN“, für das Literaturmagazin „THE MAGIE“ und für das Jahrbuch der Schule.

Nach er High School besuchte er die „Art Students League of New York“, die er jedoch mit 19 Jahren aufgrund finanzieller Schwierigkeiten wieder verlassen musste
Wow! What A Magazine1936 gab Bob Kane (der Erfinder von Batman), ein Highschool – Freund von ihm, Eisner den Anstoß einige Cartoons dem neuen Comic – Magazin „WOW! WHAT A MAGAZINE” anzubieten. Was Eisner auch gelang.

Für die Zeitschrift zeichnete er Comic – Abenteuer mit “Captain Scott Dalton” (ein Abenteurer im Stile von Henry Rider Haggards Quatermain), dem Piraten “The Flame” sowie mit dem Geheimagenten “Harry Karry”.

Nachdem die Comic – Zeitschrift „WOW! WHAT A MAGAZINE” aber bereits nach vier Ausgaben eingestellt wurde, gründete er gemeinsam mit seinem Kollegen Samuel Iger das Eisner & Iger Studio, um selbst Comics zu produzieren und zu verkaufen.

Für das Studio arbeiteten u. a.  Zeichner wie Bob Kane (Batman), Mort Meskin oder Jack Kirby (Spiderman, Fantastic Four).

Eisner und Iger erschufen während ihrer gemeinsamen Studio - Zeit Comic – Figuren wie „SHEENA, QUEEN OF THE JUNGLE“, „YARKO THE GREAT“ oder „DOLLMAN AND BLACKHAWK“.

„SHEENA“ entwickelte sich zu einer erfolgreichen Comic – Serie die es zwischen 1938 bis 1953 auf insgesamt 186 Ausgaben brachte.

Janet Ames wird als weißes Mädchen unter den Namen Sheena von „wilden“ Menschen aus einem afrikanischen Stamm erzogen. Sie lehren sie kämpfen, jagen und schamanische Rituale feiern. Sheena ist wild und unbezähmbar und  siegt so über Löwen, Panther, Leoparden und andere wilde Tiere und legt den bösen Weißen, die in ihr Reich eindringen wollen, das Handwerk.

Sheena ist eine taffe junge Frau, die Tatkraft, Initiative und Mut zeigt, statt hilflos auf einen Helden warten zu müssen. Dies war bestimmt auch ein Grund dafür, warum die Comic - Serie auch bei weiblichen Fans so erfolgreich und beliebt war.

JUMBO COMICS mit SHEENA-CoverIhr Debüt gab die Comic - Heldin 1938 in dem europäischen Boulevardzeitung „WAGS“. Ihr Debüt in den USA kam einige Monate später in der ersten Ausgabe von „JUMBO COMICS“.

Sheena entwickelte sich mit der Zeit zum Hauptcharakter von „JUMBO COMICS“ und erlebte  bis zum April 1953 insgesamt 167 weitere Abenteuer.

1939 erhielt Will Eisner den Auftrag für ein 16-seitiges Comicheft, das als Zeitungsbeilage für verschiedene Sonntagszeitungen vertrieben werden sollte.

“Quality Comics publisher Everett M. "Busy" Arnold came to me and said that the Sunday newspapers were looking for a way of getting into this comic book boom,"   (1)

Die erste Ausgabe dieser Beilage erschien am 2. Juni 1940 in über 20 Zeitungen mit einer Gesamtauflage von 5 Millionen Exemplaren. Sie erhielt neben „Mr. Mystic“ und „Lady Luck“ mit „THE ORIGIN OF THE SPIRIT“ (Der Ursprung des Spirit) auch die erste Folge von Eisners eigener Reihe „THE SPIRIT“.

Ankündigung von THE SPIRITDoch „THE SPIRIT“ war kein spektakuläres Superhelden-Abenteuern à la Superman. Stattdessen schwebte dem New Yorker Zeichner Geschichten über Gut und Böse, Recht und Unrecht im Stil von Hollywoods Film-noir-Filmen vor.

Der Polizist Denny Colt wird  mit einer geheimnisvollen Flüssigkeit übergossen und von seinem Partner für tot gehalten. Die Flüssigkeit hat ihn jedoch nur vorübergehend scheintot gemacht; nach seiner Beerdigung verlässt er sein Grab und will unerkannt bleiben, um als The Spirit Verbrecher jagen zu können. Ein unterirdisches Labor auf dem Friedhof ist sein Rückzugs- und Arbeitsraum.

Doch „The Spirit“, der seine Abenteuer mit Hut und Straßenanzug ohne besondere Fähigkeiten bestreitet, ist kein unfehlbarer Held.
 Er kämpft mit Humor und Ironie gegen seine Feinde. Sein Erkennungsmerkmal ist eine schmale schwarze Binde vor den Augen.

"I was interested in the short story form, and I thought here at last was an opportunity to work on short stories in comics. I could do the stories I wanted, because I was going to have a more adult audience.
As I conceived him, The Spirit was an adventurer who would enable me to put him in almost any situation.” (2)

Um sich um die Weiterentwicklung seiner Comic-Figur „THE SPIRIT“ widmen zu können, löste er seine Partnerschaft mit Iger auf.

Eisner arbeitete bis zum Jahr 1942 weiter an seinen Comic – Helden bis er von der Armee eingezogen wurde. Dort zeichnete er u. a. Poster und Illustrationen für die Ausbildung und die Unterhaltung der Soldaten. 

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte er zu seiner Arbeit an „THE SPIRIT“ zurück.

Im Dezember 1945 erzählte er die Geschichte des „The Spirit“ neu und der Comic war wieder auf den richtigen Weg, um zum alten Erfolg zurückzukehren.  Der Comicheld war bis zu Anfang der 1950er sehr beliebt bei den Lesern bis die Serie 1952 eingestellt wurde.

Comicbeilage der CHICAGO SUN mit THE SPIRITWährend seiner Arbeit an “THE SPIRIT” hatte Eisner die “AMERICAN VISUALS CORPORATION”, die Comics, Cartoons und Illustrationen zum Zwecke der Bildung kommerziell zu vermarkten.  Seine Kunden waren u. a. die US - Armee, „RCA Records“ oder „New York Telephone“.

In den 1960er wuchs durch verschiedene Artikel das Interesse an “THE SPIRIT” und die Comics wurden auf verschiedene Art und Weise neu aufgelegt.

Ein einschneidendes Erlebnis hatte Will Eisner im Jahre 1972. Er war damals Eigentümer eines Schulbuchverlags in Florida, zeichnete nur noch gelegentlich Illustrationen für dessen Produkte und hatte das Comic-Metier längst hinter sich gelassen.  Eines Tages kündigte ihm seine Sekretärin den Anruf eines gewissen Phil Seuling an, von dem Eisner noch nie zuvor gehört hatte. Wie sich herausstellte, richtete Seuling in New York eine Comic-Messe aus. Und Seuling überredete Eisner dort hin zu kommen.

„Zu meinem Erstaunen liefen da Kerle herum, die Hefte aus der Serie mit sich herumtrugen, die ich vor zwanzig Jahren beendet hatte. 1952 war der letzte ,Spirit' erschienen, und jetzt schrieben wir 1972, und diese kleinen dicken Knaben mit pickligen Gesichtern, heraushängenden Bäuchen und Brillengläsern, die wie der Boden einer Colaflasche aussahen - diese Knaben trugen meine Comics bei sich.
Und dann traf ich dort natürlich Denis Kitchen, Art Spiegelman und Spain Rodriguez und all diese Underground-Hippies mit langen Haaren und glasigen Augen und einem ziemlich seltsamen Geruch um sich herum.“  (3)   

Die drei Herren, die etwas seltsam rochen, zählten schon damals zu den wichtigsten Comic-Schaffenden in Amerika.

Denis Kitchen sollte ein Jahr später Eisners Verleger werden, Art Spiegelman ihn in seinen Comic-Vorlesungen zum großen Modernisten des Genres erklären, und die Arbeiten von Spain Rodriguez überzeugten Eisner, das es immer noch Pioniere unter den Comic-Zeichnern gab.

Nach dem Besuch der Comic – Messe nahm Will Eisner wieder Anteil an einer Branche, in der er fast zwanzig Jahre ausgesetzt hatte. 

Eisner verkaufte seinen Verlag und begann seine zweite Comic-Karriere. Denis Kitchen sorgte mit seinem Verlag „Kitchen Sink“ für Neuausgaben der „Spirit“-Geschichten.

Will Eisner1978 startete der Zeichner und Autor Will Eisner sein Comeback. Und wie in den vierziger Jahren rüttelte er den Comic-Markt wieder gehörig auf.

„A CONTRACT WITH GOD“ (Ein Vertrag mit Gott). hießen die vier autobiografisch gefärbten Erzählungen, in deren Zentrum ein New Yorker Mietshaus steht.
Vorurteile, Rassismus und persönliche Lebensdramen waren die Themen der Geschichten, mit denen Eisner die so genannte Graphic Novel, den Comic-Roman, aus der Taufe hob.

Schon die Genrebezeichnung, die Eisner unter den Titel setzen ließ, erhob einen Anspruch: „A Graphic Novel“ - ein gezeichneter Roman.

Der Begriff machte deshalb Furore, weil das Buch so grandios, auch so erstaunlich anders als übliche Comics der damaligen Zeit war.
Da war nicht nur das ungewöhnlich kleine Format. Es war auch das Schwarzweiß, das man bislang bei Comic-Büchern nur aus den Publikationen der Underground-Szene kannte. Zudem gab Eisner das Prinzip der Bildumrahmung fast völlig auf. Seine Zeichnungen verschachtelten sich ineinander, statt wiederkehrender Hintergründe inszenierte er geradezu Kulissenkunst, indem er einige Elemente der Dekors einbaute und für alles Fehlende auf die Phantasie des Lesers setzte. Und schließlich erzählte er nicht von einer Phantasiewelt mit übermenschlichen Heroen, sondern vom New York der dreißiger Jahre und von dessen ganz normalen, deshalb indes nicht weniger faszinierenden Bewohnern.

Die geringe Auflage von nur 1.500 Exemplaren war schnell verkauft, und heute gilt der seitdem permanent neuaufgelegte „A CONTRACT WITH GOD“ als Meilenstein der Comic-Geschichte.

Es folgten u. a. die Werke „SIGNALS FROM SPACE“ (Signale aus einer anderen Welt, 1983), THE DREAMER“ (1986), „A LIFE FORCE“ (Lifeforce, 1988), „TO THE HEART OF THE STORM“ (Zum Herzen des Sturms, 1992) oder „INVISIBLE PEOPLE“ (Unsichtbare Menschen, 1993).

Nach „SUDIATA – A LEGEND OF AFRICA“ (Sundiate – Die Geschichte eines westafrikanischen Königs, 2003) und „FAGIN THE JEW“ (2003) erschien 2005 mit „THE PLOT“ (Das Komplott), sein letztes Werk.

Darin verfolgte Eisner die Wirkungsgeschichte der „Protokolle der Weisen von Zion“, eines fiktiven Textes, der vorgibt, eine jüdische Verschwörung zur Erlangung der Weltherrschaft zu dokumentieren.

Dabei war es Eisners Hauptanliegen, den Charakter der „Protokolle“ als antisemitisch motivierte Fälschung offenzulegen.

Will Eisner verstarb am  3. Januar 2005 im Alter von 87 Jahren in Fort Lauderdale, Florida.


(1) Will Eisner
(2) Will Eisner
(3) Will Eisner

© 2009 by Ingo Löchel
Bilder: Archiv des Autors

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