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MYTHOR - Die zweite deutsche Fantasy-Serie: Ein Interview mit FRANZ BERTHOLD

Mythor - Die zweite deutsche Fantasy-SerieDie Zeichner
Ein Interview mit FRANZ BERTHOLD

Franz Berthold ist einer der interessantesten Zeichner der Serie. Berthold illustrierte nicht nur, sondern er sprang von Zeit zu Zeit für Nicolai Luthoin ein, wenn dieser indisponiert war. Er war auch nicht unumstritten unter den Fans. Er war einer, der das Zeichnen ... Aber das lassen wir ihn wie so manch anderes am Besten selbst erzählen, denn er stellte sich den Fragen des Zauberspiegel zu seiner Zeit bei Mythor...


Zauberspiegel: Herr Berthold, können Sie den Lesern des Zauberspiegels kurz etwas über Ihre Person erzählen. Wie sind Sie zum zeichnen gekommen, was waren und sind dabei ihre Vorbilder, was machen Sie beruflich etc.?
Franz Berthold:
Ich konnte schon als Kind zeichnen, zum Beispiel Weihnachtskarten für Oma und Opa von 'Drüben'. Vorbilder gab es viele, zum Beispiel Wigg Siegl, ein Simplicissimus- (frühes deutsches Satire Magazin)Zeichner, Alfred Kubin (mit dem ich oft verglichen wurde), Dali, dessen humoristische Art mir sehr zugesagt hat, Escher etc.

Zauberspiegel: Wann und wo wurden ihre ersten Zeichnungen veröffentlicht?
Franz Berthold:
Ich glaube, das waren Abenteuer-Klassiker, gebunden, aufbereitet für Jugendliche (Friedrich Gerstäcker, Edgar Allen Poe, Herman Melville, James F. Cooper etc.) Oder war's die Heft-Serie 'Vampir'? So genau erinnere ich mich nicht mehr.

Zauberspiegel: Mit den Heften „AN DEN SPRINGQUELLEN“  (Mythor #72) und  „DIE ALPTRAUMRITTER“ (#73) gaben Sie 1981 sowohl als Innenillustrator als auch als Titelbildzeichner Ihr Mythor-Debüt. Können Sie sich noch daran erinnern, wie sie zur Serie gestoßen sind?
Franz Berthold:
Sowohl 'Vampir', 'Mythor', übrigens auch 'Perry Rhodan', alle diese Serien hatten denselben Chefredakteur, der diese Serien auch mitbegründet hat, ein Herr Bernhardt. Und als Herr Lutohin wieder einmal ausfiel, war ich drin.

Zauberspiegel: Kam es  damals öfters vor, dass Lutohin als Titelbildzeichner ausgefallen ist?
Franz Berthold:
Ja.

Zauberspiegel:
Was bemängelten denn die Leser in ihren Zuschriften an Ihren Zeichnungen?
Franz Berthold:
Die allgemeine Aussage war, dass ich 'mal Zeichnen lernen solle, was eigentlich gar nicht so abwegig ist, denn ich habe Zeichnen nie gelernt.

Zauberspiegel: Wie muss man sich die Arbeit als Zeichner an einer Serie wie Mythor vorstellen? Konnte man eigene Ideen einbringen oder mussten sie sich konsequent an die Handlung und Ideen sowie Vorschläge der Autoren halten?
Franz Berthold:
Jede Illustration ist eine eigene Idee, die sich aber, wie in diesen Fällen, auf ein Manuskript stützt.

Zauberspiegel: Was war Ihre bevorzugte Technik bei der ‚Herstellung‘ der Illustrationen für Mythor? Öl, Blei oder Tusche bzw. Tinte?
Franz Berthold:
Titelbilder: Airbrush, Innenillus: Feder. Ich hatte immer die übelsten Leserzuschriften, darum bin ich später auch für die Innenillustrationen auf Airbrush umgestiegen. Da haben sie die Klappe gehalten.

Zauberspiegel: Wie lange arbeiteten Sie in der Regel an den vier Zeichnungen pro Mythor-Heft bzw. an den Titelbildern?
Franz Berthold:
Drei bis vier Tage, inklusive Lesen des Manuskripts.

Zauberspiegel: Kannten sich die Zeichner untereinander und wurden während der Mythor-Zeit Freundschaften geschlossen?
Franz Berthold:
Gekannt ja, befreundet nein.

Zauberspiegel: Gibt es ein besonderes Ereignis im Bezug auf Mythor an das sie sich heute noch besonders gut erinnern?
Franz Berthold:
Eine Mythor-Veranstaltung, ich glaube, bei Passau, mit Autoren, Zeichnern und Lesern, bei der es, ich weiß nicht, wie lange es gedauert hat, bis sich die 'Fans' getrauten, uns um Autogramme zu bitten. Sie sind uns nur gegenüber gesessen und haben uns heimlich angestarrt, als ob wir was Besonderes gewesen wären.

Zauberspiegel: Mit Heft #169 „MASKEN DES FLAMMENDEN TODES“ stiegen Sie meines Wissens aus der Heftroman-Serie aus. Was war der Grund dafür?
Franz Berthold:
Weiß ich nicht mehr. Wurde die Serie da nicht eingestellt?

Zauberspiegel: Nein, erst mit Nummer 192. Was machten Sie nach Mythor?
Franz Berthold:
Sowohl vor, als auch während und nach 'Mythor' habe ich Titebilder für Heyne, Goldmann, Moewig, Pabel, Ulstein etc. angefertigt, hauptsächlich Science Fiction und Fantasy, aber auch Krimis, Sachbücher und so weiter.

Zauberspiegel: Sind Sie immer noch als Zeichner tätig. Was sind Ihre derzeitigen Projekte?
Franz Berthold:
Siehe Franzberthold.de, Rubrik 'Aktuell.' Es wäre ubrigens nett, wenn diese Adresse ein wenig die Runde machen würde.

Zauberspiegel: Herr Berthold, vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.

Kommentare  

#1 Nelson 2010-09-05 01:36
Ich fand diese irgendwie gestrichelten Zeichnungen von Franz Berthold in den ersten Vampir Horror-Romanen Anfang der 70-er Jahre sehr ansprechend. Sie erinnerten mich sehr an Alfred Kubin, den ich fast gleichzeitig in einer Poe-Ausgabe entdeckt hatte. Und dieser hämisch grinsende Vampir-Kopf, der in den Vampir-Horror-Heften von Pabel als Vignette (Kapiteltrenner) diente, ist doch auch von Franz Berthold - oder irre ich mich da?
Zitieren
#2 K. Baur 2017-03-17 20:40
Sehr geehrter Herr Berthold,

Ich schreibe gerade an einer Mystery Triologie für Kinder. Ich finde, diese Story hat das Zeug. Für einen guten Kinofilm.

Können Sie mir weiterhelfen oder mir Tipps geben, an wen ich mich am besten wenden kann?

Würde mich freuen von Ihnen zu hören.

Mit freundlichen Grüßen

K. Baur
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#3 Thomas Mühlbauer 2018-05-25 18:50
Völlig unbemerkt ist Franz Berthold bereits 2016 verstorben.
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