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... Claudia Kern über Schreiben, Space View, Heftromane und ihre neue Serie Homo Sapiens 404

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... über Schreiben, Space View, Heftromane und ihre neue Serie Homo Sapiens 404

Durch die Presse-Information vom Rohde Verlag zu HOMO SAPIENS 404 wurde ich neugierig und wollte etwas mehr über die neue SF-Serie erfahren. Ich nahm daraufhin Kontakt mit Markus Rohde auf und bekam auch prompt Antwort.

Aus dem weiteren E-Mail-Verkehr entstand nachfolgendes Interview mit Claudia Kern, das ich den Lesern des Zauberspiegels nicht vorenthalten möchte.


3Zauberspiegel: Claudia, kannst Du den Lesern des Zauberspiegels kurz etwas zu Deiner Person erzählen? Wann und wo wurdest Du geboren, was machst Du beruflich etc.?
Claudia Kern: Ich wurde am gleichen Tag geboren, an dem Pu Yi, der letzte Kaiser von China, im Alter von 61 Jahren verstarb, meine Mutter versichert mir aber, dass ich nichts damit zu tun hatte.
Meine Heimatstadt ist Gummersbach, die mitten im verregneten, aber eigentlich ganz schönen Oberbergischen Land liegt und in der es nur ein Kino gibt, dessen linker Lautsprecher im Hauptsaal seit ungefähr fünf Jahren knarrt. Das Internet hat hier nur 6Mbit, deshalb war es wohl die richtige Entscheidung, nach Bonn zu gehen und dort zu studieren.
Irgendwann bin ich von dem Weg zum Magister in Anglistik, Amerikanistik und Vergleichenden Religionswissenschaften (kein Scheiß, das habe ich wirklich studiert) abgekommen, habe stattdessen angefangen zu schreiben und zu übersetzen, und das mache ich bis heute.

Zauberspiegel: Wie bist Du zum Schreiben gekommen?
Claudia Kern: Die Grundschule hat sehr geholfen. Vorher fand ich die ganzen Striche und Linien zwischen den Bildern in den Kinderbüchern eher doof. Danach habe ich allerdings relativ schnell entdeckt, was man mit Buchstaben alles anfangen kann. Meine erste Geschichte habe ich mit neun Jahren geschrieben – Fan Fiction zu der Serie Frei geboren.

Zauberspiegel: Hattest Du Vorbilder aus Deiner Kinder- oder Jugendzeit, an denen Du Dich beim Schreiben orientierst?
Claudia Kern: Ich glaube, irgendwann versucht jeder mal wie Ray Bradbury zu klingen, war bei mir jedenfalls so. Alles andere als ein schlechtes Vorbild, aber man muss schon seinen Weg finden.

Zauberspiegel: Kannst Du Dich noch an Deine erste Geschichte bzw. an Deinen ersten Roman erinnern? Wurden sie je veröffentlicht?
Claudia Kern: Die Fan Fiction zu Frei geboren wollte leider niemand haben, dafür habe ich aber mit 14 zwei Geschichten auf der Leserseite von John Sinclair unterbringen können. Die wurden sogar bezahlt.

Zauberspiegel: Stimmt die Info, dass Du Mitbegründerin des Magazins SPACE VIEW gewesen bist und bis zur Einstellung des Magazins dort als Chefredakteurin und Autorin tätig warst?
Claudia Kern: Fast. Fedcon-Veranstalter Dirk Bartholomä und ich haben des Magazin gemeinsam als Chefredakteure geleitet. Irgendwann ist Dirk abgesprungen und dann auch ich. Als Autorin war ich allerdings bis zum Ende dabei.

Zauberspiegel: Wie kam es zur Gründung von Space View?
Claudia Kern: Der Heel-Verlag wollte die SF-Welle, die durch Star Trek losgetreten worden war, nutzen und suchte Leute, die Ahnung vom Genre hatten. Da ich für Heel schon übersetzt hatte, kamen sie auf mich. Dirk kannten sie auch, weil er Werbung in Büchern geschaltet hatte.

Zauberspiegel: Was war der Grund der Einstellung?
Claudia Kern: Der gleiche wie bei den meisten Magazinen. Fehlende Leser und fehlende Einnahmen.

Zauberspiegel: 1999 kamst Du als Co-Autorin zur Serie PROFESSOR ZAMORRA und gabst mit VOODOO-MAN (PZ # 642) Dein Zamorra-Debüt. Wie muss sich das der Laie vorstellen? Standest Du schon vorher in Kontakt mit dem Bastei-Verlag oder hattest Du Dich beim Verlag 'schlicht und einfach' als Autorin beworben?
Claudia Kern: Das war ein bisschen anders. Werner K. Giesa, der zu dem Zeitpunkt die Serie allein schrieb, suchte einen Co-Autor. Wir kannten uns, weil er und ich für Heel schon ein sehr peinliches, sogenanntes Motion-Book namens Hagar Qim geschrieben hatten. Er wusste, dass ich Zamorra-Fan war und die Serie auch sehr gut kannte, also fragte er mich, ob ich mal Lust auf einen Band hätte. Und wie ich die hatte.
Bastei wusste damals von nichts. Werner hat ihnen das dann aber nach mehreren Bänden erzählt, weil er mich fördern wollte. Dafür bin ich ihm heute noch dankbar.

3Zauberspiegel: Ein Jahr später folgte mit DIE AMAZONEN VON BERLIN Dein Maddrax-Debüt. 2005 erschien Dein letzter Maddrax-Roman. Warum hast Du bei PROFESSOR ZAMORRA und MADDRAX aufgehört und Dich danach aus dem Heftromanbereich zurückgezogen?
Claudia Kern: Das war schon 2005? Krass. Das hatte viele Gründe, hauptsächlich aber den, dass ich mich auf eigene Sachen konzentrieren wollte. Für Serien zu schreiben ist ein bisschen so, als würde man in einem fremden Haus wohnen. Man fühlt sich zwar wohl, wenn's gut eingerichtet ist und in der DVD-Sammlung nicht nur Schrott steht, aber ein Zuhause ist es nicht.

Zauberspiegel: 2007 erschien mit ANNO 1701 - KAMPF UM RODERRENGE Dein erstes Buch im Panini Verlag. Worum geht es in dem Roman?
Claudia Kern: Um einen Piraten, der durch ein Schiffsunglück auf einmal die Möglichkeit erhält, eine andere Identität anzunehmen. Ihr merkt schon, es geht um die Piraten mit den Schwertern, nicht um die mit den Downloads. Er nimmt also diese fremde Identität bei seiner Rettung an und erfährt dann, dass er als Gouverneur den Aufbau einer Siedlung leiten soll. Das führt zu Problemen.

Zauberspiegel: Sind weitere Bücher zu dem PC-Spiel geplant?
Claudia Kern: Meines Wissens nicht.

Zauberspiegel: Von 2008 bis 2009 erschien Deine Fantasy-Trilogie DER VERWAISTE THRON bei Blanvalet. Kannst Du den Lesern des Zauberspiegels kurz etwas zum Inhalt der Fantasy-Trilogie verraten?
Claudia Kern: Es geht um ein von Kriegen zerrüttetes Reich, in dem ein junges Mädchen und ihr Bruder trotz allem in recht behüteten Verhältnissen aufwachsen. Das ändert sich allerdings, als die Burg, auf der die beiden mit Eltern und Bediensteten leben, von werwolfähnlichen Wesen, den sogenannten Nachtschatten, angegriffen und erobert wird.
Das Mädchen, Ana, flieht mit seinem Leibwächter, der Bruder bleibt als Gefangener zurück. Schon bald wird sie verfolgt, allerdings nicht nur von den Nachtschatten.

Zauberspiegel: Wie kam es zur Idee zu dieser Fantasy-Trilogie?
Claudia Kern: Ich hatte echt viel George R. R. Martin gelesen. Aber nicht nur das. Wie bereits gesagt, wollte ich eigene Sachen machen, und was ist schon eigener als eine ganze Welt zu erschaffen? Die eigentliche Idee ergab sich fast von selbst. Ich wusste, dass ich was mit Werwölfen machen wollte und Mittelalter-Fantasy, daraus entstand die Trilogie.

Zauberspiegel: Sind weitere Fantasy-Bücher geplant?
Claudia Kern: Konkret nicht. Ich glaube, wenn ich noch mal Fantasy schreiben würde, dann in einer etwas krankeren Welt.

Zauberspiegel: Seit Juli 2013 erscheint im Rohde Verlag Deine Serie HOMO SAPIENS 404. Wie kamst Du auf die Idee zur Serie? Und wie zu dem 'ungewöhnlichen' Namen?
Claudia Kern: Die Idee hatte ich schon sehr lange, aber bis Anfang 2013 wusste ich nicht, an wen ich sie verkaufen sollte. Die großen Printverlage sind keine Fans von SF im Allgemeinen und schon gar nicht, wenn man das Genre mit Zombies und einem Schuss Cyberpunk anreichert.
Da hört man dann meistens: 'Nein, das ist uns zu schwierig'. Markus Rohde hatte das Problem zum Glück nicht.
Der Name war eigentlich schnell gefunden. 404 ist die Fehlermeldung, die man bekommt, wenn eine Seite im Internet nicht gefunden werden kann. Das trifft auch auf die Menschheit zu, die zu Beginn der Serie aus dem Sonnensystem vertrieben wird und kurz vor dem Aussterben steht. Man findet sie nicht mehr da, wo sie eigentlich hingehört und sie selbst erkennt sich auch kaum noch wieder.

3Zauberspiegel: Kannst Du den Lesern des Zauberspiegels kurz etwas zum Inhalt der Serie verraten?
Claudia Kern: Homo Sapiens 404 spielt einige Jahrzehnte in der Zukunft. Die Menschheit hat dank eines Erstkontakts mit einem außerirdischen Volk den Sprung ins All geschafft. Es findet ein reger Kultur- und Technikaustausch statt, der vor allem über das Internet, das in der gesamten bewohnten Galaxis frei verfügbar ist, läuft.
Doch das alles endet, als ein Virus die Menschen befällt und sie in ... ihr ahnt es schon ... Zombies verwandelt. Richtig klassische Zombies, die umherschlurfen und Leute fressen.
Wer kann, flieht ins All, bis die Außerirdischen schließlich das gesamte Sonnensystem abriegeln. Übrig bleiben rund zwei Millionen Menschen, die als Flüchtlinge durch das All ziehen, ungeliebt von den Außerirdischen und stets der Gefahr des Virus ausgesetzt.

Zauberspiegel: Wer sind die Protagonisten von HOMO SAPIENS 404?
Claudia Kern: Die Besatzung des Raumschiffs Mishima. Die stößt in Band 1 auf ein wesentlich größeres, scheinbar verlassenes Schiff, dessen Fracht sie gern an sich bringen würde. Das läuft allerdings nicht so gut, denn das Schiff ist nicht annähernd so verlassen, wie sie geglaubt haben.

Zauberspiegel: Wie viele Staffeln sind von Deiner SF-Serie geplant?
Claudia Kern: Fest eingeplant sind erst mal drei mit jeweils sechs Bänden, aber die Handlung reicht für fünf. So ein All ist ziemlich groß, da kann man eine Menge Geschichten erzählen, ohne Gefahr zu laufen, sich zu wiederholen.

Zauberspiegel: War es für HOMO SAPIENS 404 von Vorteil, an Serien wie PROFESSOR ZAMORRA und MADDRAX mitgeschrieben zu haben?
Claudia Kern: Absolut. Im Heftroman lernt man, unter Termindruck zu arbeiten, was bei mir bedeutet, dass ich einen Termin bis zum letztmöglichen Zeitpunkt komplett ignoriere und dann in Panik verfalle.

Zauberspiegel: An welchen weiteren Projekten arbeitest Du zur Zeit? Kannst Du den Lesern des Zauberspiegels schon etwas darüber verraten?
Claudia Kern: Im Moment arbeite ich vor allem daran, König von Irland zu werden, aber mein Sohn versucht ständig, mich umzubringen, weil ich ihn mit einer buckligen Russin verheiratet habe. Ich hoffe, jemand, der das liest, spielt ebenfalls gerade Crusader Kings 2, sonst dürfte das klingen, als hätte ich den Verstand verloren.
Abgesehen davon habe ich eine Idee zu einem SF-Roman, aber die werde ich erst angehen, wenn die erste Staffel Homo Sapiens 404 beendet ist.

Zauberspiegel: Claudia, vielen Dank für die Beantwortung der Fragen!
Claudia Kern: Gern geschehen! 

Foto Claudia Kern © by Tschiponnique Skupin

Kommentare  

#16 Kerstin 2013-07-16 14:25
@ Lefti:
In meiner Kindheit habe ich mal ein paar Vampirfilme mit Christopher Lee gesehen, wenn nichts Besseres lief, und dabei mit dem Schlaf gekämpft. Angst hatte ich vor diesen Biestern nie.

Von Zombies habe ich das erste Mal gehört, als ich schon erwachsen war. Da konnten die mich nicht mehr ängstigen. Allerdings war ich auch als Kind nicht leicht von Phantasiewesen einzuschüchtern, dafür war die Realität in diesem Elternhaus zu hart. Laute Stimmen, ja, die machen mir heute noch Angst, weil sie bedeuteten, dass ich mich besser irgenwo verstecke, um nicht zwischen die Fronten häuslicher Gewalt zu geraten. Falls einer die Bücher von John Hart kennt, der versteht das, wie man sein Leben lang mit den Traumata zu kämpfen hat, die man den Eltern verdankt. Diese Bücher sind nicht nach Schema F geschrieben. In Deutschland würde sich so kaum ein Verleger dran wagen.

Der Kleiderschrank erschien so bedrohlich, weil der kleine Junge in Cujo darin ein Monster vermutet hat und Steven King das wirklich sehr anschaulich darzustellen weiß, was sich alles hinter den Schranktüren verbergen könnte. Außer Wäsche natürlich.

Zitat Larandil: "Die meistverbreitete Angst, von der ich immer höre, ist die vor dem Verlust des kleinen Restes heiler Welt, in den wir uns heute zurückziehen. BÄM! Job weg. BÄM! Wohnung weg. BÄM! Freunde weg. Mit einem Wort - Leben weg."

Das habe ich alles schon durch und mich immer wieder hochgekämpft. Grausen würde mich das nur, wenn die Hauptfigur dabei eine Memme ist, die sich nicht wieder selbst aus dem Sumpf aus Selbstmitleid zieht und was Neues aufbaut. Aber das gibt wohl Stoff für einen Sozialbericht, schwerer für ein Buch, wie wir das hier meinen.

Bei "Neverwhere" scheint das eben auffallend intelligent ausgearbeitet zu sein, also wieder kein neuer Mainstream. Aber wer außer den Verlagen und Buchhändlern braucht schon Mainstream?
#17 Pisanelli 2013-07-16 14:52
Früher habe ich mich sehr vor Vampiren gefürchtet, aber das ist lange vorbei. (Im Andenken daran haben meine Rollenspiel-Charas immer eine Vampir-Phobie ;-) ) Irgendwelche Fantasiewesen machen mir eigentlich kaum noch Angst, die wird bei Filmen eigentlich eher durch die gruselige Musik hervorgerufen, da bin ich Empath. Was ich echt gruselig finde und deshalb nicht so gerne sehe, sind Psycho-Thriller. Oder wenn Kinder gruselig und/oder psychopathisch werden. Wenn der Grusel halt mehr in Richtung Realität geht.
#18 Alter Hahn 2013-07-16 19:25
Mir ist jetzt wieder eine Idee eingefallen, die damals ein "Abfallprodukt" aus den Überlegungen war, wie die Vertreter der "Dynastie der Ewigen" aussehen und über welche Macht sie verfügen. Aber das, was ich das mit in den "Zamorra" bringen wollte, lag gänzlich abseits von den bekannten Arten des Grauens - auch von den Sachen, die Stephen King brachte. Werner wollte es dieses "Unfassbare" und "Unbeschreibliche" nicht in der PZ-Serie haben. Es war nicht der "klassische Grusel" und er hatte auch Sorge, das Jason Dark das nicht hätte durchgehen lassen. Also blieb es bei ein paar abgehefteten Randnotizen.

Werner hat ja schlussendlich auch dann die "Dynastie" als Personen greifbar gemacht. Die "geheimnisvolle Macht im Hintergrund" vor der selbst die Hölle zittert" war damit erledigt. Keine bedrohliche Hintergrundkulisse mehr - nur noch Figuren wie alle anderen Dämonen und Helden.

Ich habe unlängst mal zufällig in alten Konzepten geblättert - und das, was mir damals aus dem Zamorra-Tagen so in Gedanken kam - und eigentlich aus Kindertagen schon in mir war, weil ich aus meinen Träumen vor so was Angst hatte - das habe ich nun wieder ausgegraben. Jetzt ist es auch an der Zeit, hier mal ein paar Sachen zu bringen, die nicht zu den bekannten Spielfiguren von Horror und Phantastik zähllen, weil ich diese Ideen jetzt endlich in der Traum-Welt "Visionia" bringen kann.

Aber nicht vor dem Band Nummer 4...ihr werdet also noch etwas warten müssen bevor ihr das zu lesen bekommt, was ich selbst als eine "neue Dimension des Horror" sehe...

Ob es das schon mal gegeben hat, weiß ich nicht - dafür lese ich hin dieser Hinsicht zu wenig, weil ich mir die eigene Phantasie erhalten will. Für mich ist es jedoch neu...
#19 Alter Hahn 2013-07-16 19:26
... nur w a s es ist, das verrate ich euch nicht... um es abwandelnd mit Werners Worten zu sagen: "Abwarten und Visionia lesen..."

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