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Sherlock Holmes - Filme - Serien - Darsteller: SHERLOCK - EIN FALL IN PINK

Sherlock HolmesSHERLOCK ...
... oder: EIN FALL VON PINK

Innerhalb weniger Tage werden in der Themse-Metropole mehrere Leichen gefunden, die anscheinend alle Selbstmord begangen haben. Doch Inspektor Lestrade ist skeptisch. Als ein viertes Opfer, eine in Pink gekleidete Frau, tot in einem verlassenen Haus aufgefunden wird, steht Inspector Lestrade (Rupert Graves) von Scotland Yard vor einem Rätsel und schaltet den Consulting Detective Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch)  ein.


Holmes (Cumberbatch) und Watson (Fremann)Dieser hat gerade durch einen gemeinsamen Freund den Militärarzt und Afghanistan-Veteranen Dr. John Watson (Martin Freeman) kennengelernt und als Mitbewohner in sein Apartment in 221B Baker Street aufgenommen.

Mit Dr. Watson im Schlepptau macht sich Sherlock Holmes sich an die Arbeit und findet heraus, dass es sich bei den Selbstmorden um die Taten eines Serienkillers handelt …

Alles in allem gefiel mir die moderne Sherlock Holmes-Neuverfilmung überraschend gut. Nicht nur das keine Langeweile aufkam, der Film war spannend und mitunter witzig gedreht und gab eine gute Einführung in die beiden unterschiedlichen Charaktere von Holmes und Dr. Watson.
Was mich dagegen am Ende des Filmes nicht so recht überzeugte, war die etwas zu langgezogenen Szene  mit Holmes und dem Taxifahrer und der Wahl der 'richtigen' Pille. Die hätte man ruhig etwas kürzen können.

Dafür wurde dort ein gewisser Moriarty vom mordenden Taxifahrer erwähnt, der den Serienkiller  'gesponsert' hat und sich als 'Fan' von Holmes bezeichnet.  Auf diese Idee muss man erst einmal kommen. Mal schauen, wann die Figur des Moriarty in „SHERLOCK“ auftauchen wird. Oder vielleicht ist sie ja bereits im Film aufgetaucht und keiner hat es gemerkt?

Interessanterweise erschien in „EIN FALL IN PINK“ Sherlocks mysteriöser Bruder Mycroft, der mit Dr. Watson Kontakt aufnimmt. Wie sich am Ende des Fernsehfilms herausstellte, haben die beiden Holmes-Brüder ein nicht gerade entspanntes Verhältnis zueinander.

Holmes und WatsonDie Befürchtungen der Sherlock Holmes-Fans,  dass der Schauspieler Martin Freeman eine Fehlbesetzung in der Rolle des Dr. Watson sei, konnte ich nicht bestätigt finden. Meiner Meinung nach füllte Martin Freeman die Rolle sehr gut  aus und lieferte im Fernsehfilm als moderner Dr. Watson eine mehr als überzeugende Darstellung. Man nimmt Freeman die Rolle des Kriegsveteranen ohne wenn und aber ab.

Der Schauspieler Benedict Clumberbatch wirkte dagegen als moderner Sherlock Holmes manchmal etwas zu eingebildet  und rechthaberisch. Daher ist es auch kein Wunder, dass seine ‚Kollegen‘ bei der Polizei ihn als Freak und als Psychopathen bezeichnen, wohingegen Holmes sich selbst als Soziopath betrachtet, der keinen einzigen Freunde hat und dessen einzige Beziehung seine Arbeit als „Consulting Detective“ ist.

Richtig nerven tut der neue Holmes-Darsteller mit seiner überheblicher Art aber nicht übermäßig. Denn das wird im Vorfeld durch den Wortwitz zwischen Holmes und Dr. Watson glücklicherweise neutralisiert. Zudem ergänzen sich die beiden Schauspieler Clumberbatch und Freemann in ihren Rollen hervorragend, was das Interesse auf weitere Sherlock-Filme steigert.

Positiv war auch die Musik, die einen gewissen Wiedererkennungswert besitzt, den man heutzutage leider in vielen Kinofilmen vermisst. Sie wirkt zum Teil sehr modern, versprüht aber auch einen gewissen viktorianischen Flair, was hervorragend zu den Figuren des Holmes und des Dr. Watson passt.

Das Holmes nicht mehr rauchen darf ist schade und nimmt dem Charakter des Meisterdetektivs etwas Elementares weg. Denn was ist Holmes ohne seine berühmte Pfeife. Stattdessen trägt Holmes nun riesige Nikotinpflaster, und derer gleich drei, um sich vom rauchen zu entwöhnen.

Andere Eigenheiten des Meisterdetektivs sind anscheinend geblieben, wie Holmes Drogensucht, die aber nur am Rande erwähnt wird, als z. B. die Polizei die Wohnung des Meisterdetektivs nach Rauschmitteln durchsucht. Auch seine Liebe zur Geige.

Ein weiterer positiver Aspekt von „Sherlock“ ist, dass Mrs. Hudson der Krimi-Reihe erhalben geblieben  ist. Die Schauspielerin Una Stubbs hat zwar nur kurze Auftritte, aber die sind überzeugend und werten den Fernsehfilm weiter auf.

Glücklicherweise kommt Inspektor Lestrade als ganz ‚normaler‘ Polizist daher, der zu meiner großen Erleichterung auch  überhaupt nicht vertrottelt und inkompetent dargestellt wird, wie es leider in so vielen anderen Holmes-Verfilmungen der Fall ist.

Alles in allem haben die Macher von „SHERLOCK“ das erreicht, was sie mit der Modernisierung des Stoffes vermutlich auch beabsichtigt haben. Sie haben den Figuren von Sir Arthur Conan Doyle frischen Wind eingehaucht und so auch das Interesse der Jugend an Holmes und Dr. Watson wieder geweckt, was im Grunde nicht verkehrt ist. Aus Holmes ist ein moderner Detektiv geworden, der nicht nur einen herausragenden Verstand besitzt, sondern mit dem Internet ebenso bewandert ist, wie mit den umfangreichen Funktionen eines Handys.

Ich warte jedenfalls gespannt auf die beiden kommenden Sonntagen, wo Sherlock Holmes und Dr. Watson weitere Fälle lösen werden. Der Film macht süchtig und Lust auf mehr.

Das einzige was vielleicht störte, war der Sendeplatz um 21:45 Uhr. Warum haben die Verantwortlichen der ARD nicht auf den Wiederholungstatort verzichtet und „Ein Fall in Pink“ auf den besseren Sendeplatz gelegt?


EIN FALL VON PINK
(A Study in Pink)

GB 2010

Regie: Paul McGuigan
Drehbuch: Steven Moffat
Kamera: Steve Lawes
Szenenbild: Arwel Jones
Kostüme: Sarah Arthur
Ton: Richard Dyer
Musik: David Arnold, Michael Price
Schnitt: Charlie Phillips
Produzent: Sue Vertue
Ausführende Produzenten: Beryl Vertue, Steven Moffat, Mark Gatiss, Bethan Jones, Rebecca Eaton

BESETZUNG
Benedict Cumberbatch als Sherlock Holmes
Martin Freeman als Dr. Watson
Una Stubbs als Mrs. Hudson
Rupert Graves als Inspektor Lestrade
Vinette Robinson als Sergeant Sally Donovan
Mark Gattis als Mycroft

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© by Ingo Löchel

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