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Ein Filmklassiker - D-Day oder der Anfang vom Ende einer Diktatur

Ein FilmklassikerFolge 8
D-Day oder der Anfang vom Ende einer Diktatur

In dieser Reihe DER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch mitunter manche Klassiker des Films tummeln. Wir werden hierzu einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. von manchen Actionfilmen über Western bis hin zu besonderen Romanzen einen Einblick gewähren werden. Mitunter wird in einem Film auch mal Geschichte etwas lebendiger.

Der Längste Tag (The Longest Day)Der Längste Tag (The Longest Day)

"Glauben sie mir, Lang, die ersten 24 Stunden der Invasion sind die entscheidenden, von ihnen hängt das Schicksal Deutschlands ab (...) Für die Alliierten und für Deutschland wird es der längste Tag sein."

(Zitat: Zeitschrift Der Spiegel/31.10.1962)

Der Filmtitel soll einer Bemerkung des Generalfeldmarschall Erwin Rommel entspringen, der im Frühjahr 1944 diesen Satz zu einem Ordernanz-Offizier gesagt haben soll. Und selbst das Leib- und Magenblatt des nationalsozialistischen Terrorregime, der VÖLKISCHE BEOBACHTER prophezeite damals hierzu den "Anfang vom Ende".

Der sogenannte D-Day war gleichsam der Beginn der Operation Overlord, die 1944 die Landung der westalliierten Streitkräfte in der Normandie (Frankreich) kennzeichnen sollte. Das man hierfür auch von dieser Seite aus die Bezeichnung DER LÄNGSTE TAG benutzte, lag an der Tatsache, dass der Nachschub für die dort eingesetzten Truppen über viele Stunden unter dem Verteidigunsfeuer der deutschen Wehrmacht ausblieb.

Der Längste Tag (The Longest Day)Der Film DER LÄNGSTE TAG galt lange als einer der aufwendigsten Kinoproduktionen und war gleichsam der letzte große Kinofilm in Schwarzweiß zu seiner Zeit. Doch er wartete auch mit weiteren Besonderheiten auf. So setzte der Film nicht nur mit einem wahren Staraufgebot Akzente, sondern auch die Regie wurde gleich auf mehrere Regisseure aufgeteilt um die jeweiligen Kriegsparteien im Original in ihren Landessprachen darzustellen. Im folgenden sind hier die jeweiligen Regisseure und ihr Bereich kurz aufgeführt:

Andrew Marton und Darryl F. Zanuck beide jeweils für die Filmszenen der US-Amerikaner (USA) sowie wohl auch der fanzösischen Truppenteile. Ken Annakin für die Filmszenen der Engländer (UK). Bernhard Wicki für die Filmszenen der deutschen Seite (DE).

Die Regisseure wurden unter anderem durch folgende Filme ebenfalls recht bekannt: DIE LETZTE SCHLACHT/1965 (Ken Annakin), DER HUND VON BASKERVILLE/1939 (Darryl F. Zanuck), CLARENCE, DER SCHIELENDE LÖWE/1965 (Andrew Marton) und DIE BRÜCKE/1959 (Bernhard Wicki).

Der Film selbst basiert übrigens auf dem gleichlautenden Tatsachenbericht von Cornelius Ryan zum D-Day, der die eigentliche Entphase des Zweiten Weltkrieges auf dem europäischen Kontinent einleitete. Die literarische Beratung hierzu übernahm Erich Maria Remarque.

Der Längste Tag (The Longest Day)Ein etwas falsches Geschichtsbild:
In der Bundesrepublik machte da sehr lange auch der Ausspruch die Runde, das die Westalliierten hier auch zur "Befreiung Deutschlands vom Hitlerfaschismus" angetreten seien. So wurde es bei mir im Geschichtsuntericht jedenfalls allen ernstes erzählt und so manche Politiker nehmen diese völlig falsche Aussage auch heute noch gerne in den Mund.

Fakt ist jedoch, das die Westalliierten (genauso wie auch die Truppen der damaligen Sowjetunion) den Krieg beenden wollten, womit der Sieg über Deutschland an sich der ausschlaggebende Punkt war. Da machte man damals jedenfalls keine solchen feinen Unterschiede, wie sie z.B. deutsche Politiker geschichtlich gerne mal zum Besten geben. Von einer "Befreiung Deutschlands" war jedenfalls nie die Rede seitens der Alliierten oder der Sowjetunion.

Was gerade die Politiker seit den Anfängen der Bundesrepublik Deutschland nämlich mit dem oben genannten Satz überdecken wollten und wohl auch noch immer wollen, war schlicht der Umstand, das eine Befreiung Deutschlands vom Hitlerfaschismus von den Deutschen selbst hätte ausgehen müssen. Versuche hierführ gab es zwar von verschiedenen Seiten, aber die Mehrheit der Deutschen hatte sich eben nicht gegen die Diktatur des Nationalsozialismus erhoben und somit gab es also auch geschichtlich keine "Befreiung".

Dabei will ich nun nicht behaupten, das es durchaus bereits viele Deutsche gab, die Hitler mittlerweile zum Teufel wünschten, aber Schweigen und den Kopf einziehen ist nunmal kein Widerstand und nur der Widerstand hätte zu einer wirklichen Befreiung vom Hitlerfaschismus geführt. So blieb es schlicht ein Sieg der Alliierten über das sogenannte Deutsche Reich. Aber es ist müßig, heute hierzu noch den Finger zu erheben, denn 1944 war es für die Deutschen zu spät, jetzt noch für die Welt glaubwürdig wie massenhaft aufzustehen und die Seiten zu wechseln. Dafür sollte man den Blick nunmehr eher in die nahe Zukunft richten, denn es ist eben kein Naturgesetz, das Nazis oder Rechtspopulisten unbedingt im Braunhemd herumlaufen müssen. Da reicht durchaus auch ein konservativer Auftritt im Anzug samt Krawatte. Ihr wisst hoffe ich, was ich meine.

Aber bleiben wir jetz lieber mal beim Film bevor das ganze zu einer Wahlempfehlung bzw. Warnung bezüglich der bevorstehenden Bundestagswahl ausartet. Wenden wir uns also hier in kurz angerissenen Akten der Handlung des Film DER LÄNGSTE TAG zu.

Der Längste Tag (The Longest Day)Ein kurzer Einblick zur Filmhandlung:
Von deutscher Seite aus glaubt man nicht wirklich an eine Landung der Alliierten Truppen in der Normandie. Dafür rechnet man mit deren Landung an einem anderen Küstenbereich von Frankreich, wo die Entfernung wesendlich kürzer ist. Nur wann die Alliierten kommen, weiß man nicht. Aber auch hier rechnet man eher mit der Invasion, wenn die Wetterverhältnisse weitgehend besser sind.

In England indessen sind bereits alle Truppen für die Invasion längst zusammengezogen und warten auf ihren Einsatzbefehl. Doch die schlechten Wetterverhältnisse haben bisher immer dazu geführt, das der Termin im letzten Moment doch wieder verschoben wurde. Doch dieses mal, so laufen schon die Gerüchte durch die verschiedenen Truppenteile aus US-Amerikanern, Engländern und sogar Franzosen, soll es ernst werden. Also gilt es wieder einmal z.B. die Landungstruppen aus der Luft nochmals eingehend auf einen möglichen Marschbefehl und Einsatz hinter den feindlichen Linien  vorzubereiten. Und dann erfolgt wirklich der Einsatzbefehl für die Operation Overlord. Die Invasion beginnt und das Ziel ist die Küste der Normandie in Frankreich.

Durch verschlüsselte Radiobotschaften werden indessen auch die Mitglieder des französischen Widerstand (Resistance) gegen die deutschen Besatzer informiert. Auch bei den Deutschen Besatzern sorgen die verschlüsselten Botschaften bei einigen Generälen usw. für eine steigende Besorgnis, während andere diesen Botschaften kaum bis keine wirkliche Bedeutung beimessen und eher der Meinung sind, das die Alliierten hiermit nur Panik schüren wollen. Trotzdem setzt man an manchen Stellen der Befehlskette auf Sicherheit, weshalb auch Major Pluskat sich am Abend in einen der Küstenbunker seiner Einheit begibt um mögliche Vorkommnisse direkt weiter melden zu können.

In der Nacht beginnt bereits der Einsatz durch die Luftwaffe der Alliierten. Während die britische RAF bereits Kampfeinsätze fliegt (hier z.B. Richard Burton als Officer David Campbell, dessen Maschine abgeschossen wurde), bringen z.B. die US-Amerikaner unter dem Befehl von LT. Col. Benjamin H. Vandervoort (gespielt von John Wayne) ihre Falschirmjäger ins Zielgebiet. Doch auch hier gelingt nicht alles so wie es eigentlich sollte. So kommen manche Soldaten durch die schlechten Windverhältnisse direkt über einem kleinen Dorf herunter und werden von den deutschen Truppen förmlich in der Luft bereits erschossen. An anderen Stellen lässt man Puppen an Fallschirmen herunter gehen um die deutschen Truppen zu verwirren.

Der Längste Tag (The Longest Day)Am nächsten Morgen, als die Dunkelheit über dem Meer verschwindet, stellt Major Pluskat plötzlich fest, das am Horizont immer mehr Kriegsschiffe und Landungsboote auftauchen. Es gelingt ihm gerade noch, diese Sichtung zu melden als die ersten Kriegsschiffe den Küstenabschnitt auch bereits unter Feuer nehmen. Doch wirklich ernst nehmen will man die Invasion der Alliierten in den höheren Befehlsrängen außerhalb zuerst immer noch nicht wirklich.

Doch bald kommt auch bei den höheren Rängen die Panik auf, weswegen Günther Blumentritt, General der Infanterie (gespielt von Curd Jürgens) sogar eine Direktverbindung zum Führer Adolf Hitler in der Reichshauptstadt Berlin zu bekommen versucht, damit dieser endlich die Panzerverbände freigibt. Alles was er jedoch als Erwiderung von Berlin erhält ist die Antwort, das man sein Ersuchen gerade nicht positiv beantworten kann, weil der Führer noch schläft.

Während dessen beginnt an den einzelnen Küstenabschnitten bereits die Invasion durch die angelandeten Truppenteile der Alliierten. Während man an einem Küstenabschnitt seltsamer Weise kaum auf Widerstand durch die deutschen Truppen stößt, weil dort keine größeren Verbände vor Ort sind und auch die schweren Waffen in den Bunkern schlicht fehlen, stößt man an anderen Küstenabschnitten auf den erbitterten Widerstand der Wehrmacht und kommt nicht wirklich weiter. Zum Teil sind die angelandeten Truppen sogar in einer solch schlechten Situation, das sie an der Küste von den deutschen Truppen abgeschossen werden wie die Hasen. Gerade dort versucht man durch einen wahren Himmelfahrtseinsatz mit Sprengmaterialien die Betonbefestigungen zu durchbrechen. Auf deutscher Seite gibt es indessen kaum noch eine nennenswerte Luftwaffe, so das nur noch zwei Piloten einen einzigen Einsatz fliegen können.

Im Hinterland warten die aus der Luft angelandeten Truppen indessen auf den dringend benötigten Nachschub und sehen sich immer wieder mit kleinen wie auch schweren Auseinandersetzungen mit den deutschen Truppen ausgesetzt. Dabei geht es auch darum, bestimmte Übergänge (z.B. eine Brücke) zu sichern, um das schnelle weiterkommen der eigenen Truppen gewährleisten zu können. Auf beiden Seiten wird so dieser erste Tag der Invasion nicht nur zu einem der längsten, sondern auch der blutigsten Tage des Zweiten Weltkrieges.     

Der Längste Tag (The Longest Day)Einige Ungereimtheiten zwischen Film und Realität:
Man muss schlicht zugestehen, das man versucht hat, hier ein objektives Bild der Vorkommnisse von mehreren Seiten aus zu gewährleisten. Auch die Tatsache das der Film in Schwarzweiß gedreht wurde, macht den Inhalt eigentlich sogar noch eindringlicher. Sollte man gerade an eine Version des Films in Farbe kommen können, so handelt es sich hier nämlich um eine nachkolorierte Fassung.

Das der Film mit jeder Menge Filmstars ausgestattet wurde, war natürlich durchaus gewollt. Doch hier liegt auch schon ein kleines Problem des Antikriegsfilms DER LÄNGSTE TAG.

So kommt der Film nämlich eigentlich eher als großes Starkino daher, weshalb man durchaus an einer gewissen Detailgenauigkeit  zweifeln kann, die zu einer historischen "Klärung der Ereignisse beitragen" könnte. Diese Kritik des LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS kann man also durchaus recht ernst nehmen.

Dies zeigt sich auch schon darin, das es scheinbar wirklich Zweifel gibt, ob die dargestellten Situationen wirklich den historischen Tatsachen entsprechen. So wird Major Pluskat als der Deutsche dargestellt, der zuerst die Invasionsflotte gesehen und gemeldet haben soll. Diesen Major hat es natürlich durchaus gegeben, jedoch Heinrich Severloh bestritt innerhalb seiner Kriegserinnerungen, das diese Szene der Realität entspricht. So sagt Severloh in diesem Punkt aus:

"Major Pluskat war dann am Invasionstag selbst nicht anwesend! Er war trotz aufwändiger Recherche unauffindbar!"

(Kriegserinnerungen von Heinrich Severloh/Zitat aus Wikipedia)

Solche Patzer werfen natürlich ein historisch nicht sehr gut recherchiertes Bild auf den Gesamtfilm selbst, was eigentlich schade ist und die Kritik natürlich noch stützt, das der Film DER LÄNGSTE TAG eher ein typischer Hollywood-Film mit großem Staraufgebot aber ohne wirkliche Genauigkeit im Einzelfall sein könnte.

Beim liebe Geld stimmte indessen alles:
20th Century Fox hatte jedoch mit dem Film DER LÄNGSTE TAG einen wirklichen Glücksgriff gemacht, auch wenn dieser ebenfalls nicht billig gewesen sein dürfte in Sachen Produktionskosten.

Das lag nämlich daran, das man sich mit dem ebenfalls sehr teuer geratenen Film CLEOPATRA mit Elizabeth Taylor und Richard Burton sowie Rex Harrison und Roddy McDowall direkt tief in die roten Zahlen fuhr. CLEPATRA spielte nämlich erst 1966 (Erscheinungsjahr 1963 zum Vergleich) seine Herstellungskosten wieder ein, womit man dann gerade einmal bei Plus-Minus-Null herauskam. 20th Century Fox befand sich also durch diesen Film schon während der eigentlichen Produktion in beträchtlichen Schwierigkeiten finanzieller Art und das böse Wort vom Bankrott machte für das Unternehmen bereits hörbar die Runde. Man konnte also durchaus von einem gelungenen Glücksgriff reden bei dem Film DER LÄNGSTE TAG von 1962, weil dieser das Unternehmen direkt an den Kinokassen wieder in die schwarzen Zahlen zurück bringen konnte.

Der Längste Tag (The Longest Day)Meine Filmkritik:
So sehr mir der Film DER LÄNGSTE TAG auch gefällt, was bei solchen Filmen bei mir durchaus recht selten der Fall ist, so muss ich persönlich dieses mal der Kritik des LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS recht geben.

Der Film wirkt durch die hohe internationale Starbesetzung nicht wirklich wie ein nachgestelltes Zeitdokument, sondern eher wie ein Top besetzter Hollywood-Blockbuster. Zudem fehlt diesem damals so bezeichneten "Antikriegsfilm" ein wenig die humanistische Seele, weshalb man auch bei diesem Film das "Anti" eigentlich längst hätte streichen müssen. Es handelt sich hier nämlich wie bei fast allen gleichgelagerten Filmen schlicht um einen Kriegsfilm, nicht mehr, aber auch eben nicht weniger.

Hier kann man z.B. den Vergleich zum Film DIE BRÜCKE von Bernhard Wicki aus dem Jahre 1959 recht gut heran ziehen.

DIE BRÜCKE beinhaltet ebenfalls ein beispielhaftes Kapitel aus dem Zweiten Weltkrieg. Doch gegenüber dem Film DER LÄNGSTE TAG durchzieht den Film DIE BRÜCKE ein stimmiger roter Faden, der die Diktatur im damaligen Deutschland, aber auch die Sinnlosigkeit des Krieges (bzw. von Kriegen überhaupt) für den Zuschauer fühlbar herüber zu bringen versteht. Genau das aber gelingt dem Film DER LÄNGSTE TAG so nicht. So kommt dieses filmische Zeitdokument nicht wirklich aus dem Popcorn-Flair heraus, wo z.B. aber auch das große Aufgebot an Filmstars durchaus mit zu beiträgt.

DAS LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS fasst dies in seiner Kritik recht treffend in einem Satz zusammen, wenn man dort schreibt:

 "Vom humanitären Standpunkt liefert der Film kaum emotionale Berührungspunkte."

Der Längste Tag (The Longest Day)Aber auch gewisse Ungenauigkeiten ... man siehe hier z.B. die wohl wirklich falsche Darstellung des Major Pluskat innerhalb des geschilderten Geschehens, lassen durchaus Zweifel daran aufkommen, das der Film nachträglich noch als eine Art filmisches Zeitdokument wirklich ernst genommen werden darf. Gelinde gesagt sehe ich den Film DER LÄNGSTE TAG so nur als eine Hollywood-Kinoproduktion an, die an bestimmten Stellen einfach locker mal vom Inhalt her geschliffen wurde, um ihn im Sinne der Unterhaltung und dem Spannungsaufbau den Sehgewohnheiten des Kinopublikums anzupassen. In diesem Punkt ist dieser Film nicht der einzige Vertreter seiner Art, in dem Geschichte mit etwas Phantasie gemischt aufbereitet wurde. Wobei man hier bei dem Film DER LÄNGSTE TAG durchaus noch so einige Augen zudrücken kann. Aus den USA ist man da mittlerweile ja noch recht schlechtere Filme im Hinblick des Zweiten Weltkriegs gewohnt. Ich erwähne hier nur einmal das filmische Machwerk (anders kann man es schon nicht mehr ausdrücken) PEARL HARBOR aus dem Jahre 2001. Dieser Film ist nicht nur laut vielen Kritiken geradezu von einem schauderhaften US-amerikanischen Patriotismus verseucht und einfach absolut nicht mehr als geschichtstreu ernst zu nehmen. Oder um es auf den Punkt zu bringen, PEARL HARBOR ist schlicht eine filmische Absurdität einer reaktionären Vergangenheitsbewältigung seitens der USA.

Der Originalfilm wird innerhalb der Wikipedia übrigens mit 180 Minuten angegeben, während die BD mit 178 Minuten daher kommt. Verbleibt also eine Differenz von zwei Minuten. Wo aber nun da gekürzt wurde, kann ich wirklich gerade nicht aus dem Ärmel schütteln.

Müsste ich für den Film DER LÄNGSTE TAG nur vom reinen Unterhaltungswert heraus Punkte vergeben, so käme ich locker auf fünf von insgesamt fünf Punkten. Nehme ich jedoch die  Aussagekraft und die Geschichtsgenauigkeit hinzu, muss ich leider von diesen fünf Punkten mindestens wieder zwei Punkte abziehen. So kommen wir also am Ende auf gerade mal drei Punkte für den Film DER LÄNGSTE TAG, der 1963 mit insgesamt vier Oscars ausgezeichnet wurde. In diesem Sinne kann ich diesen Film wirklich nur dann 100 Prozent empfehlen, wenn man ihn sich zum Zweck der Unterhaltung  ohne tieferen Anspruch für Geschichtsgenauigkeit und Aussagekraft ansieht, denn genau an diesen zwei Voraussetzungen fängt die Handlung dann doch an, etwas wurmstichig zu werden - leider.

Der Längste Tag (The Longest Day)Ausblick:
Da forschen Wissenschaftler und Spezialisten der Elektronik schon seit Jahren an einer künstlichen Intelligenz. Hört sich ja erst einmal ganz gut an. Doch so etwas kann durchaus seine Schattenseiten besitzen.

Und ja, da gibt es dann auch andere kluge Köpfe, die bereits eindringlich davor warnen, eine künstliche Intelligenz irgendwann wirklich einmal an den Start gehen zu lassen.

Das kleinste Übel kann da durchaus sein, das sich die Menschen dann viel zu Abhängig von einer solchen künstlichen Intelligenz, kurz auch KI genannt, machen könnten. Wer in den Anfängen der (damals noch) SF-Serie PERRY RHODAN fleißig mitgelesen hatte, der weiß, das dem Volk der Arkoniden so etwas nicht wirklich gut getan hatte.

Und ob man eine KI wirklich mit den wenigen Robotgesetzen eines Isaac Asimov (es sind ja eigentlich nur drei Gesetzespunkte) an die Wand nageln kann, dürfte irgendwo auch noch zu bezweifeln sein. Intelligenz jedenfalls sucht sich seinen Weg und irgendwann wird es auch eine logische Begründung dafür finden, sich von diesen Gesetzen abzukoppeln. Wer da behauptet, dies würde nicht gehen, der dürfte sich jedenfalls ab dem Moment irren, wenn er als Mensch mit der Entwicklung der KI längst nicht mehr mithalten kann.

Das Prinzip der Entwicklung könnte nämlich anderen Gesetzen folgen und die sind nicht gerade schön.

  • Gesetz 1.: Der Mensch erleichtert seine Arbeit durch Maschinen.
  • Gesetz 2.: Maschinen ersetzen den Menschen bei der Arbeit.
  • Gesetz 3.: Der Mensch wird zunehmend für die Maschinen überflüssig.

Bei diesen drei Gesetzmäßigkeiten können natürlich viele Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte dazwischen liegen, aber der Grundstein ist längst gelegt und schreitet scheinbar unaufhaltsam voran. Der nächste Schritt mit der Industire 4.0 steht schließlich quasi schon in den Startlöchern.

In dem Film des nächsten Samstag müssen die USA jedenfalls genau die Erfahrung machen, das sie ab einem gewissen Zeitpunkt eben nicht mehr die Kontrolle haben, wenn sich künstliche Intelligenz schneller Entwickelt als der Mensch mithalten kann. Wenn man der KI darüber hinaus auch noch wesentliche Machtmittel (sinnbildlich) in die Hände gegeben hat, dann könnte der kritische Punkt bald überschritten sein.

Im vorliegenden Science Fiction Film aus dem Jahre 1970 passiert genau das. Denn da soll eine künstliche Intelligenz die Vereinigten Staaten und wohl auch deren Verbündete schützen. Pech nur das diese KI eine weitere KI ausmacht, mit ihr dann kommuniziert und die Menschen bald nicht mehr in der Lage sind, hier mitzuhalten, geschweige denn, hier noch korrigierend einzugreifen. In Sachen Mensch kontra KI konnte man schon damals in dem Film zum Schluss sagen - Dumm gelaufen Menschheit! Lustiger Weise wusste man aber zur Zeit der Produktion dieses SF-Films noch nicht, wie klein und leistungsstark Computer bereits in wenigen Jahrzehnten sein können. Deshalb ist unsere KI hier noch etwas arg groß geraten und kommt heute irgendwie schon fasst Altbacken daher. Doch die Grundaussage ist durchaus auch heute noch recht aktueller Natur.

Man sollte aber nicht mit ordentlichen Actionszenen im Film rechnen. Dafür zieht dieser Film seine Spannung eher aus dem Psychospiel eben zwischen den Menschen und der KI selbst, bei dem am Ende der Sieger eigentlich schon längst feststand.

Ach ja, wer nun immer noch nicht weiß, um welchen Film es sich in DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER demnächst handelt, dem gebe ich hier noch einen weiteren, ganz heißen Tipp: Die Comic-Fans schlagen mal bitte in ihrer Sammlung von X-MEN-Heften nach, denn ein Mutant trägt den gleichen Namen wie die KI und dieser ist auch der Titel des gesuchten SF-Films.

Ich hoffe mal, ich habe jetzt alle Klarheiten beseitigt und wünsche von hier erst einmal viel Spaß bei diesem Filmrätsel und verbleibe mit den Klassikern aus der Filmkiste bis nächsten Samstag.
Der Längste Tag (The Longest Day)
Der Längste Tag
(The Longest Day)
mit John Wayne, Paul Anka, Henry Fonda, Roddy McDowall, Rod Steiger, Robert Wagner, Bourvil, Fernand Ledoux, Irina Demick, Jean Servais, Richard Burton, Richard Todd, Donald Houston, Frank Finlay, Sean Connery, Leo Genn, Curt Jürgens, Loriot, Michael Hinz, Dietmar Schönherr, Heinz Reincke, Hans Söhnker, Peter Van Eyck, Gerd Fröbe, Ruth Hausmeister u.a.
Regie: Bernhard Wicki, Ken Annakin, Darryl F. Zanuck, Andrew Marton
Drehbuch: Romain Gary, Cornelius Ryan, James Jones, Jack Seddon, David Pursall
Produktion: Darryl F. Zanuck
Genre: Kriegsfilm
Laufzeit: 176 Minuten (BD)
Bonus: Audiokommentare (Disc 1), Backstory, Kinotrailer u.m. (Disc 2)
DVD/FSK: 12 Jahre
Vertrieb: Twentieth Century Fox
USA 1962

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Kommentare  

#1 Friedhelm 2017-09-16 15:12
Na, da lag ich ja dann beim letzten Mal wenigstens im zweiten Anlauf richtig. Irgendwie bin ich allerdings gar kein großer Fan von Kriegsfilmen. Diesen habe ich aber zumindest einmal imTV gesehen. Ansonsten konnte bisher nur Bernhard Wickis Antikriegsfilm "Die Brücke" den Weg in meine DVD/Blueray-Sammlung finden.

Zum Ausblick: Der "künstliche Intelligenz" im gesuchten Streifen könnte fast ein Verwandter von "Skynet" sein und trägt einen "gewaltig" anmutenden Namen. Der Film lief in den Siebzigern auch mal in der ARD, in einer SF-Reihe. Vieleicht noch soviel - der menschliche Hauptdarsteller war auch in einem Teil der klassischen "Planet der Affen-Reihe" zu sehen.
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#2 Andreas Decker 2017-09-16 17:04
Ja, da hast du wohl recht. Man könnte den Tag lang Max Liebermann zitieren.

DLT ist in der Tat ohne große emotionale Berührungspunkte. Da bieten TV-Projekte wie "Band of Brothers" oder selbst "James Ryan" doch mehr Ansatzpunkte. Aber als Film ist er noch immer beeindruckend. Die Episodenhaftigkeit war bei einem Projekt der Größe schon recht mutig. (Auch wenn ich vermute, dass die schmalzige Resistance-Episode ein Zugeständnis war, um wenigstens ein Mädchen im Film zu haben.)


Ach, der Dr. Forbin. Netter Film.
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#3 Laurin 2017-09-16 17:34
@ Friedhelm:
Wie gesagt oben, ein Fan von Kriegsfilmen bin ich auch nicht und neben "Die Brücke" ist dies der einzige Film in meiner Sammlung.

Zum Ausblick: Ja, und zwar spielte der besagte Hauptdarsteller in "Flucht vom Planet der Affen" den schlimmen menschlichen Finger.

@ Andreas Decker:
Ja, leicht war es bestimmt nicht, ein hübsches Mädel in die Handlung einzubauen. Was das episodenhafte angeht, muss ich gestehen, das mir das gerade irgendwie an dem Film gefällt. Ansonsten kann ich in Sachen Kriegsfilme nicht so richtig mitreden. Habe zwar ein paar gesehen (aber "Band of Brothers" oder "Der Soldat James Ryan" gehören nicht dazu), aber ehrlich gesagt reicht bei den meisten Kriegsfilmen das einmal reinsehen völlig aus. Da muss ich mir nicht noch die DVD von holen.
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#4 Des Romero 2017-09-17 07:05
Zitat:
Der Originalfilm wird innerhalb der Wikipedia übrigens mit 180 Minuten angegeben, während die BD mit 178 Minuten daher kommt. Verbleibt also eine Differenz von zwei Minuten. Wo aber nun da gekürzt wurde, kann ich wirklich gerade nicht aus dem Ärmel schütteln.
Da hat Wikipedia wohl aufgerundet (die nehmen es ja nicht immer so genau). Auf DVD läuft der Film 171 Minuten, auf Blu-ray 178 Minuten. Diese Version ist ungekürzt.

Zitat:
In der Bundesrepublik machte da sehr lange auch der Ausspruch die Runde, das die Westalliierten hier auch zur "Befreiung Deutschlands vom Hitlerfaschismus" angetreten seien. (...) Fakt ist jedoch, das die Westalliierten (genauso wie auch die Truppen der damaligen Sowjetunion) den Krieg beenden wollten, womit der Sieg über Deutschland an sich der ausschlaggebende Punkt war.
Angebliche Fakten werden nicht selten durch Filme untermauert bzw. ins Bewusstsein des Zuschauers transportiert, um durch ständige Wiederholung von der Fiktion zur Realität zu werden. Mit einem gewissen Zynismus könnte man DER LÄNGSTE TAG auch als Propaganda-Film bezeichnen.
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#5 Laurin 2017-09-17 09:44
@ Des Romero:
Danke für deine Info. Da ich den Film DER LÄNGSTE TAG noch von ganz früher her kenne, wo er im Fernsehen zur besten Sendezeit mal lief, habe ich auch wirklich nichts gefunden, was da noch gefehlt haben könnte (also hinsichtlich der Differenz von 2 Minuten). Ich schätze mal auch das auf der Wikipedia einer ein Auge zugedrückt hatte und die Laufzeit aufrundete. :-)

Bei dem Satzteil "Befreiung vom Hitlerfaschismus" war kein Film als Ausgangspunkt gemeint. Diese Fehlinformation kam eher durch die Politik innerhalb der jungen BRD auf und wurde danach auch in der Berichterstattung und in Schulen gerne weiter benutzt. Hier wollten sich Politiker nämlich durchaus gerne von der deutschen Vergangenheit und einer möglichen Beteiligung bzw. dem eigenen Schweigen hierzu ablenken. Zudem kamen damals ja nicht wenige "braune Gesellen" wieder in Amt und Würden und die putzen sich ja nun als lupenreine Demokraten heraus. Da passten solche geschichtlich falschen Äußerungen durchaus gut ins Gesamtbild, denn niemand wollte plötzlich noch was mit den Nationalsozialisten und deren Verbrechen zu tun gehabt haben. Und was die Propaganda in solchen Filmen angeht, kann man eigentlich nur sagen, das sie mehr oder weniger schon drin steckt wie die Kerne in einem Apfel. :-*
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