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Begierde bis in den Tod – Tim Svart's Psychothriller: Das Schloss

Das SchlossBegierde bis in den Tod
Tim Svart's Psychothriller: Das Schloss

Ein abgelegenes Schloss, irgendwo in Deutschland. Es ist schon mehr eine Ruine, für die die nahe gelegene Stadt einen Käufer sucht. Doch wer die Geschichten kennen lernt, die sich um dieses Schloss ranken, der wird von einem Kauf mit Sicherheit Abstand nehmen. Und doch erfüllt sich in dessen Mauern auf schreckliche Weise das Schicksal mancher junger Leute. Und es sind auch nicht die Geister der Vergangenheit, die den Tod ihren Begleiter nennen.


Das SchlossJessica ist sechzehn Jahre jung, hübsch und nicht auf den Kopf gefallen. Und noch etwas ist Jessica zu eigen. Wie jeder Teenager beschäftigt sie sich nicht mit dem Tod, wenn der Tag einfach fabelhaft beginnt und die Sommerferien vor der Tür stehen. Als sie jedoch beim Jogging im Wald auf eine seltsame Formation von Schmetterlingen am Boden trifft, ahnt sie in ihrer aufkeimenden Angst noch nicht, dass der Tod bereits ihren Namen auf seiner Liste trägt.


Jahre später...

Ronnie und Sandy lieben sich zwar, wie es junge Paare nun einmal so tun. Doch ob man nach einer verregneten Nacht weiter im Zelt schlafen soll, oder sich doch besser in der Nähe ein Zimmer nimmt, darüber geraten sie in einen heftigen Streit. Wütend beschließt Sandy, erst einmal ihren Weg alleine fortzusetzen und landet direkt in der Disco am Ort. Eben dem einzigen Ort, der den hier lebenden jungen Menschen eine gewisse Abwechslung bietet. Und da Sandy durchaus attraktiv ist, bleibt der Kerl hinter der Bar nicht der einzige, der Sandy anzugraben versucht. Doch was ihm in seiner plumpen Art bei dem Mädchen nicht gelingen wollte, gelingt dem jungen Kid ohne größere Mühe. Und so bietet er Sandy an, die Lokalität zu wechseln, was sie nur zu gerne annimmt, denn der Typ hat etwas Vertrauen erweckendes an sich.

Öl spritzte nach allen Seiten, als der schwere Körper in die tiefschwarze Flüssigkeit klatschte. Kid beobachtete, wie der Körper des Mannes zu seiner großen Überraschung vollständig in der widerlichen Brühe der Ölwanne versank.

(Tim Svart: Das Schloss / Seite 89)

Ronnie ist indessen auf der Suche nach Sandy. Er kommt sich wegen dem dummen Streit recht blöde vor. Doch dann steht da plötzlich dieser junge Typ auf der Fahrbahn, und bittet ihn bis zur nächsten Autowerkstatt mit zu nehmen, weil sein Wagen einen Platten hat. Der Typ nennt sich selbst Kid und Ronnie ist nicht wirklich wohl bei ihm zumute, so das er froh ist, ihn bald an einer Werkstatt wieder abgesetzt zu haben. Doch noch etwas anderes scheint Ronnie an der Situation nicht ganz geheuer. Welcher Bursche fährt schon gerne mit einem Leichenwagen durch die Gegend? Und täuschte er sich, oder verbarg sich in dem Leichenwagen am Straßenrand noch eine weitere Person?

Ronnie fröstelte, als er die unheimliche Ansammlung genauer in Augenschein nahm. Es handelte sich ausnahmslos um einfachste Holzsärge, ohne jegliche Art von Verzierungen oder Beschläge. Und noch etwas fiel ihm auf. Sie alle waren beängstigend klein. „Kindersärge, Scheiße, das sind Kindersärge.“

(Tim Svart: Das Schloss / Seite 182)

Vanessa ist jung, Vanessa ist schön, und Vanessa würde nur zu gerne ein Fotomodel werden. Da trifft es sich gut, das sie via Internet jemanden kennen gelernt hat, der mit ihr Fotos machen will. Eigentlich können solche Verabredungen über Internet ziemlich böse enden. Gerade auch dann, wenn man die betreffende Person eigentlich doch gar nicht wirklich kennt. Doch Vanessa scheint Glück zu haben, denn die Internetbekanntschaft entpuppt sich als der bekannte Fotograf Jonas Lundqvist. Er ist um einiges älter als sie, aber trotzdem fühlt sich Vanessa bald zu ihm magisch hingezogen.

Doch eigentlich sollte Vanessa wissen, das soviel Glück immer auch irgendwo einen Haken hat. Denn für das Fotoshooting hat Jonas in dieser Nacht ein altes, verlassenes Schloss ausgewählt, über dessen morbide Geschichten Vanessa nur zu gut Bescheid weiß. Zu spät bemerken sie, dass sie nicht alleine sind in diesem Gemäuer und das der Tod bald begierig seine Hände nach ihnen ausstreckt.

„Hilf mir. Bitte Hilf mir.“ Sie konnte nur noch flüstern und musste höllische Schmerzen haben, aber sie lebte. Ich streichelte ihre Haut. Sie war weich wie Seide. Mit meiner Hand fuhr ich zwischen ihre Schenkel und hab ihre Muschi gestreichelt. Sie zuckte zusammen, als ich meinen Finger in sie reingesteckt habe.

(Tim Svart: Das Schloss / Seite 190)

Das SchlossAus Kid hätte bestimmt ein lieber, netter Bursche werden können, hätte man ihn nicht damals in seiner Verliebtheit so unsäglich bloß gestellt. Vielleicht, so habe ich mir beim lesen gedacht, wäre aus ihm zumindest ein anständiger, wenn auch ein etwas verbitterter junger Mann geworden, wenn sich dieses Erlebnis in sein Hirn unauslöschlich eingebrannt hätte. Das Kid von beidem nichts geworden ist, hängt maßgeblich auch an seinem Bruder Adam. Adam ist etwas mehr als nur morbide veranlagt. Und Adam machte Kid ein Geschenk, das ihn für immer verändern und ihn gleichsam nur noch stärker an ihn binden sollte. Es ist ein Geschenk das Kid sowohl Lust als auch Rache bietet und von beidem können die Brüder einfach nicht genug bekommen – jeder auf seine eigene grausame Art.

Wie gesagt, eine recht böse Kombination. Der Anfang des Romans war auch sehr vielversprechend. Neugierig wird man zu Beginn auch dahin gehend, wie der Autor seine Figuren alle irgendwann zusammen bringen will. Und dann ist man irgendwo gefangen in der Geschichte, die uns Tim Svart hier mit stetig steigernder Spannung, ziemlich heftigen Cliffhangern und äußerst rasantem Tempo unterbreitet.

Schon die Geschichte, die er um das Schloss rankt, würde genug Stoff für einen ziemlich harten Schocker bieten. Doch was der Autor daraus macht, wirkt auf der einen Seite wie lose Fäden, die zufällig an diesem Gemäuer (mit der erschreckenden Vergangenheit) zusammen laufen, um dann auf der anderen Seite in eine realistische und höchst spannende Handlung zu münden. Wer nun eine Art Krimi erwartet, in dem man ermittelt, nach Spuren sucht und mit raten kann, wer denn nun der wahre Mörder ist, der sollte besser die Finger von DAS SCHLOSS lassen. Denn wer der oder die Täter sind, wird einem nur zu schnell bewusst, was der Handlung jedoch in keiner Weise abträglich ist. Tim Svart bietet uns mit seinem Roman eben nicht das kriminelle Dosenfutter, drittklassiger Tatort Folgen an sonntäglichen Abenden, sondern einen recht heftigen und fesselnden Thriller, den man unter gestandenen Autoren in deutschen Landen oftmals vergeblich sucht. Was sich nämlich hinter diesen Mauern des alten Schlosses abspielt, dürfte zartfühlenden Lesern wohl Abends einiges an Schlaf kosten.

Außer der Vorstellung der einzelnen Figuren (siehe oben) und den leichten Hinweisen auf das, was den Leser an Nervenkitzel erwartet, möchte ich auch nicht noch mehr in die eigentliche Handlung eingehen, um die Spannung für zukünftige Leser nicht über Gebühr zu schmälern. Vielleicht sei noch soviel verraten, dass der Tod innerhalb der Handlung nicht zu den Verlierern zählt und seine Ernte ziemlich drastisch einfährt. Wer also diesen Nervenkitzel liebt und wer vor drastischen Schilderungen keine Ängste entwickelt, dem kann ich den Roman DAS SCHLOSS von Tim Svart nur wärmstens ans Herz legen.

Erklärend sei aber noch hinzugefügt, das der Roman schon längere Zeit bei mir darauf wartete, gelesen zu werden. So passierte hier folgendes. Zuerst einmal besitze ich noch die Ausgabe der ersten Auflage, auf dessen Cover noch das Schloss samt einem hübschen Mädchen abgebildet ist. Zum anderen gibt es im Text noch den einen oder anderen Stolperstein durch zwar seltene, aber durchaus vorhandene Fehler (holpriger Satz wegen eines falschen Wortes usw.), die den Lesefluss etwas stören können. Nun, dies mag ich dem Autor nicht ankreiden, denn so etwas passiert bei Büchern, die über Amazon verlegt werden wohl nicht gerade selten (ähnliches vernahm ich schon im Punkt Übersetzungen von z.B. amerikanischen Autoren wie Jack Kilborn) und liegt schlicht daran, das bei Amazon Distribution ein Lektorat nicht als wirklich helfend angesehen wird.   

Ich kann aber zukünftige Leser von DAS SCHLOSS in diesem Punkt durchaus beruhigen. Seit etwa Ostern 2013 gibt es diesen über Amazon durchaus erfolgreichen Psychothriller (Zitat Buchcover: Der # 1 Amazon-Horror-Bestseller) in nunmehr zweiter Auflage mit neuem Cover und in professionell korrigierter Fassung. Zudem gibt es am Ende noch die Kurzgeschichte ENTDECKUNGEN, die man quasi als Vorgeschichte zum Roman DAS SCHLOSS ansehen kann.
Das Schloss
Daten zum Roman:
Das Schloss
von Tim Svart
Zweite Auflage: 2013
Genre: Psychothriller
ISBN: 978-1480035041
Preis: 9,99 Euro/Taschenbuch
Seitenanzahl: 322 Seiten
CreateSpace Independent Publishing Platform (Amazon Distribution)

 

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