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Olivia de Havilland - Ein Nachruf

 Olivia de Havilland Olivia de Havilland

Olivia de Havilland wurde am 1. Juli 1916 in Tokio, Japan, geboren. Nachdem sich die Eltern Lilian (geborene Ruse) und Walter de Havilland getrennt hatten, zog die Mutter mit ihren Töchtern Olivia und ihrer Schwester Joan (de Beauvoir de Havilland), die spätere Schauspielerin Joan Fontaine, nach Saratoga, Kalifornien, in den USA.

Nachdem ihre Scheidung im April 1925 abgeschlossen war, heiratete Lilian den Geschäftsmann George Milan Fontaine.

 Olivia de HavillandOlivia de Havilland besuchte die "Saratoga Grammar School" und ging danach auf die "Los Gatos High School", wo sie mit der Schauspielerei in Berührung kam.
1933 stand sie als Teenager in der Amateur-Theater-Aufführung "Alice im Wunderland" der Saratoga Community Players zum ersten Mal auf der Bühne.
Danach spielte de Havilland noch in diversen weiteren Schulaufführungen mit. Darunter "Der Kaufmann von Venedig" und "Hänsel und Gretel".

Durch ihr Interesse an der Schauspielerei, kam es schließlich zum Konflikt und zur Konfrontation mit ihrem Stiefvater George Fontaine.
Nachdem er erfahren hatte, dass sie die Hauptrolle in der Bühnenproduktion von Jane Austins "Stolz und Leidenschaft" erhalten hatte, stellte er seiner Stieftochter ein Ultimatum.
Daraufhin verließ Olivia das elterliche Haus in Saratoga und zog zu einer Freundin der Familie.

Nach ihrem High School - Abschluss im Jahr 1934, wurde Olilvia nicht nur ein Stipendium für das "Mills College" in Oakland angeboten, sondern auch die Rolle des Puck in dem Shakespeare-Stück "Ein Sommernachtstraum".

Nachdem einer von Max Reinhardts Assistenten sie als Puck in der Theaterproduktion der "Saratoga Community" gesehen hatte, besetzte er sie mit der Rolle der Hermia in einer weiteren Aufführung des Shakespeare-Stückes, die in Hollywood Premiere hatte.

 Olivia de HavillandDer Regisseur Max Reinhardt war von der jungen Schauspielerin so begeistert, dass er ihr die Rolle der Hermia auch in der gleichnamigen Hollywood-Verfilmung gab, die vom 19. Dezember 1934 bis zum 9. März 1935 in den Warner-Studios gedreht wurde.

Und so gab Olivia de Havilland im Jahr 1935 in der Shakespeare-Verfilmung "Ein Sommernachtstraum" mit Dick Powell, James Cagney und Mickey Rooney als Puck. unter der Regie von Max Reinhardt und William Dieterle ihr Filmdebüt, die am 30. Oktober 1935 in den USA in de Lichtspielhäusern startete.

Nach ihrer Rolle der Hermia in "Ein Sommernachtstraum", drehte de Havilland die beiden Komödien "Alibi Ike" (1935) und "The Irish in Us" (1935), in der sie erneut mit James Cagney vor der Kamera stand, die am 15. Juni 1935 und am 3. August 1935, also vor der der Shakespeare-Verfilmung in den US-Kinos kamen.

Nach den beiden Filmkomödien begannen für de Havilland am 5. August 1935 die Dreharbeiten zum Abenteuerfilm "Unter Piratenflagge" (Originaltitel: "Captain Blood"), in der sie neben dem damals noch unbekannten Errol Flynn die weibliche Hauptrolle spielte.

 Olivia de HavillandNachdem die Dreharbeiten abgeschlossen waren, startete der Piratenfilm am 28. Dezember 1935 in den US-Kinos, der ein Riesenerfolg an den Kinokassen wurde, mit dem sowohl Olivia de Havilland als auch ihrem Filmpartner Errol Flynn der Durchbruch als Schauspieler gelang. Beide avancierten in den 1930er Jahren zum neuen Traumpaar Hollywoods.

Zudem wurde "Unter Piratenflagge" 1936 in den Kategorien "Beste Regie" (Michael Curtiz), "Beste Filmmusik" (Leo F. Forbstein), "Bester Film", "Bester Ton" (Nathan Levinson) und "Bestes Drehbuch" (Casey Robinson) mit dem Oscar nominiert.
Die deutschen Kinobesucher kamen dagegen erst am 26. Mai 1950 in den Genuss des heutigen Abenteuerfilm-Klassikers.

Nach dem Erfolg von "Unter Piratenflagge" stand Olivia de Havilland in den Filmen

• "Der Angriff der leichten Brigade" (1937)
• "Robin Hood, König der Vagabunden" (1938)
• "Liebe zu viert" (1938)
• "Herr des Wilden Westens" (1938)
• "Günstling einer Königin" (1939)
• Land der Gottlosen (1940)
• Sein letztes Kommando (1941)
• Thank Your Lucky Stars (1942)

noch insgesamt acht weitere Male mit Errol Flynn vor der Kamera.

 Olivia de HavillandNach dem Erfolg des Abenteurfilms "Unter Piratenfilm" unterzeichnete sie einen Siebenjahres-Vertrag mit dem Filmstudio Warner mit einer wöchentlichen Gage von 500 US-Dollar.

Doch Olivia de Havilland war mit den Rollen, die ihr das Filmstudio in den Filmen "Ein rastloses Leben" (1936), "Call it a Day" (1937), "It's Love" (1937), "The Great Garrick" (1937), "Goldene Erde Kalifornien" (1937), "Hard to Get" (1938) und "Wings of the Navy" (1939) gab, sehr unzufrieden, und so kämpfte sie darum, die Rolle der Melanie in dem geplanten Monumentalfilm "Vom Winde verweht" (1939) zu bekommen.

Doch es gab ein Problem. Denn der Film wurde nicht von Warner, sondern von der Selznick International Pictures und von Metro-Goldwyn-Mayer gedreht.
Und da de Havilland durch ihren Vertrag bei Warner als Schauspielerin fest an das Filmstudio gebunden war, konnte sie nur mit Erlaubnis des Studiochefs Jack Warner für andere Produktionsfirmen ausgeliehen werden.
Was ihr schließlich auch gelang. Und zum ersten Mal seit Jahren fühlte sich Olivia de Havilland in einer Rolle richtig gefordert, was ihr 1940 auch ihre erste Oscar-Nominierung in der Kategorie "Beste Nebendarstellerin" einbrachte.

1942 wurde sie erneut für den Oscar nominiert, diesmal für ihre Rolle in "Das goldene Tor" (1941). Doch statt Olivia, erhielt ihre Schwester Joan Fontaine für ihre Rolle in dem Hitchcock-Film "Verdacht". den Oscar in der Kategorie "Beste Hauptdarstellerin".
Das gefiel Olivia de Havilland ganz und gar nicht und so flammten die alten Konkurrenzkämpfe sowie die alten Eifersüchteleien zwischen den beiden Schwestern wieder auf.
Danach sorgte die lebenslange Fehde zwischen Olivia und Joan immer wieder für Schlagzeilen. Der Streit mit ihrer Schwester Joan wurde schließlich öffentlich, als Olivia de Havilland 1947 den Oscar für ihre Rolle in dem Film "Mutterherz" (1946) überreicht bekam, und Joan Fontaine daraufhin ihrer Schwester nach der Verleihung gratulieren wollte, was Olivia jedoch vollkommen ignorierte.

"All die Feindseligkeiten, die wir als Kinder gefühlt hatten kamen wieder hoch, das Haare ziehen, die Ringkämpfe, die Zeit, als Olivia versucht hat, mein Schlüsselbein zu brechen.
Ich habe zuerst geheiratet, habe den Oscar vor Olivia gewonnen, und wenn ich vor ihr sterben sollte, wird sie zweifellos wütend sein, weil ich wieder schneller war." (1)

Nach ihrer Rückkehr zu Warner und dem Erfolg des Monumentalfilms "Vom Winde verweht", wollte ihr das Filmstudio allerdings keine besseren Rolle geben.
Und so kam es schließlich nach den Filmen "Thema: Mann" (1942), "Ich will mein Leben leben" (1942) und "Der Pilot und die Prinzessin" (1943) zu einem Verwürfnis mit Warner.
Das hatte zur Folge, dass das Filmstudio die Schauspielerin eine Zeit lang von ihrem Vertrag suspendierte, was einem Arbeitsverbot gleich kam.
Nach dem Ablauf des Vertrags wollte Warner von der Schauspielerin dann auch noch eine Entschädigung für die Suspendierung, die das Filmstudio selbst veranlasst hatte.

 Olivia de HavillandDoch Olivia de Havilland wollte sich das nicht gefallen lassen, zog daraufhin vor Gericht und siegte schließlich.
Das Urteil in diesem Rechtsstreit ging 1944 unter dem inoffiziellen Namen "Havilland Law" in die Geschichte Hollywoods ein, weil dies das Ende der Knebelverträge der Hollywoodstudio bedeutete, so dass damit nicht nur die Macht der mächtigen Studiobosse eingeschränkt, sondern auch die Freiheit und Unabhängigkeit der Schauspieler gestärkt wurde.

Nach diesem Befreiungsschlag kehrte Olivia de Havilland 1946 mit dem Paramount-Film "Mutterherz" auf die Kinoleinwand zurück, und gewann 1947 für ihre Rolle der Miss Josephine 'Jody' Norris in dem Film den Oscar in der Kategorie "Beste Hauptdarstellerin".

Am 26. August 1946 heiratete sie Marcus Goodrich, von dem sie sich am 28. August 1953 jedoch wieder scheiden ließ. Das Paar hatte ein Kind zusammen.

Nach ihren Rollen in den beiden Filmen "Der schwarze Spiegel" (1946) und "Die Schlangengrube" (1948), erhielt Olivia de Havilland 1950 für ihre Rolle der Catherine Sloper in dem Melodram "Die Erbin" (1949) ihren zweiten und letzten Oscar in der Kategorie "Beste Hauptdarstellerin".

1951 gab die Schauspielerin als Julia in dem Shakespeare-Stück "Romeo und Julia" ihr Broadway-Debüt, gefolgt von den Bühnenstücken "Candida" (1952) und "A Gift of Time" (1962).

Ab Anfang der 1950er Jahre sah man Olivia de Havilland nur noch sporadisch auf der Kinoleinwand, darunter in "Meine Cousine Rachel" (1952), "Die Dame des Königs" (1955), "Der stolze Rebell" (1958), "Die Nacht ist mein Feind", "Licht auf der Piazza" (1962) und "Wiegenlied für eine Leiche" (1964). Danach zog sich die Schauspielerin ins Privatleben zurück, auch weil sie am 2. April 1955 den Drehbuchautor Pierre Galante geheiratet (von dem sie sich am 30. April 1979 wieder scheiden ließ). Das Paar hatte ein Kind zusammen.

 Olivia de Havilland1970 kehrte de Havilland aber mit dem Film "Die letzten Abenteurer" wieder auf die Kinoleinwand zurück.
Danach sah man sie bis Ende der 1970er Jahren noch in den Filmen "Papst Johanna" (1972), "Airport III - Verschollen im Bermuda-Dreieck" (1977), "Der tödliche Schwarm" (1978) und "The Fifth Musketeer" (1978), bis sie sich danach erneut und endgültig von der Kinoleinwand ins Privatleben zurückzog.

Ab den 1980er Jahren sah man die Schauspielerin öfters im Fernsehen. So unter anderem in den beiden Fernsehfilmen " Mörderische Leidenschaft" (1982) und Die Romanze von Charles und Diana (1982) sowie in den beiden Mini-Serien "Roots" (1981) und "Anastasia" (1986).
Für ihre Rolle in der Mini-Serie "Anastasia" erhielt Olivia de Havilland 1987 den Golden Globe in der Kategorie "Beste Nebendarstellerin".

1988 sah man die Schauspielerin in dem Fernsehfilm "König ihres Herzens" in ihrer letzten Rolle. Danach zog sich de Havilland endgültig aus dem Film- und Fernsehgeschäft zurück.

2017 wurde sie von der Königin Elizabeth II. offiziell zur "Dame" ernannt.

Die Schauspielerin Olivia de Havilland verstarb am 25. Juli 2020 Alter von 104 Jahren in ihrem Haus in Paris.

Filmographie
1. A Midsummer Night's Dream/Ein Sommernachtstraum (1935)
2. Alibi Ike (1935)
3. The Irish in Us (1935)
4. Captain Blood /Unter Piratenflagge (1935)
5. Anthony Adverse/Ein rastloses Leben (1936)
6. The Charge of the Light Brigade/Der Verrat des Surat Khan (1936)
7. Call It a Day (1937)
8. It's Love I'm After (1937)
9. The Great Garrick (1937)
10. Gold Is Where You Find It /Goldene Erde Kalifornien (1938)
11. The Adventures of Robin Hood /Robin Hood, König der Vagabunden (1938)
12. Four's a Crowd/ Liebe zu viert (1938)
13. Hard to Get (1938)
14. Wings of the Navy (1939)
15. Dodge City/ Herr des Wilden Westens (1939)
16. The Private Lives of Elizabeth and Essex/ Günstling einer Königin (1939)
17. Raffles (1939)
18. Gone with the Wind/ Vom Winde verweht (1939)
19. My Love Came Back (1940)
20. Santa Fe Trail/ Land der Gottlosen (1940)
21. The Strawberry Blonde/Schönste der Stadt (1941)
22. Hold Back the Dawn/Das goldene Tor (1941)
23. They Died with Their Boots On/Sein letztes Kommando (1941)
24. The Male Animal/Thema: Der Mann (1942)
25. In This Our Life/Ich will mein Leben leben (1942)
26. Thank Your Lucky Stars (1942)
27. Princess O'Rourke/Der Pilot und die Prinzessin (1943)
28. Government Girl (1943)
29. To Each His Own/Mutterherz (1946)
30. Devotion (1946)
31. The Well Groomed Bride (1946)
32. The Dark Mirror/Der schwarze Spiegel (1946)
33. The Snake Pit/Die Schlangengrube (1948)
34. The Heiress/Die Erbin (1948)
35. My Cousin Rachel/Meine Cousine Rachel (1952)
36. That Lady/Die Dame des Königs (1955)
37. Not as a Stranger/...und nichts als ein Fremder (1955)
38. The Ambassador's Daughter/Die große und die kleine Welt (1956)
39. The Proud Reel/Der stolze Rebell (1958)
40. Libel/Die Nacht ist mein Feind (1959)
41. Light in the Piazza/Licht auf der Piazza (1962)
42. Lady in a Cage (1964)
43. Hush...Hush, Sweet Charlotte/Wiegenlied für eine Leiche (1964)
44. The Adventurers/Die letzten Abenteurer (1970)
45. The Screaming Woman (1970) (TV)
46. Pope Joan/Papst Johanna (1972)
47. Airport'77/Airport III - Verschollen im Bermuda-Dreieck (1977)
48. The Swarm/Der tödliche Schwarm (1978)
49. The Fifth Musketeer (1978)
50. Murder Is Easy/Mörderische Leidenschaft (1982) (TV)
51. The Royal Romance of Charles and Diana/Die Romanze von Charles und Diana (1982) (TV)
52. The Woman He Loved/König ihres Herzens (1988) (TV)

TV-Serie
1. ABC Stage 67 (1 Folge, 1968)
2. The Danny Thomas Hour (1 Folge, 1968)
3. Roots - Die nächsten Generationen (als Mrs. Warner, 2 Folge, 1979) Mini-Serie
4. Love Boat (1 Folge, 1981)
5. North and South, Book II/Fackeln im Sturm II (Mrs. Neal, 2 Folge, 1986) Mini-Serie
6. Anastasia (als Dowager Empress Maria, 2 Folge, 1986) Mini-Serie

Broadway-Stücke
1951: Romeo and Juliet
1952: Candida
1962: A Gift of Time

© by Ingo Löchel

 (1) Joan Fontaine

 

 

 

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