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Konny über ... die Suche nach dem Mainstream - Junge Autoren und die Verlagssuche

Konny über ......  die Suche nach dem Mainstream
Junge Autoren und die Verlagssuche

In den Kinos wird uns Tolkien wieder einmal nahe gebracht, indem man seine Geschichten um Mittelerde hübsch lang wie einen Kaugummi zieht, um wieder einen Dreiteiler zu kreieren. Wobei jeder Film auch noch mit Überlänge gestraft wird. Das schreit geradezu nach noch mehr Orks und Co. zwischen den Buchumschlägen. Und auch die schon totgesagten Romantik-Vampire schleichen immer noch irgendwie ruhelos auf den Buchtischen umher.


Dabei ist im Bereich der phantastischen Literatur doch schon längst ein gewisser kleiner „Mainstream“ vorhanden. So gibt es schon seit längerem in Genre bezogenen Kleinverlagen keine Nische, wo nicht mindestens ein Zombie-Roman zu finden ist. Und auch der größere Heyne Verlag (Verlagsgruppe Random House) zog sich die gesammelten Zombie-Werke von Brian Keene an Land, verschmäht aber seine wirklich guten Romane nachträglich, in denen eben keine Zombies vorkommen. Nun könnte man sagen, Keene's Roman DIE VERSCHOLLENEN hat aber auch nichts mit Zombies zu tun. Das stimmt schon, doch menschenfressende Monster sind schon mal nahe am Zombie-Thema dran. Ein wesentlicher Grund dürfte aber auch darin zu suchen sein, dass der Heyne Verlag Bücher von Richard Laymon im Programm hat. Denn Keene's DIE VERSCHOLLENEN basiert auf einer Kurzstory zum Gedenken eben an Richard Laymon und die Inselmonster wiederum basieren auf der Idee von Laymon's BEAST HOUSE CHRONICLES und so dürfte man wohl gerade auch die Fans eben von Laymon hier mit im Auge gehabt haben.

Gut, wenn Heyne unbedingt auf einer Welle schwimmen will, die auch in diversen Filmen und Serien gerade zu Tode geritten wird, dann ist dies ihr Bier. Für die Kenner jedenfalls hält nun der FESTA Verlag die weiteren lesenswerten Romane von Brian Keene bereit, in denen unsere modernden Grabschleicher eben nicht mit den Füßen den Staub verteilen.

Was ist also so positiv am Mainstream? Bleiben wir mal bei den Zombies in all ihren Ausschmückungen. Der Fan der Zombies wird geradezu überhäuft mit seinen Lieblingsmonstern in den verschiedensten Formen. Da gibt es bereits den Love-Zombie wohl schon im Film wie auch im Buch. Doch in der Mehrzahl bleibt der Zombie eine geistlose Fressmaschine, denn er eignet sich nicht so wirklich dazu, zum Schmusemonster zu mutieren wie der Vampir. Welcher weibliche Teenager möchte schon neben einem Jungen liegen, der im Bett einen betörenden Duft der Verwesung verströmt, oder dem beim angedeuteten Sex schon der Penis samt Kronjuwelen abfällt, weil sie schon beträchtlich vor sich hin faulten? Zumindest ist THE WALKING DEAD nicht nur im Medium Comic/Fernsehserie in aller Munde.

Der gestandene Autor, der schon seit langem im Geschäft der schreibenden Zunft agiert, hält es da auch liebend gerne mit dem althergebrachten Zombie, der durch einen Virus oder per Voodoo die Kauleiste wetzt, wenn er auf kreischende Frauen trifft. Innovation hat da eher Seltenheitswert (aber Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel). Und dass Zombies nicht nur schleichen, sondern eventuell auch olympische Qualitäten beim Laufen entwickeln können, das hat uns ja bereits die Neuverfilmung von DAWN OF THE DEAD bewiesen. Und da z.B. Brian Keene keinen weiteren Zombie-Roman bei Heyne beisteuern kann, holt Heyne sogleich den nächsten Autor für die toten menschlichen Überreste auf zwei Beinen hervor.

Im Gegensatz zum Zombie hatte der Werwolf ja ein kleines Problem. Das Monster, das vorwiegend nach „nassem Köter“ stinkt, konnte den Vampir nicht wirklich beerben, denn dafür wurde der Werwolf bereits in diversen Romanen und Filmen zum Vampire-Hype mit rundgeschliffen. Der Zombie hingegen hatte da leichteres Spiel. Doch kommt auch er nicht wirklich in schwindelerregende Höhen, um z.B. beim Buch das Prädikat Bestseller beanspruchen zu können. Das liegt leider daran, dass der Zombie nicht viel hergibt. Schon versucht man es daher mit Zombies, die durchaus ein Bewusstsein aufweisen und es dürfte nicht lange dauern, bis wir die ersten Zombies finden werden, die ihren Hochschulabschluss nachmachen wollen, um die Karriereleiter auf den Friedhöfen erklimmen zu können. Doch was hat denn nun die Masse der Leser von einem literarischen „Mainstream“?

Antwort: Er bekommt im Buch, aber auch Film, Comic und Co. den genremäßigen Tunnelblick verpasst. Verlage tun da gerne mal so, als gäbe es Links und Rechts nichts anderes im Genre des Schreckens mehr und manche Autoren laufen dem Tunnelblick geradezu hinterher. Da gibt es dann auch die sogenannten Rebellen und Jungautoren, die über das Medium eBook oder eventuell auch in der Form der guten alten Print-Ausgabe über z.B. Amazon ihre Zombies auf die Leserschaft loslassen. Bei manchen ist man durchaus positiv überrascht, was sie aus dem ausgelutschten Thema „Zombies“ noch heraus holen können. Doch viele andere quälen da ihre Leserschaft mit Werken, die man sich bei genauer Betrachtung auch hätte sparen können. Und der eine oder andere versucht sein literarisches „Goldstück“ dann vielleicht auch an einen Verlag zu bringen.

Also wird jeder Verlag angelaufen, der auch nur halbwegs im passenden Genre aktiv ist. Da macht man sich dann auch nicht gerade sehr schlau und wendet sich z.B. an den FESTA Verlag und muss spätestens dann erkennen, dass dieser Verlag eigentlich keine deutschen Autoren verlegt. Bei sowas können dann unter den jungen Autoren in Facebook schon mal die Wellen etwas höher schlagen, schließlich hat man ja vielleicht sogar den nächsten weltweiten Bestseller verfasst.

Nun, liebe Jungautoren, manche Verlage spezialisieren sich und Kunden eines solchen Verlages suchen dann dort auch keine jungen bzw. angehenden Autoren aus Deutschland. Und auch der gestandene deutsche Autor ist dort vom Kunden nicht wirklich gefragt. Da hilft dann auch kein Motzen und keine Häme, denn wenn man im Vorfeld mal die Augen etwas aufgemacht hätte, dann wäre diese Spezialisierung eigentlich ins Auge gefallen. Man schadet auch nicht dem Verlag, wenn man als aufstrebender Schriftsteller über einen Verlag via Facebook und Co. herzieht, weil dieser sich bewusst spezialisiert hat, sondern eben nur sich selbst. Hier mein kleiner Tipp an besagte junge Autoren: Ein Verlag (auch wenn er sich intensiv um das phantastische Genre bemüht) sucht seine Autoren selber aus und nicht umgekehrt. Das mag vielen nicht schmecken (weil man ja von seinem Werk überzeugt ist), es ist aber eine Tatsache und ein Verleger, der wegen seiner Spezialisierung gerade einen guten Kundenstamm sein eigen nennt, wäre schlecht beraten, sich dem Druck der Straße zu beugen. Es gibt da mittlerweile genug Verlage, die sich auch deutscher Jungautoren annehmen, die in deren Programm hinein passen und gute Storys abliefern und die wohl eher als erste Adresse fungieren.

Das soll nun nicht heißen, das junge Autoren und Autorinnen nun alle weit weg vom Prinzip „guter Roman“ schreiben. Ich würde auch nicht jedem raten wollen, sich in einen Schreibkurs, ausgerichtet von anderen Autoren, hinein zu quälen. Meist kommt man dann nämlich nicht über den anderen Tellerrand des Heftroman-Niveau hinaus (Wortgewalt hat eben noch nichts mit gehobenerer Klasse zu tun, auch wenn dieses sich nicht ausschließen muss). Ich selbst habe hier ja schon einige Rezensionen von jungen Autoren und Autorinnen gemacht, deren Romane und Novellen bzw. Kurzstorys mich manchmal mehr als nur positiv überrascht haben. Denen würde ein solcher Schreibkurs schlicht nichts bringen, weil sie bereits über einem Heftroman-Niveau schreiben. Aufgrund der Masse, die sich aber (auch was Print-Ausgaben angeht) z.B. bei Amazon oder Books on Demand usw. tummelt, sind diese herausragenden AutorInnen wiederum eine Minderheit in der Masse. Eine Minderheit, die es aber durchaus verdient, dass Verlage sich deren Werke mal genauer betrachten. Vielleicht ist da ja der nächste Bestseller zu finden – wer weiß.

Mein bescheidener Tipp eben an diese jungen und rebellischen (im positiven Sinne gemeint) AutorInnen besteht darin: Finger weg vom Zombie-Thema. Eher fallen Säcke voll Reis auf vorgekochte chinesische Hunde, als dass man mit dieser Spezies der phantastischen Literatur zur Zeit noch einen vergoldeten Gummibaum auf dem Buchmarkt gewinnt.

Man merke sich hierzu: Wenn ein Autor oder eine Autorin einen Mainstream mit ihrem Werk auslöst, wird dieser bzw. diese auch meist der eigentliche Gewinner bleiben. Alles was dem auf dem Fuß folgt, lebt von dem, was links und rechts abfällt, und diese Brotkrumen werden mit der Zeit immer weniger werden.

Ein kleiner weiterer Hinweis an die junge Autoren-Generation: So quartalsweise kommt man schon mal auf Facebook ins Gespräch. Da wird dann das Interesse meinerseits geweckt oder man versucht es zu wecken. Es kommt dann auch schon mal vor, das ich dem betreffenden Autor privat sage (nachdem ich mich in der besagten Print-Ausgabe eingelesen habe, denn reine eBooks haben bei mir null Chancen), dass ich von einer Rezension Abstand nehme. Auf Nachfrage sage ich dann auch gerne warum. Hier eine Bitte, falls sowas einmal vorkommt: Diese Aussage ist nicht böse gemeint, sondern sogar recht nett, denn ich habe nichts davon, einen jungen Autor per Rezension in der Luft zu zerreißen, und selbiges müsste ich dann ehrlicher Weise tun, wenn ich mich eines Werkes annehme, das mir aufgrund Inhalt, Aufbau und Schreibweise sowie fehlender Spannung eigentlich Lebenszeit geraubt hat. Mein Hinweis hierzu: Unmengen von Blut, Ekelszenen, Sex und fliegender Hirnmasse machen eben noch keine wirklich gute Geschichte aus. Das Gesamtpaket muss einfach stimmen.

Zum Abschluss meines Artikels wünsche ich somit, weil ich grundsätzlich ein netter Kerl bin, jedem angehenden Autor einen Verlag, der seine literarischen Kinder zu schätzen weiß und jedem Leser, der nach dem nächsten Mainstream schielt, gebe ich mal den gutgemeinten Rat mit auf den Weg: Lasst es, freut euch lieber über jeden Zipfel Vielfalt, der sich euch bietet. In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal ...

 

Kommentare  

#16 Kerstin 2013-05-15 10:13
Soweit völlig richtg. Aber auch kleinere und mittlere Verlage versuchen zuweilen, auf einen fahrenden Zug aufzuspringen, und dann suchen sie gezielt nach billigen Mainstream-Texten.

Habe ich schon erlebt, mich aber geweigert, so einen Mist zu schreiben, zumal da ein total enges Korsett an Vorgaben war, damit die Geschichte bloß nicht zu weit vom "Original" abweichen konnte.

Das Ergebnis wäre dann so innovativ wie ein Bergroman geworden. Danke, verzichte!
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#17 Laurin 2013-05-16 21:32
Das will ich nicht abstreiten, Kerstin, es gibt ja z.B. kleinere Verlage, die sich quasi schon darauf spezialisiert haben, Vampire, Werwölfe und Dämonen mit einer Liebesgeschichte zu verwursten...komme was da wolle. :P
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#18 Kerstin 2013-05-17 08:42
Solche Themen werden ausgelutscht, bis wirklich nichts mehr zu holen ist. Eine Chance für einen kreativen Jungautor können die nicht darstellen, höchstens einen Auftrag für einen Lohnschreiber.

Wenn nun aber mal einer eine Idee hätte, die zwar mit Vampiren, Werwölfen oder Dämonen zu tun hat, aber in einer etwas anderen Weise, der kriegt die nirgends mehr unter, weil sie vom Einheitsbrei abweicht und die Gewohnheitstäter unter den Lesern irritieren könnte.
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#19 Laurin 2013-05-17 13:21
So siehts hier aus, Kerstin. :sigh:
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