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Die 60er Jahre - Die Filme: Spartacus

Die 60er1960
Spartacus

Rom im ersten Jahrhundert vor Christus. In Thrakien muss der Sklave Spartacus (Kirk Douglas) wie viele andere seiner Leidensgenossen jeden Tag bis zur Erschöpfung in einem Steinbruch arbeiten. Lentulus Batiatus (Peter Ustinov), der der in Capua eine Gladiatorenschule betreibt, kauft Spartacus, der eigentlich getötet werden soll, weil er einen römischen Aufseher angegriffen und verletzt hatte.

SpartacusIn Capua angekommen wird Spartacus zusammen mit den übrigen Sklaven durch den Ausbilder Marcellus, einen ehemaliger Gladiator, erniedrigt und ausgebildet, um eines Tages als Gladiator in den römischen Arenen auf Leben und Tod gegeneinander zu kämpfen.
Während seiner Ausbildung freundet sich Spartacus unter anderem mit dem Sklaven Crixus an und verliebt sich in die Sklavin Varinia (Jean Simmons).

Als der Senator Marcus Licinius Crassus mit seiner Frau Claudia Marius (Joanna Barnes) zusammen mit Marcus Publius Glabrus (John Dall), dem Kommandierenden der römischen Garde, und dessen Frau Helena Glabrus (Nina Foch) der Gladiatorenschule von Batiatus unerwartet einen Besuch abstattet, verlangt dieser, obwohl dies eigentlich unüblich ist, zwei Kämpfe auf Leben und Tod zu sehen.

Die Damen Claudia und Helena wählen danach persönlich die vier Kämpfer aus. Nachdem Crixus seinen Gegner im Kampf getötet, unterliegt Spartacus dagegen gegen Draba, der sich aber weigert, Spartacus auf Befehl zu töten.
Stattdessen wirft er seinen Dreizack in die Zuschauertribüne, wo die vier Gäste von Batiatus sitzen. Als Draba danach versucht die Tribüne hinaufzuklettern wird er von den Wachen getötet.

Als Spartacus am nächsten Tag sieht, wie Varinia zusammen mit Batiatus die Gladiatorenschule verlässt, und er so erfährt, dass Varinia an Crassus verkauft wurde, ist das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.
Spartacus tötet den sadistischen Ausbilder Marcellus, der es mal wieder auf ihn abgesehen hat. Mit den übrigen Gladiatoren tötet er alle Aufseher und Wachen in der Gladiatorenschule und entfesselt so einen Sklavenaufstand, der die ganze Römische Republik erschüttert....


Im Jahr 1957 las der Produzent und Schauspieler Kirk Douglas den Roman "Spartacus" von Howard Fast. Da er der Überzeugung war, dass das Buch einen wundervollen Film abgeben würde, sicherte er sich mit seinem eigenen Geld die Option an dem Buch.
Danach ging er zu Arthur Krim, dem Boss von United Artists, und erzählte ihm von seiner Idee, einen Film über Spartacus zu drehen.
Doch Douglas bekam von Krim eine Abfuhr. Grund hierfür war, dass das Filmstudio unter dem Titel "Die Gladiatoren" bereits einen Film über Spartacus plante, in der Yul Brynner die Hauptrolle spielen sollte.

Doch Kirk Douglas gab nicht auf. Es gelang ihm die Option an dem Buch "Spartacus" zu verlängern. Einzige Bedingung des Autors Howard Fast war es, dass er das Drehbuch zum Film schreiben durfte.
Douglas stimmte zögernd zu. Doch nachdem die ersten sechzig Seiten von Fasts Drehbuch eingegangen waren, musste Douglas feststellen, dass diese völlig unbrauchbar waren.
Es musste also ein neuer Autor her, den Kirk Douglas in Gestalt von Dalton Trumbo fand, der das Drehbuch in Rekordgeschwindigkeit schrieb.
Mit der Rohfassung des Drehbuches von Trumbo gelang es Kirk Douglas nach und nach die Schauspieler Charles Laughton, Peter Ustinov und Laurence Olivier an Bord zu holen.

SpartacusDa United Artists aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse in Europa nicht mit den Dreharbeiten zum Film "Die Gladiatoren" (der dann doch nicht zustande kam) beginnen konnte, startete Kirk Douglas, der mit Universal auch ein Filmstudio gefunden hatte, die Dreharbeiten zu "Spartacus" in Kalifornien, obwohl am Drehbuch noch viel zu ändern war und auch die Titelrolle noch nicht ausgearbeitet war.

Der Schauspieler Tony Curtis, der bereits in "Die Wikinger" (1958) mit Kirk Douglas zusammengearbeitet hatte, besuchte Douglas, da er ebenfalls im Film mitspielen wollte. Nachdem Curtis nicht locker ließ, wurde mit dem Sklaven Antonius schließlich eine extra Rolle für den Schauspieler in dem Film geschaffen.

"Tony Curtis besuchte mich. Er wollte gern in Spartacus spielen. Es versprach, ein großes Epos zu werden, und er wollte damit eine Verpflichtung loswerden, die er Universal gegenüber hatte.
Ich glaubte nicht, dass in dem Streifen eine Rolle für ihn war, hielt ihn im Grunde auch nicht dafür geeignet.
Aber Tony ließ nicht locker. Wir erfanden eine Rolle für ihn, einen romantischen jungen Mann namens Antonius, zu dem Spartacus eine Art Vater-Sohn-Beziehung entwickelt." (1)

Um die Rolle der Varinia zu besetzen wurde diverses Filmmaterial mit Aufnahmen ausländischer Schauspielerinnen angeschaut, nachdem Ingrid Bergman, Elsa Martinelli und Jeanne Moreau, die Rolle nicht übernehmen wollten, wobei die Wahl schließlich auf die deutsche Schauspielerin Sabine Bethmann fiel.

"Ich hatte an Elsa Martinelli gedacht, aber die war längst wieder fort. Ingrid Bergmann lehnte ab. 'Zu blutrünstig'.
Jean Simmons wollte die Rolle, aber ich wollte sie nicht, da sie Britin ist und deshalb nicht in mein Schema passte.
Jeanne Moreau hätte die Rolle spielen können. Jeanne trat gerade in einem Stück auf, das noch etwa einen Monat lang laufen sollte. Ich bot ihr an, sie da heraus zukaufen. Aber Jeanne sagte 'Non'.
Wir durchforschten Tausende von Filmmetern mit Aufnahmen ausländischer Schauspielerinnen und entschieden uns dann für eine atemberaubende Deutsche: Sabine Bethmann.
Wir holten sie zu Probeaufnahmen nach Hollywood. Sie war zwar ungeheuer photogen, aber keine besonders gute Schauspielerin.
Wir verpflichteten Sprachlehrer, damit sie ihren Akzent verlor, und Jeff Corey, um ihr Schauspielunterricht zu geben." (2)

Als Regisseur für den Film wurde Anthony Mann vom Filmstudio Universal verpflichtet, den aber Kirk Douglas für völlig ungeeignet hielt, einen Monumentalfilm wie "Spartacus" zu drehen.

"Alles schien sich zusammenzufügen. Doch dann bestand Universal darauf, dass ich Anthony Mann mit der Regie beauftragte. Ich war dagegen.
Mann hatte einige erfolgreiche Filme gemacht - Winchester'73, Die Glenn-Miller-Story, Strategic Air Command -, also Western oder Soap Operas.
Für Spartacus war er nicht der richtige Mann. Ich liebe Menschen, die Ideen haben, die ein Projekt voranbringen. Tony Mann hatte sehr wenig zu sagen. Er schien von der Dimension des Films geradezu erschreckt zu sein.
Ich diskutierte mit dem Studio. Aber es war finanziell bisher gut mit ihm gefahren und ignorierte meine Bedenken." (3)

Die Dreharbeiten zum Film "Spartacus" begannen am 27. Januar 1959 in Death Valley, wo in der ersten Woche die Szenen in den Steinbrüchen gedreht wurden, die, zur Überraschung von Kirk Douglas, völlig problemlos verliefen.
Doch nachdem in der zweiten Dreh-Woche mit den Szenen in der Gladiatorenschule begonnen wurden, tauchten laut Kirk Douglas die ersten Probleme mit dem Regisseur Anthony Mann auf.

"Doch dann wechselten wir in die Gladiatorenschule über, und alles brach zusammen. Es war eindeutig, dass Tony Mann die Dinge nicht im Griff hatte.
Er ließ Peter Unstinov seine Szenen in eigener Regie spielen, nahm jeden Vorschlag an, den Peter machte. Oh. die Vorschläge waren gut - für Peter, aber nicht unbedingt für den Film." (4)

Schließlich trat der Studioleiter von Universal an Kirk Douglas heran, der ihn aufforderte, Anthony Mann durch einen anderen Regisseur zu ersetzen.

"Auf diese plötzliche Meinungsänderung war ich nicht gefasst. Ich verabscheue es, während der Dreharbeiten personelle Veränderungen vorzunehmen. Ein Vertrag ist wie eine Ehe: man bemüht sich darum, dass sie funktioniert. Man läuft nicht gleich zum Scheidungsanwalt.
Ich versuchte ihn zu halten. Abgesehen davon wusste ich nicht, durch wen ich ihn ersetzen sollte. Aber sie blieben beharrlich, wollten, dass er gefeuert wurde - durch mich." (5)

Nach einem Gespräch mit dem Regisseur am 13. Februar 1959 trennte sich der Produzent Kirk Douglas schließlich vom Regisseur Anthony Mann.

"Am 13. Februar 1959 setzte ich mich mit Anthony Mann nach den Dreharbeiten zusammen. Es war nicht leicht. 'Tony, es tut mit leid, aber das Studio ist der Meinung, dass sie für den Film nicht der Richtige sind.'
Ich war beeindruckt von der Haltung, mit der Tony es hinnahm, von seiner Liebenswürdigkeit. Vielleicht war er auch erleichtert.
Ich sagte: 'Tony, ich bin ihnen noch einen Film schuldig." Ich war ihm auch fünfundsiebzigtausend Dollar schuldig. Wir zahlten sie ihm." (6)

SpartacusNach zweiwöchigen Dreharbeiten und einem Etat von 12 Millionen Dollar hatte der Film nach der Entlassung von Anthony Mann nun allerdings keinen Regisseur mehr.
Kirk Douglas verhandelte schließlich mit Universal darüber, Stanley Kubrick als neuen Regisseur einzustellen, mit dem er bereits in "Wege zum Ruhm" (1957) zusammengearbeitet hatte.
Stanley Kubrick sollte zu dieser Zeit eigentlich den Western "Der Besessene" drehen, war aber von Marlon Brando gefeuert worden.

Nach zähen Verhandlungen stimmte das Filmstudio schließlich zu. So konnten die Dreharbeiten zu "Spartacus" am 16. Februar 1959 unter der Regie von Stanley Kubrick wieder aufgenommen und fortgeführt werden.

"Zur gleichen Zeit, als ich Anthony Mann damals loswerden wollte, wurde Stanley Kubrick während der Arbeit an Der Besessene von Marlon Brando gefeuert. Also fragte ich Stanley: »Ich habe da ein Filmchen mit Laurence Olivier, Peter Ustinov . Ich schick dir das Drehbuch.« Noch am gleichen Tag meldete er sich einsatzbereit. »Wann kann's losgehen?«, fragte ich. Er: »Montag.« Ich: »Schon gut, Dienstag reicht.« Und er führte Regie, mit Höhen und Tiefen." (7)

Nach dem Weggang von Anthony Mann nahm der neue Regisseur Stanley Kubrick Änderung in der Besetzung des Films vor. Da er Sabine Bethman für völlig ungeeignet für die Rolle der Varinia hielt, wurde die Schauspielerin entlassen.
Bethmann wurde daraufhin von der britischen Schauspielerin Jean Simmons ersetzt, die anscheinend immer noch für die Rolle der Varinia in den Startlöchern stand.

"Jean Simmons hatte die ganze Zeit lang auf der Schwelle gestanden. Nur mein hartnäckiges Festhalten an meinem Schema (Die Römer wurden von britischen und die Sklaven von amerikanischen Schauspielern gespielt. Für Varinia wollte Douglas einen wirklich fremdländischen Typ) hatte uns davon abgehalten, sie gleich von Beginn an zu engagieren." (8)

Nach Beendigung der Dreharbeiten ging der Film mehrmals in den Schneideraum. Im Juni 1960 befand sich der Schnitt von "Spartacus" schließlich in der Endphase, und der Komponist Alex North konnte für die Filmmusik verpflichtet werden.

Am 19. Oktober 1960 feierte der Monumentalfilm "Spartacus" seine Hollywood-Premiere, der ein großer Erfolg an den Kinokassen wurde, und bei einem Budget von 12 Millionen US-Dollar weltweit über 60 Millionen US-Dollar einspielte.

Der Monumentalfilm "Spartacus" wurde 1961 mit vier Oscars in den Kategorien "Bester Nebendarsteller" (Peter Ustinov), "Bestes Szenenbild" (Alexander Golitzen, Eric Orbom, Russell A. Gausman, Julia Heron), "Beste Kamera" (Russell Metty) und "Bestes Kostümdesign" (Bill Thomas) ausgezeichnet.
Hinzu kamen noch zwei Oscar-Nominierungen in den beiden Kategorien "Bester Schnitt" und "Beste Filmmusik".

Zudem erhielt "Spartacus" einen Golden Globe in der Kategorie "Bester Film". Golden-Globe-Nominierungen gab es zudem in den Kategorien "Bester Hauptdarsteller" (Laurence Olivier), "Beste Regie" (Stanley Kubrick) sowie "Beste Nebendarsteller (Woody Strode und Peter Ustinov).


Aus heutiger Sicht fühlt sich die ganze Geschichte mit dem Regisseur Anthony Mann und dessen Problemen bei den Dreharbeiten alles in allem etwas seltsam an, zumal Mann mit dem Film "El Cid" kurze Zeit später bewiesen hatte, dass er sehr wohl in der Lage war, sehr kompetent und ohne Probleme einen Monumentalfilm zu drehen.

Zudem ist zu vermuten, dass zumindest die von Anthony Mann in der ersten Woche gedrehten Szenen im Steinbruch im fertigen Film verwendet wurden, die zu Beginn von "Spartacus" zu sehen sind.
Welche weiteren gedrehten Szenen Manns im Films letztendlich noch Verwendung fanden, ist leider nicht bekannt.

SpartacusSpartacus
USA 1960

Regie: Stanley Kubrick
Drehbuch: Dalton Trumbo
Kamera: Russell Metty
Schnitt: Robert Lawrence
Musik: Alex North

Darsteller
Kirk Douglas als Spartacus
Tony Curtis als Antoninus
Jean Simmons als Varinia
Peter Ustinov als Lentulus Batiatus
Laurence Olivier als Marcus Crassus
Charles Laughton als Sempronius Gracchus
John Gavin als Gaius Julius Caesar
John Dall als Marcus Publius Glabrus
John Ireland als Crixus
Woody Strode als Draba
Nick Dennis als Dionysius
Harold J. Stone als David
Herbert Lom als Tigranes Levantus
Charles McGraw als Marcellus
Joanna Barnes als Claudia Marius
Nina Foch als Helena Glabrus
Joanna Barnes als Claudia Marius

FSK: Ab 16 Jahren (Später wurde der Film ab 12 Jahren freigegeben)
Laufzeit: 184 Minuten (Restaurierte Version: 198 Minuten)

Deutscher Kinostart: 16. Dezember 1960

 

© by Ingo Löchel

 

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(1) Kirk Douglas: Weg zum Ruhm - Erinnerungen
(2) Kirk Douglas: Weg zum Ruhm - Erinnerungen
(3) Kirk Douglas: Weg zum Ruhm - Erinnerungen
(4) Kirk Douglas: Weg zum Ruhm - Erinnerungen
(5) Kirk Douglas: Weg zum Ruhm - Erinnerungen
(6) Kirk Douglas: Weg zum Ruhm - Erinnerungen
(7) Kirk Douglas
(8) Kirk Douglas: Weg zum Ruhm - Erinnerungen

 

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