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Die 60er - Die Filme: Der Untergang des Römischen Reiches

Die 60erDie 60er
Der Untergang des Römischen Reiches

Nach dem Krieg mit den Germanen an der Nordgrenze des Imperiums bestimmt Kaiser Marcus Aurelius den Tribun Livius zu seinem Erben und übergeht dabei seinen herrschsüchtigen Sohn Commodus. Aurelius wird Opfer eines heimtückischen Giftmordes. Seine Tochter Lucilla und Livius wollen nicht tatenlos zusehen, wie der größenwahnsinnige Commodus Rom dem Untergang entgegenführt.

Der Untergang des Römischen ReichesNach dem Erfolg des Monumentalfilms "EL CID" (1961) nahm der Produzent mit "DER UNTERGANG DES RÖMISCHEN REICHES" eines seiner nächsten Filmprojekte in Angriff.

Auf die Idee zu dieser Verfilmung kam der Regisseur Anthony Mann, nachdem er in einer Londoner Buchhandlung eine gekürzte Version von Edward Gibbons "Verfall und Untergang des Römischen Reiches" entdeckt hatte.

Nachdem Samuel Bronston und Anthony Mann ihrer Meinung nach den richtigen Stoff für ihre nächstes Filmprojekt gefunden hatten, begann unter anderem die Suche nach der richtigen Besetzung.

Nach den Problemen zwischen Charlton Heston und Sophia Loren während der Dreharbeiten zu "EL CID", lehnte Heston die Hauptrolle in "DER UNTERGANG DES RÖMISCHEN REICHES" ab.
Dafür übernahm er die Hauptrolle in dem Film "55 TAGE IN PEKING" (1964), der ebenfalls von Samuel Bronston produziert wurde.

Sophia Loren, die der Produzent Samuel Bronston als wichtigste Person für den Erfolg des Films ansah, übernahm die weibliche Hauptrolle in dem Monumentalfilm. Sie erhielt dafür eine Gage von einer Million US-Dollar und einen nicht geringen Gagenvorschuss, den ihr Mann Carlo Ponti mit Bronston ausgehandelte.

Nach der Absage des Schauspielers Charlton Heston, fiel die Wahl für die Rolle des Livius auf Stephen Boyd, der in dem Monumentalfilm "BEN HUR" als Messala eine überzeugende schauspielerische Leistung abgeliefert hatte.

Neben Sophia Loren und Stephen Boyd waren aber auch die übrigen Rollen des Films hochkarätig besetzt. Neben Alec Guiness und Christopher Plummer sah man James Mason, Mel Ferrer, Anthony Quayle und John Ireland auf der Kinoleinwand.

Der Untergang des Römischen ReichesDas Drehbuch zu "DER UNTERGANG DES RÖMISCHEN REICHES" schrieben Ben Barzman und Basilio Franchina.
Doch aufgrund des komplexen und umfangreichen Themas, wählten sie für den Film die Geschichte des Kaisers Commodus aus, dessen desaströse Amtszeit, den Untergang des Römischen Reiches einleitete.

Trotz des ausgewählten Themas, wurde das Drehbuch sehr umfangreich, und musste ständig umgeschrieben und überarbeitet werden. Was auch noch während der Dreharbeiten der Fall war.

Anfang 1963 begannen die Dreharbeiten zum Monumentalfilm "DER UNTERGANG DES RÖMISCHEN REICHES" in Madrid.

Während in Segovia die winterlichen Außenaufnahmen abgedreht wurden, wuchs auf dem riesigen, 92.000 m2 großen Freigelände von Las Matas das "Forum Romanum" aus dem Boden - genau so, wie es zu Kaiser Marc Aurels Zeiten ausgesehen hatte.

Für dieses gigantische Filmset waren die beiden Produktionsdesigner Vaniero Colsanti und John Moore verantwortlich, die bei italienischen Theatern Kostümdesign und Bühnenbild gelernt, und danach für einige der größten Theater und Opernproduktionen der Welt gearbeitet hatten.

Dadurch waren Colsanti und Moore in der Lage, sowohl die Kulissen als auch die Kostüme für den Film zu entwerfen.

Auf den 92.000 m2 großen Gelände bauten Vaniero Colsanti und John Moore eine exakte Nachbildung des Forum Romanum und ließen so das antike Rom zu neuem Leben erwachen.
Über 350 Handwerker wurde für den Bau des Filmsets benötigt, wofür 17.000 Zementblöcke gebraucht wurden, die dafür speziell gegossen und verbaut werden mussten.

Der Untergang des Römischen ReichesDie Handwerker erschufen 27 dreidimensionale Strukturen und verbrauchten dafür 1,6 Millionen Stahlrohre, was aneinandergelegt rund 5.000 Kilometer entspricht.
Es gab über 350 freistehende Statuen verschiedener Größen, die speziell gegossen und aufgestellt werden mussten.
Das größte Bauwerk des Filmsets, der Tempel des Jupiter, war 50 Meter groß, und stand auf einem aufgeschütteten Hügel, der 30 Meter hoch war.

Doch diese angefertigten Bauten waren keine Fassaden, sondern die Gebäude konnten alle betreten und genutzt werden. Im Senatsgebäude konnte auch wirklich ein Senat tagen. Zudem konnte man sowohl die Fronten der Gebäude als auch deren Rückseiten filmen.

Hinzu kam, dass alle Gebäude auch mit einer kompletten Innenausstattung versehen waren, die speziell für den Film historisch korrekt nachgebaut und hergestellt wurde.
Was auch auf die Kostüme der Soldaten aus den verschiedenen Armeen sowie auf die übrige Kleidung, insbesondere auch auf die Kleidung aller Darsteller des Films zutraf.

Das Filmset zum Film "DER UNTERGANG DES RÖMISCHEN REICHES" war das größte Filmset, das jemals gebaut wurde.
Dieses riesige Filmset wurde durch seine Größe sehr schell zur Top-Touristen-Attraktion in Spanien. Jeder ausländische Würdenträger, Prominente etc. besuchte es, um dieses "achte Weltwunder", wie Bronstons Filmset scherzhaft genannt wurde, zu besichtigen und zu bestaunen.

Man geht davon aus, dass etwa 16.000 bis 20.000 Statisten in dem Film mitspielten.

Um die Schlacht der vier Armeen mit der Masse an Statisten überzeugend drehen zu können, suchte der Regisseur Anthony Mann speziell eine gewellte Ebene aus, so dass man die Statisten in Wellen über die Hügel schicken konnte, so dass sie in den Einstellungen nicht verloren gingen.

Der Film "DER UNTERGANG DES RÖMISCHEN REICHES" wurde an etwa ein Dutzend Orten innerhalb und außerhalb des riesigen Filmsets gedreht. Die Szenen an der germanischen Grenzen wurden in den Bergen von Sevilla aufgenommen.

Aufgrund der dort herrschenden schlechten Wetterverhältnisse musste im Schnee sowie bei Schneefall gedreht werden.
Doch als einige Tage später kein Schnee mehr lag, musste das Filmset für weitere Szenen, die noch gedreht werden mussten, entsprechend angeglichen werden.
Und so sah man hunderte von Menschen mit Eimern bewaffnet herumlaufen, die Granit zu Boden warfen, damit es wie Schnee aussah.

Neben der Tatsache, dass sich die Dreharbeiten zum Film "DER UNTERGANG DES RÖMISCHEN REICHES" immer weiter hinzogen, war das größte Problem des Films die immensen Produktionskosten, die Bronston schließlich über den Kopf wuchsen.
Schätzungen gehen davon aus, dass der Film letztendlich zwischen 26 bis 28 Millionen US-Dollar gekosten hat. Dagegen spielte der Monumentalstreifen nur einen Bruchteil seiner Kosten wieder ein.

Das Wirtschaftskonzept Bronstons basierte darauf, dass die Filme, die er gerade produzierte, durch den Erfolg der Filme, die fertiggestellt waren, finanziert wurden. So konnte er immer neue Produktionen in Auftrag geben, solange die Filme, wie der Monumentalfilm "EL CID", ihr Geld einspielten.

Doch die Kosten von "DER UNTERGANG DES RÖMISCHEN REICHES" waren so kolossal, dass sie alle Gewinne auffraßen. Hinzu kam, dass auch der Monumentalfilm "55 TAGE IN PEKING" kein Erfolg an den Kinokassen gewesen war.

Der Untergang des Römischen ReichesWas die Darsteller und die Ausstattung von "DER UNTERGANG DES RÖMISCHEN REICHES" betrifft, kann man in dieser Hinsicht an dem Monumentalfilm nichts aussetzen.

Alec Guiness, der den Kaiser Marc Aurel spielte, agiert in dieser Rolle äußerst überzeugend und glaubwürdig. Und auch der kanadische Schauspieler Christopher Plummer zeigt eine bemerkenswerte Darstellung als irrer Kaiser Commodus.

Das größte Problem des Monumentalfilms ist dessen Handlung, die einfach mit zu vielen Ungereimtheiten, Logikfehler sowie diversen historischen Patzern zu kämpfen hat. Hinzu kommt, dass die ganze Geschichte des Film auch ziemlich schwerfällig inszeniert wurde.

Historisch gesehen, stimmt so gut wie gar nichts in der Verfilmung "DER UNTERGANG DES RÖMISCHEN REICHES".
Was etwas verwundert. Denn die beiden Autoren Ben Barzman und Basilio Franchina hatten ihr Drehbuch nach dem Werk des britischen Historikers Edward Gibbons "Verfall und Untergang des Römischen Reiches" geschrieben, und hatten zusätzlich den Historiker Will Durant als Berater hinzugezogen.
Die Figur des Livius ist fiktiv. Der Kaiser Marc Aurel starb eines natürlichen Todes und wurde nicht von seinem Sohn Commodus ermordet. Auch die weiteren Figuren des Films sind bis auf Marc Aurel, Commodus und Lucilla ebenfalls fiktiv.
Lucilla wurde übrigens 182 auf Befehl ihres Bruders Commodus hingerichtet. Sie starb also bereits vor ihrem Bruder, der schließlich einer Verschwörung zum Opfer fiel und 192 in seinem Bad ermordet wurde. Im Film überlebt sie ihn.

Als "DER UNTERGANG DES RÖMISCHEN REICHES"am 24. März 1964 in London seine Premiere feierte, waren die Resonanz zum Film nicht sehr positiv.

Hinzu kam, dass "DER UNTERGANG DES RÖMISCHEN REICHES" an den Kinokassen floppte, und nur einen geringen Teil seiner immensen Produktionskosten wieder einspielte. In Westdeutschland startete der Film am 12. Juni 1964 in den dortigen Lichtspielhäusern.

Nach dem Film "HELD DER ARENA" (1964), der ebenfalls kein finanzieller Erfolg an den Kinokassen gewesen war, musste der Produzent Samuel Bronston, der in Spanien sein eigenes Filmimperium geschaffen hatte, aufgrund der hohen Schulden, die er angehäuft hatte, 1965 Konkurs anmelden. Bronston war bankrott.


"Anthony Mann, Spezialist für psychologische Western und Abenteuerfilme, drehte den Monumentalfilm-Klassiker um Liebeswirren und Machtintrigen im Römischen Reich mit gigantischem Aufwand: 1500 Pferde und ganze Heerscharen wurden aufgeboten, 27 Gebäude des Forum Romanum und ein Teil der Via Appia wurden originalgetreu nachgebaut.
Erstklassig auch die Besetzung: Italiens Filmdiva Sophia Loren spielt Lucilla, die schöne Kaisertochter, Alec Guinness ihren Vater, den weisen Kaiser Marc Aurel und Christopher Plummer das Kaisersöhnchen Commudus." (1)

Der Untergang des Römischen ReichesDer Untergang des Römischen Reiches
(The Fall of the Roman Empire)
USA 1964

Regie: Anthony Mann

Darsteller
Sophia Loren als Lucilla
Stephen Boyd als Livius
Alec Guinness als Marcus Aurelius
James Mason als Timonides
Christopher Plummer als Commodus
Anthony Quayle als Verulus
John Ireland als Ballomar
Omar Sharif als Sohamus
Mel Ferrer als Cleander
Eric Porter als Julianus
Andrew Keir als Polybius
Douglas Wilmer als Niger
George Murcell als Victorinus
Norman Wooland als Virgilianus
Michael Gwynn als Cornelius

FSK: Ab 12 Jahren
Laufzeit: 185 Minuten

Label: Black Hill Pictures
Veröffentlichtungstremin: 23. Februar 2018

Bonus-Blu-ray der 2 Disc-Deluxe-Edition
"Rome in Madrid“ - Dokumentation (ca. 22 Min.)
Die Dreharbeiten (ca. 29 Min.)
"Aufstieg und Untergang des Römischen Reiches - eine historische Analyse" (ca. 11 Min.),
"Hollywood vs. History“ (ca. 10 Min.)
"Dimitri Tiomkin - die Filmmusik" (ca. 10 Min.)
"Back to Back" gedrehte Dokumentation zum Film (ca. 56 Min.)

(1) Prisma.de

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© by Ingo Löchel

Kommentare  

#1 matthias 2018-10-25 00:12
Dieser Film lief sogar in den DDR-Kinos. Und ich war damals begeistert! Klar - als Stift.
Ich habe den Streifen als DVD in meiner Sammlung und werde ihn mir in kürze nochmal ansehen.
Danke, Ingo
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#2 Ingo Löchel 2018-10-25 06:42
Immer gerne, Matthias. Mal schauen, welche Filme aus den 60er Jahren als nächstes kommt. In der engeren Wahl befinden sich "Planet der Affen", "Bullitt" und "Spartacus".
Wie Du sicherlich am Ende des Artikels gesehen hast, gibt es (wie zu "El Cid") auch zu "Der Untergang des Römischen Reiches" eine 2-Disc-Deluxe-Edition, die ebenfalls zu empfehlen ist. Die zweite Disc bietet der sehr viel Hintergrundinformationen zum Monumentalfilm.
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