Disney versieht die Zeichentrickfilm-Klassiker ARISTOCATS, DSCHUNGELBUCH, DUMBO, PETER PAN und SUSI UND STROLCH mit Rassismus-Warnhinweisen

Disney+Die Rassismus-Debatte zieht vor allem in den USA weitere Kreise.

Nun hat auch der Medienkonzern Disney auf seiner Streaming-Plattform Disney+ entschieden, auf vermeintliche rassistische Inhalte in den Zeichentrickfilm-Klassiker "ARISTOCATS", "DSCHUNGELBUCH", "DUMBO", "PETER PAN" und "SUSI UND STROLCH" hinzuweisen.

"Dieses Programm enthält negative Darstellungen und/oder eine nicht korrekte Behandlung von Menschen oder Kulturen. Diese Stereotype waren damals falsch und sind es heute noch.

Anstatt diese Inhalte zu entfernen, ist es uns wichtig, ihre schädlichen Auswirkungen aufzuzeigen, aus ihnen zu lernen und Unterhaltungen anzuregen, die es ermöglichen, eine integrativere gemeinsame Zukunft ohne Diskriminierung zu schaffen.
Disney hat es sich zum Ziel gesetzt, Geschichten mit inspirierenden und zukunftsweisenden Botschaften zu erzählen, in denen die große Vielfalt der Menschen rund um den Globus berücksichtigt und niemand diskriminiert wird."

In "ARISTOCATS" (1970) wird der Kater Shun Gon klischeehaft asiatisch dargestellt. Beispielsweise spielt Shun Go mit Essstäbchen Klavier und singt mit starkem asiatischen Akzent auf Englisch.

Aus dem gleichen Grund erhält "SUSI UND STROLCH" (1955) einen Warnhinweis, da auch die Darstellung der beiden Siamkatzen Si und Am als stereotypisch aufgefasst wird.

In "DUMBO" (1941) wird der kleine Elefant mit den großen Ohren von einer Gruppe Krähen gehänselt und ausgelacht, die nicht glauben, dass Dumbo fliegen kann. Dies könnte als Ausgrenzung wegen 'Andersartigkeit' betrachten werden.

Im englischen Original sprechen die Krähen einen afroamerikanischen Slang und verkörpern Stereotype, die der Minstrel-Kultur zugeschrieben werden.
Der Anführer der Krähen trägt den Namen Jim Crow – ein rassistischer Ausdruck, der im 19. Jahrhundert verwendet wurde, um das Klischeebild eines tanzenden, singenden, aber auch faulen und dummen Afroamerikaners zu beschreiben.

Im "DSCHUNGELBUCH" (1967) geht es schließlich um Affenkönig Louie. Die Darstellung als Jazz und Bebop singender Affe wird als beleidigende Karikatur aufgefasst, die rassistische Stereotype von Afroamerikanern bedient.

Im Zeichentrickklassiker "PETER PAN" (1953) werden amerikanische Ureinwohner etwa als "Rothäute" bezeichnet.
Zudem sei der Tanz mit dem Kopfschmuck, den Peter Pan und die "Verlorenen Jungs" aufführen, eine Form der Veralberung und Aneignung der Kultur und Bildwelt der Ureinwohner.

Bild: Logo Disney+ aus der Wikipedia

Kommentare  

#1 Robert Martschinke 2020-10-30 23:44
Im gegenwärtigen politischen Klima (nicht nur hierzulande) ist jedes antirassistische Statement zu begrüßen; ebenso begrüßenswert wäre es, wenn Disney als nächstes auf den Sexismus bzw. sexistische Klischees in den betreffenden Werken einginge.
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#2 Mainstream 2020-10-31 14:03
Ebenso begrüßenswert wäre es, wenn der Kommentator nicht nur Disney dazu aufrufen würde.
Wohin soll das denn führen, würde man alle Filme, Bücher, Radiosendungen, Bühnenwerke, Lieder, Zeitungsartikel aus dem Kontext ihrer Zeit reißen.
Es ist vollkommen okay wenn man aktuelle Werke kritisch betrachtet, abwägt, und entsprechend kommentiert. Aber wer nicht in der Lage ist unter anderem Disney Filme von vor vierzig Jahren oder weiter zurück, richtig einzuordnen, dem helfen auch keine gut gemeinten Statements. Statements die zum größten Teil nur Lippenbekenntnisse sind, weil es politisch korrekt so schick daher kommt.
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#3 Laurin 2020-10-31 15:33
Ich sage es mal vereinfacht so: Das zur Zeit gegenwärtige politische Klima, welches auch leider neben der Dummheit (siehe z.B. Trump in den USA) auch in Europa rechte Rattenfänger wieder nach oben spült, wird mit Sicherheit nicht verbessert werden, wenn man an Nebenschauplätzen Dinge aus dem zeitlichen Kontext herausreißt und mit Macht an den Pranger stellt, wo etwas lockere Aufklärung schon Wunder bewirken würde. Irgendwie schafft man es nämlich so, sich in Sachen Rassismus usw. an den wirklichen gesellschaftlichen Brennpunkten vorbei abzuarbeiten. Das sieht immer schön wichtig und politisch korrekt aus und tut auch nicht weh, weil man eigentlich dem wirklichen Übel nie auf die Füße tritt.

Oder anders gesagt, statt an DUMBO oder SUSI UND STROLCH medienwirksam zu kratzen, sollte man sich den Gründer, Wald Disney mal selbst sehr genau und medienwirksam vornehmen. Der hatte nämlich auch nicht gerade kleine politisch braune Schmutzflecken auf der weißen Weste.
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#4 Robert Martschinke 2020-10-31 18:01
Erstens begrüßt der Kommentator das zur Diskussion stehende Verhalten nicht ausschließlich bei Disney; aber um genau dieses Unternehmen geht es im hier zu kommentierenden Artikel.

Zweitens: Durch die Hinweise auf rassistische Inhalte werden besagte Filme nicht aus ihrem zeitlichen (politischen, sozialen) Kontext herausgerissen, sondern - ganz im Gegenteil - in diesen eingeordnet.

Drittens geht es hier nicht um Aufklärung. Kein Kind kommt von sich aus auf den Trichter, ein anderes Kind wegen seiner Hautfarbe zu diskriminieren, und müsste darum "aufgeklärt" werden; Rassismus lernt es von erwachsenen Vorbildern und aus Medien wie besagten Disneyfilmen. Es geht um die Korrektur rassistischer Darstellung.

Pseudonym Mainstream möge mir diesbezüglich mal den Fünfjährigen und die Sechsjährige zeigen, die in der Lage sind, einen Zeichentrickfilm von sich aus polit- und soziohistorisch korrekt einzuordnen und aufgrund dieser Einordnung rassistische Klischees als solche eigenständig zu identifizieren.

Viertens, lieber Tarnkappenzwerg, gibt es im Kampf gegen Rassismus keine "Nebenschauplätze", wie diese Diskussion gerade hinlänglich belegt. Wo sind denn die "wirklichen gesellschaftlichen Brennpunkte"? Und wo findet "etwas lockere Aufklärung" mit absehbarer Wunderwirkung statt?
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#5 Mainstream 2020-10-31 20:39
Das mit dem Tarnkappenzwerg hat ganz schön gedauert. Hatte Angst das Niveau sinkt.

Ich gebe Dir Recht das man durch Hinweise die Inhalte einordnen kann. Aber, das große Aber, nur solange es genau dabei belassen wird, und keine Versuche unternommen werden die Werke zu verändern. Was bei zeitgenössischen Romanen ja bereits massiv versucht wird. Das ist eine Weiterentwicklung, die ich befürchte.

Ein Sechsjähriger muss überhaupt nichts polit- und soziohistorisch einordnen können. Ich bin aber genauso davon überzeugt, dass ein Sechsjähriger angst vor Asiaten bekommt, weil die Siamkatzen in SUSI UND STROLCH asiatische Züge tragen. Mit meine achtjährigen Neffen hatte ich erstaunlich interessante Gespräche nach dem neuen KÖNIG DER LÖWEN bezüglich der Hierarchien im Tierreich. Was direkt zur Medienkompetenz führt. Die Eltern sind verpflichtet für die Aufklärung zur sorgen. Geschieht das nicht, wage ich zu bezweifeln, ob das mit einem Warnhinweis aufgefangen wird.

Was mich aber wirklich zum nachdenken bringt, was ich überhaupt nicht verstehe, dass sich bis vor einem Dreivierteljahr niemand auch nur einen Deut um so etwas geschert hat ('niemand' im überspitzten Maß). Und genau diese Leute schreien das heute als unzumutbare Zustände heraus. Das meine ich mit Lippenbekenntnisse.

Ich behaupte jetzt trotzdem einmal, dass wir beide sehr nahe stehende Ansichten haben. Vielleicht mit unterschiedlichen Ansätzen.

Und so nebenbei, ist Shun Gon nicht einfach nur der ausgeflippte Musikkumpel zwischen all den anderen ausgeflippten Musikern? Seine asiatische Herkunft zeugt doch von Integration, oder wie ist das sonst zu erklären.
Ja, das ist aus heutiger Sicht rassistisch, und sollte heute so nicht mehr umgesetzt werden. Es war nicht reflektiert. Aber bösartig?

Uwe
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#6 Robert Martschinke 2020-10-31 22:39
Wenn Kindern wegen "Susi & Strolch" bange wird vor Menschen mit asiatischen Zügen, haben rassistische Filmemacher ihr Ziel erreicht. Das war 1955 genauso rassistisch wie heute, und es war sehr wohl reflektiert und geschah in voller Absicht. (Dass die Affenbande im "Dschungelbuch" dicke Lippen hat und jazzt statt Golf oder Tennis zu spielen und Wagner zu intonieren, hat wohl kaum narrative Gründe.)

Dass sich Eltern oder Erwachsene generell dessen bewusst sind, wenn sie einen dieser Filme zusammen mit Kindern (oder auch allein) anschauen, bezweifle ich mal stark. Um dieses Bewusstsein anzustoßen, können die Hinweise durchaus dienlich sein. Ob dies wiederum gelingt, hängt vom Einzelfall ab. Im Idealfall löst es eine Diskussion wie diese hier aus; und damit ist schon viel gewonnen.

Disney ist zuallererst ein Wirtschaftsunternehmen mit dem Zweck, Umsatz und Rendite zu generieren. Also können wir erst mal getrost davon ausgehen, dass besagte Rassismus-Hinweise nicht aus Gewissensgründen, sondern aus Angst vor negativer Publicity erfolgt sind. Das wiederum zeugt von einer (tatsächlichen oder unterstellten) Sensibilisierung der anvisierten Konsumenten bzgl. rassistischer Inhalte. Die Entwicklung insgesamt ist also erst mal zu begrüßen.

Rassismus ist wie Sexismus und die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen unseres Planeten ein Nebenprodukt kapitalistischen bzw. imperialistischen Wirtschaftens. (Das haben auch Viele bei "blacklivesmatter#" begriffen.) Insofern sind antirassistische Statements eines global agierenden Medienkonzerns zweifelsohne "Lippenbekenntnisse".

PS. Das Pseudonym Laurin bezeichnet einen Zwergenkönig mit Tarnkappe. Das Pseudonym wird bewusst gewählt sein. So what? (Bei tagesschau.de kommentiert gelegentlich auch ein "Laurin". - Derselbe?)
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#7 Rüdiger 2020-11-01 08:22
Danke.
Das war unter den Kommentaren der erste lesenswerte.
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#8 Mainstream 2020-11-01 13:24
Na sowas, der Rüdiger. Lange nicht gelesen.
Ich hoffe alles ist gut.
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